Schlagwort-Archive: Sitten

Auszug: Friedrich Nietzsche – Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer

«Irgendwo gibt es noch Völker und Herden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da gibt es Staaten. Staat? Was ist das?

Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker. Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.« Lüge ist’s! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.

Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele und heißen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin. Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten. Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und Bösen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten. Aber der Staat lügt in allen Zungen der Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er’s.

Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beißt er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide. Sprachverwirrung des Guten und Bösen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates.

Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes! Viel zu viele werden geboren: für die Überflüssigen ward der Staat erfunden! Staat nenne ich’s, wo alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller – »das Leben« heißt.»

(Friedrich Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“)

Kurz gesagt: Über Zivilisation

von Yahya ibn Rainer

Zivilisation ist der Zustand einer Gesellschaft, in der sich die Mitglieder freiwillig an bestimmte Regeln halten. Der Niedergang einer Zivilisation kündigt sich an, wenn diese bestimmten Regeln mehrheitlich nicht mehr freiwillig befolgt werden und deshalb durch den Staat mit Zwang durchgesetzt werden müssen.

Die Tragik der Neuzeit besteht darin, dass dieser Staat heute von denen okkupiert wird, die er eigentlich zwingen sollte diese bestimmten Regeln zu befolgen.

Das Resultat ist die komplette Abschaffung der ungenehmen Regeln, die einst die Voraussetzung für die Zivilisation waren, und sie werden ersetzt durch die institutionalisierten Neigungen und Gelüste der Unzivilisierten, welche nun wiederum den Mitgliedern der Gesellschaft mit staatlicher Gewalt aufgezwungen werden, da sich niemand ernsthaft und freiwillig an einer Barbarisierung beteiligen möchte, denn nichts anderes ist die Abschaffung der Zivilisation.

Auszug aus Heinrich Heines Testament

„Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konfession angehöre, wünsche ich nicht, daß die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begräbnisse eingeladen werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschaft, um mein Leichenbegängnis zu feiern.

Auszug aus Heinrich Heines Testament weiterlesen

Identität – Ich bin ein Kulturpatriot

von Yahya ibn Rainer (am 16. November 2012)

Unser deutsches kulturelles Erbe ist reichhaltig und durchaus beachtenswertes. Anerkannte Leistungen auf dem Gebiet der Natur- und Geisteswissenschaften gehören ebenso zu unserem kulturellen Erbe, wie gewachsene und tradierte Sitten und Gebräuche.

Besonders die Deutsche Sprache ist eine weltweit hochgeachtete Kultursprache, die mit einer besonders tief gehenden und bedeutungsschweren Etymologie (Usul) gesegnet ist.

Identität – Ich bin ein Kulturpatriot weiterlesen

Buchauszug: Roland Baader – Konstruktivistischer Rationalismus

„Auf Kurzformeln komprimiert, ist mit dem Konstruktivistischen Rationalismus die unter Intellektuellen weitverbreitete Überschätzung der menschlichen Vernunft gemeint, die Tatsache nämlich, daß die meisten Vertreter der „denkenden Zunft“ kulturell-gesellschaftliche Institutionen (wie z.B. Ehe, Familie, Eigentum) und Regeln (Verhaltensnormen, Tabus, geltende Werte) für Einrichtungen halten, die von Menschen bewußt und absichtlich erdacht und eingeführt worden seien (und die man deshlab auch nach Maßgabe rationaler Überlegungen wieder ändern könne).

Es handelt sich beim Konstruktivistischen Rationalismus also um die Unkenntnis (oder um die Erkenntnisverweigerung) der Tatsache, daß viele – und gerade die für das gesellschaftliche Leben bedeutsamsten – dieser Institutionen, Regeln und Werte „zwar das Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht das Ergebnis menschlichen Entwurfs sind“ (Hayek).

Nicht nur ein Gutteil dessen, was Gesellschafts- und Staatsphilosophen von sich gegeben haben, sondern auch ein Großteil dessen, was Macht- und Medien-Eliten unter Politik verstehen, beruht auf diesem Aberglauben, gesellschaftliche Verhältnisse und Verhaltensmuster seien rational konstruierbar und planerisch zu verändern (zu „verbessern“).“

(Roland Baader, Geld, Gold und Gottspieler – Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise, Seite 290)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die Sittlichkeit der Frauen (1901)

Ja, es ist ein trauriges Kapitel: das Los der jungen Frauenzimmer, sie sich, eben den Kinderjahren entwachsen und den Eltern zur Last, in dienende Stellung, in fremde Häuser, in die famosen Fabriken der Großstädte begeben müssen, so daß nur ein in Vorurteilen befangener die abendländische Gestaltung der Dinge dem System des Orients vorziehen möchte.

Hier ein Eingeständnis, eine volle Anerkennung natürlicher Bedürfnisse; dort eine verlogene Scheinsittlichkeit mit vielem Schmutz, der sich nicht nur in den Winkeln verkriecht, sondern sich mehr und mehr auf die Straße, in die Öffentlichkeit drängt und, wird’s zu arg, mit einigen polizeilichen Zwangsmaßregeln bedacht wird, die leider, wie wir täglich sehen, nie den Baum an der Wurzel treffen, sondern nur seine Zweige auf der einen Seite kappen.

