Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Ein Araber, der sich von seinem Glauben „frei“ macht

„Jede semitische „Volkheit“ (im Sinne Herders und Goethes) wurzelt ihrem Wesen nach in einem Bewußtsein der Gottesverbundenheit. Sie beruft sich auf diese in ihrem geschichtlichen Denken, das ein Sendungsbewußtsein voraussetzt, und gibt sich selber auf, wenn sie dieses Bewußtsein verliert. So auch die Araber. Jeder Stoß von außen, der das arabische Volk als solches trifft, berührt notwendig dieses Sendungsbewußtsein. Je weniger dieses im einzelnen Falle berührt wird und je mehr das arabische Nationalgefühl sich dem Bilde anderer Nationalismen angleicht und so wie dieses Handelt, desto schwächer ist seine überzeugende Kraft; was allerdings keineswegs ausschließt, daß es sich desto heftiger gebärdet.

Beispiele bilden jene Intellektuellen, z.B. ägyptische Studenten in Europa, wie sie jedem begegnen können: Leute, die sich rühmen, vom Islam „frei“ zu sein. Es sind Nationalisten, die vor lauter Nationalismus ihr Arabischsein, die ‚urube, gegen das Westlichsein vertauschen möchten, wenn sie es nur könnten. Wie sehr sie Schule machen […]. Sie geben im Gedanken das preis, wofür sie zu kämpfen glauben: spotten ihrer selbst und wissen nicht, wie. Es ist eine recht eigentümliche arabische Form des Nationalismus, zu dessen Wesen es gehört, daß er die Nation im Kernpunkt ihres Seins verleugnet und somit verrät. Auch andere Völker Asiens und Afrikas sind westsüchtig geworden, doch das geht nicht tief, denn sie sind ja nicht Träger einer geschichtlichen Sendung. Ein Araber, der sich von seinem Glauben „frei“ macht, ist keiner mehr und ist auch nicht etwas anderes: er ist, mag er persönlich ein guter Kerl sein, geschichtlich ein Nichts.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams,©1963, Seite 53-54)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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