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Kommentar: Das muslimische Morgenland am zivilisatorischen Tiefpunkt

Ich hab da wieder einen ellenlangen Diskussionsbeitrag in meiner Kommentarspalte verfasst, obwohl ich doch weiß, dass die meisten Kontrahenten in den sozialen Netzwerken niemals die Absicht haben sich auf ein gewisses Niveau einzulassen.

Damit es aber nicht vollends vergebene Liebesmüh war, habe ich mich entschlossen, den Kommentar hier auf meinen Blog zu kopieren. Für den Zusammenhang werde ich den Link zum Facebookbeitrag hinzufügen.

Lieber Sven,

jeder ehrliche und aufrichtige Muslim, mit ein wenig Wissen um Geschichte, Soziologie und Ökonomie, wird nicht bestreiten können, dass sich die muslimische Zivilisation auf einem kulturellen, ökonomischen und wissenschaftlichen Tiefpunkt befindet. Ebenso wird er nicht bestreiten können, dass dahingegen das sogenannte christliche Abendland derzeit sicherlich seinen zivilisatorischen, kulturellen, ökonomischen und wissenschaftlichen Höhepunkt beschreitet.

Man könnte jetzt so vermessen sein und behaupten, dass das Morgenland danieder ist, weil es muslimisch ist und dass das Abendland obenauf ist, weil es christlich ist. Ich denke, dass sich nicht wenige Islamkritiker derzeit auf diesem hohen Ross befinden und diesen Umstand allumfassend auskosten.

Mich juckt das (ehrlich gesagt) recht wenig, denn neben der Erkenntnis, dass das Morgenland danieder und das Abendland obenauf ist, weiß ich auch um den Umstand, dass Zivilisationen zyklisch sind und dass es vor einiger Zeit genau andersherum war, trotz Islam und Christentum.

Eine wunderbare Lektüre zu diesem Thema sind die Geschichtswerke von Oswald Spengler und Ibn Khaldun. Spengler bspw sieht die Kreuzzüge aus diesem Blickwinkel:

«Der Islam hat dieser Welt endlich und viel zu spät das Bewußtsein der Einheit verliehen, und darauf beruht das Selbstverständliche seines Sieges, das ihm Christen, Juden und Perser fast willenlos zuführte.

Aus dem Islam hat sich dann die arabische Zivilisation entwickelt, die in ihrer höchsten geistigen Vollendung stand, als vorübergehend die Barbaren des Abendlandes hereinbrachen und nach Jerusalem zogen. Wie mag sich dies Schauspiel in den Augen vornehmer Araber ausgenommen haben? Etwas bolschewistisch vielleicht?

Für die Politik der arabischen Welt waren die Verhältnisse in „Frankistan“ etwas, auf das man herabsah.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 606)

Wir sehen, es war einmal andersherum, und die Muslime waren diejenigen, die mit Hochmut auf das Abendland schauten.

Ich, als biodeutscher Muslim, entstamme der Tradition und Kultur dieses Abendlandes, und ich verbinde damit weitaus mehr positives, als mit den Sitten und Traditionen des Morgenlandes (es sei denn sie sind fest begründet in den religiösen Schriften).. Aber ich bin auch realistisch und erkenne, dass der Zenit, auf dem sich das Abendland derzeit befindet, nicht nur der Höhepunkt ist, sondern auch der Punkt, an dem es wieder bergab geht; und der Nadir, in dem sich das Morgenland befindet, ist nicht nur der Tiefpunkt, sondern auch der Punkt an dem es wieder aufwärts geht.

Ich kann mit vielen der derzeit enttäuschten Deutschen mitfühlen, wenn sie den Verfall von Religion, Sitte und Tradition hierzulande beweinen und eine gewisse Schwäche beim allgemeinen Volk diagnostizieren. Dies sind die Vorboten des Niedergangs.

Der Fehler jedoch, den die meisten heutigen sogenannten „Rechtspopulisten“ um AfD, Pegida und Co machen, ist, dass sie sich den Islam als Feindbild auserkoren haben, anstatt das Geschwür das im eigene Körper Metastasen streut.

