Schlagwort-Archive: Zionismus

Buchauszug: Murad Wilfried Hofmann – Der Untergang des Morgenlands war Grund und nicht Resultat der Kolonisierung

«Die meisten Muslime glauben noch immer, ihre heutige materielle Unterentwicklung sei eine Folge der Kolonisierung im Zeitalter des westlichen Imperialismus. Es ist umgekehrt: Die islamische Welt wurde kolonisiert, weil sie wegen ihres Prinzips der blinden Nachfolge und Akzeptanz von Autorität (taqlid) schon zuvor dekadent geworden war.

Es schont natürlich das Selbstbewußtsein, wenn man anderen und anderem eigenes Versagen anlasten kann.

Dies ist ein überall wirksamer psychologischer Entlastungsmechanismus, der mit der häßlichen Wirklichkeit versöhnen hilft. In der muslimischen Welt ist dieses eher harmlose Phänomen jedoch bei manchen in einen Verfolgungswahn mit Verschwörungsphantasien ausgeartet. Von der Kolonisierung angefangen über die heutige wirtschaftlich-soziale Malaise und die politische Lage in den muslimischen Ländern bis hin zur Technik-»Offensive« des westlichen »kulturellen Imperialismus« wird alles und jedes gerne auf westliche Verschwörungen gegen den Islam zurückgeführt.

Die CIA, der Mossad, zionistische Organisationen und Freimaurer und sogar die NATO spielen in der großen conspiracy theory von Muslimen eine erstaunliche Rolle. Man vermutet allen Ernstes, daß es irgendwo einen master plan für die Unterminierung und Zerstörung des Islam gebe, und ordnet alles dafür Dienliche in sein Weltbild ein. Das westliche Versagen während der ersten drei blutigen Jahre des Bosnien-Konflikts, die amerikanische Nibelungentreue gegenüber Israel und die Prominenz jüdischer Mitarbeiter in der Clinton-Administration haben dem Verschwörungsdenken neue Nahrung (und keine schlechten Argumente) gegeben. Dabei wäre es doch viel einfacher zu verstehen, daß Staaten Interessenpolitik betreiben und daß Erfindungen wie die eines Bill Gates die Welt zwangsläufig überfluten: weil eben Spitzentechnologie wie Wasser von oben nach unten fließt.

Diese psychischen Verwerfungen sind im muslimischen Fall nicht harmlos, weil sie die Diagnose des Selbstversagens hemmen und Eigeninitiative lähmen, sich letztlich also fatalistisch auswirken.»

(Murad Wilfried Hofmann. Der Islam im 3. Jahrtausend Eine Religion im Aufbruch, Seite 51-52 )

JUDEN RAUS!!! Der Vorhang fällt …

von Yahya ibn Rainer

Ich wusste es eigentlich schon immer, die sogenannte „Islamkritik“ von PI-News & Co ist im Grunde ordinärer Antisemitismus hinter einem Vorhang von geheucheltem Prozionismus. Obwohl, … Prozionismus ist ja nicht in erster Linie Solidarität mit den Juden, sondern doch eher die Solidarität mit einem Land – weit weit weg von Deutschland – in das doch bitte alle Juden zu verschwinden haben. Raus aus Deutschland sozusagen. Michael Stürzenberger – der geistige Führer der PImaten-Gilde – hat nun endlich die Hosen runter bzw den Vorhang fallen gelassen. JUDEN RAUS!!! ist die Parole.

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Auszug: Benny Katzover – Jüdischer „Islamismus“?

„Israelische Demokratie demontieren und durch das jüdische Gesetz ersetzen, sagt ein führender Siedler“, so titelte am Sonntag, den 08.01.2012, die englische Online-Ausgabe der HAARETZ. Ich war hellauf begeistert als ich das las. Es gibt also nicht nur einen muslimischen „Islamismus“, sondern anscheinend auch einen jüdischen. Blöd nur das niemand davon redet. So existiert er zwar, aber eine Bezeichnung gibt es dafür nicht … und Judentumismus hört sich nun wirklich dämlich an. Hier einige Auszüge aus dem Interview mit Benny Katzover, einer Führungspersönlichkeit der religiös-nationalistischen Siedlerbewegung. Übersetzt von mir.

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Tod den Christen, schlachtet alle Christen!

von Yahya ibn Rainer

 Ein Szenario, versucht es euch einfach mal vorzustellen. Deutschland, Haupstadt Berlin, irgendwann in naher Zukunft. Die Lendenarmut der christlich-abendländischen Mehrheitsgesellschaft zeigt ihre Wirkung. Das deutsche Volk schrumpft sich weg. Im Gegensatz dazu vermehren sich die Fremden im Lande ganz normal bis überdurchschnittlich und der Fachkräftemangel der hiesigen Wirtschaft sorgt für einen nicht mehr enden wollenden Zustrom von ausländischen Arbeitskräften. Speziell in Berlin ist der Ausländeranteil bereits bei über 50% angekommen. Die indigene Bevölkerung befindet sich nun in der Minderheit und lebt nur noch in einigen wenigen Stadtteilen unter sich, die restlichen Stadtteile werden mittlerweile ausschließlich von den Fremden bevölkert.

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Auszug: Albert Einstein über die Partei Netanyahus

Als Albert Einstein, der wohl größte Physiker aller Zeiten, im Dezember 1948 das erste mal die USA bereiste, da verfasste er mit anderen jüdischen Intellektuellen (u.a. Hannah Arendt und Sidney Hook) einen Brief, den er an die New York Times richtete. Inhalt dieses Briefes war eine Offenlegung der politischen Verhältnisse im neu gegründeten Staat Israel. Insbesondere die politische Geschichte und Richtung der Revisionisten, die damals durch Menachem Begin und seine neu gegründete Herut-Partei vertreten wurde, war Ziel seiner Kritik. Die Herut-Partei wurde 1988 in Likud umbenannt und ist seit 2009, mit Benjamin Netanyahu als Parteichef und Ministerpräsident, als Regierungspartei in Israel an der Macht. Hier einige Auszüge aus diesem Brief:

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Auszug: Polkes & Eichmann – Die Liaison geht weiter

Feivel Polkes, der im Jahre 1937 als Vertreter der zionistischen Hagana aktiv war, und seine Liaison mit Adolf Eichmann, erwähnte ich ja schon in meinen zwei Beiträgen Akte Polkes und Zitat: Eichmann – Der glühendste Zionist. Im Februar 1937 besuchte Feivel Polkes als offizieller Vertreter der  Hagana die Reichhauptstadt Berlin, um dort in Verhandlungen mit Agenten des SD der SS zu treten. Einer dieser Agenten war Adolf Eichmann, der kurz darauf (im Oktober und mit einem weiteren Agenten) als Journalist getarnt nach Palästina reiste, wo er sich mit einem Gestapo-Agenten und widerum mit Feivel Polkes traf.

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Zitat: Adolf Eichmann – Tatsächlich wäre ich wohl der glühendste Zionist gewesen

Am 2. Oktober 1937 reisten Herbert Hagen und Adolf Eichmann, getarnt als Journalisten, für den SD (Sicherheitsdienst) der SS (Schutzstaffel) nach Palästina, um sich dort mit dem Gestapo-Agenten Reichert und dem Vertreter der zionistischen Hagana, Feivel Polkes, zu treffen, den Eichmann bereits einige Monate zuvor in Berlin bei einer Unterredung kennenlernte. Polkes hieß die Gäste aus Deutschland willkommen, zeigte ihnen Haifa und lud sie sogar in ein Kibbuz ein. Jahre später, während er sich in Argentinien versteckte, sprach Eichmann seine Geschichte auf Band und schwelgte dabei in Erinnerungen an die Erlebnisse während seines kurzen Besuchs in Palästina:

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Die Akte Polkes

von Yahya ibn Rainer

Wir schreiben das Jahr 1937. Genau genommen, Februar 1937

Seit der Machtergreifung Adolf Hitlers und seiner NSDAP im Januar 1933, ist vieles passiert im Deutschen Reiche. Am 27.02.1933 gab es den Reichtagsbrand, am 20.03.1933 wurde die Errichtung des ersten Konzentrationslagers (Dachau) begonnen, am 24.03.1933 tritt das Ermächtigungsgesetz in Kraft, im April 1933 starteten die ersten Aktionen der SA gegen Juden und (von wenigen Ausnahmen abgesehen) werden alle jüdischen Beamten aus dem Staatsdienst entlassen und jüdische Ärzte bekommen ein Zulassungsverbot. Im Mai 1933 kommt es zur Bücherverbrennung und im September 1933 werden sämtliche Juden aus den kulturellen Berufen ausgeschlossen. Im September 1935 wird die Rassentrennung an den Schulen durchgesetzt und die Nürnberger Rassengesetze werden im Reichstag einstimmig beschlossen. Im Januar des Jahres 1937, und somit kurz vor dem obigen Datum, werden sogar alle Beamte aus dem Staatsdienst entlassen, die einen jüdischen Ehepartner haben.