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die Sittlichkeit der Frauen (1901) weiterlesen

Buchauszug: Prof. Bertrand de Jouvenel – Journalismus ohne Ethik

„Sehen wir uns jetzt den Eigentümer einer weitverbreiteten Zeitung an. Er ist kein bloßer Papierhändler, der eine Nachfrage bedient; er verbreitet Auffassung, weckt Emotionen, formt oder zerstört Verhaltensbilder. Seit dem Erscheinen des ersten ‚Pfennig-Blattes‘ ist keine Ethik für die Presse mit hoher Auflagenzahl entstanden. Die allgemeine Schulpflicht, die dem Zweck dienen sollte, die Wirkung des ausgedehnten Wahlrechts durch die Bereitstellung eines für die Bildung vernünftiger Meinung notwendigen Minimalwissens auszugleichen, hat den Stimmungsverkäufern eine unbegrenzte Reservearmee von Konsumenten geliefert.

Buchauszug: Prof. Bertrand de Jouvenel – Journalismus ohne Ethik weiterlesen

Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898)

„Gibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das türkische. Jeder Kenner dieser braven, liebenswürdigen, grundehrlichen und dafür von aller Welt verlästerten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tatsächlich gibt es kaum eine Staats- und gesellschafterhaltende Tugend, die dem Türken — insbesondere dem anatolischen — nicht eigen wäre: Herzensgüte und Ehrlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, demokratischer Gleichheitssinn und unbedingte Loyalität gegen die Regierung, so drückend die staatliche Notwendigkeit auch auf ihm lasten möge, endlich natürlicher Anstand und Mässigkeit und eine von der Religiosität nicht in Banden gehaltenen Intelligenz. Welch hohe Lebensweisheit, welch sittlicher Ernst, welches Gemüt spricht nicht schon aus den teilweise sogar aus vorislamscher Zeit stammenden türkischen Sprüchwörtern: „Wer von der Lüge sich entfernt, der nähert sich Gott.“ — „Mann ist, wer sein Wort hält.“ — »Tue das Gute, und wirf es ins Meer; sieht es der Fisch nicht, so sieht es der Herr.“ — „Tue Gutes denen, die dir Böses antun, so wirst du bei Gott Gnaden finden“ u. s. w, Maximen, denen der gute Moslim in seinem Wandel weit eifriger nachzuleben pflegt, als der Christ den ähnlich lautenden Befehlen Jesu. […]

Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898) weiterlesen

Weitere Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

<< Vorherige Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

„Wie ganz anders urteile ich jetzt über die Türken, die ich bei meiner ersten Ankunft hier mit so lieblosen Vorurteilen betrachtete ! Mit ihren Sitten, Gewohnheiten und ihrem Charakter bin ich jetzt, ebenso wie mit ihrer Tracht, nicht allein ausgesöhnt, sondern aufrichtig befreundet ; denn ich habe Wahrheitsliebe, Rechtschaffenheit und Freundlichkeit gefunden, die achtungswertesten und liebenswürdigsten Eigenschaften, bei einem Volke, wo ich sie noch wenig erwartet hatte. […]

Der allgemeine Charakter dieses Volks ist vollständige Ergebenheit in die Vorschriften ihrer Religion. Diese bildet ebensowohl das bürgerliche wie das sittliche Gesetz, und ist, anstatt durch weltliche Geschäfte und Interessen unterbrochen, unaufhörhch mit den täghchen und stündlichen Beschäftigungen, ja mit jeder Handlung des Lebens verknüpft. Das Gebet ist bei ihnen nicht auf einen bestimmten Ort beschränkt, — und wird ebensowohl auf dem Felde und in der Kammer gehalten, wie in der Moschee. Jeder verrichtet seine Andacht, unabhängig von einer Priesterschaft (die hier nicht existiert) in vollkommener Einfalt und ohne Ostentation. Charakter, Sitten und Gebräuche, körperliche Gesundheit und das ganze Leben des Volkes scheinen durch die Religion gebildet. Ich habe den Koraan nicht gelesen, und mein Urteil über die Religion ist daher nach ihren Lehrern gebildet, die in der Tat nicht blosse Lehren zu sein scheinen. […]

Dass die Religion alle bürgerlichen Verhältnisse und Pflichten regelt, habe ich stets an den Antworten auf meine Fragen, warum dies oder jenes geschehe, bemerkt, wo die beständige Antwort war, ihre Religion befehle es ihnen. Gesetz und Religion sind eines und werden den Kindern von Jugend auf zusammen gelehrt, und bei einer Verletzung der so eingeschärften Pflichten, hat der Sultan absolute Gewalt zu strafen, und die Ausübung derselben ist sicher. […]

Der Zug im Charakter des Volkes, welcher dem Fremden, der unter ihnen verweilt, zuerst auffällt, ist Gastfreundlichkeit. Diese wurde mir von allen Ständen erwiesen, vom Pascha bis zu dem Bauer in seinem Zelte im Gebirge, — und als etwas, das sich ganz von selbst versteht, ohne den Gedanken an eine Vergeltung. Keine Frage ward getan; an einen Unterschied der Nation oder Religion, von reich oder arm, wurde nicht gedacht; sondern „speise den Fremden“ war das allgemeine Gesetz. […]

