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Zitat: Ali Pasha Mubarak über den Trickle-Down-Effekt

«Denn so wie die Reichen sich sehr anstrengen um viel Gewinn zu erzielen, so haben auch die Armen ihre Manieren ihr Brot zu verdienen und ihren Vergnügungen nachzugehen, je nach ihrer Situation.

Die Armen entsprechen in jeder Stadt ja immer den Reichen. Je größer die Stadt wird und je reicher die Reichen, nehmen auch die Existenzmöglichkeiten der Armen zu, denn indem sie überall Stellen haben und Dienste leisten, können sie mehrere Sachen zu gleicher Zeit verfolgen, was man nur sieht wenn man gut darauf acht gibt.»

– Ali Pasha Mubarak (gest. 1310 n.H.),
in seinem Buch ‚Alam ad-Dīn

Quelle: https://lesewerkarabisch.wordpress.com/2017/12/14/ali-mubarak-und-das-trickle-down-effekt

Buchauszug: Ibn Khaldun – Darlegung der Arbeitsteilung als Grundlage für allgemeinen Reichtum

Bereits im August 2015 wies ich an dieser Stelle auf die Muqaddima von Ibn Khaldun hin, Bezug nehmend auf seine Darlegung der Arbeitsteilung, welche vieles von dem voraus nahm, was etwa 400 Jahre später Adam Smith publizierte und ihm den Titel eines Aufklärers und des Begründers der klassischen Nationalökonomie und der Freien Marktwirtschaft einbrachte. Hier nun ein weiterer Auszug aus Ibn Khalduns Muqaddima, diesmal Bezug nehmend auf die Wichtigkeit der Arbeitsteilung für die Erwirtschaftung eines Überschusses, was als Grundlage für einen prosperierenden Handel und allgemeinen Wohlstand und Reichtum betrachtet wird.

«Je nach Größe ihrer Bevölkerung unterscheiden sich die Städte und Ortschaften in· der Vermögenslage ihrer Bewohner sowie in der Prosperität ihrer Märkte.

Die Ursache hierfür liegt darin, dass, wie bekannt und erwiesen ist, der einzelne Mensch allein die Bedürfnisse seines Lebensunterhaltes nicht decken kann und dass die Menschen zu diesem Zweck in ihrer Zivilisation zusammenarbeiten.

Doch was mehrere Menschen durch ihr Zusammenwirken erreichen können, beträgt ein Vielfaches des (zum Leben) Notwendigen für eine viel größere Anzahl von Menschen. So kann z. B. der einzelne seinen Bedarf an Weizen, den er als Nahrung benötigt, nicht allein erzeugen.

Doch wenn sich nun sechs oder zehn Leute daran beteiligen – ein Schmied und ein Zimmermann für die Werkzeuge, jemand, der die Rinder aufzieht, andere, die die Erde pflügen, Ähren abernten und alle anderen Mühen der Landwirtschaft meistern – und wenn sie diese Arbeiten untereinander verteilen oder gemeinsam ausführen, dann schaffen sie durch ihr Wirken so viel an Nahrung, dass diese Nahrung für eine vielfache Menge von ihnen selbst ausreicht.

Gemeinschaftliche Arbeit geht somit über die Bedürfnisse der Arbeitenden und das für sie (zum Leben) notwendige Maß hinaus. Wenn alle Arbeiten der Bewohner einer Ortschaft oder Stadt entsprechend den notwendigen Dingen und Bedürfnissen verteilt werden, genügt ein Minimum jener Arbeiten. Das Arbeitsvermögen kann folglich mehr als das Lebensnotwendige erbringen. Diese überschüssige Kraft wird für luxuriöse Lebensverhältnisse und die damit verbundenen Gepflogenheiten sowie für jene Dinge, die die Bewohner anderer großer Städte brauchen, aufgewendet. Deren Bewohner beschaffen sich die Dinge von ihnen durch Tausch oder Kauf mit Bargeld. Hierdurch gelangen sie zu einem gewissen Reichtum.»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 183-184)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Die Besteuerung und Ursachen ihrer unterschiedlichen Höhe

In diesem kurzen »VIDEO« hört man, wie Ronald Reagan - der 40. Präsident der USA (von 1981-1989) - den großen muslimischen Gelehrten Ibn Khaldun zitiert. Folgend könnt ihr nun den gesamten Abschnitt in deutscher Übersetzung lesen, der auf diese kurze Phrase in der Muqaddima folgt.

