Schlagwort-Archive: L. F. Clauß

Zitat: Ludwig Ferdinand Clauß – Ein Beamter mit einem selbständigen Gewissen ist so etwas wie ein rundes Viereck

«In den Staat gehören Leute, die nicht nur wissen, was gespielt wird, sondern demgemäß das Spiel auch rechtzeitig Mitmachen. Ein Beamter mit einem selbständigen Gewissen ist, von hier aus gesehen, so etwas wie ein rundes Viereck.»

– Ludwig Ferdinand Clauß (gest. 1974 / rahimahuAllah)

Zitat – Ludwig Ferdinand Clauß – Wer keinen Ruf hat, ein Eigenes zu sein, …

«Wer keinen Ruf hat, ein Eigenes zu sein, der mag so sein, wie irgendein anderer ist, oder so zu sein scheinen; denn ein bloßes Auchsein ist, geschichtlich gewertet, noch kein Sein. Er mag sich in diesem Auchsein wichtig fühlen – für den, dessen Auch er ist, bleibt er tödlich belanglos.»

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, © 1963, Seite 147)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Von Wüsten- und Waldgängern (Die Geborgenheit in der Preisgegebenheit)

Die Wege zur Rechtleitung sind bekanntermaßen recht unterschiedlich. Die einen hören erstmals einen Gebetsruf, andere lesen durch Zufall in einer Koranübersetzung, andere wiederum haben einen Traum oder kommen gar erst durch islamkritische oder -feindliche Betätigungen zur leitenden Einsicht.

Für den deutschen Psychologen, Philosophen und Anthropologen Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974) jedoch schien die Wüste eine prägnante Rolle gespielt zu haben, als er im Rahmen einer 1927 beginnenden Forschungsreise im Nahen Osten den Islam annahm. Welchen Eindruck die morgenländische Wüste in ihm auslöste und wie er das abendländische Gegenstück dazu, nämlich den Wald, betrachtete, das könnt ihr hier lesen:

„Die Bedeutung des Waldes für den Gottesmann, der ihn aufsucht, stimmt also in einem Punkte überein mit dem, was die Wüste für den Wüstengänger, den Eremiten, ist: der Ort, wohin er sich vom Umgang mit den Menschen zurückzieht, um Gott zu begegnen. Soweit stimmt die sprachliche Gleichung des abendländischen Dichters: Wüste wie Wald.

Und dennoch ist, sobald man nunmehr sprachlich ins einzelne geht, alles ganz anders. Der Wald ist dem Waldgänger eine schützende Hülle; wer sie verläßt, kehrt ins Ungeschützte zurück: «thó forlét he waldes hleo» [aus dem Heliand, Anm. d. Verf.]. Das Wort hleo ist dasselbe wie das Seemannswort für Windschutz: Lee. Man hüllt sich in Wald ein, man wickelt sich darein wie in eine bergende Decke.

Wer wird dergleichen je von der Wüste sagen wollen, sofern er die Wüste kennt? Gewiß, auch sie birgt, aber – ganz anders.

Der Wald hat Möglichkeiten, die einander widersprechen; er wird, wenn man entsprechend mit ihm umgeht, sogar gemütlich. Unsere Sprache erlaubt es, ihn klein und niedlich zu sehen, indem sie „Wäldchen“ sagt. Auch der kleine Mann kann sein Wäldchen beim Hause haben. – Und nun die Gegenprobe. Es widerspräche sich selbst und wirkte lächerlich, wollte man in irgendeinem entsprechenden Sinne von einem Wüstchen reden. Das Groß- und Weitsein, das Ins-Unbegrenzte-Greifen liegt schon im Begriffe der Wüste. Auch das Unverhüllte. Bergwüste sieht aus wie die Welt am Schöpfungstage, als es noch keinen hüllenden Bewuchs gab. Sie gewährt das Erlebnis der Preisgegebenheit, die durch nichts zu bannen ist als durch die unbedingte Hingabe.

Hier ist das vom Propheten Muhammad gestaltete Grunderlebnis des Islams: das Menschsein vor dem unsichtbaren Antlitz einer Macht, der gegenüber der Mensch das bare Nichts ist, ihr ohne jede Bedingung preisgegeben. Es gibt nur die eine Rettung, sich der Macht ohne jede Bedingung zu unterwerfen. Das Sein vor Gott wird in ein Sein zu Gott verwandelt: das preisgegebene Nichts birgt sich in jener Macht, die alles ist. Geborgenheit in der Preisgegebenheit.

Es ist das äußerste Gegenteil zu jener Haltung des modernen Menschen, die sich im Existenzialismus bewußt wird: der abendländische Mensch der Gegenwart erlebt sein Dasein als „ins Nichts gehalten“.