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Wie entstand Hitlers National- und Rassenwahn?

von Yahya ibn Rainer

Für gewöhnlich passiert es im Leben eines jeden Deutschen während seiner Schulzeit, so etwa in der 5. oder 6. Klasse, wenn man das Fach Geschichte frisch belegt, dann werden üblicherweise diese Themen sofort angepackt. 2. Weltkrieg, Holocaust, Antisemitismus, Verfolgung, Vernichtung, Hass und der Inbegriff dieses Ganzen, die Überschrift über diesem Kapitel der deutschen Geschichte, Adolf Hitler.

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Zitat: Emil Ludwig – Der dankbare Zionist

„Hitler wird in ein paar Jahren in Vergessenheit geraten sein, doch er wird ein wundervolles Denkmal in Palästina haben. […] Wissen Sie […] das Auftauchen der Nazis war eigentlich sehr willkommen. So viele unserer deutschen Juden trieben zwischen zwei Ufern, so viele schwammen mit der trügerischen Strömung zwischen der Scylla der Assimilation und der Charybdis einer flüchtigen Bekanntschaft mit jüdischen Fragen. Tausende, die völlig für das Judentum verloren schienen, kehrten durch Hitler in den Schoß der Gemeinde zurück, und dafür bin ich persönlich ihm sehr dankbar.“

(Steinglass, Meyer: Emil Ludwig before the Judge, erschien in American Jewish Times, April 1936, S. 35)

Zionistische Vereinigung an NSDAP – Ein Brief mit Tiefgang

21.06.1933 im 3. Deutschen Reich

Vor knapp 5 Monaten, am 30.01.1933, wurde der Vorsitzende der NSDAP, Adolf Hitler, zum Reichkanzler ernannt. Erste ausländische und staatenlosen Juden wurden bereits des Landes verwiesen, zahlreiche Zeitungen wurden verboten, der Reichtagsbrand mit seinen schlimmen Folgen war bereits Geschichte und es gab auch schon die ersten blutigen Übergriffe der SA auf jüdische Bürger. Die ganze Welt richtete ihre Aufmerksamkeit auf das Deutsche Reich und vielerorts machte man sich große Sorgen um die Juden in Deutschland und sprach laut über einen Wirtschafts-Boykott gegen das Deutsche Nazi-Reich. Zionistische Vereinigung an NSDAP – Ein Brief mit Tiefgang weiterlesen

Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen – III – Die Aussichten des Zionismus

III. Die Aussichten des Zionismus

In der Weltgeschichte wie in der des Judentums haben häufig Bewegungen in ihren ersten Anfängen ganz andere Wirkungen hervorgerufen als später, da ihr wahres Wesen erkannt worden war. So mache messianische Erhebung, die schließlich logisch zum Christentum führte oder das religiöse Empfinden durch Mystik und Aberglauben vergiftete, begann damit, daß sie anscheinend einen frischen Zug in das religiöse Leben ihrer Anhänger brachte. Und wenn das beim Zionismus sicherlich und zuweilen der Fall war und ist, so soll es weder abgeleugnet noch überschätzt werden, denn auch diese Tatsache kann über seinem wahren Charakter und sein Endziel nicht hinwegtäuschen.

Theoretisch können wir keine Interesse an eine Partei haben, die im Widerspruche zu unserer jüdischen Religion steht und damit unser kostbarstes Gut zerstört. Und trotz mancher entschieden vorhanden Anregungen, die der Zionismus die jüdische Religion gebracht hat, ist er auch von diesen praktischen Gesichtspunkten aus bekämpfenswert, weil er auf den jüdischen Körper dem aufreizenden Gift gleich wirkt, das zwar die Nerven aufpeitscht und den Schein frisches Leben erweckt, dem aber die völlige Erschlaffung, ja der Tot mit absoluter Sicherheit folgt. Wen aber selbst diese Erwägung nicht davon bringen kann der Bewegung durch wohlwollende Neutralität und finanzielle Unterstützung die Wege zu ebnen, den möge ein Blick zunächst auf die Aussichten und dann auf die sichtbare Wirkungen des Zionismus nachdenklich werden.

Man hat sich daran gewöhnt, seine praktischen Aussichten mit dem Wort Utopie abzutun. Freilich bedarf ein so wegwerfendes Urteil , selbst wenn es von dem größten Teil der deutschen Judenheit ausgesprochen wird, einer ernsten Begründung. Es läßt sich aber sehr leicht nachweisen, daß die Endaussichten der Bewegung deshalb sehr trübe sein müssen, weil die ganze Wirkung der Arbeit verfehlt ist. Das gilt negativ und positiv. Negativ, indem den eigentlichen Tätigkeitsgebiete viel zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet und viel zu viel Kraft entzogen wird , positiv, indem die Bemühungen sich auf ein aussichtsloses Beginnen konzentrieren und Kraft und Gut nutzlos vergeuden, ohne daß auch nur die Aussicht auf die Gegenwert ergibt.

Das nichtzionistisches Hilfswerk in Westeuropa hatte das Problem der wirtschaftlichen Judennot richtig erfaßt. In den Hauptländern Rußland, Galizien und Rumänien sitzt eine Masse von fast sieben Millionen Juden, und die Judenfrage wurde schon frühzeitig dahin präzisiert, daß durch die politische, wirtschaftliche und Bildungsarbeit daß Problem im Niederlassungslande seiner Lösung näher geführt werden müsse, daß aber Auswanderung nur ein Notbehelf der Zeit sein könnte.

Allein in der Auswanderung desjenigen Teiles des Judentums, der sich nicht assimilieren will und kann- und das ist nach seiner Auffassung der allergrößte – nach eine rechtlich gesicherten Heimatstätte sieht der Zionismus die Erlösung aus der Judennot. Logisch ist es unmöglich, einem so großen Volke durch dieses Mittel eine nur teilweise Befreiung aus der Schwierigkeit zu schaffen, denn Volksmassen sind keine Schachfiguren. Historisch ist auch kein Beispiel vorhanden, daß auf diesem Wege größere Massen als die französischen und österreichische Protestanten es waren, sich Rat geschafft hätten, denn die Zeit der Völkerwanderung ist aus mannigfachen Gründe kein Vergleichsobjekt. Man mag zwar einwenden, daß das zionistische Projekt den Vorzug der Großzügigkeit genießt. Aber diese Eigenschaft besitzt eine jede Wahnidee, ja, die zur Unvernunft gesteigerte Großzügigkeit ist ein charakteristisches Kennzeichen für Pläne die sich vom Boden der Wirklichkeit und des Verständigen entfernen.

An dem Hilfswerk, an der Arbeit, die wir Nichtzionisten zur Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer Glaubensgenossen im „Niederlassungslande“ leisten, beteiligt sich der Zionismus kaum, weil er weiß daß jeder erfolgreiche Schritt auf dem Wege zur Lösung der Judenfrage ihm etwas von seiner Bedeutung und Agitationsfähigkeit raubt. Nur aus der schrillen Dissonanz des Elends schöpft er seine Kraft, und es ist Selbsterhaltungstrieb wenn er offen dokumentiert, daß er an einer Besserung der jüdischen Lage in den „Niederlassungsländern“ keine Interesse zeigt.

Vier Aufgaben ergeben sich für die Arbeit im Osten, es muß versucht werden, die Juden geistig zu heben, um ihre Kräfte für wirtschaftlich lohnendere Gebiet zu machen. Den so vorbereiteten Massen müssen Erwerbsmöglichkeiten neuer Art erschlossen werden, was teilweise eng mit der dritten Aufgabe, der Erringung politischer Freiheit, zusammenhängt. Hand in Hand mit dieser positiven Arbeit geht natürlich die Hilfe für den Augenblick, die Wohltätigkeitsaktionen, die auch dem Jude von heute, der die Freiheit der Zukunft nicht erleben wird, ein etwas menschwürdiges Los bereiten wollen. Der Zionismus beteiligt sich nur zögernd und schwach an diesen ernsten wichtigen Arbeit! Er lebt nur in die Zukunft, sieht mit einer gewissen mitleidigen Verachtung auf alles herab, was die Westjuden an emsiger Arbeit für die Judenheit geleistet haben, und es ist natürlich viel, viel leichter über „Rachmonusjudentum“ seicht zu witzeln als durch Arbeit und Geld zu helfen. Die geistige, wirtschaftliche und politische Hebung im Niederlassungslande ist für den Zionismus überflüssig und bloße Kraftvergeudung, und er, der bombastisch vorgibt, die Erlösung für die ganze Judenheit, für das ganze jüdische „Volk“ zu bringen, kümmert sich um die realen Existenzmöglichkeiten dieses Volkes nicht, sondern wendet seine konzentrierte Fürsorge den wenigen, ach so wenige zu, die sich von dem Schicksal ihrer Brüder trennen und sich in Palästina eine neue Heimat schaffen können. Wer aber dasselbe zu Hause oder sonstwo auf dem weiten Erdenrunde zu erreichen versucht, ist in den Augen der Zionisten ein materiell denkender „Verräter“ an die Sache des „jüdischen Volkes“. Der Zionismus hat große Geldmittel aufgehäuft. Mehr als sieben Millionen Mark nennt er sein eigen, sieben Millionen, die zum Teile aus den Pfennige der Armen und der Ärmsten im Osten gesammelt sind. Aber selbst in den Zeiten der entsetzlichsten Verfolgungen hat sich der Zionismus nicht veranlaßt gesehen, seinen Nationalfonds denen und dem zuzuwenden, wofür es notwendig war, und das Motiv: „Laß sie betteln geh‘n wenn sie hungrig sind“ , erscheint nicht mehr als eine Verirrung, weltfremder, idealistischer Zukunftsschwärmer, sondern als eine raffinierte, ausgeklügelte Grausamkeit.

