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Buchauszug: Oswald Spengler – Die Seele der magischen Kultur fand im Islam ihren wahren Ausdruck

«Der Islam ist eine neue Religion fast nur in dem Sinne, wie das Luthertum eine solche war. In Wirklichkeit setzt er die großen Frühreligionen fort. Und ebensowenig ist seine Ausbreitung, wie immer noch geglaubt wird, eine Völkerwanderung, die von der arabischen Halbinsel ausgeht, sondern vielmehr ein Ansturm begeisterter Bekenner, der lawinengleich die Christen, Juden und Mazdaisten mit sich reißt und als fanatische Moslime alsbald an der Spitze führt.

Es waren Berber aus der Heimat Augustins, die Spanien eroberten, und Perser aus dem Irak, die zum Oxus vordrangen. Die Feinde von gestern wurden die Vorkämpfer von morgen. Die meisten »Araber«, die 717 zum ersten Male Byzanz angriffen, sind als Christen geboren worden. Um 650 erlischt mit einem Schlage die byzantinische Literatur, ohne daß der tiefere Sinn davon bis jetzt bemerkt worden wäre: diese Literatur setzt sich in der arabischen fort; die Seele der magischen Kultur fand endlich im Islam ihren wahren Ausdruck. Damit ist diese Kultur wirklich »arabisch« und endgültig von der Pseudomorphose erlöst worden. […]

Die großen Gestalten der Umgebung Mohammeds wie Abu Bekr und Omar sind durchaus den puritanischen Führern der englischen Revolution wie John Pym und Hampdon verwandt, und diese Ähnlichkeit der Gesinnung und Haltung würde noch größer sein, wüßten wir mehr von den Hanifen, den arabischen Puritanern vor und neben Mohammed.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 933 f.)

Zitat: Yusuf al-Qaradawi – „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

«Im Qurʾān kommt nicht vor, was im Evangelium vorkommt, nämlich, dass der Reiche nicht eher ins Paradies geht, als dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Und der Prophet sagte nicht zu seinen Gefährten: „Geht und verkauft all eure Habe und dann folgt mir!“. Sondern Er sagte: „Kein Vermögen war mir so nützlich wie das Vermögen von Abū Bakr“ und Er bat Allāh darum, dass dieser seinem Diener Anas sein Vermögen mehre.»

(Yūsuf Al Qaraḍāwī, in einem Facebook-Posting vom 28.02.2016)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Gutes und schlechtes Volkstum bzw. Stammestum (asabiya)

«Die asabiya stellt für die islamische Gemeinschaft eine Notwendigkeit dar. Durch sie wird Wirklichkeit, was Allah die Gemeinschaft (zu) tun heißt. Im Sahih steht:

«Allah schickt keinen Propheten, der nicht Rückhalt durch seine Stammesgenossen besitzt.»

Nun finden wir aber auch, daß der Gesetzgeber (d. h. der Prophet Muhammad) die asabiya mißbilligte und forderte, sie zu verwerfen und ihr den Rücken zuzukehren. Er sprach:

«Allah nahm die Überheblichkeit des vorislamischen Heidentums und dessen Stolz auf die Ahnen von euch. Ihr seid die Söhne Adams, und Adam ward aus Staub gemacht.»

Allah, der Erhabene, sprach:

«Als der Vornehmste gilt bei Allah derjenige von euch, der am frömmsten ist.» [Koran 49. 13]

Wir müssen ferner feststellen, daß Muhammad auch das Königtum und dessen Vertreter mißbilligte. Er tadelte an ihnen, wie sehr sie sich in Streitigkeiten verstrickten, wie maßlos sie in ihrer Verschwendung waren und daß sie vom Pfade Allahs abwichen. Hingegen mahnte er zur Eintracht im Glauben und warnte vor Zwist und Sonderbündelei.