Anstatt die eigene Schwäche zu bekämpfen, verliert man seine Kraft darin zu versuchen, diejenigen zu bekämpfen, die allmählich wieder zu eigener Kraft finden.

Der Herausgeber des Magazins eigentümlich frei, André F. Lichtschlag, schrieb in seinem Buch „Feindbild Muslim“:

«Gerade die Angst aber vor der Machtübernahme durch künftige muslimische Mehrheiten im alten Europa zeigt, dass wir es auch heute lediglich mit einem Blick in den Spiegel zu tun haben. Denn würden die westlichen Gesellschaften nicht selbst absterbende sein und wäre die Geburtenrate bei den Einheimischen nicht tendenziell eine Selbstmordrate, so würden nicht andere jene Macht an sich reißen können.

Mohammedaner vermehren sich, der Westen ist verbraucht, alt, gebrechlich, lendenarm und überlebt nur noch auf Pump. In einer solchen Gesellschaft wird die Selbsttötung eines unscheinbaren und vergleichsweise wenig bekannten Torhüters als kollektives emotionales Großereignis zelebriert wie andernorts und zu anderer Zeit der im Kampf gefallene «unbekannte Soldat». Was zuweilen als „Landnahme“ bezeichnet wird, ist deshalb eher eine milde „Landgabe“.

Doch schauen wir uns die Vorwürfe der Spiegelfechter noch einmal genauer an: Im ehemals christlichen Westen folgten nach der Aufklärung Kommunismus, Nationalsozialismus und Sozialdemokratismus – und in der Folge dieser Ideologien das inflationäre Papiergeldsystem sowie Abermillionen Ermordete und Beraubte. Wo finden wir mit dem Gulag, dem ‚großen Sprung nach vorn‘ und dem Holocaust auch nur entfernt Vergleichbares im «unaufgeklärten moslemischen Kulturraum»? Die schlimmsten Verbrechen, die gegen die Armenier, wurden auch dort ausgerechnet von den «aufgeklärten» Jungtürken begangen, die sich an westlichen Modernisierern orientierten.

Und was den aggressiven, kriegerischen und terroristischen Islam betrifft: Wessen Armeen stehen seit mehr als 100 Jahren in wessen Kulturraum?»

So viel Ehrlichkeit beeindruckt mich.

Kommentar auf Facebook hier => https://www.facebook.com/JensYahyaRanft/posts/2004515129780941?comment_id=2004527243113063&reply_comment_id=2006259019606552&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R%22%7D

Die „orientalische Rasse“ in der Anthropologie des beginnenden 20. Jahrhunderts

Im Band „Anthropologie“ der Reihe „Kultur der Gegenwart“ (3/5, Leipzig 1923) wurde im Kapitel „Spezielle Anthropologie oder Rassenlehre“ der Araber (beduinischer Prägung) der sogenannten „orientalischen Rasse“ zugeordnet.

Folgendes hatten die Verfasser auf Seite 171 des Werkes, welches damals als hochwissenschaftlich galt, über diese „orientalische Rasse“ zu berichten:

«Die orientalische Rasse ist hochbegabt, sehr intelligent; energisch und zäh ausdauernd, vorschauend und organisierend, verfügt sie über Erfinder und Denker. Die Phantasie und künstlerische Begabung sind nicht gerade gering, aber auch nicht hervorragend, die musikalische Anlage groß. Sehr groß ist das Gemeingefühl, die Kunst, sich unter- und einzuordnen, noch größer die Fähigkeit, Fremdes anzunehmen und wiederzugeben, zu suggerieren, auf andere zu wirken.»

Buchauszug: Murad Wilfried Hofmann – Der Untergang des Morgenlands war Grund und nicht Resultat der Kolonisierung

«Die meisten Muslime glauben noch immer, ihre heutige materielle Unterentwicklung sei eine Folge der Kolonisierung im Zeitalter des westlichen Imperialismus. Es ist umgekehrt: Die islamische Welt wurde kolonisiert, weil sie wegen ihres Prinzips der blinden Nachfolge und Akzeptanz von Autorität (taqlid) schon zuvor dekadent geworden war.

Es schont natürlich das Selbstbewußtsein, wenn man anderen und anderem eigenes Versagen anlasten kann.