Freilich arbeitet der Zionismus auch unter den Juden des Ostens, indem er ihnen Nationalgefühl predigt und sie auf die Aufgaben der Zukunft vorbereitet. In praxi kommt das darauf hinaus, daß die Verhetzung gegen alle Autoritäten, vor allem die Religion, gezüchtet wird, und die in den Zukunftstaumel hineingerissene junge Juden die Fähigkeit verlieren, an den realen Aufgaben der Gegenwart nützlich mitzuarbeiten.

Darin besteht der erste Nachteil der Verlegung der gesamten jüdische Arbeit nach Palästina – wobei natürlich nochmals hervorgehoben sei daß kein Nichtzionist daran denkt die Arbeit in Palästina innerhalb des Gesamtrahmens gering zu schätzen -, daß über den Wert der wirklich ernsten Tätigkeit, falsche, hämische Anschauungen verbreitet und ihr wackere Mitstreiter entzogen werden. Der Zionismus sucht sein herostatisches Vorgehen damit zu entschuldigen, daß er auf die Erfolglosigkeit unserer Bestrebungen hinweist. Aber auch das ist wieder nur ein Beweis dafür, daß er das Judenproblem aus dem engen Gesichtswinkels des Kindes betrachtet, das gleich sehen will, wofür es seine Leistung aufgewendet hat. Auch unter dieser Voraussetzung ist die Behauptung noch falsch; die Erfolge sind schon vorhanden, jedenfalls in dem Maße, daß sie die Richtigkeit unseres Weges beweisen. Hätte sich die Welt nur an solche Dinge wagen dürfen, die auf bequemen Wege sofortigen sichtbaren Erfolg versprechen, so könnte man das Wort „Idealismus“ aus ihren Sprachenschatze streichen!

Ist also der zionistischen Lösungsversuch schon deshalb aussichtslos, weil er in seinen großen Zügen außerhalb jeder logischen Möglichkeit und jeder historischen Erfahrungstatsache stellt, so wird das Utopistische, das gefährlich Utopistische uns zur Gewißheit, wenn wir die speziellen Schwierigkeiten aufmarschieren lassen.
Die Unmöglichkeiten liegen zuerst in inneren Verhältnissen. Der edle Herzl hatte einst ein Judenstaat gefordert. Das war ein berauschendes Wort, dessen Hohlheit man bald darlegen konnte; es war aber wenigstens aus ehrlichem Herzen gesprochen. Die Führer von heute haben die Wegen Herzl’s verlassen, es gilt als unmodern, in so offener und ehrlicher Weise die logischen Folgen des nationalen Gedankens zu ziehen, und die kluge Diplomaten haben sich auf die Formel einer autonomen Heimstätte unter dem Schutze der Türkei oder der Garantie der Großmächte geeinigt.

Diese Spiegelfechterei kann aber die inneren Schwierigkeiten nicht beheben. Die Frage der Eignung und Fähigkeit, sich selber zu regieren, die gewiß eine Rolle spielt, mag zurücktreten, obwohl der Verlauf der jüdischen Geschichte deutlich erweist, daß gerade in Zeiten nationaler Selbständigkeit die Zwietracht und der Haß geradezu entsetzliche Orgien gefeiert haben und daß die innere Unfähigkeit, sich selber zu regieren, eine der gewichtigsten Untergangsursachen gewesen ist. Ein so stolzes Kapitel des Kampfes um Jerusalem ist, wenn man auf die heldenmütige Hingabe des gemeinen Mannes schaut, ein so schmachtvolles ist es, wenn man daran denkt, daß Kraft, Gut und Blut des Volkes in so schimpflicher Weise von ehrgeizigen, uneinigen und kurzsichtigen Führern gemißbraucht wurden.

Die wirkliche große Schwierigkeit für jedes jüdische autonome Staatswesen liegt in der Stellung zur Religion. Unsere Zionisten, die eine ferne Vergangenheit neu erstehen lassen wollen, bedenken nicht, daß in der Neuzeit alle staatsrechtliche Anschauungen sich von Grund auf geändert haben. Im Altertum war die Nationalreligion oder die Religionsnation etwas selbstverständliches! Ein Volk, ein König, ein Gott! Aber es dürfte nicht das geringste Verdienst des Judentums sein, hier ein Wandel hervorgerufen haben, und unter den ethischen Schöpfungen des Judentums ist die erhebendste mit der Begriff der Gewissenfreiheit. Früher hieß es wörtlich: cujus regio, eius religio! Das ist durch das Judentum anders geworden. Der Staat ist zwar eine Zwangsorganisation, der man angehören muß, deren Pflichten man zu erfüllen hat, ob man will oder nicht. Der religiösen Gemeinschaft aber leistet man freiwillig Gefolgschaft, solange man auf ihrem Standpunkt steht, nie und nimmer jedoch darf sie einen Zwang ausüben, um sich ein Mitglied zu erhalten.

So ist auch das Judentum die Zusammenfassung derer, sich gern und freundlich zur jüdischen Religion bekennen. Was könnte nun in einem autonomen Staatswesen geschehen? Zweierlei ist denkbar. Entweder wird das Judentum Staatsreligion, oder Gewissensfreiheit wird proklamiert. Das erstere ist einfach undenkbar! Davon, daß man alle Bürgern das Bekenntnis zum Judentum abnötigte, kann natürlich überhaupt keine Rede sein; aber selbst wenn es nur Staatsreligion in dem Sinne wäre, daß das Judentum die Rechte einer bevorzugten Religion hätte, so würde das angesichts der Tatsache, daß wir im Namen der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung gegen eines christlichen Staates erbittert und nachhaltig Widerspruch erheben, einer Verleumdung unserer gesamten sittlichen Grundsätzen bedeuten. Jeder Versuch nach dieser Richtung hin würde die selbe sittliche Fäulnis verursachen, wie wir heute im Begriffe des Taufjudentums, der widerlichsten Ausdrucksform des Strebertums und der Heuchelei haben. Ein solches autonomes Staatswesen würde mit all den sittlichen Mängeln behaftet sein, die wir den anderen Staaten mit Entrüstung vorwerfen, und ein „Verein jüdischer Staatsbürger nichtjüdischen Glaubens“ müßte mit größter Berechtigung in seiner Entstehungsstunde gegründet werden.

Was aber wenn die autonome Gemeinschaft Gewissensfreiheit proklamiert? Dann brauchte man nicht jüdischer Religion zu sein. Wir wollen die Eventualität christlicher oder buddhistischer Juden weniger in den Kreis der Erörterungen ziehen, aber Atheisten gäbe es sicherlich! Denen müßte doch unbedingt der Zugang zu leitenden Stellen gewährleistet werden! Und was hätte die große Masse der Juden, die jahrtausendelang wegen ihres Glaubens gelitten haben, für ein Interesse daran, als Kristallisationspunkt ihrer gesamten Freiheitsbewegung ein Gemeinwesen zu haben, in denen sich die Religionsfeindschaft breitmachen darf, in dem man sich ohne jede Scheu zu jenen Religionen bekennen darf, die das Judentum so entsetzlich gequält, verfolgt und gehaßt haben, und trotzdem von Rechts wegen die Geschicke einer jüdischen Religionsgemeinschaft mitbestimmt.

Ein jüdischer Staat also, in welchen vielleicht Atheisten das große Wort führen, ein jüdischer Staat als Grab der jüdischen Religion. Diesem Ideal auch nur einen Pfennig an Geld, eine Atembewegung an Kraft zu opfern, würde für die Judenheit fast Selbstmord bedeuten.

Ein religiöses, autonomes Staatswesen ist nach den heutigen staatsrechtliche Anschauungen undenkbar. Einer Zeit, die aus der zwingenden Richtigkeit dieses Satzes heraus dem Kirchenstaate den Untergang bereiten mußte, dem autonomen Staat des starken Katholizismus, der dann doch über ganz andere äußere Machtmittel verfügt als das Judentum, wird auch bei diesem ein solches Gebiet nicht entstehen lassen! Und es wäre für jene Zionisten, die lernen wollen, unendlich heilsam, wenn sie sich in die Geschichte des Kirchenstaates versenkten und aus ihr ersähen, zu welchen Zuständen ein solcher prähistorisch anmutender Religionsstaat führt.