Zunächst fällt dem Reisenden die Ehrlichkeit des Volkes auf. Ich liess stets Sättel, Riemenzeug, Kochgeräte und alles, was ich nicht im Zelte brauchte, wo ich und mein Diener schliefen, draussen vor demselben, ohne die geringste Furcht, dass wir etwas verlieren könnten, obgleich hin und wieder jemand vorbeiging und neugierig mein Eigentum untersuchte; aber auch nicht ein Stück Schnur ist mir weggekommen. […]

Als ich gegen meinen Diener, einen Griechen, darüber eine Bemerkung äusserte, entschuldigte er die Ehrlichkeit der Türken, in dem er meinte, ihre Religion erlaube ihnen nicht zu stehlen. An Versuchungen zur Übertretung fehlt es keineswegs, denn die gewöhnlichen Anzüge der Frauen und Kinder sind reich mit der kurrenten Goldmünze des Landes besetzt, aber das Gesetz „Du sollst nicht stehlen!“ scheint unbedingten Gehorsam zu finden. Wahrheitsliebe, die Zwillingsschwester der Ehrlichkeit, tritt ebenfalls scharf bei ihnen hervor, und hier verteidigt der Grieche sie wieder, — das moslimsche Gesetz erlaubt nicht zu lügen; ihre Religion verbietet es. […]

Die Nationalsitte, welche es zu einem besondern Vorrechte des Sohnes macht, dem Vater aufzuwarten, flösst dem Volke von Jugend auf die Pflicht ein, ihre Eltern zu ehren. In allen Lagen und Umständen wo ich sie sah, in ihren Familien und unter Fremden, schien Liebe und Zärtlichkeit gegen einander zu herrschen. Aufrichtigkeit verscheucht allen Verdacht, und Ehrbarkeit und Biederkeit erzeugen Offenheit in allen ihren Handlungen. […]

Ihrer Religion gehorsam, welche, eben so wie das jüdische Gesetz, für Geld Zinsen zu nehmen verbietet, enthalten sie sich vieler einträglicher Gewerbe, welche mit Darlehn verbunden sind; daher kommt es, dass andere Nationen, in der Regel die Armenier, die Bankiersgeschäfte betreiben. […]

Ihre religiöse Ergebenheit gibt ihnen eine solche Unterwerfung unter den göttlichen Willen, dass man sie sogar fälschlicher Weise als Fatalisten dargestellt hat. Allein sie sind ebenso bedacht, Übel zu vermeiden, wie andere. Ich habe gesehen, dass sie alle Kräfte anwandten, um eine Feuersbrunst zu löschen; oft bin ich von ihnen um Arznei gebeten worden, und sie nehmen gern Rat, um Krankheit zu verhüten; wenn aber dem Feuer nicht Einhalt getan werden kann, so unterwerfen sie sich und sagen : „Gott ist gross !“ und wenn die Krankheit mit dem Tode endet, sei es bei einem Kinde oder den Eltern, so zeigt das kräftige Auge allein, was im Herzen vorgeht, und der Leichnam wird dem Grabe überliefert, mit der unterwürfigen Betrachtung „Gott ist gross und barmherzig. […]

Die Erlaubnis der Mehrehe, welche das muselmansche Gesetz gestattet, hat zu einer der strengsten Anklagen gegen den sittlichen Charakter ihrer Bekenner Grund gegeben. Aber obwohl das Gesetz erlaubt, mehrere Frauen zu haben, so macht doch das Volk selten Gebrauch von dieser Freiheit. In tausend Fällen habe ich den Türken in seinem Zelte mit einer Frau gesehen, der er mit eben solcher Zärtlichkeit anhing, wie ein Bauer seiner Frau in einem christlichen Lande, […]

Ehe ich dieses Volk besuchte, bildete ich mir ein, ein Zug seines Charakters sei Grausamkeit; ich habe aber sowohl in ihrer Behandlung der Tiere, als in ihrem Betragen gegen einander selbst gerade das Gegenteil gefunden. Instrumente zur Züchtigung der Lasttiere kennt man kaum. Über das Kameel erlangen sie allen Einfluss durch Freundlichkeit und Belohnungen, und der Gehorsam desselben ist vollkommen. Dem Europäer fällt es sehr auf, dass die Vögel durchaus keine Furcht haben, und dies allein reicht hin, die Osmanen von jeder Beschuldigung frei zu sprechen. […]