Dies ist ein überall wirksamer psychologischer Entlastungsmechanismus, der mit der häßlichen Wirklichkeit versöhnen hilft. In der muslimischen Welt ist dieses eher harmlose Phänomen jedoch bei manchen in einen Verfolgungswahn mit Verschwörungsphantasien ausgeartet. Von der Kolonisierung angefangen über die heutige wirtschaftlich-soziale Malaise und die politische Lage in den muslimischen Ländern bis hin zur Technik-»Offensive« des westlichen »kulturellen Imperialismus« wird alles und jedes gerne auf westliche Verschwörungen gegen den Islam zurückgeführt.

Die CIA, der Mossad, zionistische Organisationen und Freimaurer und sogar die NATO spielen in der großen conspiracy theory von Muslimen eine erstaunliche Rolle. Man vermutet allen Ernstes, daß es irgendwo einen master plan für die Unterminierung und Zerstörung des Islam gebe, und ordnet alles dafür Dienliche in sein Weltbild ein. Das westliche Versagen während der ersten drei blutigen Jahre des Bosnien-Konflikts, die amerikanische Nibelungentreue gegenüber Israel und die Prominenz jüdischer Mitarbeiter in der Clinton-Administration haben dem Verschwörungsdenken neue Nahrung (und keine schlechten Argumente) gegeben. Dabei wäre es doch viel einfacher zu verstehen, daß Staaten Interessenpolitik betreiben und daß Erfindungen wie die eines Bill Gates die Welt zwangsläufig überfluten: weil eben Spitzentechnologie wie Wasser von oben nach unten fließt.

Diese psychischen Verwerfungen sind im muslimischen Fall nicht harmlos, weil sie die Diagnose des Selbstversagens hemmen und Eigeninitiative lähmen, sich letztlich also fatalistisch auswirken.»

(Murad Wilfried Hofmann. Der Islam im 3. Jahrtausend Eine Religion im Aufbruch, Seite 51-52 )

H. H. Frank über den Sufismus (7. Teil)

„Diese wirtschaftlichen Fragen sind bereits international geworden, d. h. derselbe Zustand, dessen Bestehen in Europa zur Zeit weder geleugnet, noch durch die Staatsreligion geändert werden kann, erfährt eine Ausdehnung über den Erdball, weil die Kulturmittel, um sich wirtschaftlich halten zu können, vom ganzen Erdball getragen werden müssen.

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Von Wüsten- und Waldgängern (Die Geborgenheit in der Preisgegebenheit)

Die Wege zur Rechtleitung sind bekanntermaßen recht unterschiedlich. Die einen hören erstmals einen Gebetsruf, andere lesen durch Zufall in einer Koranübersetzung, andere wiederum haben einen Traum oder kommen gar erst durch islamkritische oder -feindliche Betätigungen zur leitenden Einsicht.

Für den deutschen Psychologen, Philosophen und Anthropologen Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974) jedoch schien die Wüste eine prägnante Rolle gespielt zu haben, als er im Rahmen einer 1927 beginnenden Forschungsreise im Nahen Osten den Islam annahm. Welchen Eindruck die morgenländische Wüste in ihm auslöste und wie er das abendländische Gegenstück dazu, nämlich den Wald, betrachtete, das könnt ihr hier lesen:

„Die Bedeutung des Waldes für den Gottesmann, der ihn aufsucht, stimmt also in einem Punkte überein mit dem, was die Wüste für den Wüstengänger, den Eremiten, ist: der Ort, wohin er sich vom Umgang mit den Menschen zurückzieht, um Gott zu begegnen. Soweit stimmt die sprachliche Gleichung des abendländischen Dichters: Wüste wie Wald.

Und dennoch ist, sobald man nunmehr sprachlich ins einzelne geht, alles ganz anders. Der Wald ist dem Waldgänger eine schützende Hülle; wer sie verläßt, kehrt ins Ungeschützte zurück: «thó forlét he waldes hleo» [aus dem Heliand, Anm. d. Verf.]. Das Wort hleo ist dasselbe wie das Seemannswort für Windschutz: Lee. Man hüllt sich in Wald ein, man wickelt sich darein wie in eine bergende Decke.