Innere theoretische Gründe machen den Judenstaat unmöglich. Daneben aber türmen sich Bergen von praktische Schwierigkeiten, die der Verwirklichung zionistischer Ideen gerade in Palästina für ewige Zeiten, soweit es Menschengeist voraussagen kann, unbedingt ausschließen.

Die oft besprochene Raumfrage braucht man nicht tragisch zu nehmen; sie kann man mit Humor behandeln. Der Zionismus will allen, die sich nicht assimilieren wollen und können, eine rechtlich gesicherte Heimat vorbereiten. Da aber diese – nach zionistische Maßstäbe – mindestens an die Zahl von neun Millionen heranreichen und das heilige Land – an Größe der Provinz Polen vergleichbar – höchstens zwei Millionen fassen kann, so hat man dem Zionismus eingewendet, daß auch er bestenfalls eine Teillösung bedeute. Er hat geantwortet, daß man eben auch die Nachbarländer dazu besiedeln wolle, und mit dieser Antwort kann man sich zufrieden geben. Es kommt wirklich nicht darauf an, wenn man schon einmal beim annektieren ist, ob man noch etwas hinzunimmt, und das ganze Judenproblem wäre ja selbst für die Nörgler gelöst, wenn man sein Augenmerk auf Persien und Ägypten richtete. Besonders Ägypten wäre ja sehr geeignet, und man darf eben nur nicht zimperlich sein!

Im Ernste ist es aber ein sehr gefährliches und gewagtes Beginnen, bei den schwankenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in der Türkei so erhebliche Werte ohne irgendeine Sicherheit dort zu investieren. Heute wissen wir es mehr denn je, wie wenig man im Osmanenreiche vor Überraschungen sicher ist. Die zionistische Politik, die ja die geringsten Schwankungen dort ängstlich beobachtet und oft genug zum Frontwechsel gezwungen ist, hat durch diese Vertiefung in Krähwinkeleien völlig den Blick für die großen bestimmenden Züge türkischer Staatsverhältnisse verloren. Sie übersieht, daß ein Tag des Sturmes imstande ist, Millionen an Kapital und die Arbeit von Jahrzehnten gänzlich zu vernichten. Im Verlauf der gesamten jüdischen Geschichte ist nie eine Konzentration aller Energien an einem Punkte eingetreten oder begünstigt worden, sondern stets sind die Kräfte verteilt gewesen, und nur so hat das Judentum Schläge wie den Untergang Jerusalems und die Vertreibung aus Spanien überstehen können. Alles Interesse, alle Arbeit auf Palästina vereinigen zu wollen, ist ein va banque-Spiel und wer nur etwas politische Einsicht mit einem bescheidenem Maß von Verantwortungsgefühl verbindet, wird wissen, wie besonders gefährlich das blinde Vertrauen auf die Zukunft der Türkei wirken muß.

Selbst wenn man aber mit dem Eintreten stabiler Verhältnisse in der Türkei rechnet – was freilich einstweilen ausgeschlossen scheint – so ist es ein Zeichen ganz besonderer Kurzsichtigkeit, zu glauben, daß dieser Staat das Anwachsen eines neuen jüdischen Gemeinwesen in seiner Mitte irgendwie zu unterstützen oder auch nur zu zulassen, Veranlassung hätte. Daß die Türkei das jüdische Kapital und die jüdische Arbeitskraft in Palästina freudig begrüßt, ist selbstverständlich; denn es kommt einen verödeten und stark vernachlässigten Gebiete zu Gute. Aber schon heute weiß der Eingeweihte, daß man am Goldenen Horn sehr sorgfältig den Sättigungsgrad für Judenaufnahme zu ermitteln sucht, der den Interessen des heiligen Landes und denen der Türkei gerade entspricht; daß es mit ihren Wünschen wirklich nicht übereinstimmt, sich noch einen nationalen Herd, der jeden Augenblick mit Autonomiegelüste hervortreten kann, mitten im Staatsgebiete künstlich zu schaffen, kann zwar der zionistischer Agitator leugnen, nicht aber der auch nur oberflächlich volkswirtschaftlich und geschichtlich Geschulte. Das Bestreben der Türkei, daß sie gewiß nicht ungeschickt hinter nichtssagenden halben Versprechungen und Zusagen zu verbergen versteht, geht einfach dahin, die Juden wirtschaftlich nach Möglichkeit auszunutzen und sie politisch nie erstarken zu lassen, daß sie an Autonomie denken. In allen Wogen und Schwanken der gesamten türkischen Judenpolitik ist das der einzige erkennbare feste Grundsatz; der einzige jedenfalls, nach dem praktisch gehandelt wird.

Und außer der Türkei haben noch andere Mächte ein gewichtiges Wort mitzureden! Dabei sollen die politischen Momente, die ja ständig wechseln, nicht einmal als die schwerwiegendsten betrachtet werden. Die ließen sich vielleicht leichter überwinden als die religiösen! Palästina ist auch das Ursprungsland des Christentums. Für jeden gläubigen Christen knüpfen sich an zahllose seiner Stätten die heiligsten Erinnerungen Glaubt man nun wirklich, die christlichen Mächten würden dulden, daß das Grab Christi in einem jüdischen Gemeindewesen liege? Schon die Vorstellung davon ist absurd; dieser eine Punkt, so unwesentlich und gleichgiltig er zu sein scheint, wäre im Ernstfalle ganz allein imstande, das Nationalprojekt selbst dann noch zu Falle zu bringen, wenn alle anderen Hindernisse aus dem Wege geräumt werden. Wenn der Zionismus, der diese Schwierigkeit nicht unterschätzt, als Lösung empfiehlt, diesen heiligen christlichen Stätten für exterritorial zu erklären und sie unter Schutz der Großmächte zu stellen, so erschiene diesem Vorschlag gegenüber der Weg noch verhältnismäßig einfach, sie alle abzubrechen und in Rom wiederaufzubauen.

Trotz der Kürze unserer Ausführungen wird man erkannt haben, daß das Palästinaideal eine phantastische Utopie ist, daß ein jüdisches autonomes Gemeinwesen innerlich eine logische und staatsrechtliche Unmöglichkeit, äußerlich eine Gründung darstellt, die weder die Türkei noch die Großmächte je gestatten würden. Und darin daß das zionistische Endziel unerreichbar ist, besteht eine ganz besondere Gefährlichkeit der Bewegung.
Denn wenn das Endziel fortfällt, was bleibt vom ganzen Zionismus?

Nichts und wieder nichts als die gefährliche nationale Verhetzung! Es wird noch weiterhin Gelegenheit sein, auf die ungeheuren schädlichen Folgen dieser Tatsache einzugehen. Hier sei nur hervorgehoben, daß durch Vortäuschung der Erreichbarkeit des Zieles in die jüdische Massen, die dem Zionismus verfallen sollten, Hoffnungen erweckt werden, die sich nachher nicht realisieren lassen, und denen naturgemäß eine Zeit der tiefsten Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit folgen muß, sobald sich die Unmöglichkeit der Verwirklichung klar herausgestellt hat. In Verbindung damit, daß der Zionismus nicht zur Religion erzieht, ja sie sogar gefährdet und untergräbt, ist dies das schlimmste!
Der Zionismus raubt das Judentum seine große Vergangenheit; er kann ihm keine Zukunft geben. Ohne daß man darin seine Anhänger guten Glauben und ehrlichen Willen den Judentum, wie sie es verstehen, zu dienen, anzuzweifeln darf, ist des Zionismus praktischer Endergebnis die Zerstörung des Judentums.

Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen – II – Das Wesen des Zionismus

Was neu ist im Zionismus, ist unjüdisch, ist ein Assimilationsprodukt, eine Anlehnung an die Anschauungen, die die Außenwelt beherrschen. Der Zionismus hat aber auch Züge aufzuweisen, welche wirklich jüdisches Gut darstellen. Aus dieser beabsichtigten Aufnahme mancher alten echt jüdischen Tendenz, aus wohlüberlegten Mischung vom Altem mit jenem Neue, das bedingungslos schlecht und verwerflich ist, wird es erklärlich daß unbefangene Juden im Zionismus auch Anerkennenswertes und Gutes zu loben finden. Der Zionismus hat in unverkennbarer Absicht mit seinem unjüdischen nationalen Chauvinismus alte gut jüdischen Forderungen verknüpft und je nach der Gelegenheit, versteht er es auch, die eine oder die andere Richtung wirksam auszuspielen. Einmal ist der Zionismus der politische Faktor mit nationaler absondernder Verhetzung, das andere Mal aber die humanitäre Vereinigung, die den leidenden Glaubensbrüdern Brot und eine Heimstätte schaffen will! Und mit ein unleugbarem Geschick versteht er dabei, im Fernstehenden den Eindruck zu erwecken, als ob die humanitäre Seite etwas spezifisch Zionistisches sei, ein Gebiet, dem die anders denkende Judenheit sich nicht mit gleicher Liebe und Begeisterung hingebe. Gerade in unseren Tage betont ja die Bewegung das kolonisatorische Moment und die rein wirtschaftliche Hilfsaktion in einem so starkem Maße, daß tatsächlich für den Uneingeweihten eine gewisse Verwirrung entsteht und er nicht merkt, daß im Zionismus das Neue nicht gut, und das Gute nicht neu ist.