Dem Verbote des Weines (und aller berauschender Getränke), welches dem muselmanschen Gesetze eigentümhch ist, ist vielleicht zum grossen Teil die moralische und physische Gesundheit des Volkes zuzuschreiben. Der Unmässigkeit, welche alle jene guten Grundsätze zu Schanden machen würde, wird dadurch entgegengetreten. Die physischen Folgen dieses Gesetzes sieht man deutlich daran, dass es keine Krüppel gibt und die Türken fast keine Krankheit kennen; Zahnschmerz ist fast das einzige Übel, dem sie oft unterworfen sind. Eine der wohltätigen sittlichen Folgen der Mässigkeit zeigt sich darin, dass man bei dem Volke durchaus keine verworfene Armut findet. Ich habe keine Bettler gesehen, ausser Blinden, und einige wenige Personen, denen man die Armut ansah. Die Bedürfnisse des Volkes sind gering, und in der Regel leicht zu befriedigen, und in jedem Zelte findet man ein Mahl für den Fremden, welches Standes er auch sein mag. Ich habe nie einen Türken von Opium berauscht gesehen, und ich glaube, der Gebrauch dieses Reizmittels beschränkt sich auf die üppigen Bewohner der Hauptstadt. […]

Muss sich nicht das christliche Europa vor diesen Bekennern des falschen (?) Propheten schämen? Wären wir unserer Religion ebenso ergeben, wie die Muselmanen der ihrigen, — welch ein Himmel auf Erden würden unsere Länder sein! Der Aberglaube und gänzliche Mangel an Moralität bei den Bekennern der griechischen Kirche kann die Osmanen wohl von einem Wechsel ihrer Religion abschrecken. Die Bekenner der griechischen Kirche werden oft Anhänger des Propheten, wenn sie dabei für ihren Handel oder ihre bürgerliche Stellung Vorteile sehen; aber wohl nie kommt der Fall vor, dass ein Türke zu diesem sogenannten Christentum übertritt.“

(Sir Charles Fellows, Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien, 1853)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Was der Christ in den Orient bringt (1901)

„So ist die Einfachheit und Anspruchslosigkeit der arabischen oder persischen Cafeschänken durchaus nicht der Mangel einer fehlenden Kultur und beklagenswerten langweiligen Armseligkeit des Lebens, sondern sie würde würdiger verglichen mit der Einfachheit des griechischen Theaters, wo ohne alle Meiningerei die Verse eines Sophokles, Euripides, Äschylos vorgeführt wurden. Und diese arabisch-syrisch-palästinischen Lande, — es sind die Stätten, wo die herrschenden Religionen Europas geboren wurden, jenes Evangelium der Armen und Bettler das Licht der Welt erblickte, — es sind die Orte, wo man es ernst meint mit dieser Einfachheit des Lebens; es sind die Wohnstätten uralter Kultur und Weisheit, wohin schon in vorgeschichtlichen Zeiten die alten Griechen wallfahrteten, hin zur mystischen, wahrlich im tiefen Innern verborgenen Weisheit des Orients! Und dorthin will nun der Christ mit dem Musterkasten wallfahren, Absatzgebiete für seine Fabrikware schaffen, Bedürfnisse importieren, aufdrängen, welche die Moslims nicht haben und gar nicht haben wollen. Mit seiner Kultur und seinen sozialen Fragen will er jene Gegenden beschenken und, — wenn die Geduld reißt, wenn der Fanatismus erwacht, — den Leuten die Pistole auf die Brust und die Mündung der Kanonen auf ihre Gebäude richten.

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Was der Christ in den Orient bringt (1901) weiterlesen

Buchauszug: Immanuel Kant – Die Absicht (Niyya)

„Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt, oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zu Erreichung irgend eines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d.i. an sich, gut, und, für sich selbst betrachtet, ohne Vergleich weit höher zu schätzen, als alles, was durch ihn zu Gunsten irgend einer Neigung, ja, wenn man will, der Summe aller Neigungen, nur immer zu Stande gebracht werden könnte.

Buchauszug: Immanuel Kant – Die Absicht (Niyya) weiterlesen

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 3)

von Yahya ibn Rainer

Ohne viel zu kommentieren, werde ich im Folgenden Passagen aus dem Buche Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr von Knigge zitieren.Ich werde mich hierbei lediglich am 1. Kapitel (Allgemeine Bemerkungen und Vorschriften über den Umgang mit Menschen) im 1. Teil des Buches bedienen, wobei zu erwähnen wäre, dass dieses Buch aus insgesamt 3 Teilen besteht, welche jeweils 3, 12 und 11 Kapitel haben. Für diejenigen unter euch, die auch einen Blick in die restlichen Teile und Kapitel werfen wollen, werde ich das Buch im Anhang an diesen Artikel als PDF zum download anbieten.

Sodann… :

1. Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht. Das ist ein goldener Spruch, ein reiches Thema zu einem Folianten über den esprit de conduite und über die Mittel, in der Welt seinen Zweck zu erlangen; ein Satz, dessen Wahrheit auf die Erfahrung aller Zeitalter gestützt ist. […]

2. Strebe nach Vollkommenheit, aber nicht nach dem Scheine der Vollkommenheit und Unfehlbarkeit! Die Menschen beurteilen und richten Dich nach dem Maßstabe Deiner Prätensionen, und sie sind noch billig, wenn sie nur das tun, wenn sie Dir nicht Prätensionen aufbürden. Dann heißt es, wenn Du auch nur des kleinsten Fehlers Dich schuldig machst: »Einem solchen Manne ist das gar nicht zu verzeihn«; und da die Schwachen sich ohnehin ein Fest daraus machen, an einem Menschen, der sich verdunkelt, Mängel zu entdecken, so wird Dir ein einziger Fehltritt höher angerechnet als andern ein ganzes Register von Bosheiten und Pinseleien.

