Buchauszug: Johann Ludwig Burckhardt – Über das Rauchen und die Privatsphäre im 1. Wahhabitenreich

„Öffentlich Tabak zu rauchen , ist verboten , aber es ist eine bekannte Sache, daß alle Bewohner von Nebschid in ihren Häusern diese Gewohnheit fortsetzen, ja selbst die Wahaby des Nachts in ihren Lagern. Bei der Einnahme von Mekka gab Saud den Befehl, daß alle Einwohner der Stadt ihre Persischen Pfeifen (von den Arabern schische genannt) auf einen grünen Platz vor dem Hause bringen sollten, in welchem er wohnte. Nachdem daraus ein großer Haufen gebildet worden war, zündete er denselben nebst allem Tabak an, den er in den Kaufläden finden konnte. Einige Zeit nachher meldete ihm einer aus seinem Gefolge , daß die Bewohner von Mekka seine Befehle nicht achteten und noch immer rauchten. „Wo hast du sie rauchen sehen?“ fragte Saud. „In ihren eignen Häusern,“ antwortete der Ankläger. „Weißt du nicht, erwiderte Saud, daß da geschrieben steht: Du sollst nicht ausspionieren die Geheimnisse der Häuser des Gläubigen.“ Nachdem er diesen Spruch des Koran angeführt hatte, ließ er den Angeber durchprügeln, und von dem Rauchen in den Privatwohnungen wurde fernerhin keine Notiz genommen.“

(Johann Ludwig Burckhardt, Bemerkungen über die Beduinen und Wahaby, 1831)

 

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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