Der humanitären Seite des Zionismus seien einige Worte gewidmet, nachdem festgestellt worden ist, daß sich hierin nichts spezifisch Nationales offenbart, und daß von Nichtzionisten, von Orthodoxen wie von Liberalen, diese Arbeit weit intensiver und besser geleistet wird. Der einzige Unterschied besteht darin, daß diese letzteren wirkliche Arbeit emsig und geräuschlos verrichteten, während jene Bewegung auch Scheinarbeit mit einen unendlichen Geschrei begleitet und dadurch die Welt zu einer unendliche Überschätzung ihres Wertes und Umfangs verleitet. Das gilt auch von der Tätigkeit im heiligen Lande. Auch wir wissen wohl daß Palästina nicht ein beliebiges Reich ist wie andere auch. Es ist uns heilig als die Stätte, an der unsere Religion entstand, als der Boden auf dem der Tempel sich erhob, wo die Propheten gewirkt haben. Heilig ist uns die Erde, die unserer Väter Herzblut getränkt hat; durch tausende von erhebende Erinnerungen mit Palästinas Gauen verknüpft, werden wir immer uns in Stolz gen Osten wenden und der Gedanken an Zion wird in unserem Herzen nicht verlöschen. Das heilige Land ist unser Vaterhaus, das Vaterhaus derer, die weit in aller Welt zerstreut für des Gottesnamens Ehre wirken, und wie jeder von uns – mag er noch so sehr von ihm entfernt sein, seines wirkliches Vaterhauses nicht nur in Liebe gedenkt, sondern bestrebt ist, es in Stand zu halten, um seines Glanzes sich freuen zu können, freuen wir uns wenn es in Blüte ist, so ist es mit Palästina auch. Ohne das wir dort wohnen wollen, freuen wir uns, wenn es in Blüte steht, und jede Bemühung die seinem Wohle gewidmet ist, darf unsere Unterstützung sicher sein. Darum ist schon vor dem Entstehen des Zionismus wie auch seit jener Zeit – unbeirrt durch seine Tätigkeit – eifrig kolonisiert worden, und die Hauptarbeit wurde und wird von Männer geleistet die sich dem Zionismus fernhalten, ja sogar ihm feindlich gegenüber stehen. Und wenn vielleicht in manchen Punkten die zionistische Kolonisation in Palästina intensiver zu sein scheint, so liegt das einerseits daran, daß sie später begann als die der anderen und daß demgemäß deren Erfahrungen ihr zu Gute kamen; andererseits aber liegt ihr Vorteil in der Konzentration auf den einen leicht übersehbaren Fleck, wo hingegen unserer Arbeit sich auf alle Welt erstreckt und an vielen Orten den Juden eine Heimstätte mit Freiheit, Ruhe und sicherem Brote zu verschaffen sucht. Will man das spezifische Kennzeichen zionistischer Hilfsarbeit feststellen, so kann es nur in der Enge des Gesichtspunkts bestehen, in der Beschränkung auf den Boden der Väter. Das Wirken aller anderen Organisationen ist umfassender und erfolgreicher, ihre Leistungen sind weit größere, auch wenn sie nicht so viel Aufsehens davon machen.

Selbst wenn aber die humanitäre Seite des Zionismus wirklich Bedeutung besäße, dürfte sie nicht das wahre Wesen der Bewegung verdecken, und das diesem keinerlei Wert beizumessen ist, ergibt sich deutlich, wenn man das Wesen des Zionismus mi dem des Judentums vergleicht.

Das Judentum ist eine Religion! Es berührt geradezu merkwürdig, daß man geschichtliche Tatsachen, die mit solcher Wut in die Menschheitsgeschichte eingegriffen haben, daß sie Selbstverständlichkeiten, darstellen, noch erheben muß. Das Judentum ist seit der Zerstörung des Tempels nie etwas anderes gewesen, und überall, wo es auf die Geschichte der Welt eingewirkt hat, kam nur das religiöse Moment in Frage. Der Zionismus will es anders! Er erblickt im Judentum in erster Reihe eine Nation und zieht daraus seine Folgerungen, er wandelt den Charakter unserer Gemeinschaft in das Gegenteil um.

Nun läßt sich nicht bestreiten, daß das Judentum einstmals eine Nation war, als eben noch der Tempel sich erhob. Aber das war in Zeiten, als man die Unterschiede zwischen nationaler und religiöser Einheit noch nicht so faßte wie heute und der Gedanke an eine Religion, die über die Grenze der Nation hinausgriff erst dunkel in den Köpfen aufzudämmern begann. Gerade in unserem Judentum entstand eben zum erste Male der Begriff einer Ewigkeitsreligion, und das war der Grund daß diese Gemeinschaft als allererste ihre nationale Zertrümmerung überleben und als bloße Religion fortbestehen konnte, obgleich der Römer sich die größte Mühe gegeben hatte der jüdischer Staat mit eiserner Hand für immer aus der Reihe der Nationen zu vertilgen. Wäre das Judentum anderen Nationen wesensgleich gewesen, so wäre es untergangen, genauso wie Hellas und das gewiß mächtige Rom. Es war aber mehr, es hatte Ewigkeitswerte, und indem es sie betonte, erhielt es sich. Seit der Zerstörung des Tempels ist das nationale, vergängliche Moment zurückgetreten, während das religiöse immer mehr betont worden ist, und nur darum erhielt sich das Judentum, weil es Träger von Ideen war, die stärker sind als Völker und Nationen. Die engen Fesseln nationaler Beschränkung waren gesprengt und die universale Weltreligion sowie der Glaube an des Judentums Aufgabe, durch treues Festhalten an diese Religion, die Welt für den reinen Gottesglauben zu erobern, waren ein Inhalt, wie er erhabener und größer nicht gedacht werden konnte. Zu allen Zeiten ist die gewaltige Größe dieser Ideen in Jissroél empfunden und erkannt worden.

Das Judentum war und ist eine Religion! Nur darum ist es ewig und unzerstörbar. Der ewige Charakter des Judentums ist ein universeller, Welten umspannender und Menschen verbindender. Der Nationalismus aber reißt das Judentum aus dieser Stellung in der Weltgeschichte heraus und macht es zu einer kleinen Nation mit relativen Wert, genau denselben denn die Tausenden entstehenden und vergehenden Nationen auch haben. Diesem nationalen Gedanken ordnet der Zionismus auch das religiöse unter. Da nun die jüdische Religion in einem ausgesprochener Gegensatz zu allem beschränktem Nationalen steht, kann man ermessen, welche Umwandlung sie sich dabei gefallen lassen muß. Alles, was im Lehrinhalte des Judentums groß und ewig ist, weil es eine Überwindung der engherzigen nationalen Begriffe darstellt, wird darum vom Zionismus abgelehnt und seine Richtigkeit bestritten, und wo diese Mittel nicht verfangen, wird es mit Schmutz und Hohn beworfen. Unter der Bearbeitung des Nationalismus wird die jüdische Religion zu eine Karikatur ihres eigentlichen Wesens. Aus der universellen Weltreligion mit ihrem erhabenem Fluge wird der bescheidene Kultus eines kleinen Volksstammes. Nicht mehr ist der Maßstab für gut und bösen, in ewigen göttlichen Gesetzen zu finden, sondern in nationalen Eigentümlichkeiten des Volkes dessen Fehler, Schwächen und typischen Laster zum Range von Tugenden erhoben werden müssen. Da nun einmal nicht alle jüdischen „Rasseneigenschaften“ gut sind, und auch diese schlechten Berücksichtigung und Pflege finden, gefährdet der Zionismus die allgemeinverbindliche Ethik, an deren Stelle er einen jüdischen Rassensittenkodex setzt, der aber wahre Ethik nicht mehr darstellt.

Der Zionismus spottet über alles was in der jüdischen Religion groß und erhaben ist. Er höhnt wenn die nicht nationale Judenheit trotz aller Enttäuschungen, die sie in der Welt erfährt, das Wesen Gottes in der Liebe und Gerechtigkeit erblickt, und an ihren Sieg mit aller Kraft der Seele glaubt. Der Zionismus verspottet und verhöhnt den Universalismus in der jüdischen Religion überhaupt und leugnet damit zugleich den Glauben an den einen Gott, der aller Menschen Vater ist und die Geschicke der ganzen Menschheit lenkt. Der Zionismus leugnet die Mission des Judentums und beschimpft die Rabbiner, welche, den alten prophetischen Verheißungen und Hoffnungen getreu diesen Stein als einer der herrlichsten in der goldenen Krone der jüdischen Lehre ansehen. Damit nimmt er aber einen der stärksten Antriebe zum sittlichen Handel, das Gefühl der Verantwortung, das jeder einzelne von uns wie unsere jüdische Gesamtheit der Menschheit gegenüber trägt.