Das Wort Islam bedeutet genau die andere Haltung, wo das Nichts in die allesseiende Macht gehalten und in ihr entnichtet wird. Das ist „Weisheit der Wüste“.

Ich sehe keine ihr entsprechende Weisheit des Waldes, die das Abendland entwickelt hätte. (Indische Weisheit hat mit dem Walde zu tun, doch der indische Wald und der indische Mensch sind anders.)

Ein Denker des Abendlandes, Ernst Jünger, hat für unsere Zeit die Möglichkeit einer Seinsform aufgewiesen, die er den Waldgänger nennt (Ernst Jünger, Der Waldgang, Frankfurt a. M. 1950), er stellt sich neben den Arbeiter und den unbekannten Soldaten. Sie entsteht durch Ablehnung einer Gewaltherrschaft und Wahrung der Freiheit in einer unfreien Welt. Der Wald, um den es da geht, ist nicht sichtbar und greifbar wie eine wirkliche Landschaft, sondern etwas Gedachtes: eine Abstraktion.

Wie wäre es anders möglich in einer Welt, wo der Wald ein Forst ist, in dem sich niemand verliert, oder gar ein Park: kein sinweldi wie der Wald des Helianddichters. Im Forst kann sich niemand bergen. Jener Waldgang, von dem Ernst Jünger sagt, daß darin der Mensch sich selbst begegne „in seiner unaufgeteilten und unzerstörbaren Substanz“, vollzieht sich in einer Welt, die niemals Wüste hatte und auch den Wald verlor. Kürzer gesagt: es ist ein Waldgang ohne Wald.

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, © 1963, Seite 124-125)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Das moderne westliche Staatsmodell und seine Einführung im ehemals freien Morgenland

Das moderne westliche Staatsmodell, mit seiner offensiven Besteuerungs- und Bevormundungsbürokratie, hat es bei seiner schrittweisen Einführung im freien und islamisch geprägten Morgenland nicht leicht gehabt. Erst versuchten sich (vergeblich) die Osmanen, die mit Beginn ihrer Tanzimat-Periode Teile des westlichen Staatssystems übernahmen und auch anwenden wollten. Dann kamen die europäischen Kolonialmächte in den Nahen und Mittleren Osten, jedoch ebenfalls nicht erfolgreich. Letztendlich war es erst die harte Knute der arabischen Despoten, die es – im Windschatten des Kalten Krieges und mit den abendländischen Ideologien des Nationalismus und Sozialismus im Handgepäck – vollbrachte, den westlichen Überstaat in seiner vollen Machtentfaltung in den arabischen Stammesgebieten zu etablieren.

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Ludwig Ferdinand Clauss – Das großartige Gleichnis auf Tadmur (Palmyra)

von Yahya ibn Rainer

Es gibt Bücher, die hat man einmal gelesen und man weiß was drinsteht. Und dann gibt es Bücher, die liest man einmal und kann sie trotzdem wieder und wieder lesen und entdeckt jedes Mal eine neue Inspiration. Einige dieser Bücher sind bekannt, ja geradezu berühmt, und erfreuen sich einer großen Fangemeinde, andere wiederum – und das ist von meiner Warte aus besonders reizvoll – sind vollkommen unbekannt und verstauben in den Antiquariaten.

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Über Staat, Wissenschaft, Beamte und Ideologien (1958)

Der Autor des folgenden Textes war kein Liberaler, Libertärer oder Anarchist, sondern ein erzkonservativer Deutscher (und Muslim), der während des Nationalsozialismus als beamteter Hochschulprofessor tätig war, dann jedoch durch seinen Ungehorsam und seine kritische Haltung beim Regime in Ungnade fiel. Seine aus Selbsterfahrung resultierende Meinung zu  „Staat und Beamtentum“ ist also äußerst beachtenswert.

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Die Vergötterung des Eigenen

„Die Vergötterung des Eigenen, wie sie in jüngstvergangener Zeit sogar zur Staatsdoktrin erhoben worden ist, hat eine Vorgeschichte, die bis zum Beginn der Neuzeit im Entdeckungsalter zurückreicht. Als der Mensch des Abendlandes (wohlgemerkt: nur dieser und nicht der Mensch überhaupt) aufzuhören begann, sich mikrokosmisch zu fühlen und nun aus der Mitte dessen, was ihm als „die Welt“ bewußt war, ausgreifend abtrat, fing Gott, um mit Nietzsche zu reden, zu „sterben“ an; anders gesagt: die Gotteserfahrung trat in eine fiebernde Krise, die als Befreiung galt und doch nichts anderes war, als ein „Menschlichwerden“ durch die Entfremdung von Gott.

