Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Auf den Weg zum echten Staatsabsolutismus

«Das, was uns heute als der höchste Ausdruck staatlicher Autorität erscheint, die Entscheidung über das Tun und das Lassen, die Unterscheidung zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen, ist der politischen Gewalt erst in einem außerordentlich späten Stadium ihrer Entwicklung zugefallen.

Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung. Eine Staatsgewalt, die das Gute und das Gerechte zu definieren vermag, ist auf ganz andere Art absolut, unabhängig von ihrer Verfassung, als eine Gewalt, der das Gute und das Gerechte von übernatürlichen Mächten definiert wird. Eine Staatsgewalt, die menschliches Verhalten entsprechend den selbst entwickelten Kriterien für gesellschaftlichen Nutzen regelt, wird auf ganz andere Art absolut als eine Staatsgewalt, die über Menschen herrscht, deren Verhalten von einer Gottheit vorgeschrieben ist. Hier wird spürbar, daß der entscheidende Schritt einer Gesellschaft auf dem Wege zum echten Staatsabsolutismus in der Verneinung einer göttlichen und in der Errichtung einer menschlichen Gesetzgebung besteht.»

(Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 239 / Hervorhebungen durch Unterstrich sind von mir)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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