Und warum dies alles? Warum leugnet und verhöhnt der Zionismus diese größten und erhabensten Gedanken unseres Glaubens? Nur weil er ein Kind der Zeit ist, das nicht historisch denken und blicken kann und kein anderes Gesichtsblick kennt als den ganzen engen der heutigen Zustände! Und da diese trübe sind , da unsere Zeit uns noch nicht anhören will, da sie noch kein Verständnis hat für die Größe und Erhabenheit des universalistischen, reinen Gottesglaubens, erklärt der Zionismus die religiöse Güter für wertlos und wirft sie leichtfertig von sich. Ohne den geringsten Sinn für seine Verantwortung gegen die Geschichte zerstört der Zionismus die jüdische Religion!

Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich über den Universalismus und den Weltengott, über die Mission des Judentums mit dem billigen Spott der Beschränkung lustig zu machen, diese erhabene Lehre zu verwerfen, weil unsere Zeit ihnen nicht günstig ist, weil wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenmäßig nicht feststellen können? Ist der Erfolg überhaupt ein Maßstab für die Richtigkeit einer Idee? Bleiben unsere Propheten nicht doch, was sie sind, behalten ihre Lehren nicht ihren Wert, wenn auch ihre Zeit sie mit Schmutz und Hohn bewarf, wie es heute der Zionismus mit jedem andersdenkenden tut? War darum die gewaltige Kraft ihrer Begeisterung geringer an Wert, waren darum ihre Grundsätze schlecht, weil sie kein Gehör fanden, und viele von ihnen, vom Volke verachtet und verfolgt, verdarben und starben? Nein, der äußere Erfolg ist noch niemals der Maßstab für den inneren Wert einer Sache gewesen, und damit kommen wir zum wichtigsten religiösen Gute, das der Zionismus zerstört. Der Glaube an den gerechten und liebenden Weltengott und das Streben, diesen Glauben zu verbreiten, gipfeln in den Gedanken an das messianische Reich, an jene Zeit, da auf Erden wirkliche Harmonie, wirklichen Frieden, echte Kultur herrschen werden, und alle Welt da die enge Schranken der Konfessionen und Nationen, die an allen Krieg und Streit die Schuld tragen, gefallen sein werden den einen einzigen Gott anbetet. Dieser Glaube war es allein, der dem Judentum zu allen Zeiten, Kraft und Ausdauer gab; ihn zerstören und leugnen heißt das Judentum selber zerstören. In ihm stimmen auch alle Richtungen des Judentums sachlich überein, wenn sie auch in Einzelheiten eine verschiedene Auffassung haben. Und was macht der Zionismus aus diesen Grundglaubensatze der Religion? Sein Messianismus ist ein rein nationaler, er träumt von einem jüdischen Reiche, das nicht etwa, – wie die Verheißungen der Propheten und die innigen Wünsche unserer Gebeten es zum Ausdruck bringen – dann sich erheben wird, wenn alle Völker sich dem einzigen Weltengotte zugewandt haben werden, sondern sein Ideal ist ein Staat, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut, dessen Zukunftsehen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im übrigen sein Schicksal getrennt hat von dem der Welt. Dieses kleinliche und beschränkte Messiasideal ist dem Judentum wesensfremd, dessen wahren Zukunftshoffnungen Vereinigung und Liebe, nicht Haß und Absonderung verkünden. Nur das Wort hat der Zionismus behalten, aber der Inhalt ist verfälscht, und die messianische Vorstellung des Nationalismus ist verderbliche, verwirrende Phrase!

Zionismus und jüdische Religion, ein beschränkter Nationalismus und der Glaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegensätze. Wer das Judentum kennt und liebt, wer seine wertvollen Güter behalten will, muß den Nationalismus ablehnen. In diesem Punkte sind Orthodoxe und Liberalen sich einig, einig in dem Wunsche, die religiöse Kraft des Judentums zu stärken, einig in dem Bewußtsein daß der Zionismus theoretisch mit der jüdischen Religion unvereinbar ist!

Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich über den Universalismus und den Weltengott, über die Mission des Judentums mit dem billigen Spott der Beschränkung lustig zu machen, diese erhabene Lehre zu verwerfen, weil unsere Zeit ihnen nicht günstig ist, weil wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenmäßig nicht feststellen können? Ist der Erfolg überhaupt ein Maßstab für die Richtigkeit einer Idee? Bleiben unsere Propheten nicht doch, was sie sind, behalten ihre Lehren nicht ihren Wert, wenn auch ihre Zeit sie mit Schmutz und Hohn bewarf, wie es heute der Zionismus mit jedem andersdenkenden tut? War darum die gewaltige Kraft ihrer Begeisterung geringer an Wert, waren darum ihre Grundsätze schlecht, weil sie kein Gehör fanden, und viele von ihnen, vom Volke verachtet und verfolgt, verdarben und starben? Nein, der äußere Erfolg ist noch niemals der Maßstab für den inneren Wert einer Sache gewesen, und damit kommen wir zum wichtigsten religiösen Gute, das der Zionismus zerstört. Der Glaube an den gerechten und liebenden Weltengott und das Streben, diesen Glauben zu verbreiten, gipfeln in den Gedanken an das messianische Reich, an jene Zeit, da auf Erden wirkliche Harmonie, wirklichen Frieden, echte Kultur herrschen werden, und alle Welt da die enge Schranken der Konfessionen und Nationen, die an allen Krieg und Streit die Schuld tragen, gefallen sein werden den einen einzigen Gott anbetet. Dieser Glaube war es allein, der dem Judentum zu allen Zeiten, Kraft und Ausdauer gab; ihn zerstören und leugnen heißt das Judentum selber zerstören. In ihm stimmen auch alle Richtungen des Judentums sachlich überein, wenn sie auch in Einzelheiten eine verschiedene Auffassung haben. Und was macht der Zionismus aus diesen Grundglaubensatze der Religion? Sein Messianismus ist ein rein nationaler, er träumt von einem jüdischen Reiche, das nicht etwa, – wie die Verheißungen der Propheten und die innigen Wünsche unserer Gebeten es zum Ausdruck bringen – dann sich erheben wird, wenn alle Völker sich dem einzigen Weltengotte zugewandt haben werden, sondern sein Ideal ist ein Staat, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut, dessen Zukunftsehen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im übrigen sein Schicksal getrennt hat von dem der Welt. Dieses kleinliche und beschränkte Messiasideal ist dem Judentum wesensfremd, dessen wahren Zukunftshoffnungen Vereinigung und Liebe, nicht Haß und Absonderung verkünden. Nur das Wort hat der Zionismus behalten, aber der Inhalt ist verfälscht, und die messianische Vorstellung des Nationalismus ist verderbliche, verwirrende Phrase!

Zionismus und jüdische Religion, ein beschränkter Nationalismus und der Glaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegensätze. Wer das Judentum kennt und liebt, wer seine wertvollen Güter behalten will, muß den Nationalismus ablehnen. In diesem Punkte sind Orthodoxe und Liberalen sich einig, einig in dem Wunsche, die religiöse Kraft des Judentums zu stärken, einig in dem Bewußtsein daß der Zionismus theoretisch mit der jüdischen Religion unvereinbar ist!

Wie sieht es nun in der Praxis aus? Praktisch erklärt ja der Zionismus Religion als Privatsache. Man darf sich nicht etwa durch den Einwand , den man häufig hört, täuschen lassen, daß dies nur auf die speziellen Probleme der Religion beziehe, und daß der Zionismus dieselbe Stellung wie andere jüdische Organisationen einnehme. Wenn diese erklären, religiöse Fragen nicht in den Kreis ihrer Betrachtungen ziehen zu wollen, handelt es sich um Einzelheiten strittiger Natur. Selbstverständlich können der Zentralverein, die Großloge, der Hilfsverein und alle anderen sich nicht darüber äußern, ob in der Synagoge eine Orgel zufällig ist, ob jede Gemeinde ein rituelles Tauchbad haben müßte. Solche Betrachtungen würden Streit hervorrufen und die äußeren zusammenfassenden Abwehraufgaben hindern. Aber alle jüdischen Organisationen stehen ohne weiteres auf dem Boden der grundsätzliche Anerkennung der jüdischen Religion als obersten und einzigen einheitlichen Faktors des jüdischen Lebens und ungeschriebenes Staut ist bei allen, daß nur diejenigen Mitglieder werden können, die sich zur jüdischen Religion bekennen, wobei man sich natürlich – das Prinzip der Gewissensfreiheit entsprechend – mit dem Bekenntnis begnügt das freiwillig abgelegt wird, und nicht näher zu forschen vermag, zu welchen praktischen Folgen es im Leben führt.

Der Zionismus erklärt daß die Religion Privatsache sei, daß jeder sich sein Verhältnis zur Religion gestalten könne, wie es ihm paße, und daß eine positive Stellung der Religion für den Begriff „Jude“ nicht erforderlich sei.