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauss – Wie das Abendland über das Morgenland urteilt (1957)

„Man bringt seine eigenen „Kategorien“ mit, fertige Auffassungsformen, paßt das Andere in sie hinein und schreibt ihm vor, wie es zu sein hat. Man erteilt Zensuren nach jenen Werteordnungen, die jeweils zu Hause gelten (nämlich zu Hause bei uns) und kommt zu Ergebnissen, die – ob in Zahlen oder nicht – immer das eine besagen, daß jene komischen Leute dumm genug sind, anders als wir zu sein, und daß es eigentlich Zeit wird, ihnen beizubringen, wie sie eigentlich sein müßten.

Ob es hierzu einer Wissenschaft bedarf? Machte das nicht Karl May viel hübscher? Er blieb in der Villa Shatterhand zu Hause in Radebeul, bekämpfte dort Sklavenhändler, befreite Unglückliche und wußte über das Morgenland alles viel besser, als es die Leute dortselbst jemals gewußt haben. So seltsam es klingt, es besteht ein Zusammenhang der Art- und Zeitbedingtheit zwischen den Völkerbildern, auch Völkerseelenbildern, die einem Karl May vorschwebten, und der Völkerpsychologie vom soeben beschrieben Typus. Und das ist kein Zufall, denn beides ist vollendetes Abendland: gegenüber sein, zum Gegenstande machen und diesen „bearbeiten“ mit dem Werkzeug, das man hat: den mitgebrachten eigenen Auffassungsformen.

Gemacht und gehärtet sind diese im Feuer vermeintlicher Überlegenheit, die darin liegt, daß man sich stärker „durchzivilisiert“ fühlt im Sinne der Mechanei eines industriellen Zeitalters. Das Organ für echte Kultur, die den Menschen für voll nimmt (nicht als „Arbeitskraft“), das zu Goethes Zeit noch lebte, ist abgestorben: der Mensch des Abendlandes, auch wenn er zu forschen vermeint, sieht Gegenstände, er macht den Menschen zur Sache, die weder selten noch sonderlich kostbar sei (Jules Monnerot) und die nicht anders „interessiert“ als unter dem Gesichtspunkt, wie sie sich einem Gesamtplan der Weltnutzung jeweils am passendsten einfüge. Um den Menschen so zu sehen und dafür zu erforschen, hierzu bedarf es freilich einer Psychologie, die anders verfährt als jene, die ein Goethe noch suchte.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Seele des Andern – Wege zum Verstehen im Abend- und Morgenlande, Seite 45)

Zitat: Ludwig Ferdiand Clauß – Das ist Islam (1963)

„Bereitschaft, dankbar zu nehmen, was Gott dem Menschen zuwirft, sei es Erhebendes oder Zermalmendes, Unterwerfung vor Gott schafft Freiheit in der Welt und die Geborgenheit im Bollwerk. Gelassenheit in der Welt und die Bereitschaft, jeden Augenblick in heiliger Flamme zu glühen, sobald Gott ruft: das ist Islam. Er verbindet die äußerste Gelassenheit des Geborgenen mit der ständig möglichen Glut des Glaubensritters, der in den Heiligen Krieg zieht.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, 1963)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Ohne sich selber feiernde Humanität

„Nehmen wir an, ein […] schlimmeres Wetter verschlug […] (einen) Professor oder einen wie er an einen anderen Ort, der entlegener ist. Er fliege nach Indien zu einer Gelehrtenversammlung und müsse auf dem Wege notlanden in der arabischen Wüste. Landschaftlicher Fremdraum, keine Häuser: Zelte – schwarze Nomadenzelte. Beduinen, die eine arabische Mundart sprechen. […] Man geht hinein, um sich gegen die Sonne zu schützen. Drinnen sind Menschen – „wie wir“, pflegt man heute wohlwollend zu sagen. Aber was heißt das: wie wir? Sie sind ganz anders: sie bereiten ein herrliches Mahl für die Flugzeugbrüchigen und nehmen sie höflich und freudig als ihre Gäste auf. Das ist Morgenland, das ist Menschheit in ihrer Frühe. Das ist Menschlichkeit ohne Programm der Nächstenliebe und ohne sich selber feiernde Humanität. Das ist alles selbstverständlich und aus erster Hand – ganz anders als im Abendlande.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Seele des andern – Wege zum verstehen im Abend- und Morgenlande, ©1958, Seite 13-14)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Von Abendland, Nationalismus und Spenglers Fellachen

„Der Bereich der Mechanei wird noch heute aus Gewohnheit „das Abendland“ genannt, obschon der Sinn dieses Wortes gerade am Geiste der Mechanei erlosch. Abendland ist seinem Begriffe nach als Gegensatz zum Morgenlande gedacht: oriens – occidens ist ein Begriffspaar, dessen Glieder nicht voneinander lösbar sind. Der Sichtpunkt, von dem aus sie gesetzt sind, ist Rom: erst das antike, dann aber das christliche Rom, das sich selbst als den Mittelpunkt der Christenheit sieht. Durch den Einbruch des Islams in den Mittelmeerbereich und die Aufspaltung der Mittelmeerwelt in Ost und West war Rom gezwungen, Anlehnung nach Norden, nämlich an das damalige Frankenreich zu gewinnen, eine Entwicklung, die zu einem Gemeinschaftsbewußtsein des „christlichen Abendlandes“ geführt hat, dessen Christlichkeit von diesem Begriffe nicht abzutrennen ist. Das Abendland setzt sich darin bewußt vom Morgenlande ab, dessen Inbegriff erst Byzanz und – seit der Kreuzzugspropaganda – mehr und mehr die Welt des Islams war.

