Yasmin Mogahed über die Modernisierung des Islams

„Am 18.März 2004 veröffentlichte die einflussreiche US-Denkfabrik RAND einen Bericht, der dabei helfen sollte, den Islam zu ‚zivilisieren‘, indem er ausgelöscht und dem Bild des westlichen Säkularismus entsprechend umgearbeitet wird. In dem Bericht Civil Democratic Islam: Partners, Resources, Strategies schreibt Cheryl Bernard: ‚Die Moderne, nicht der Traditionalismus, ist das, was für den Westen funktioniert hat. Dies beinhaltete die Notwendigkeit, von Elementen der ursprünglichen religiösen Doktrin abzuweichen, sie zu modifizieren und teilweise zu ignorieren.‘

Um von Elementen des Islams ‚abzuweichen, sie zu modifizieren und teilweise zu ignorieren‘ schlägt Bernard eine simple Strategie vor: etikettieren, teilen, kontrollieren. Nachdem alle muslimischen Gruppen etikettiert wurden, schlägt sie vor, die verschiedenen Gruppen gegeneinander auszuspielen. Unter anderen Strategien schlägt Bernard vor, ‚Meinungsverschiedenheiten zwischen Traditionalisten und Fundamentalisten zu fördern‘ und Allianzen zwischen Traditionalisten und Fundamentalisten zu verhindern.‘
Durch die erfolgreiche Spaltung und die Unterstützung der ‚modernen‘/‘fortschrittlichen‘ Muslime hofft Bernard, einen ‚zivil-demokratischen‘ Islam zu erfinden, der weniger rückschrittlich und problematisch ist. Tatsächlich hofft sie, einen Islam zu erschaffen, der sich der Vorherrschaft der neokonservativen Agenda ergibt.“

-Yasmin Mogahed, Fordere dein Herz zurück!, S.247f.-

Anmerkung: Einer der bekanntesten Mitarbeiter in der Rand Coperation ist der neokonservative Francis Fukuyama (Hegelianer, steht unter der Beeinflussung von Samuel Huntingtons Theorien), einer der einflussreichsten Denker des Westens im 20./21.Jahrhundert. Fukuyamas Weltbild ist geprägt von einem Progressivismus/linearen Geschichtsverständnisses. Das westliche Lebensmodell sei den anderen Entwürfen unweigerlich überlegen und der Rest der Welt müsse demnach zivilisiert/demokratisiert werden. „The west and the rest“.

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Über Nando-Dragan Nuruddin Augener

Nuruddin, Jahrgang 1989, machte 2010 sein Abitur und lebt in Hamburg. Studium der Erziehungswissenschaft und der Soziologie an der Universität Hamburg (2011-2014). Muslim seit September 2016. Kontakt: nd.augener@web.de

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