Statistische Feststellungen über die Anzahl der religionslosen Zionisten lassen sich nun nicht machen, weil der Staat nur als „Juden“ betrachtet, der sich zur jüdischen Religion bezeichnet, aber jeder Kenner der Verhältnisse weiß, wie gleichgiltig man in führenden zionistischen Kreisen innerlich der Religion gegenübersteht. Wie könnte es auch anders in eine Bewegung sein, nach deren Grundsätzen man zu gleicher Zeit ein Atheist und ein guter Jude sein kann, in deren Kreisen man den Centralverein es als ein Makel anheftet und ihn meidet, weil er sich eine Vereinigung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nennt.

Die offizielle Stellung der Juden, die offiziell als Glaubensvereinigung gelten und nur in dieser Gestalt dem Staate gegenüber eine Gemeinschaft darstellen, bringt es mit sich, daß im allgemeinen der deutsche Zionist als zur jüdischen Religion gehörig gilt. Aber die logischen und folgerichtigen Theoretiker gehen weiter und verlangen nicht einmal dieses äußerlichen Bekenntnis zum jüdischen Glauben. Daß man theoretisch ebenso wie Atheist auch Christ oder Mohammedaner und trotzdem ein guter Nationaljude sein könne, ist noch niemals bestritten worden, aber die ehrlichen Theoretiker, denen taktische Fragen gleichgiltig sind, finden auch nichts dabei, wenn diese Anschauung in die Praxis umgesetzt wird. Dr. Jeremias erklärt in der „jüdischen Rundschau“ vom 31. März 1911, daß man es als Geschmacks- und nicht als Prinzipiensache ansehen müsse, ob man den Schekel nur von Angehörigen des jüdischen Glaubens nehmen wolle und solle. Dr. Joseph erklärt mit aller Seelenruhe, wie er selbst sagt, daß man ein guter Nationaljude und dabei ein guter Christ oder überzeugungstreuer Atheist sein könne (Liberales Judentum, Jahrgang 1911, Seite 47). Die deutsche zionistische Parteileitung hat zwar Joseph energisch von ihren Rockschößen abgeschüttelt, aber das ist sehr undankbar gewesen, undankbar gegen einen ehrlichen, folgerichtig denkenden Menschen, der schlicht die Wahrheit sagte und auf die Finessen zionistischer Diplomatie noch nicht geaicht war. Er hat nur das ausgesprochen, was anderen aus taktischen Gründe verschweigen. Im Zentralorgan der deutschen Zionisten stand – um noch ein Beispiel aus vielen herauszugreifen – am 19. April 1912 zu lesen, daß er zionistische Atheist im Interesse der Bewegung sich nicht scheuen solle; seinen Atheismus offen zu bekennen, und wenn auch in diesem Wunsche eine anerkennenswerte Gegnerschaft gegen religiöse Heuchelei zu Tage tritt, die Sache wird dadurch nur unterstrichen, daß man als nationaler Jude kein religiöses Interesse zu haben braucht. Vom Ausland soll hier garnicht die Rede sein, denn daß z.B. in Rußland der Nationaljude christlicher Konfession nicht nur in Ausnahmen vorkommt, wie der oft genannten Herzenstein es noch war, sondern etwas Alltägliches zu werden beginnt, das geben sogar zionistische Blätter ganz offen zu (Frankfurter Israelitisches Familienblatt vom 2. Februar 1912 (Seite 1 und 2). Es kann hier unsere Aufgabe nicht sein, uns in Einzelheiten zu ergehen, es mag genügen auf die allgemein bekannte Tatsache daß einem großen Teil der russischen Jugend der Nationalismus nur ein Vorwand ist, der die Taufe deckt und ihn vor dem Vorwurfe bewahrt, feigen Verrat begangen zu haben.

Jedenfalls ist es ganz unbestreitbar, daß das Judentum, welches der Zionismus stützt und aufbaut, mit wahrem Judentum auch praktisch nichts zu tun hat, und daß er auch praktisch auf die jüdische Religion zerstörend wirkt. Die Anschauungsweise der Zionisten, ähnelt der der Antisemiten. Zwar gibt es zwischen beiden, dem verschiedenen Milieu entsprechend, indem sie wirken, manche Unterschiede äußerlicher Natur. Doch ebenso wie der Antisemitismus äußert sich der Zionismus in Unfrieden, in scharfer Intoleranz, in Ungerechtigkeit und Verständnislosigkeit gegen Gegner. Was diese täglich zu beobachtenden Erscheinungen praktisch bedeuten, wird Gegenstand späterer Betrachtung sein, uns interessiert hier vornehmlich ihre theoretische Grundlage. Es ist falsch zu glauben, daß die bloße Auswüchse der politischen Kämpfe seien oder der Stellung, die andere Richtungen im Judentum zum Zionismus einnehmen. Die Übereinstimmung mit dem Wesen des Antisemitismus, daß sich uns Juden gegenüber in den schändlichen Anschläge gegen Gut, Freiheit und Ehre der Juden offenbart, würde noch weit schärfer hervortreten, wenn der Zionismus eine so herrschende Machtstellung einnähme wie jener. Jeder Vorwurf aber, den man dem einen Teile macht, gilt gleicherweise für den anderen, und viele schwache Charaktere, die in den Zionismus hineingezogen worden sind, haben sich ganz und gar die Denkweise des Antisemitismus angewöhnt, haben zu ihrem Teile zu dem Beweise beigetragen, daß der Zionismus ebenso wie sein Zwillingsbruder, der Antisemitismus, nicht nur zur jüdischen, sondern zu jeder Religion, die ethische Grundsätze hat, in schärfstem Gegensatze steht.

Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen – I – Die Entstehung des Zionismus

Das Judentum stellt nur ein Glied der allgemeinen Kultur- und Menschheitsgeschichte dar. Mag es oft mehr als andere Gebilde in seiner ausgeprägt selbständigen Innenentwicklung als ein streng gegen die Außenwelt abgeschlossenes kleines Ganzes erschienen sein, so schlagen doch in seine Kreisen die Wellen der großen Welt hinein und beeinflussen seinen äußeren Entwicklungsgang. Zu dieser selbstverständlichen Tatsache gestellt sich aber noch eine von größere Tragweite. Denn in den geistigen Bewegungen, von denen das Judentum erfüllt ist, spiegelt sich die äußere Lage ganz getreulich wieder. Nicht etwa, als ob eine Besserung der äußeren Verhältnisse stets Hand in Hand ginge mit einer gesteigerten Intensivität des geistigen Lebens und einer optimistischen Auffassung der Lebensprobleme. Das Gegenteil ist oft der Fall. Eine Regel läßt sich über diese Zusammenhänge überhaupt nicht aufstellen, aber sie sind vorhanden, stets konkret nachzuweisen, und daran muß man denken, wenn man jene Bewegung kritisch betrachten will die – an den alten heiligen Namen sich klammernd – Zionismus nennt. Nur aus den geistigen Strömungen die am Ende des neunzehnten Jahrhunderts die allgemeine Geschichtsbetrachtung beeinflußten, verbunden mit der wirtschaftlichen und politischen Lage der verschiedenen Glieder der Judenheit, ist der Zionismus ein Versuch zur Lösung der Judenfrage, seinem Wesen und seinen Zielen nach zu verstehen.

Das allgemeine Schicksal des Judentums am Ende des verflossenem Jahrhunderts unterscheidet sich – wenigstens was die Massen betrifft – nur sehr unwesentlich von den finstersten Zeiten des Mittelalters. Jener wesentliche Teil, der die russische Judenheit mit ihren rumänischen und galizischen Anhängsel darstellt, saß und sitzt in unendlicher wirtschaftlicher und geistiger Not. Ein Netz von Staatsgesetzen, das tagtäglich dichter wird, raubt ihm eine wirtschaftliche Existenzmöglichkeit nach der andere, in schweren Lebenskämpfe ist das geistige Interesse fast erlahmt, und seine letzten Reste verzehren sich in Aberglauben und Mystik. Die ewige Furcht vor blutgierigen Verfolgern hat das Aufrechte und Selbstbewußte des Charakters verloren gehen lassen, und besonders für Rußland wo man sich in die schlimmsten Zeiten eines erbarmungslosen Mittelalters zurückversetzt fühlt, kann man, ohne ein Prophet zu sein, voraussagen daß sich trotz des heutigen gewiß vorhandenen geistigen Lebens eine wirtschaftliche, geistige und moralische Katastrophe vorbereitet, die das Judentum in seiner Grundvesten erschüttern muß, wenn nicht eine Wendung eintritt. Ein anderes kam dazu, um die Lage noch verzweifelter zu machen. Die entwickelten Verkehrsverhältnisse einer neuen Zeit, die der Volksmassen Beweglichkeit erhöhen, schien anfänglich auch den Juden zugute zu kommen, und in der Auswanderung meinte man ein Mittel gefunden zu haben, das den in den Fremde ziehende Teile völlige Freiheit, Sicherheit und Brot, den Zurückbleibenden Luft und etwas Bewegungsmöglichkeit verschafft. Aber abgesehen davon, daß Auswanderung nie das Problem für eine so große kompakte Masse lösen konnte, begann sich das gelobte Land der Freiheit, Nordamerika und mit ihm die alte Hochburg der Toleranz, England, gegen den Zuzug der Ostjuden energisch zu wehren und machte es die Niederlassungserlaubnis von Bedingungen abhängig, denen nur ein geringer Teil der Auswanderer genügen konnte. So wurde auch dieser Rettungsweg, sofern er überhaupt einer war, erschwert und versperrt.