Wisse, daß nach Ansicht des Gesetzgebers (d.h. des Propheten Muhammad) das gesamte Diesseits und seine Verhältnisse nur ein Beförderungsmittel zum Jenseits sind. Wer dieses Mittels verlustig geht, gelangt nicht (dorthin). Wenn nun Muhammad bestimmte Handlungen der Menschen untersagte, mißbilligte oder davon abriet, so lag es nicht in seiner Absicht, daß diese ganz und gar unterlassen bzw. mit Stumpf und Stiel ausgerottet und die Kräfte, aus denen sie entstehen, geschwächt würden. Vielmehr beabsichtigte er, diese im Interesse der (religiösen) Wahrheit so weit wie möglich zu kanalisieren, so daß alle Absichten rechtens werden und das Ziel nur eines ist. So sprach Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – :

«Wer zu Allah und seinem Gesandten aufbricht, der bricht zu Allah und seinem Gesandten auf. Wer zum Erwerb irdischer Güter oder zur Ehelichung einer Frau aufbricht, bricht (eben nur) dorthin auf, wohin er aufbricht.»

Muhammad mißbilligte den Zorn nicht mit der Absicht, ihn bei den Menschen auszurotten. Denn wenn der Mensch nicht mehr die Kraft des Zornes besäße, würde ihm die Fähigkeit, der (religiösen) Wahrheit zum Sieg zu verhelfen, verlorengehen und gäbe es keinen Heiligen Krieg und keine Lobpreisung des Wortes Allahs mehr. Er mißbilligte vielmehr den Zorn, der sich für den Teufel und für tadelnswerte Ziele einsetzt. Ein solcher Zorn ist zu tadeln. Handelt es sich um einen Zorn in und für Allah, so ist er zu rühmen. Dieser Zorn gehörte zu den guten Eigenschaften Muhammads – Allah segne ihn und schenke ihm Heil -.

Wenn Muhammad in eben dieser Weise die Begierden mißbilligte; lag es auch nicht in seiner Absicht, diese gänzlich aufzuheben, denn wer kein Begehren verspürt, verliert an Wahrhaftigkeit. Er wollte vielmehr die Begierden so lenken, daß sie für nützliche Dinge frei werden, auf daß der Mensch ein Knecht (Allahs) werde, der in Gehorsam zu den göttlichen Geboten handelt.

Ebenso ist es, wenn der Gesetzgeber die asabiya mißbilligte und sprach:

«Weder eure Blutsverwandtschaft noch eure Kinder werden euch (dereinst etwas) nützen.» [Koran 60. 3]

Dies ist gemeint, wenn die asabiya auf etwas Nichtiges und damit Zusammenhängendes ausgerichtet ist, wie es in der vorislamischen Zeit der Fall war, und wenn sie jemanden stolz und überlegen werden läßt. Denn dies entspricht nicht den Handlungsweisen weiser Leute und ist für das Jenseits, d.h. die Ewigkeit, von keinem Nutzen.

Was jedoch die ‘asabiya anbelangt, die im Bunde mit der (religiösen) Wahrheit steht und für die Erfüllung des Gebotes Allahs (wirkt), so ist sie eine erstrebenswerte Sache. Gäbe es sie nicht, gäbe es auch die religiösen Gesetze nicht mehr, da diese nur über die asabiya Bestand haben, wie wir vorhin festgestellt haben.

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung / al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 145-147)

Die Vorstellung von freier Marktwirtschaft im frühen Islam – Das vor-islamische Mekka und sein Hinterland (2. Teil)

Der folgende Text stammt von Suleyman Dost, einem türkischstämmigen Doktoranten des Fachbereichs »Nah-östliche Sprachen und Zivilisationen« an der University of Chicago (hier ein Auszug aus seiner Dissertation), und wurde von mir (Yahya ibn Rainer) in die deutsche Sprache übertragen. Das englischsprachige Original ist »HIER« zu finden.