«Wisse, daß die Besteuerung am Beginn der Dynastie aus wenigen Anteilen große Einnahmen erbringt. Am Ende der Dynastie bringen viele Anteile nur geringe Einnahmen.

Die Ursache hierfür ist darin zu suchen, daß die Dynastie, wenn sie sich an die Religion hält, nur die im religiösen Gesetz festgelegten Zahlungen erhebt, d. h. die Armensteuer, die Grund- und die Kopfsteuer. Dies sind nur wenige Steueranteile, denn der Anteil der Armensteuer, bezogen auf das Vermögen, ist bekanntlich gering. Ebenso verhält es sich bei der Armensteuer auf Getreide und Vieh, desgleichen bei der Kopf- und Grundsteuer und allen anderen vom religiösen Gesetz festgelegten Zahlungsverpflichtungen. Sie sind Festwerte, die nicht überschritten werden können.

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Auszug: Ibn Khaldun – Einleitende Bemerkungen zur menschlichen Kultur

Der folgende Auszug stammt aus der berühmten Muqaddima, der Einführung in das mehrbändige Geschichtswerk des muslimischen Universalgelehrten Ibn Khaldun (1332-1406). Diese einleitenden Bemerkungen zur menschlichen Kultur lassen jeden Leser aufhorchen, der sich für Soziologie und Volkswirtschaft begeistern kann. Besonders die Kenner von Adam Smith und seiner Darlegung der menschlichen Arbeitsteilung, werden hier überraschende Parallelen vorfinden.

Einleitende Bemerkungen zur menschlichen Kultur im allgemeinen

Zu allererst muß festgestellt werden, daß der menschliche Zusammenschluß notwendig ist. Die Philosophen geben dem mit ihrer Aussage, daß der Mensch von Natur aus gesellschaftlich sei, Ausdruck. Das heißt, daß für ihn der Zusammenschluß, den sie mit dem Terminus <Stadt> umreißen, unumgänglich ist. Das ist auch der Sinn des Wortes ‘umran – menschliche Kultur. Die Erklärung ist darin zu suchen, daß Allah – gepriesen sei er – den Menschen schuf und ihn so gestaltete, daß dieser ohne Lebensmittel nicht leben und existieren kann. Er führte ihn dazu, durch seinen natürlichen Trieb nach diesen Lebensmitteln zu suchen, und stattete ihn mit der Kraft aus, diese zu erlangen. Doch ist die Kraft eines einzelnen Menschen nicht imstande, seinen Bedarf an allem zu decken, und sie reicht für ihn als Lebenssubstanz nicht aus.

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H. H. Frank über den Sufismus (6. Teil)

Nach längerer Zeit setze ich nun die Abschrift aus dem Buch «Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung» von Herman Heinrich Frank fort, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde.
Eine Linkliste mit allen bisher verschriftlichten Teilen der Abschrift findet ihr oben im Menü unter «Beitragsserien».

„Also sehen wir, daß die Sufi trotz größter Verschiedenheiten in der äußeren Form ihrer Lehre, innerlich eigentlich die Gebildeten im Orient sind. Indes hat natürlich das ausführlich geschilderte orientalische Wesen, hauptsächlich deswegen weil staatlich, wirtschaftlich, klimatisch der Orient seine besondere Form hat, der Sache ebenfalls ihre besondere Form gegeben, die selbstverständlich auf das Abendland nicht ohne weiteres anwendbar ist.