Wer wird dergleichen je von der Wüste sagen wollen, sofern er die Wüste kennt? Gewiß, auch sie birgt, aber – ganz anders.

Der Wald hat Möglichkeiten, die einander widersprechen; er wird, wenn man entsprechend mit ihm umgeht, sogar gemütlich. Unsere Sprache erlaubt es, ihn klein und niedlich zu sehen, indem sie „Wäldchen“ sagt. Auch der kleine Mann kann sein Wäldchen beim Hause haben. – Und nun die Gegenprobe. Es widerspräche sich selbst und wirkte lächerlich, wollte man in irgendeinem entsprechenden Sinne von einem Wüstchen reden. Das Groß- und Weitsein, das Ins-Unbegrenzte-Greifen liegt schon im Begriffe der Wüste. Auch das Unverhüllte. Bergwüste sieht aus wie die Welt am Schöpfungstage, als es noch keinen hüllenden Bewuchs gab. Sie gewährt das Erlebnis der Preisgegebenheit, die durch nichts zu bannen ist als durch die unbedingte Hingabe.

Hier ist das vom Propheten Muhammad gestaltete Grunderlebnis des Islams: das Menschsein vor dem unsichtbaren Antlitz einer Macht, der gegenüber der Mensch das bare Nichts ist, ihr ohne jede Bedingung preisgegeben. Es gibt nur die eine Rettung, sich der Macht ohne jede Bedingung zu unterwerfen. Das Sein vor Gott wird in ein Sein zu Gott verwandelt: das preisgegebene Nichts birgt sich in jener Macht, die alles ist. Geborgenheit in der Preisgegebenheit.

Es ist das äußerste Gegenteil zu jener Haltung des modernen Menschen, die sich im Existenzialismus bewußt wird: der abendländische Mensch der Gegenwart erlebt sein Dasein als „ins Nichts gehalten“.

Das Wort Islam bedeutet genau die andere Haltung, wo das Nichts in die allesseiende Macht gehalten und in ihr entnichtet wird. Das ist „Weisheit der Wüste“.

Ich sehe keine ihr entsprechende Weisheit des Waldes, die das Abendland entwickelt hätte. (Indische Weisheit hat mit dem Walde zu tun, doch der indische Wald und der indische Mensch sind anders.)

Ein Denker des Abendlandes, Ernst Jünger, hat für unsere Zeit die Möglichkeit einer Seinsform aufgewiesen, die er den Waldgänger nennt (Ernst Jünger, Der Waldgang, Frankfurt a. M. 1950), er stellt sich neben den Arbeiter und den unbekannten Soldaten. Sie entsteht durch Ablehnung einer Gewaltherrschaft und Wahrung der Freiheit in einer unfreien Welt. Der Wald, um den es da geht, ist nicht sichtbar und greifbar wie eine wirkliche Landschaft, sondern etwas Gedachtes: eine Abstraktion.

Wie wäre es anders möglich in einer Welt, wo der Wald ein Forst ist, in dem sich niemand verliert, oder gar ein Park: kein sinweldi wie der Wald des Helianddichters. Im Forst kann sich niemand bergen. Jener Waldgang, von dem Ernst Jünger sagt, daß darin der Mensch sich selbst begegne „in seiner unaufgeteilten und unzerstörbaren Substanz“, vollzieht sich in einer Welt, die niemals Wüste hatte und auch den Wald verlor. Kürzer gesagt: es ist ein Waldgang ohne Wald.

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, © 1963, Seite 124-125)

Der Orientreisende Herman Heinrich Frank über den Sufismus (1901)

Seit einigen Tagen lese ich das Buch Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Heinrich Frank, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde.

Über den Autoren konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen, außer das, was er im Buch selbst an Auskunft gibt. Dort schreibt er im recht kurz gehaltenen Vorwort:

„Jedenfalls habe ich uneigennützig gehandelt. Für die Ehre und Schande einer Kritik fehlt mir jedes Verständnis. Und was fünfzehn Jahre im Orient mir allmählig an Eindrücken aufgedrungen und aufgezwungen, ist eben so über und unter aller Kritik, wie die Eindrücke, die mir Europa vorher und nach langer Abwesenheit aufs neue in die Seele gesenkt hat. Reden mußt ich! Hier stehe ich; ich kann nicht anders.“

Und so liest sich das Werk dann auch. Ein gebildeter Europäer mit 15 Jahren Orienterfahrung kehrt zurück und versucht aufrichtig und objektiv die Verhältnisse, Entwicklungen und Gesinnungen beider Welten zu vergleichen. Über weite Teile kommt der Orient – und vor allem der Muslim dort – recht gut weg und Europa muss u.a. für seine sittliche Rückentwicklung einige Federn lassen.