Das vor-islamische Mekka und sein Hinterland: Ein deutliches Beispiel für einen freien Markt

Der Boden, der eine Weltreligion gebar, Mekka, war auch außergewöhnlich fruchtbar in einer anderen Hinsicht, denn im 6. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung war es ein Hauptknotenpunkt der Handelsrouten auf der arabischen Halbinsel, welche vom heutigen Syrien, im Norden, bis nach Jemen und Abessinien (Äthiopien) im Süden reichte. In der Tat ist es so, dass die unvergleichlich rasche Expansion der frühen islamischen politischen Ordnung am wesentlichsten durch die Existenz dessen erläutert werden kann, was von fast allen Autoren als „the Meccan trade“ (der mekkanische Handel) bezeichnet wird. Dies wird besonders prägnant von dem Historiker M. A. Shaban zum Ausdruck gebracht, der sagt:

„Zu versuchen eine Abhandlung über die Aktivitäten Mohameds in Mekka und Arabien zu verfassen, ohne dabei den Handel zu berücksichtigen, würde einer Studie zum heutigen Kuwait und Saudi-Arabien gleichkommen, ohne dabei Bezug auf den Ölreichtum zu nehmen.“ [1]

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Zitat: Rose Wilder Lane – Der Gott Abrahams, Moses‘, Christi und Mohammeds ist Ein Gott

„Der Gott Abrahams, Moses‘, Christi und Mohammeds ist Ein Gott. […] Nach seinen Früchten und nach seinen Taten wird der Mensch gerichtet werden, denn seine Taten sind der Mensch. Ein Glaube ohne Werke ist tot; ein Mensch handelt im Einklang mit seinem Glauben. Infolgedessen existiert der Glaube nicht, wenn er nicht des Menschen Handlungen bestimmt. Die Energie kommt durch die Kontrolle zur Wirkung, sie kann nicht von ihrer Kontrolle getrennt werden. Wie kann demnach eine Trennung zwischen der Person eines Menschen und seinen Taten bestehen, zwischen seiner Seele und seinem lebenden Körper?“

Rose Wilder Lane, us-amerikanische libertäre Schriftstellerin

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Von Wüsten- und Waldgängern (Die Geborgenheit in der Preisgegebenheit)

Die Wege zur Rechtleitung sind bekanntermaßen recht unterschiedlich. Die einen hören erstmals einen Gebetsruf, andere lesen durch Zufall in einer Koranübersetzung, andere wiederum haben einen Traum oder kommen gar erst durch islamkritische oder -feindliche Betätigungen zur leitenden Einsicht.

Für den deutschen Psychologen, Philosophen und Anthropologen Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974) jedoch schien die Wüste eine prägnante Rolle gespielt zu haben, als er im Rahmen einer 1927 beginnenden Forschungsreise im Nahen Osten den Islam annahm. Welchen Eindruck die morgenländische Wüste in ihm auslöste und wie er das abendländische Gegenstück dazu, nämlich den Wald, betrachtete, das könnt ihr hier lesen:

„Die Bedeutung des Waldes für den Gottesmann, der ihn aufsucht, stimmt also in einem Punkte überein mit dem, was die Wüste für den Wüstengänger, den Eremiten, ist: der Ort, wohin er sich vom Umgang mit den Menschen zurückzieht, um Gott zu begegnen. Soweit stimmt die sprachliche Gleichung des abendländischen Dichters: Wüste wie Wald.

Und dennoch ist, sobald man nunmehr sprachlich ins einzelne geht, alles ganz anders. Der Wald ist dem Waldgänger eine schützende Hülle; wer sie verläßt, kehrt ins Ungeschützte zurück: «thó forlét he waldes hleo» [aus dem Heliand, Anm. d. Verf.]. Das Wort hleo ist dasselbe wie das Seemannswort für Windschutz: Lee. Man hüllt sich in Wald ein, man wickelt sich darein wie in eine bergende Decke.

Wer wird dergleichen je von der Wüste sagen wollen, sofern er die Wüste kennt? Gewiß, auch sie birgt, aber – ganz anders.