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Auszug: Abdul Azim Islahi – Die legalen Rechte des Individuums in einer islamischen Gesellschaft

Um die legalen Rechte des Individuums in einer islamischen Gesellschaft darzulegen, bemühte Ibn Taymiyyah ein Zitat von Imam Schafi’i (gest. 820 n. chr. Zeitr.):

“Die Menschen haben allumfassende Rechte auf ihr Eigentum; niemand hat das Recht es ihnen – ohne ihre Zustimmung – ganz oder teilweise zu nehmen, die einzige Ausnahme bilden hier lediglich außerordentliche Notlagen.“

Hierauf bezugnehmend erklärt er – sich streng an den islamischen Prinzipien haltend -, dass die Handlungsfreiheit des Individuums im Islam eine notwendige Bedingung ist, damit es vor Allah für all seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Aber neben seinem Recht auf Eigentum und die Freiheit seiner Handlungen, wird das Individuum ebenfalls eindringlich dazu ermahnt, bestimmte soziale Aufgaben zu erfüllen und sich (wenn nötig) am Wiederaufbau der Gesellschaft zu beteiligen, weil davon die allgemeine Wohlfahrt abhängt.

Ebenfalls sei es ihm verboten, die Handlungsfreiheit anderer Individuen einzuschränken oder sie in irgendeiner Weise zu verletzen. Für den Fall eines Verstoßes dagegen, muss der Staat eingreifen um derlei Verletzungen der individuellen Freiheit (in der Gesellschaft) in ihre Schranken zu weisen.

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Economic Concepts of Ibn Taimiyah, Seite 180 / übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer )

Zeitaufnahmen zu Staat und Freiheit von B. Bandulet und M. A. Schmitz du Moulin

von Yahya ibn Rainer

Ein äußerst wichtiges Thema für jeden ordnungs- und gesellschaftspolitisch interessierten Menschen ist die geschichtliche Betrachtung der expandierenden Staatsgewalt, also der stetigen Ausweitung staatlicher Befugnisse und willkürlicher Eingriffe in die zwischenmenschlichen Beziehungen und in das private Eigentum der Bürger.

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Buchauszug: Roland Baader – Die Grenzkosten-Illusion und ihre Medizin

„Der bedeutendste Freiheitsdenker der Gegenwart, der Philosoph Anthony de Jasay, hat mit zwingender Gedankenführung dargelegt, daß der logische Endpunkt aller Politik der Totalitarismus sein muß. Das gilt auch für die politische Entwicklung in den demokratischen und (noch) halbwegs freien Staaten. Der Hauptgrund ist in dem Umstand zu suchen, daß die Grenzkosten (Kosten der letzten hinzukommenden Einheit) der öffentlichen Güter von jedem Bürger als Null empfunden werden – und für jeden Einzelmenschen auch tatsächlich fast gleich Null sind, obwohl die Gesamtkosten ihrer Bereitstellung gigantisch sind. Dafür ein Beispiel:

Jeder Vater oder jede Mutter, die ihr Kind zur Schule schicken, wissen (oder empfinden), daß die Schulausbildung ihres Kindes die Gemeinschaft nicht mehr kostet, als wenn es zuhause bliebe. Anders gesagt: Wenn das Kind – z.B. wegen Krankheit – sein Leben lang nicht zur Schule gehen könnte, so wäre die entsprechende Einsparung im gesamten Bildungswesen gleich Null oder fast gleich Null. Entsprechendes denkt der Autofahrer hinsichtlich der Kosten der Verkehrswege. Wenn er als einzelner Mensch das Autofahren aufgeben würde, hätte das Verkehrsministerium nichts davon. Die Bau- und, Unterhaltskosten des Verkehrsnetzes würden nicht sinken (und also auch nicht steigen, wenn jener einzelne Autofahrer die Fahrpraxis wieder aufnähme). Zugleich aber verschlingen die öffentlichen Güter namens Bildungswesen und Verkehrswege immense Summen.