Zum Ende hin jedoch thematisiert H. H. Frank ein Phänomen des Orients, welches ihm wohl eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung wert war, nämlich den Sufismus.

Allein die Tatsache, dass diese Betrachtung von einem Außenstehenden vorgenommen wurde, macht sie schon interessant, aber H. H. Frank ist eben zudem noch mehrjährig orienterfahren und nachweislich um Objektivität bemüht, was zusätzlich zur Lektüre motiviert.

So werde ich also den gesamten Abschnitt zu diesem Thema abschreiben und in mehreren Teilen hier publizieren.

H. H. Frank über den Sufismus (1. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (2. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (3. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (4. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (5. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (6. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (7. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (8. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (9. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (10. Teil)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Ordnung vs. Freiheit (1901)

«[Es] müßten doch vor allem die gebildeten Elemente, die, aus dem Orient kommend, in Europa Bildung und Erziehung suchen, ganz objektiv und aus eigener Anschauung für die Sache [der europäischen Ordnung] gewonnen, [in den Orient] zurückkehren.

Das ist nicht der Fall! Natürlich finden sie im Einzelnen die Ordnung hier besser, als die Unordnung daheim. Aber das Leben ist penibler, ernster, der Kampf ums Nötige schrecklicher, die Armut entsetzlicher. In Summa, die Leute hier seufzen über die Ordnung, die soziale Frage glimmt unter der Asche, während der ganze Orient eine sorglose Fröhlichkeit und eine viel größere persönliche Freiheit atmet.

Es ist mehr Behagen, mehr Zeit und freie Kräfte für Geistiges. Ja, der Orient hat Zeit und Luft und die Möglichkeit, es mit der Religion, dem Jenseits ernster zu nehmen.»

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 101)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Staat und Centralismus im Orient (1901)

„Rede man dem Orientalen vom Staat, vom Vaterland, von der Gemeinde, von der Verwaltung. Er wird mit den Achseln zucken. Es wird ihm peinlich. Ja, der Staat muß wohl sein; sonst gäbe es ein politisches Durcheinander, man könnte dann gar nicht existieren. Also mag der Staat wohl sein, aber er wird als allgemeine Belästigung empfunden, nirgends als eine Förderung verehrt. […]

Wo der Stammeschef oder Hausvater staatsrechtlich und mit einer Art Selbstverwaltung seine Interessen vertritt, da bieten die Familienbande eine gewisse Rechtsgewehr; aber darüber hinaus hat jede centralistische, auf einen Beamtenstaat gebaute Konstruktion jeder gesunden Unterlage entbehrt.“

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 91-92)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Der Orient in seinem beneidenswerten Behagen (1901)

„Da wir hier indes vom Erwerbsleben sprechen, hatten wir jene Bemerkung nur voraus geschickt, um klar zu machen, daß das ungeheure, wirtschaftliche Übergewicht der Europäer, auf welches wir den Anspruch der Unterjochung des Orients gründen, zwar faktisch besteht, und daß wir sogleich auf eine unstreitig ganz traurige Wirtschaft zu sprechen kommen werden; daß der Abendländer aber über die tieferen Gründe der Sache in einer noch traurigeren Urteilsverdunkelung lebt.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Mehr persönliche Freiheit (1901)

„Nicht nur vom Gemütsleben aus, sondern vom Standpunkt des wirtschaftlichen Lebens schafft der Orient ganz andere Bedingungen. Das Menschenleben ist im Abendlande im Doppelsinn teurer, im Orient billiger. Ursache und Wirkung laufen durcheinander, wenn der Orientale sein Einzelleben, mit Ergebung ins allgemeine große Geschehen, weniger teuer findet, geringer anschlägt. Allah hat einen Teil der Sorgen des bei uns sorgfältig geregelten Erwerbslebens dem Orientalen abgenommen.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die Sittlichkeit der Frauen (1901)

Ja, es ist ein trauriges Kapitel: das Los der jungen Frauenzimmer, sie sich, eben den Kinderjahren entwachsen und den Eltern zur Last, in dienende Stellung, in fremde Häuser, in die famosen Fabriken der Großstädte begeben müssen, so daß nur ein in Vorurteilen befangener die abendländische Gestaltung der Dinge dem System des Orients vorziehen möchte.