3. Sei aber nicht gar zu sehr ein Sklave der Meinungen andrer von Dir! Sei selbständig! Was kümmert Dich am Ende das Urteil der ganzen Welt, wenn Du tust, was du sollst? Und was ist Deine ganze Garderobe von äußern Tugenden wert, wenn Du diesen Flitterputz nur über ein schwaches, niedriges Herz hängst, um in Gesellschaften Staat damit zu machen?

4. Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

5. Schreibe nicht auf Deine Rechnung das, wovon andern das Verdienst gebührt! Wenn man Dir, aus Achtung gegen einen edlen Mann, dem Du angehörst, Vorzug oder Höflichkeit beweist, so brüste Dich damit nicht, sondern sei bescheiden genug zu fühlen, daß dies alles vielleicht wegfallen würde, wenn Du einzeln aufträtest! Suche aber selbst zu verdienen, daß man Dich um Deinetwillen ehre! Sei lieber das kleinste Lämpchen, das einen dunklen Winkel mit eigenem Lichte erleuchtet als ein großer Mond einer fremden Sonne oder gar Trabant eines Planeten!

6. Fehlt Dir etwas, hast Du Kummer, Unglück, leidest Du Mangel, reichen Vernunft, Grundsätze und guter Wille nicht zu, so klage Dein Leid, Deine Schwäche niemand als dem, der helfen kann, selbst Deinem treuen Weibe nicht! […]

7. Rühme aber auch nicht zu laut Deine glückliche Lage! Krame nicht zu glänzend Deine Pracht, Deinen Reichtum, Deine Talente aus! Die Menschen vertragen selten ein solches Übergewicht ohne Murren und Neid. Lege daher auch andern keine zu große Verbindlichkeit auf! […]

8. Vor allen Dingen wache über Dich, daß Du nie die innere Zuversicht zu Dir selber, das Vertrauen auf Gott, auf gute Menschen und auf das Schicksal verlierst! Sobald Dein Nebenmann auf Deiner Stirne Mißmut und Verzweiflung liest – so ist alles aus. Sehr oft aber ist man im Unglücke ungerecht gegen die Menschen. Jede kleine böse Laune, jede kleine Miene von Kälte deutet man auf sich; man meint, jeder sehe es uns an, daß wir leiden, und weiche vor der Bitte zurück, die wir ihm tun könnten.

9. Gegenwart des Geistes ist ein seltenes Geschenk des Himmels und macht, daß wir im Umgange in sehr vorteilhaftem Lichte erscheinen. Dieser Vorzug nun läßt sich freilich nicht durch Kunst erlangen; allein man kann an sich arbeiten, daß, wenn er uns fehlt, wir wenigstens nicht durch Übereilung uns und andre in Verlegenheit setzen. Sehr lebhafte Temperamente haben hierauf vorzüglich zu achten. Ich rate daher, wenn eine unerwartete Frage, ein ungewöhnlicher Gegenstand oder irgend etwas anders uns überrascht, nur eine Minute still zu schweigen und der Überlegung Zeit zu lassen, uns zu der Partei vorzubereiten, die wir nehmen sollen. So wie ein einziges rasches, unvorsichtiges Wort oder ein in der Verwirrung unternommener Schritt zu späte Reue und unglückliche Folgen wirken können, so kann ein schnell auf der Stelle gefaßter und ausgeführter rascher Entschluß in entscheidenden Augenblicken, in welchen man so leicht den Kopf verliert, Glück, Rettung, Trost bringen.

10. So wenig als möglich lasset uns von andern Wohltaten fordern und annehmen! … Um nun fremden Beistandes entbehren zu können, dazu ist das beste Mittel, wenig Bedürfnisse zu haben, mäßig zu sein und bescheidene Wünsche zu nähren; wer aber von unzähligen Leidenschaften in rastlosem Taumel umhergetrieben wird, bald Ehrenstellen, bald Wucher, bald Erwerb, bald wollüstigen Genuß verlangt; wer von dem Luxus des Zeitalters angesteckt, alles begehrt, was seine Augen sehen, wen vorwitzige Neugier und ein unruhiger Geist treiben, sich in jeden unnützen Handel zu mischen, der wird freilich nie der Hilfe und Unterstützung fremder Leute zur Befriedigung seiner zahllosen Wünsche sich entäußern können.

