Mein Weg zum Islam – Teil 2

Meine Jugend war geprägt von der Suche nach der Sinnhaftigkeit in diesem Dasein. Als immer schon nachdenklicher Junge ging es mir einfach nicht in den Kopf, dass neben Job und Familie, nichts Weiteres eine höhere Wertigkeit besitzt. Zum Glück ist meine Familie spirituell geprägt, wobei jedoch kein gezieltes und grundiertes Bekenntnis gepflegt wurde. So hatte ich zumindest innerhalb meiner kleinen Familie Personen mit denen ich mich austauschen konnte.

Nach dem Umzug in ein anderes Stadtviertel ging ich auf eine multikulturelle Haupt-und Realschule und lernte einige Muslime kennen, wobei ich mit einem türkischen Freund aus der damaligen Zeit, später besuchten wir auch gemeinsam das gleiche Gymnasium, auch heute noch in Kontakt stehe. Er war es auch, der mir eines Tages einen kleinen Zettel mit einer Notiz in die Hand drückte. Dort stand geschrieben: 100%iger Beweis, dass der Koran das Wort Gottes ist.

„Schau Dir unbedingt diesen Vortrag an!“, sagte er noch. So saß ich irgendwann im Jahre 2007 nach Beendigung meiner Hausaufgaben vor dem Rechner und guckte mir den Vortrag von einem gewissen Pierre Vogel an. Man war ich beeindruckt! Es blieb natürlich nicht nur bei einem Vortrag und so landete ich auf der Seite „Die wahre Religion“. Damals war es noch nicht die Zeit in der inflationär der Begriff Salafismus verwendet wurde und vor solcherlei Gruppierungen eindringlich gewarnt wird. Seinerzeit konnte ein Ibrahim Abou Nagie in TV-Berichten über den Islam ungeniert reden und war noch keine geächtete Person. Ein ziemlich schlichtes und simples Video von ihm rührte mich besonders:

Der Satz: „Dein Schöpfer, Allah, hat schon vorherbestimmt das du diese Aufnahme siehst.“ ließ mich Gottes Gegenwart spüren. Dieses durch viele Vorträge erzeugte Wissen entlud sich eines Schultages im Religionsunterricht. Ich sollte nämlich einen Vortrag über den Islam halten und war auch sehr begeistert an die Sache rangegangen. Der Klasse, unter den verdutzten Blicken des Lehrers, erzählte ich etwas von wissenschaftlichen Wundern im Koran. Später teilte ich nach dem Referat beschwingt meine Handouts aus, wo ich die Seite „Einladung zum Paradies“ empfahl. Doch die Verlockungen des westlichen Weltverständnisses zollten ihren Tribut. .-wahrscheinlich aber auch die Aussage eines Verwandten: „Wenn Du den Islam annimmst wirst Du ein kurzes Leben haben.“ Was konkret damit gemeint war, blieb im dunklen, aber ließ mich erahnen was für ein Gegenwind ich zu erwarten hätte.

So lebte ich trotz meiner Begeisterung für Literatur, Philosophie und dem Islam ein relativ typisches Jugendleben. Es kam die Zeit wo ich ziemlich stark mit atheistischen Ansichten sympathisierte und im Politikunterricht als „Kommunistenschwein“ verschrien war. Meine Begeisterungsfähigkeit kehrte sich nun zum historischen Materialismus um und ich hielt im Geschichtsunterricht glühende Reden über den Kommunismus. Dennoch kehrte ich immer wieder für einige Tage zum Islam zurück. Er ließ mich einfach-auch in den kommenden Jahren- nicht mehr los. Mein relativ unstetes Leben war gefüllt von ideologischen Perspektivwechseln: In der Schulzeit vom linken Gedankengut- so war ich für eine Woche Mitglied in der SPD (deren verbrämtes Gedankengut und Biedermeiertum mich schnell zurückrudern ließ)- bis hin zu eher nationalrevolutionären Vorstellungen zur meiner Studienzeit. All‘ diese Entwicklungen geschahen sprunghaft und voller Sehnsucht nach Wahrheit und dem richtigen Weg.

[Wie meine Reise zum Islam weitergeht lest ihr in dem 3.Teil, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.]

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Über Nando-Dragan Nuruddin Augener

Nuruddin, Jahrgang 1989, machte 2010 sein Abitur und lebt in Hamburg. Studium der Erziehungswissenschaft und der Soziologie an der Universität Hamburg (2011-2014). Nuruddin arbeitet als Content-Manager bei einem aufstrebenden Speaker und Mentalcoach. Muslim seit September 2016. Kontakt: nd.augener@web.de

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