Kurz gesagt: Auf neuen Wegen

Seit ich denken kann, quält mich der Mangel eines klaren, zusammenfügenden Ziels, auf das unsere Zivilisation zustreben kann. Es gehört zum Wesen dieser Zeit, ein solches zu leugnen. Das Unbehagen war zunächst natürlich abstrakt und wurde dann, durch den Genuss in diesem Sinne hilfreicher Lektüre, sehr konkret. Christian Kracht stellt in seinem »Faserland« die erdrückende Belanglosigkeit des menschlichen Lebens im atomistischen Individualismus sehr plastisch dar und auch in Michel Houellebecqs »Unterwerfung« finden sich viele Bezugspunkte.

Meine persönliche Flucht vor dieser Ziellosigkeit war der Eintritt in den Islam. Gleichzeitig las ich Klassiker der »Konservativen Revolution« und deren zeitgenössische Schüler. Dies bedeutete auch, dass ich es mir lange Zeit nicht vorenthielt, einzelnen Diskursen innerhalb der »Neuen Rechten« Aufmerksamkeit zu schenken.

Doch jetzt haben selbst Intellektuelle Vertreter dieser die Gelegenheit genutzt, ihren moralischen Bankrott offenzulegen, indem sie meinten, antimuslimische Mordorgien wären in erster Linie Auswirkung muslimischer Einwanderung und nicht etwa eines konkret existierenden Vernichtungswillen von Teilen(!) ihrer eigenen Strömung. Es ist wohl anzunehmen, dass die letzten geistigen Verbindungen meinerseits in jene Gefilde nun auch zerrissen sind.

Gleichzeitig entdecke ich jetzt ganz Anderes. Seit einigen Tagen verschlinge ich Beiträge aus den tiefsten Weiten des linken und insbesondere linksemanzipatorischen Milieus, ich genieße Stellungnahmen und Ausführungen jener, bei deren bloßer Gegenwart ich vor kurzer Zeit noch reflexartig zum Weihwasser gegriffen hätte. Man hat sich zu wundern, über die Auswirkungen der Erschütterungen des Geschehens auf die eigene Verfasstheit.

[Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:G%C3%B6rzke_Pflaster_in_der_Breite_Stra%C3%9Fe.jpg]

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Maximilian Suleiman Massauer

Über Maximilian Suleiman Massauer

Vom Niederrhein stammend und 2009 zum Islam übergetreten. Gegenwärtig Studierend. Mein Interesse gilt insbesondere geschichtlichen, philosophischen und religiösen Themen und der diesbezüglichen Literatur. Besonders anziehend auf mich wirkt die Kunst der Aphoristik, in der ich mich gelegentlich selbst übe.

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