11. Keine Regel ist so allgemein, keine so heilig zu halten, keine führt so sicher dahin, uns dauerhafte Achtung und Freundschaft zu erwerben, als die: unverbrüchlich, auch in den geringsten Kleinigkeiten, Wort zu halten, seiner Zusage treu, und stets wahrhaftig zu sein in seinen Reden. Nie kann man Recht und erlaubte Ursache haben, das Gegenteil von dem zu sagen, was man denkt, wenngleich man Befugnis und Gründe haben kann, nicht alles zu offenbaren, was in uns vorgeht. …

12. Sei streng, pünktlich, ordentlich, arbeitsam, fleißig in Deinem Berufe! Bewahre Deine Papiere, Deine Schlüssel und alles so, daß Du jedes einzelne Stück auch im Dunkeln finden könntest! Verfahre noch ordentlicher mit fremden Sachen! Verleihe nie Bücher oder andre Dinge, die Dir geliehen worden; hast Du von andern dergleichen geliehn, so bringe oder schicke sie zu gehöriger Zeit wieder und erwarte nicht, daß sie oder ihre Domestiken noch Wege darum tun, um diese Dinge abzuholen! – Jedermann geht gern mit einem Menschen um und treibt Geschäfte mit ihm, wenn man sich auf seine Pünktlichkeit in Wort und Tat verlassen kann.

13. Interessiere Dich für andre, wenn Du willst, daß andre sich für Dich interessieren sollen! Wer unteilnehmend, ohne Sinn für Freundschaft, Wohlwollen und Liebe, nur sich selber lebt, der bleibt verlassen, wenn er sich nach fremdem Beistande sehnt. […]

15. Vor allen Dingen vergesse man nie, daß die Leute unterhalten, amüsiert sein wollen; daß selbst der unterrichtendste Umgang ihnen in der Länge ermüdend vorkommt, wenn er nicht zuweilen durch Witz und gute Laune gewürzt wird; daß ferner nichts in der Welt ihnen so witzreich, so weise und so ergötzend scheint, als wenn man sie lobt, ihnen etwas Schmeichelhaftes sagt; daß es aber unter der Würde eines klugen Mannes ist, den Spaßmacher, und eines redlichen Mannes unwert, den niedrigen Schmeichler zu machen. Allein es gibt einen gewissen Mittelweg; diesen rate ich einzuschlagen, und da jeder Mensch doch wenigstens eine gute Seite hat, die man loben darf, und dies Lob, wenn es nicht übertrieben wird, aus dem Munde eines verständigen Mannes Sporn zu größerer Vervollkommnung werden kann, so ist das Wink genug für den, der mich verstehn will.

Zeige, so viel du kannst, eine immer gleiche, heitere Stirne! Nichts ist reizender und liebenswürdiger, als eine gewisse, frohe, muntre Gemütsart, die aus der Quelle eines schuldlosen, nicht von heftigen Leidenschaften in Tumult gesetzten Herzens hervorströmt. Wer immer nach Witz hascht, wem man es ansieht, daß er darauf studiert hat, die Gesellschaft zu unterhalten, der gefällt nur auf kurze Zeit und wird bei wenigen Interesse erwecken; er wird nicht aufgesucht werden von denen, deren Herz sich nach besseren Umgange und deren Kopf sich nach sokratischer Unterhaltung sehnt.

Wer immer Spaß machen will, der erschöpft sich nicht nur leicht und wird matt, sondern hat auch die Unannehmlichkeit, daß, wenn er einmal gerade nicht aufgelegt ist, seinen Vorrat von lustigen Kleinigkeiten zu öffnen, seine Gefährten das sehr ungnädig aufnehmen. Bei jeder Mahlzeit, zu welcher er gebeten wird, bei jeder Aufmerksamkeit, die man ihm erweist, scheint die Bedingung schwer auf ihm zu liegen, daß er diese Ehre durch seine Schwänke zu verdienen suchen solle; und will er es einmal wagen, den Ton zu erheben und etwas Ernsthaftes zu sagen, so lacht man ihm gerade in das Gesicht, ehe er mit seiner Rede halb zu Ende ist. Wahrer Humor und echter Witz lassen sich nicht erzwingen, nicht erkünsteln, aber sie wirken, wie das Umschweben eines höhern Genius, wonnevoll, erwärmend, Ehrfurcht erregend.

16. Gehe von niemand und laß niemand von Dir, ohne ihm etwas Lehrreiches oder etwas Verbindliches gesagt und mit auf den Weg gegeben zu haben; aber beides auf eine Art, die ihm wohltue, seine Bescheidenheit nicht empöre und nicht studiert scheine, daß er die Stunde nicht verloren zu haben glaube, die er bei Dir zugebracht hat, und daß er fühle, Du nehmest Interesse an seiner Person, es gehe Dir von Herzen, Du verkauftest nicht bloß Deine Höflichkeitsware ohne Unterschied jedem Vorübergehenden! […]

17. Wem es darum zu tun ist, dauerhafte Achtung sich zu erwerben, wem daran liegt, daß seine Unterhaltung niemand anstößig, keinem zur Last werde, der würze nicht ohne Unterlaß seine Gespräche mit Lästerungen, Spott, Medisance und gewöhne sich nicht an den auszischenden Ton von Persiflage! Das kann wohl einigemal und bei einer gewissen Klasse von Menschen auch öfter gefallen; aber man flieht und verachtet doch in der Folge den Mann, der immer auf andrer Leute Kosten oder auf Kosten der Wahrheit die Gesellschaft vergnügen will, und man hat Recht dazu; denn der gefühlvolle, verständige Mensch muß Nachsicht haben mit den Schwächen andrer; er weiß, welchen großen Schaden oft ein einziges, wenngleich nicht böse gemeintes Wörtchen anrichten kann; auch sehnt er sich nach gründlicherer und nützlicherer Unterhaltung; ihn ekelt vor leerer Persiflage. Gar zu leicht aber gewöhnt man sich in der sogenannten großen Welt diesen elenden Ton an; man kann nicht genug davor warnen. …