Der Wald hat Möglichkeiten, die einander widersprechen; er wird, wenn man entsprechend mit ihm umgeht, sogar gemütlich. Unsere Sprache erlaubt es, ihn klein und niedlich zu sehen, indem sie „Wäldchen“ sagt. Auch der kleine Mann kann sein Wäldchen beim Hause haben. – Und nun die Gegenprobe. Es widerspräche sich selbst und wirkte lächerlich, wollte man in irgendeinem entsprechenden Sinne von einem Wüstchen reden. Das Groß- und Weitsein, das Ins-Unbegrenzte-Greifen liegt schon im Begriffe der Wüste. Auch das Unverhüllte. Bergwüste sieht aus wie die Welt am Schöpfungstage, als es noch keinen hüllenden Bewuchs gab. Sie gewährt das Erlebnis der Preisgegebenheit, die durch nichts zu bannen ist als durch die unbedingte Hingabe.

Hier ist das vom Propheten Muhammad gestaltete Grunderlebnis des Islams: das Menschsein vor dem unsichtbaren Antlitz einer Macht, der gegenüber der Mensch das bare Nichts ist, ihr ohne jede Bedingung preisgegeben. Es gibt nur die eine Rettung, sich der Macht ohne jede Bedingung zu unterwerfen. Das Sein vor Gott wird in ein Sein zu Gott verwandelt: das preisgegebene Nichts birgt sich in jener Macht, die alles ist. Geborgenheit in der Preisgegebenheit.

Es ist das äußerste Gegenteil zu jener Haltung des modernen Menschen, die sich im Existenzialismus bewußt wird: der abendländische Mensch der Gegenwart erlebt sein Dasein als „ins Nichts gehalten“.

Das Wort Islam bedeutet genau die andere Haltung, wo das Nichts in die allesseiende Macht gehalten und in ihr entnichtet wird. Das ist „Weisheit der Wüste“.

Ich sehe keine ihr entsprechende Weisheit des Waldes, die das Abendland entwickelt hätte. (Indische Weisheit hat mit dem Walde zu tun, doch der indische Wald und der indische Mensch sind anders.)

Ein Denker des Abendlandes, Ernst Jünger, hat für unsere Zeit die Möglichkeit einer Seinsform aufgewiesen, die er den Waldgänger nennt (Ernst Jünger, Der Waldgang, Frankfurt a. M. 1950), er stellt sich neben den Arbeiter und den unbekannten Soldaten. Sie entsteht durch Ablehnung einer Gewaltherrschaft und Wahrung der Freiheit in einer unfreien Welt. Der Wald, um den es da geht, ist nicht sichtbar und greifbar wie eine wirkliche Landschaft, sondern etwas Gedachtes: eine Abstraktion.

Wie wäre es anders möglich in einer Welt, wo der Wald ein Forst ist, in dem sich niemand verliert, oder gar ein Park: kein sinweldi wie der Wald des Helianddichters. Im Forst kann sich niemand bergen. Jener Waldgang, von dem Ernst Jünger sagt, daß darin der Mensch sich selbst begegne „in seiner unaufgeteilten und unzerstörbaren Substanz“, vollzieht sich in einer Welt, die niemals Wüste hatte und auch den Wald verlor. Kürzer gesagt: es ist ein Waldgang ohne Wald.

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, © 1963, Seite 124-125)

Zitat: Rose Wilder Lane – Eine so bemerkenswerte geschichtliche Figur wie George Washington

„Vor etwas mehr als dreizehnhundert Jahren begann ein arabischer Kaufmann mit dem zweiten Versuch, die individuelle Freiheit in Handel und Gewerbe als Tatsache hinzustellen. Dieser Mann ist heute eine so bemerkenswerte geschichtliche Figur wie der Amerikaner George Washington.“

(Rose Wilder Lane, Die Amerikanische Revolution, ein Fanal der Freiheit, Seite 88)

Aus der Feder einer nichtmuslimischen us-amerikanischen Autorin dürfte dieser Vergleich wohl positiv gemeint sein. Oder?