Hier ein Eingeständnis, eine volle Anerkennung natürlicher Bedürfnisse; dort eine verlogene Scheinsittlichkeit mit vielem Schmutz, der sich nicht nur in den Winkeln verkriecht, sondern sich mehr und mehr auf die Straße, in die Öffentlichkeit drängt und, wird’s zu arg, mit einigen polizeilichen Zwangsmaßregeln bedacht wird, die leider, wie wir täglich sehen, nie den Baum an der Wurzel treffen, sondern nur seine Zweige auf der einen Seite kappen.

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Freier Markt, Widerstand und Zivilisation

von Yahya ibn Rainer

Die Mechanismen des freien Marktes, samt Dynamik, Ideenkonkurrenz, Innovation, „unsichtbare Hand“ usw. sind fast 1 zu 1 auf gesellschaftliche Umwälzungen anzuwenden.

Und so entwickeln sich in Kriegs- und Krisengebieten, wenn der Wille und die gewillte Masse existiert, von ganz allein effektive Gegenbewegungen, die ihre Dynamik aus einer Konkurrenz an Ideen und Prak­ti­ka­bi­li­tät schöpfen.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die immer gleiche Physiognomie des Orients

„Der Orient hat nun einerseits eine ganz strenge Richtung, die den metaphysischen Lehrmeinungen der Religion eine unbedingte Herrschaft zugesteht. Die Beurteilung des Handelns im Jenseits äußert eine direkte Wirkung aufs Diesseits. (Diese Beziehung wird natürlich vermittelt durch eine die Zukunft vorauswissende Gottheit.)

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Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898)

„Gibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das türkische. Jeder Kenner dieser braven, liebenswürdigen, grundehrlichen und dafür von aller Welt verlästerten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tatsächlich gibt es kaum eine Staats- und gesellschafterhaltende Tugend, die dem Türken — insbesondere dem anatolischen — nicht eigen wäre: Herzensgüte und Ehrlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, demokratischer Gleichheitssinn und unbedingte Loyalität gegen die Regierung, so drückend die staatliche Notwendigkeit auch auf ihm lasten möge, endlich natürlicher Anstand und Mässigkeit und eine von der Religiosität nicht in Banden gehaltenen Intelligenz. Welch hohe Lebensweisheit, welch sittlicher Ernst, welches Gemüt spricht nicht schon aus den teilweise sogar aus vorislamscher Zeit stammenden türkischen Sprüchwörtern: „Wer von der Lüge sich entfernt, der nähert sich Gott.“ — „Mann ist, wer sein Wort hält.“ — »Tue das Gute, und wirf es ins Meer; sieht es der Fisch nicht, so sieht es der Herr.“ — „Tue Gutes denen, die dir Böses antun, so wirst du bei Gott Gnaden finden“ u. s. w, Maximen, denen der gute Moslim in seinem Wandel weit eifriger nachzuleben pflegt, als der Christ den ähnlich lautenden Befehlen Jesu. […]

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Ein deutsch-französischer Islamkonvertit beschreibt im Jahre 1904 die Gegensätze zwischen Europa und dem Orient

„Noch viele andere Gegensätze bestehen zwischen dem Orient und Europa.

Bei den Orientalen ist der Bart ein Zeichen der Würde, in Europa ein Merkmal der Vernachlässigung.

Im Orient schneidet man Brot u. s. w. von sich ab, in Europa zu sich her.

Im Orient winkt man mit der Hand nach unten, in Europa nach oben.

Im Orient ist es Gebrauch, den Kopf zu rasieren; in Europa gilt das als Strafe.

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