18. Erzähle nicht leicht Anekdoten, besonders nie solche, die irgend jemand in ein nachteiliges Licht setzen, auf bloßes Hörensagen nach! Sehr oft sind sie gar nicht auf Wahrheit gegründet oder schon durch so viele Hände gegangen, daß sie wenigstens vergrößert, verstümmelt worden, und dadurch eine wesentlich andre Gestalt bekommen haben. Vielfältig kann man dadurch unschuldigen guten Leuten ernstlich schaden und noch öfter sich selber großen Verdruß zuziehn.

19. Hüte Dich, aus einem Hause in das andre Nachrichten zu tragen, vertrauliche Tischreden, Familiengespräche, Bemerkungen, die Du über das häusliche Leben von Leuten, mit welchen Du viel umgehst, gemacht hast, und dergleichen auszuplaudern! Wenn dies auch nicht eigentlich aus Bosheit geschieht, so kann doch eine solche Geschwätzigkeit Mißtraun gegen Dich und allerlei Zwist und Verstimmung veranlassen.

20. Sei vorsichtig im Tadel und Widerspruche! Es gibt wenig Dinge in der Welt, die nicht zwei Seiten haben. Vorurteile verdunkeln oft die Augen selbst des klügern Mannes, und es ist sehr schwer, sich gänzlich an eines andern Stelle zu denken. Urteile besonders nicht so leicht über kluger Leute Handlungen, oder Deine Bescheidenheit müßte Dir sagen, daß Du noch weiser wie sie seist! und da ist es denn eine mißliche Sache um diese Überzeugung. Ein kluger Mann ist mehrenteils lebhafter als ein andrer, hat heftigere Leidenschaften zu bekämpfen, bekümmert sich weniger um das Urteil des großen Haufens, hält es weniger der Mühe wert, sein gutes Gewissen durch große Apologien zu rechtfertigen. …

23. Rede also nicht zu viel von Dir selber, außer in dem Zirkel Deiner vertrautesten Freunde, von welchen Du weißt, daß die Sache des einen unter ihnen eine Angelegenheit für alle ist; und auch da bewache Dich, daß Du nicht Egoismus zeigest. Vermeide, selbst dann zu viel von Dir zu reden, wenn gute Freunde, wie es vielfältig geschieht, das Gespräch aus Höflichkeit auf Deine Person, auf Deine Schriften und dergleichen leiten! Bescheidenheit ist eine der liebenswürdigsten Eigenschaften und macht um so vorteilhaftere Eindrücke, je seltener diese Tugend in unsern Tagen wird. …

27. Flicke keine platten Gemeinsprüche in Deine Reden ein. Zum Beispiel: daß Gesundheit ein schätzbares Gut; daß das Schlittenfahren ein kaltes Vergnügen; daß jeder sich selbst der Nächste sei; daß, was lange dauert, gut werde, wovon ich das Gegenteil zu beweisen übernehme; daß man durch Schaden klug werde, welches leider selten eintrifft; oder daß die Zeit schnell hingehe – welches, im Vorbeigehn zu sagen, gar nicht wahr ist; denn da die Zeit nach einem bestimmten Maßstabe berechnet wird, so geht sie nicht schneller vorbei, als sie gerade muß, und der, welchem ein Jahr kürzer vorkommt, als es ist, der muß in demselben über Gebühr geschlafen haben oder sonst seiner Sinne nicht mächtig gewesen sein. Solche Sprichwörter sind sehr langweilig und nicht selten sinnlos und unwahr.

28. Belästige nicht die Leute, mit welchen Du umgehst, mit unnützen Fragen. …

29. Lerne Widerspruch ertragen. Sei nicht kindisch eingenommen von Deinen Meinungen. Werde nicht hitzig noch grob im Zanke. …

31. Daß ein redlicher und verständiger Mann über wesentliche Religionslehren, auch dann, wenn er das Unglück haben sollte, an der Wahrheit derselben zu zweifeln, sich dennoch keinen Spott erlauben wird, ich meine, das versteht sich von selber; …

32. Wenn Du von körperlichen, geistigen, moralischen oder andern Gebrechen redest oder Anekdoten erzählst, die gewisse Grundsätze oder Vorurteile lächerlich machen oder gewisse Stände in ein nachteiliges Licht setzen sollen, so siehe Dich vorher wohl um, ob niemand gegenwärtig sei, der das Übel aufnehmen, diesen Tadel oder Spott auf sich oder seine Verwandten ziehn könnte.
Halte Dich über niemandes Gestalt, Wuchs und Bildung auf! Es steht in keines Menschen Gewalt, diese zu ändern. Nichts ist kränkender, niederschlagender und empörender für den Mann, der unglücklicherweise eine etwas auffallende Gesichtsbildung oder Figur hat, als wenn er bemerkt, daß diese der Gegenstand der Verspottung oder Befremdung wird. …