PDF: Rose Wilder Lane – The Discovery of Freedom

Rose Wilder Lane zählt – neben Ayn Rand and Isabel Paterson – zu den Gründungsmüttern der us-amerikanischen Libertären-Bewegung. In ihrem Buch The Discovery of Freedom (1943) befasst sie sich gewissermaßen mit der „Entdeckung der Freiheit“ im historischen Kontext.

Während sie im ersten Teil des Buches autoritäre, gelenkte und tyrannische Systeme darlegt, nutzt sie den zweites Teil des Buches, um die historischen Versuche freiheitlicher Revolutionen zu umschreiben. Interessant sind hier besonders die Kapitel „The First Attempt“ (ab Seite 73) und „The Second Attempt“ (ab Seite 82).

Mehr möchte ich eigentlich nicht dazu schreiben … außer, dass die Lektüre nicht nur Libertären, sondern gewiss auch einigen Muslimen gefallen könnte.

>> PDF: The Discovery of Freedom <<

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Islam und Marktwirtschaft: Die weise Kapitalistin und der Kaufmann

Der folgende Beitrag erschien zuerst in der Jan./Feb.-Printausgabe (Nr.149) des Magazins eigentümlich frei. Ein recht herzlicher Dank geht an dieser Stelle raus an den Herausgeber und Chefredakteur dieses freien und mutigen Blattes.

Wenn Muslime Roland Baader lesen

Es war einmal, vor etwa 1.420 Jahren, da lebte eine sehr wohlhabende Witwe inmitten der arabischen Wüste, in einer kleinen Handelsstadt. Den Wohlstand verdankte sie ihrem ersten Ehemann, der, als er verstarb, ihr sein gesamtes Vermögen vererbte.

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Wer ist Muhammad? Die Encyclopedia Brittanica schreibt …

Die Encyclopedia Brittanica weiß in ihrem 12. Band folgendes über den Propheten Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – zu berichten:

„[…] eine Vielzahl von Details in den frühen Quellen zeigt, dass er ein ehrlicher und rechtschaffener Mann war, der sich den Respekt und die Loyalität anderer verdient hat, die auch ehrliche und rechtschaffene Männer waren.“

(Quelle: islamweb.net)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die immer gleiche Physiognomie des Orients

„Der Orient hat nun einerseits eine ganz strenge Richtung, die den metaphysischen Lehrmeinungen der Religion eine unbedingte Herrschaft zugesteht. Die Beurteilung des Handelns im Jenseits äußert eine direkte Wirkung aufs Diesseits. (Diese Beziehung wird natürlich vermittelt durch eine die Zukunft vorauswissende Gottheit.)

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Auszüge aus „Harmlose Skizzen aus Konstantinopel“ von Helene Böhlau (1888)

„Ich habe beobachtet, auch auf dem Dampfschiff, mit dem ich oftmals den Bosporus entlang fuhr, dass die Begrüssung zwischen Erwachsenen und Kindern etwas ganz besonders Herzliches an sich trägt, von Seiten der Kinder zutunlich-ehrfurchtsvoll und von seiten der Erwachsenen liebenswürdig-besorglich. Hauptsächlich liebenswürdig sind die Männer zu den Kindern. Da sieht man allerliebste Szenen und Gruppen. Beinahe täglich begegne ich unter den ulten Zypressen vor der Asmali-Mesdjid einem stattlichen Türken in weitem Kaftan, weißem Turban, mit schwarzen blitzenden Augen, Adlernase und schwarzem langem Bart.