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Zitat: Ludwig Ferdinand Clauß – … dann sägt er den Ast ab, auf den ihn Gott selber gesetzt hat

„Der Geist der Mechanei lacht über die Möglichkeit eines Gottesstaates, in dem Gott selber herrscht und der Mensch sich als Gottes Volk weiß. Zwar liegt dieser Plan auch im Judentume beschlossen, und über dieses lacht niemand. Nur eben: wer weiß das? Das Judentum spricht heute nicht mehr davon. Was aber wird der Islam tun? Wenn er den Willen zum Gottesstaat, der in ihm liegt, verleugnet, um so westlich wie der Westen zu sein, dann sägt er den Ast ab, auf den ihn – nach seinem eigenen Entwurfe – Gott selber gesetzt hat.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, © 1963, Seite 94)

Der Wunsch der Araber an einen deutschen Forscher

Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974), war Psychologe, Philosoph, Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie ein leidenschaftlicher Völkerkundler. Seine spezielle Forschungsmethode, nämlich „das Mitleben“, das er als „den Weg zum Andern“ verstand, war wohl ausschlaggebend für seine frühe Zuneigung für die Araber und den Islam. So schreibt er in seinem 1963 erschienen Buch „Die Weltstunde des Islams“ auf Seite 62:

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Ein Araber, der sich von seinem Glauben „frei“ macht

„Jede semitische „Volkheit“ (im Sinne Herders und Goethes) wurzelt ihrem Wesen nach in einem Bewußtsein der Gottesverbundenheit. Sie beruft sich auf diese in ihrem geschichtlichen Denken, das ein Sendungsbewußtsein voraussetzt, und gibt sich selber auf, wenn sie dieses Bewußtsein verliert. So auch die Araber. Jeder Stoß von außen, der das arabische Volk als solches trifft, berührt notwendig dieses Sendungsbewußtsein. Je weniger dieses im einzelnen Falle berührt wird und je mehr das arabische Nationalgefühl sich dem Bilde anderer Nationalismen angleicht und so wie dieses Handelt, desto schwächer ist seine überzeugende Kraft; was allerdings keineswegs ausschließt, daß es sich desto heftiger gebärdet.

Beispiele bilden jene Intellektuellen, z.B. ägyptische Studenten in Europa, wie sie jedem begegnen können: Leute, die sich rühmen, vom Islam „frei“ zu sein. Es sind Nationalisten, die vor lauter Nationalismus ihr Arabischsein, die ‚urube, gegen das Westlichsein vertauschen möchten, wenn sie es nur könnten. Wie sehr sie Schule machen […]. Sie geben im Gedanken das preis, wofür sie zu kämpfen glauben: spotten ihrer selbst und wissen nicht, wie. Es ist eine recht eigentümliche arabische Form des Nationalismus, zu dessen Wesen es gehört, daß er die Nation im Kernpunkt ihres Seins verleugnet und somit verrät. Auch andere Völker Asiens und Afrikas sind westsüchtig geworden, doch das geht nicht tief, denn sie sind ja nicht Träger einer geschichtlichen Sendung. Ein Araber, der sich von seinem Glauben „frei“ macht, ist keiner mehr und ist auch nicht etwas anderes: er ist, mag er persönlich ein guter Kerl sein, geschichtlich ein Nichts.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams,©1963, Seite 53-54)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Die Arabische Nation

„Gegen unseren Ansatz, das arabische Geschichtsbewußtsein sehe den Beginn der arabischen Geschichte in der Entstehung des Islams, läßt sich natürlich einwenden, daß es Christen „arabischer Nation“ gibt, daß diese Nichtmuslime sich (heute) durchaus als Araber fühlen und von den Muslimen (unter Gesichtspunkten heutiger Politik) als Araber anerkannt werden. Wird der Begriff Nation im westlichen Sinne verstanden, so ist das richtig. Ein Teil dieser Christen stammt aus alten, geschichtsbewußten Familien, die auf vorislamische Zeit zurückschauen. Das gibt manchen von ihnen gegenüber den islamischen Nachbarn ein besonderes Bewußtsein von Überlegenheit, das sich gleichsam auf ein Erstgeburtsrecht des Christentums gegenüber dem Islam beruft.

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