34. Suche keinen Menschen, auch den Schwächsten nicht, in Gesellschaften lächerlich zu machen. Ist er dumm, so hast Du wenig Ehre von dem Witze, den Du an ihn verschwendest; ist er es weniger, als Du glaubst, so kannst Du vielleicht der Gegenstand seines Spottes werden; ist er gutmütig und gefühlvoll, so kränkest Du ihn, und ist er tückisch und rachsüchtig, so kann er Dir’s vielleicht auf eine Rechnung setzen, die Du früh oder spät auf irgendeine Art bezahlen mußt. …

35. Schrecke, zerre und necke auch niemand, selbst Deine Freunde nicht, mit falschen Nachrichten, mit Witzeleien oder was sonst auf einen Augenblick beunruhiget, in Verlegenheit setzt! …

39. Bekümmere Dich nicht um die Handlungen Deiner Nebenmenschen, insofern sie nicht Bezug auf Dich oder so sehr auf die Moralität im ganzen haben, daß es Verbrechen sein würde, darüber zu schweigen. Ob aber jemand langsam oder schnell geht, viel oder wenig schläft, oft oder selten zu Hause, prächtig oder lumpig gekleidet ist, Wein oder Bier trinkt, Schulden oder Kapitalien macht, eine Geliebte hat oder nicht – was geht das Dich an, wenn Du nicht sein Vormund bist? Tatsachen hingegen, die man durchaus wissen muß, erfährt man oft am besten von dummen Leuten, weil diese ohne Witz, ohne Konsequenzmacherei, ohne Seitenblicke, ohne Verbrämung und ohne Leidenschaft geradehin erzählen. …

41. Eine der wichtigsten Tugenden im gesellschaftlichen Leben und die wirklich täglich seltener wird, ist die Verschwiegenheit. Man ist heutzutage so äußerst trügerisch in Versprechungen, ja in Beteuerungen und Schwüren, daß man ohne Scheu ein unter dem Siegel des Stillschweigens uns anvertrautes Geheimnis gewissenloserweise ausbreitet. …

44. Soviel über den äußern Anstand und über schickliche Manieren. Also nur noch etwas über die Kleidung. Kleide Dich nicht unter und nicht über Deinen Stand; nicht über und nicht unter Dein Vermögen; nicht phantastisch; nicht bunt; nicht ohne Not prächtig, glänzend noch kostbar; aber reinlich, geschmackvoll, und wo Du Aufwand machen mußt, da sei Dein Aufwand zugleich solide und schön. …

55. Verflechte niemand in Deine Privatzwistigkeiten und fordre nicht von denen, mit welchen Du umgehst, daß sie teil an den Uneinigkeiten nehmen sollen, die zwischen Dir und andern herrschen. …

58. Beurteile die Menschen nicht nach dem, was sie reden, sondern nach dem, was sie tun.

Was kann man dazu noch sagen? Bei mir löste die erste Lektüre dieses Kapitels eine Art Déjà-vu aus. Unweigerlich beschlich mich das Gefühl, dass ich soeben einen islamischen Text gelesen hätte. Viele der Tugenden und Sitten, die der Freiherr im 1. Kapitel aufzählt, finden eine Entsprechung in der Sunnah des Propheten -Allah segne ihn und schenke ihm Heil-, von den restlichen kann man mehrheitlich sagen, dass sie zumindest keiner expliziten Sunnah widersprechen. Es liest sich einfach großartig und läßt aber zugleich auch eine Art Wehmut aufkommen, wenn man daran denkt was aus diesen Tugenden heutzutage geworden ist und mit welcher Verächtlichkeit man angegriffen wird, wenn man zur Rückbesinnung auf diese Tugenden aufruft.

Aber eines steht zumindest fest, ein Deutscher der den Islam annimmt, muss nicht etwa (wie oft vermutet bzw behauptet) irgendwelche fremden Sitten annehmen, sondern er rekultiviert im Grunde nur seine ureigenen Tugenden und vervollständigt diese lediglich mit der Sunnah des Gesandten Allahs -Allah segne ihn und schenke ihm Heil-.

Ist das nicht toll???

Hier das gesamte Werk als PDF zum Herunterladen:

PDF: Knigge – Über den Umgang mit Menschen

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 2)

von Yahya ibn Rainer

Der vorherige 1. Teil dieser Reihe endete mit der Auflistung einiger bekannter Deutschen Tugenden, die auch (und besonders) als Preußische Tugenden bekannt wurden, sowie mit der Ankündigung, zur näheren Beleuchtung der Übereinstimmungen mit dem Islamischem Akhlaq (Charakter) das Buch Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr von Knigge zu bemühen. Zuvor möchte ich aber noch 2 Fakten einschieben, die für diesen Sachverhalt von Interesse sein könnten.

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 2) weiterlesen

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 1)

von Yahya ibn Rainer

O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig.

Quran Sure 49, Aya 13

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 1) weiterlesen