Dieser Mensch, der aussieht, als stecke sein Kopf voll aufrührerischer Ideen, und als wäre bei ihm alles auf Gewalt und Kampf gerichtet, trägt immer in zärtlicher und rührender Weise, wenn ich ihm begegne, an sein Ohr gedrückt ein winzig kleines Kindchen, ein wahres Wachspräparätchen von einem Kind, weiss, durchsichtig, fast nicht grösser als der braune dunkle Kopf, an den es angeschmiegt ist. Und der Türke trägt es so würdig, so hingebend und so unbeschreiblich behutsam. Aber nie habe ich ihn anders gesehen als mit dem Kind an der bärtigen Wange. Der Anblick wird mir unvergesslich sein. Dies Übermass von Kraft, Vorsicht und rührender Zärtlichkeit ! […]

In der ersten Klasse auf dem Dampfschiffe sieht man oftmals würdige Väter mit ganz kleinen Kindern auf dem Arme. Sie finden ihre Bekannten, und augenblicklich ist das Kindchen dem Vater von dem Arm genommen und irgend ein anderer ehrenwerter Efendi hat es auf dem seinen, wandelt mit ihm auf und nieder, bemüht sich, es zum Lächeln zu bringen, liest ihm aus einer Zeitung etwas vor, kauft ihm vom Schekerdschi einen kleinen guten Bissen, schaukelt es, wiegt es und treibt das so lange, bis wieder ein anderer ihn bittet, ihm das Eandchen ein wenig zu geben. Dabei sind diese ernsten Männer von solch einer anmutigen Heiterkeit und Liebenswürdigkeit und scheinen sich wirklich an dem kleinen Ding von Herzen zu erfreuen. […]

Wenn ein Türke seinen Sohn auf der Strasse an der Hand führt, so tut er es mit der grössten Hingabe, und man sieht seinem Benehmen an, dass er einen äusserst wertvollen und geliebten Gegenstand zu beaufsichtigen hat. Hier fällt mir ein : die militärische Vorbereitungsschule eröffnete eben ihre Ferien, eine Unzahl halbwegs europäisch gekleideter Kadetten strömte heraus, jeder das erlangte Zeugnis in der Hand. Draussen stehen die würdigen Väter. Jeder empfängt den erwarteten Liebling mit auffallender Rührung und Zärtlichkeit, lässt sich von ihm ehrerbietig begrüssen, wirft einen Blick in das Zeugnis und ruft freudig erstaunt: „Masch Allah! Masch Allah!“ („Du hast es brav gemacht, mein Sohn!“) Dann herzt und küsst er sein Söhnchen, seinen künftigen Pascha, und zieht triumphierend mit ihm ab. […]

Muhammad hat sein Volk auch reinlich haben wollen; und man sollte sich einmal nach einem schmutzigen Türken umsehen! Die Lumpen des armseligsten Bettlers, an dem keine Handbreit ehrlich festes, ungeflicktes Zeug zu finden ist, strahlen von Weisse und Sauberkeit. […]

Muhammad hat sein Volk erbarmungsvoll, auch erbarmungsvoll gegen die Mitgeschöpfe, die Tiere, sehen wollen — und die Türken folgen auch hierin ihrem Propheten. […]

Nie wird man ein Tier auf den Strassen Konstantinopels von türkischen Händen gequält sehen. Im Gegenteil findet man überall steinerne Näpfe und Tröge, mit Wasser gefüllt, für Hunde und Vögel. […]

Nicht nur diese bedenken sie mit Wasser und allerlei Wohltat, auch für die Kinder und Armen wird an heissen und kalten Tagen auf der Strasse gesorgt. So stehen z. B. im Winter Kohlenbecken für die Bettler auf der Brücke. An heissen Tagen schicken die Moscheen Männer aus, die, ganz in Leder gekleidet, den grossen Wasserschlauch auf dem Rücken, jedermann unentgeltlich, besonders aber den Kindern, gutes Quellwasser aus metallenen, mit Koraansprüchen verzierten Schalen reichen. Wir haben oftmals solch einen alten Wasserträger beobachtet, wie er von kleinen durstigen Türklein umgeben war und sie wahrhaft liebevoll bediente. […]

Alles geht hier unscheinbar, ohne Prahlerei vor sich, mit wenig Wichtigtun, dass man sich verwundert, wie es ohne unsere vielgerühmte Christenliebe zu stände kommt. […]