Die Folge dieser „Grenzkosten-Illusion“ ist, daß für jeden Einzelmenschen der Nettonutzen, den er durch die zunehmende Bereitstellung öffentlicher Güter erwartet, subjektiv stets positiv ausfällt. Also wird er es begrüßen – oder sogar fordern, daß der Staat (die Politik) immer mehr und mehr Güter und Dienste als jeweils öffentliches Gut bereitstellt. Am Ende dieser „konstitutionellen Straße“, so Jasay, steht die praktische Allmacht der kollektiven Entscheidung (die allmächtige Politik), die sogar über ihre eigenen Regeln entscheidet und somit totalitär geworden ist. Aufzuhalten wäre dieser Marsch in die Knechtschaft nur dann, wenn ein bedeutender Teil der Bevölkerung ihr nutzenmaximierendes Verhalten (hinsichtlich öffentlicher Güter – sprich: Staatsleistungen) stark einschränken würde. Aber eine solche Einschränkung des verstandesgemäßen Eigeninteresses wird nur stattfinden, wenn viele oder die meisten Menschen – gewissermaßen „blind“ auf metaphysische Normen und Werte vertrauen, also sich freiwillig religiösen Verhaltensregeln oder Tabus unterstellen.

(Roland Baader, Das Kapital am Pranger – Ein Kompaß durch den politischen Begriffsnebel, Seite 214 / Hervorhebung durch Unterstrich von mir)

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (2/2)

Diese Gelder sind für öffentliche Zwecke bestimmt und werden deshalb in vier Teile geteilt. Ein Viertel wird in den Fiskus nach Derayeh gesendet; ein anderes Viertel wird zur Unterstützung der Armen im Distrikte des Beit el Mal verwendet; ferner um die Ulama zu bezahlen, welche da sind, um die kadhy und die Kinder zu unterrichten; ferner um die Moscheen in Bau und Besserung zu erhalten, um öffentliche Brunnen zu graben u. s. w. Die Hälfte wird zur Unterstützung armer Soldaten verwendet, die mit Lebensmitteln versehen werden, wenn sie an einem Kriegszug Anteil nehmen, oder im Falle der Not wohl auch mit Kamelen. Diese Hälfte wird ferner benutzt zur Bewirtung von Gästen. Das für Gäste bestimmte Geld wird den Scheikhs ausgezahlt, die eine Art öffentlicher Häuser halten, wo alle Fremde einkehren können und unentgeltlich bewirtet werden. Man hält es für gerecht, dass zu solchen Kosten die ganze Gemeinde beitrage. So bekommt z. B. Ibn Aly, der Scheikh des Stammes Beni Schammar in Dschebel Schammar, jedes Jahr aus dem Fiskus seiner Provinz 200 Kamelsladungen Getreide, 200 Kamelsladungen Datteln und 1000 Spanische Dollars: Für dieses Geld kauft er Fleisch, Butter und Kaffee, und alles wird auf die Bewirtung von 2 bis 300 Fremden aller Art verwendet, welche jeden Tag in seinen öffentlichen Räumen aufgenommen und gespeist werden.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (2/2) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (1/2)

Das Einkommen der Wahaby ist ebenso fundiert, wie zur Zeit Mohammeds. Es besteht:

1) In den fünften Teile der Beute, welche den Ketzern abgenommen wird. Dieser Teil muss für das Oberhaupt bei Seite gelegt werden, gleichviel ob er, oder einer seiner Beamten bei der Expedition gegenwärtig gewesen sind; und der Scheikh des entferntesten Stammes ist verantwortlich für die Übersendung dieses Fünftels, wie klein und unbedeutend der Betrag desselben auch sein möge. Saud machte nie den Versuch, die übrigen vier Fünftel seinen Soldaten zu entziehen. In den gewöhnlichen Kriegen mit Arabern (wenn keine Städte geplündert werden) besteht die Beute gemeiniglich in Pferden, Kamelen und Schafen, und diese werden unmittelbar nach der Schlacht an den Meistbietenden abgelassen. Das auf diese Weise erlangte Geld wird unter die Truppen verteilt. Ein Reiter hat drei Teile (nämlich einen für sich und zwei, wie die Araber sagen, für seine Stute); jeder Kamelreiter hat einen Teil (vor Sauds Zeit hatte er deren zwei), und jeder Fußsoldat hat ebenfalls einen Teil. Sobald in der Schlacht ein Wahaby einen feindlichen Reiter tötet und sich in den Besitz seiner Stute setzt, so darf er dieselbe als sein Eigentum und als Belohnung seiner Tapferkeit behalten. Ich brauche hier nicht zu wiederholen, dass Mohammed den fünften Teil aller Beute nahm.

2) In dem Tribut, oder wie es die Wahaby nennen, dem Almosen. Ein Grundgesetz des Islams bezieht sich auf die Entrichtung dieser Almosen. Mohammed bestimmte den Betrag, und an diese Bestimmung hält sich auch der Gesetzgeber der Wahaby. Ähnliche Almosen sind auch den Türken vorgeschrieben, nur dass die Verteilung derselben jedem nach seinem Gewissen überlassen bleibt. Die Wahaby müssen sie aber zur Verteilung an ihr Oberhaupt abliefern. Das Muselmännische Gesetz hat genau bestimmt, in welchem Verhältnisse die Almosen zum Eigentum stehen, und die Wahaby haben in dieser Anordnung keine Veränderung gemacht. Die Summen, welche im Verhältnisse zur Zahl der Pferde, Schafe und Kamele gezahlt werden, stehen im Einklang mit den Vorschriften der Sunna, und ein Näheres darüber kann man in D’Ohsson’s trefflichem Werke nachlesen. Saud teilte den von seinen Untertanen erhobenen Tribut in zwei Teile. Derjenige von den Beduinen floss ganz in seinen Privatschatz; aber die Almosen von den Bewohnern der Städte und von allen denen, welche Landbau trieben, gehörten dem öffentlichen Schatz (Beit el Mal).

Von Feldern, die bloß vom Regen bewässert werden, nahm Saud den 10ten Teil des Ertrages; von Feldern dagegen, die durch das Wasser der Brunnen, oder Quellen befeuchtet werden, wozu mühsame und teure Wasserleitungen erforderlich waren, nahm er nur den 20sten Teil des Ertrages.

Die Kaufleute zahlen jährlich 2,5 Prozent ihres Kapitals und müssen den Betrag desselben eidlich dem Steuereinehmer angeben. Es ist indessen wohlbekannt, dass sie selten mehr, als den vierten Teil ihres Eigentums angeben. Einem Kaufmanne von Khadera in der Provinz Kasym waren 3000 Dollars bar Geld geraubt worden. Er wendete sich um Hilfe an Saud, und dieser befahl dem Beamten des Beit el Mal (oder des öffentlichen Schatzes zu Khadera), nachzusehen, wie hoch der Kaufmann sein Vermögen angegeben habe; und es fand sich, dass er es nur zu 1000 Dollars angegeben habe, und zur Strafe dafür konfiszierte Saud die Stute und die Kamele des Kaufmanns.

Die Almosen oder zeka sind unter Sauds Herrschaft den Arabern besonders ärgerlich, da sie sonst von Taxen irgendeiner Art ganz frei waren. Entfernte Stämme haben sich häufig dieser Abgabe halber aufgelehnt und die Steuereinnehmer fortgejagt. Nichts, als Zwang, oder Not kann einen Beduinen je dahin bringen, sich Besteuerung gefallen zu lassen. Die Befreiung von dieser Abgabe ist auch schuld daran, dass die Beduinen in Hedschaz weniger feindselig gesinnt gegen Mohammed Aly Pascha waren, als es sonst der Fall gewesen sein dürfte; denn seine erste Maßregel war die Erklärung, dass nicht nur die Beduinen, sondern auch alle landbautreibenden Einwohner der Provinz Hedschaz ganz frei von Steuern sein sollten.