Ein wunderliches Kapitel geben die Bettler hier ab. Den tief ergreifenden Gesang der blinden Bettler hört man oft auf den Strassen. Und wenn in der Dunkelheit solch ein armer Blinder durch die engen Gassen Peras schleicht und man den klagenden Gesang vom Zimmer aus erst ganz entfernt, dann immer näher kommen hört, gehen diese schmerzlichen, wahrhaft ergreifenden Töne durch Mark und Bein. Es ist, als schliche das Elend der Menschheit an den Fenstern vorüber. Anfangs überwältigt jedesmal dieser Eindruck, später wird man es gewöhnt und hört kaum mehr darauf. An unseres Herzens Härtigkeit ist allein die Gewohnheit schuld. […]

Rätselhaft und unbegreifüch ist es, wie die Blinden in dem ungeheuren Treiben hier sich sicher bewegen. Einem Sehenden wird es schwer, sich hier ungefährdet durchzuwinden. Wie oft aber habe ich gesehen, dass ein Blinder in der Pferdebahn, die durch Stambul fährt, unentgeltlich mitgenommen wurde. […]

Einmal erlebte ich, dass der Kondukteur so einem Armen, der sich mühsam die schmale Treppe herauf- und in den Wagen hereingetastet hatte, Geld zu dem Fahrbillet abforderte. Der Blinde schüttelte mit dem Kopfe, zum Zeichen, dass er kein Geld habe. Er tat dies einfach und ohne jede Befürchtung, dass man ihn von seinem Platze weisen würde; wie es ungefähr bei uns jemand tun würde, der wohlbekannt und reich ist und nur durch Zufall kein Geld bei sich hat, und dem der Kondukteur süss lächelnd versichert : „Schadet nichts, Herr Baron — ein andermal.“ — Wehe aber dem Armen, und wenn es ein Blinder wäre, der dasselbe bei uns wagen würde, wie er es hier wagen kann! Der Kondukteur, der dem Blinden das Geld abforderte, wurde von einigen Insassen des Wagens gehörig angelassen: „Nun, was ist denn der? Bist du denn richtig bei Verstand, dass du Geld von ihm nehmen willst? Schämst du dich denn nicht ?“ Ein anderer wieder frug: „Bist du denn kein Mensch, — was bist du denn? Wir werden dich bei deinem Brotherrn verklagen! Wir werden ihm sagen, was für einer du bist! […]

Ich habe in der Pferdebahn ausserdem auch bemerkt, dass ein armer Schlucker zu seinem Nachbar sagt, wenn dieser die Börse zieht, um sein Fahrgeld zu entrichten : „Du, bezahl auch für mich!“ und es geschieht darauf wie etwas Selbstverständliches, nicht etwa mit der Miene, als gebe der Wohlhabende dem Armen ein Almosen. Es ist der Rede und des Dankes nicht wert, was zwischen den beiden vorgeht. […]

Es liegt hier oft eine grosse Vornehmheit und Liebenswürdigkeit im Geben sowohl wie im Verlangen. […]

Da sah ich einmal einen in Lumpen gehüllten prächtigen Alten; der bettelte bei den Gästen eines Kawedschis, die unter einer jener schönen Plantanen salsen und Kaffee tranken; auf jeden, von dem er eine kleine Gabe erhielt, träufelte er aus einem schlanken, langhalsigen Fläschchen als Dank ein paar Tropfen Rosenwasser. […]

Was ich hier erzählte, ist einfach und wahr, jedermanns Augen zugänglich, das, was man auf Strassen und Gassen sieht. Aber wahrhaftig, danach zu urteilen, muss man sagen, dass die Türken das Andenken ihres Propheten ehren und seine Gesetze befolgen. Kein Betrunkener ist zu sehen, keiner, der in Schmutz und Widerwärtigkeit anderen zum Ekel einherläuft, kein unehrbares, unwürdiges Benehmen, kein aufgeputztes, herausforderndes Frauenzimmer, kein empörender Anblick, den ein gequältes Tier veranlasst, alles ruhig, würdig und einfach. […]

Zum Schluss noch etwas über ein sonderbares Rechtsverfahren, das aber einen tiefen Blick in die Verhältnisse dieses Landes tun lälst. Es handelt sich darum: Wem wird vor Gericht recht gegeben, dem armen Schuldner oder dem reichen Gläubiger, der sein gutes Recht hat, zu fordern? Die Frage scheint sich selbst zu beantworten: Dem natürlich, dem das Recht gebührt. Hier aber ist ihre Beantwortung, für unsere Begriffe, unbedingt eine überraschende. […]

„Dem Armen, der nicht zahlen kann, dem gehört hier Schutz und Beistand und günstiger Rechtsspruch. Da heilst es folgendermalsen: Der Richter fragt einen Hausbesitzer, welcher seinen Mieter, der Ihm nicht gezahlt, aus dem Hause gewiesen und ihn verklagt hat: „Weshalb hast du ihm verweigert, weiter bei Dir zu wohnen?“ — „Weil er mir den Mietzins schuldig blieb.“ — „Nun, tat er es aus bösem Willen? Ist er ein Räuber, ein Betrüger ? Ist er denn einer, der dich betrügen und um dein Hab und Gut bringen will? Wenn er das ist, so tatest du recht ; wenn er das aber nicht ist, sondern ein Armer, den Allah dir sendete, so hast du unrecht getan, ihn zu verstossen und zu verklagen; und wenn es sich erweist, dass er wahrhaftig ein Armer ist, wirst du ihn wieder bei dir aufnehmen. Was bist du für einer, dass du gegen die göttlichen Gebote zu handeln wagst!“ Und dem Hausbesitzer bleibt nichts übrig, als seinen schlechten Zahler, wenn es sich als gewiss herausstellt, dass er unfähig ist, seinen Gläubiger zu befriedigen, wieder bei sich aufzunehmen. […]

Dass ein Moslim ausgepfändet wird, so etwas kennt man hier nicht. […]

Und den Türken will es gar nicht zu Kopfe, dass das, was bei ihnen nicht geduldet, was als Schmach angesehen wird, wenn ein Wohlhabender gegen einen Armen, der ihm schuldig ist und nicht zahlen kann, klagbar wird, dass dasselbe bei einem anderen Volke vortrefflich und in Ordnung ist und kein Mensch Schlimmes darin sieht. […]

Es wäre ganz interessant, von dem Standpunkt eines gut unterrichteten Moslim aus unsere europäischen Verhältnisse zu betrachten. Ich glaube, dass diese Betrachtung einigermassen Verwunderung erregen würde. Ich habe hier oft Gelegenheit gehabt, durch türkische Anschauung auf unsere Verhältnisse zu bücken.“

(Helene Böhlau, Harmlose Skizzen aus Konstantinopel / 1888, Westermann’s illustrirte deutsche Monats-Hefte, Band 63)

Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Überlegene Toleranz (1919)

„Die Unvornehmheit des typischen buchstabengläubigen Christen beruht auf seiner plebejischen Bangigkeit. Die Gegenprobe anzustellen fällt nicht schwer: die ursprünglichen Calvinisten haben sich im selben Sinn für auserwählt gehalten, wie die Muslime, und unter ihnen sind zweifelsohne die überlegensten Typen zu finden, welche die Christenheit hervorgebracht hat. Zwar waren sie nie so vornehm, wie die Muslime; sie waren eben deshalb auch intolerant.

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Auszug: Dr. Jerry Hionis Jr. – Die Sunnah, ein frühkapitalistisches Kriterium

Aus dem englischsprachigen Text An Introduction to Marxism for Non-Marxists by a Former Marxist – Part 3 des muslimischen Ökonomen und Wissenschaftlers Dr. Jerry Hionis Jr., übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer.

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