3) Den beträchtlichsten Teil des Einkommens bezieht das Oberhaupt der Wahaby aus seinen Privatbesitzungen. Saud hat es als Regel aufgestellt, dass, wenn irgendein Distrikt, oder eine Stadt gegen ihn rebelliert, er dieselbe, wenn es der erste Versuch ist, ausplündern lässt. Geschieht es zum zweiten Male, so erfolgt nicht bloß Plünderung, sondern auch Konfiskation, sodass alle Länderei dem Staatsschatz anheimfällt. Saud verleiht dann manche Teile dieser Länderei an Fremde, lässt aber das Meiste in den Händen der vorigen Eigentümer, welche jetzt bloß seine Pächter sind und je nach den Umständen, entweder den dritten Teil, oder die Hälfte des Ertrages abgeben müssen. Das Eigentum derer, welche den tätigsten Teil an der Rebellion genommen haben, wird an andere verpachtet, während die vorigen Eigentümer entweder entfliehen, oder hingerichtet werden.

Da die Araber das Regierungssystem der Wahaby nur erst nach wiederholten Kämpfen angenommen haben, so wurden auf diese Weise beträchtliche Distrikte vom Oberhaupt konfisziert; und wenn die Wahaby in Hedschaz jemals wieder zu dem Besitze der vorigen Macht gelangen, so wird auf gleiche Weise das Eigentum aller derer konfisziert werden, welche es mit Mohammed Aly Pascha gehalten haben. Gegenwärtig gehört das meiste Grundeigentum in Nedschid dem Beit el Mal, oder dem Staatsschatz; alles Grundeigentum der Provinz Kasym, deren Einwohner beständig rebellierten, ist an letztere pachtweise abgelassen. Viele Dörfer von Hedschaz und die Gebirge gegen Jemen hin gehören ebenfalls dem Staatsschatz.

4) Bußen, welche für Übertretung des Gesetzes gezahlt werden. Das Verbrechen des Ungehorsams wird in der Regel mit Geld bestraft. Es ist eine Maxime der Tribunale bei den Wahaby, dass ein Araber, welcher einen anderen falsch anklagt, eine Buße an den Fiskus zahlen muss.

Alle diese Einkünfte, ausgenommen die Almosen oder zeka von den Beduinen, fließen in den Fiskus, oder Beit el Mal. Jede Stadt, oder jedes Dorf von einiger Bedeutung hat seinen Fiskus, in welchen jeder Bewohner seine Quote zahlt. Jeder Fiskus hat einen Schreiber, welchen das Oberhaupt der Wahaby mit der Instruktion angestellt hat, zu verhindern, dass der Scheikh des Ortes keinen unerlaubten Gewinn vom Einkommen ziehe. Den Scheikhs ist nicht gestattet, das zu zahlende Geld zu sammeln und darüber Rechnung abzulegen.

Auszug: Roland Baaders jüdischer Witz

Im ersten Beitrag habe ich erklärt, wie ich darauf komme hier jüdische Witze zu erzählen und beendete den Eintrag mit einem wirklich kurzem Witz. Diesmal möchte ich einen längeren jüdischen Witz vom Stapel lassen. Es handelt sich um eben diesen bestimmten Witz, den der Sohn des verstorbenen Roland Baader in seinem Nachruf verschriftlichte. Er fügte zuvor noch hinzu, dass sein Vater diesen Witz noch reichlich auszuschmücken und in einem „charmantem, kauzigem deutsch-jiddischen Akzent“ vorzutragen pflegte.

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