Um dieselbe Zeit, im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts, hatten sich auch in den westlichen Ländern höherer Kultur bedenkliche Erscheinungen gezeigt. Der politische Liberalismus, der seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, besonders in Deutschland, herrschend und tonangebend gewesen war, hatte den Juden politische Gleichberechtigung erkämpft, und sie herrliche Zukunftsbilder von völliger Kulturassimilation schauen lassen. Um so härter, traf darum den deutschen Juden der Rückschlag, der an die Stelle des Liberalismus die Herrschaft der Klerikalen und reaktionär-konservativen Kräfte setzte. Ohne das verfassungsmäßig gewährte Recht irgendwie in der Theorie anzutasten, bemühte sich nun die Verwaltungspraxis den Juden wieder in seiner Pariastellung im Staate zurückzudrängen. Freiheiten, die er sich kaum errungen, wurden eingeschränkt, Stellungen, die er mit Eifer aus ausgefüllt hatte, entzog ihm, – um Mommsens unsterblich gewordenen Ausdruck zu gebrauchen – die Verwaltungsprellerei! Tausend Demütigungen wurden den Westjuden zugefügt, die er um so drückender empfinden mußte, als er an den positiven Blühen und Erstarken der Westkultur nicht unwesentlich beteiligt war, andererseits auch in seinem Denken und Fühlen durch die Vermählung mit ihr weit empfindsamer geworden war als früher. Es traf ihm wie ein Peitschenhieb, daß er nicht mehr würdig sein sollte, seinem Kaiser als Offizier zu dienen, er, der sich deutsch fühlte, der sich bewährt hatte, der in schwerer Kriegszeit begeistert mehr als seine Pflicht getan hatte. Genauso entsetzlich, traf es ihn, daß freche antisemitische Agitatoren ihr Haupt frei erheben durften, und das Verhöhnung und Beschimpfung der Juden in gewissen Kreisen zum guten Ton zu gehören schienen. Und wenn der deutsche Jude in seine Verzweiflung Umschau hielt, sah er, daß es anderswo auch nicht besser war. In Frankreich hatte die Dreyfußaffäre geradezu erschreckende Blicke in die Tiefe antisemitischer Vorurteile tun lassen. In Österreich waren die beiden wichtigsten streitenden Parteien, die Chrislichsozialen und die Deutschnationalen, nur dann einig, wenn es gegen die verhaßten Juden ging. In jeder Seele, die noch eine Spur von Feinfühligkeit und Stolz bewahrt hatte, tauchte die verzweifelte Frage auf, ob es denn überhaupt einen Nichtjuden gebe, der nicht Antisemit war, und wer persönlich – als Fühlender und als Schauender – diese Zeiten mitgemacht hat, wird für die unendliche Übertreibung, die in dieser Anschauung steckt, ein verstehendes und verzeihendes Mitgefühl haben.

Im Osten und im Westen also eine sehr bedenkliche äußere Lage! Und war es denn im Innern anders? Bot ein kräftig pulsierendes inneres religiösen Lebens einen Ersatz? Ein tieferer Einblick in dieser Richtung hin gab zu nicht minder verzweifelten Betrachtungen Anlaß. Denn die belebende Frische eines aktiven religiösen Lebens, die das Gefühl der Stärke und Begeisterung erweckt, suchte man in dem müden dahinschleichenden Judentum der Zeit vergebens, und was vorhanden war hatte durchaus nicht die Kraft, Ideale zu erwecken und sie in den Seelen der heranwachsenden Jugend fest zu verankern. Im Osten der alten Hochburg des frischen und kräftigen religiösen Lebens, war an seine Stelle die ceremonielle Lebensführung getreten, und was an Sehnsucht nach der innerlichen und echten Religion des Herzens vorhanden war, hatte teils im Chassidismus, dem Wechselbalg, dessen Vater christlicher Mystizismus und dessen Mutter die geistige Rückständigkeit einer arg gedrückten Volksmasse ist, teils in sonstigem öden Aberglauben und totem Formalismus die unerfreulichste Blüten getrieben, die nur giftige Früchte ergeben konnten. Im Westen aber herrschte unter den Juden der Materialismus noch stärker als in den anderen Schichten der Bevölkerung, die ihm an Bildung und Lebenshaltung etwa gleichwertig waren.

Das Interesse an religiöse Problemen hatte in weite Kreisen abgenommen, und es machte sich sogar das Bestreben bemerkbar, Religionslosigkeit, ja sogar Religionsfeindschaft als einen Kulturfortschritt zu betrachten, und der offene Hohn, mit dem in diesen Kreisen der fromm Gläubige bedacht wurde, wirkte auf andere verführerisch. Fast schien es, als ob diese Welle seichter Aufklärung alles religiöse Gefühl aus dem Kreis der Bildung fortgeschwemmte hätte und einen Indifferentismus bemächtigte sich weitere Schichten, von dem man befürchten konnte, daß er das Weltjudentum in kurzer Zeit vernichten würde. Dazu trat noch der Wille und die Kraft, Mission zu treiben, bei den Staaten, – besonders dem preußischen – stark und kraß hervor. Die staatliche Gesetzgebung hatte den Zusammenhang zwischen den jüdischen Gemeinden nach Möglichkeit zu lockern versucht, und sie begünstigte auf diese Weise Zersplitterung und Streit. Was aber durch die Zerstörungstätigkeit nicht erreicht wurde , mußte die persönliche Mission ersetzen, indem man durch verlockende Versprechungen und reichliche Belohnungen die religiös geschwächte und indifferente Oberschicht, dessen Moralbegriffe durch das Schwinden religiöser Anschauungsweise naturgemäß gelitten hatten, zum feigen Abfall und meineidigen Übertritt verleitete.

Unerfreulich war so die Lage des Judentums, und für den Beobachter, dem geschichtlichen Blick und Kenntnisse fehlte, stellte sie sich noch verzweifelter dar, als es in Wahrheit der Fall war. Denn weder wußte er, daß das Judentum sich schon oft genug in Entwicklungsstadien befunden hatte, die noch weit mehr den Stempel der Auflösung an den Stirn trugen, noch war ihm bekannt daß unsere Gemeinschaft noch jedesmal vermöge der inneren Kraft ihrer ewigen Ideen Niedergangsperioden dieser Art siegreich überwunden hat. Die Masse der Intellektuellen, die ehrlich dachten und jüdisches Gefühl besaßen, die nicht abfallen und verschwinden wollten fühlte aber merklich das Unbehagen und Beschämende der Lage mit jedem Tage aufs neue. Tausende von phantastischen Gedanken traten an‘s Tageslicht, jeder zweiter Glaubensgenosse empfand die Judenfrage in ihrer vollen Schwere und fühlte sich verpflichtet seine Meinung dazu zu äußern! Und da den meisten das feste Fundament der Kenntnisse sowie die Fähigkeit zur geschichtlicher Betrachtung fehlte, schlossen wohlgemeinte und schlecht geratene Judenbefreiungsversuche wie das Unkraut in die Höhe. Freilich waren es Pflanzen, die nur phantastische Blüten trieben, die keinen festen Wurzelboden hatten und keine Früchte trugen.

Eine nervöse und überreizte Zeit war es, wie sie freilich im Judentum schon oft da gewesen, aber immer wieder überwunden worden ist durch den gesunden Instinkt der Gemeinschaft, die dann zu den alten Boden der ewigen Religionswahrheiten zurückkehrte und aus ihm neue, kräftige Nahrung zog. Aber in solchen nervösen, überreizte Zeiten erstehen die Pseudomessiasse.

Noch immer hat sich in solchen Tage ein Pseudomessias erhoben, noch immer hat er irgend eine gleißende Lehre entwickelt, noch immer hat er die leidende Menschheit die Befreiung von jeglichem Leid und Elend versprochen, noch immer ihr der Zukunft in den herrlichsten Farben gemalt, noch immer hat er Gläubige gefunden…. Aber noch immer hat er seinen begeisterten Anhängern den Boden der Wirklichkeit entzogen sie fanatisiert, und dann – wenn ihre Fantasien sich als Trug- und Luggebilde erwiesen und im Nichts zerfallen waren, – nur noch tiefer in das Elend hinabgestoßen. Noch nie ist eine pseudomessianische Bewegung zerronnen, ohne das sie dem Judentum schwere, schwere Wunden zugefügt, ohne daß sie Tausende zum Abfall verleitet hätte!

In solchen Zeiten ersteht ein Pseudomessias, in jedem Zeitalter in einem anderen Gewande. In ganz moderner Gestalt erhob er sich am Ende des neunzehnten Jahrhundertsmit verführender und fanatisierender Kraft. Der Pseudomessias nannte sich damals Zionismus!

Als angebliche Rettung aus aller Gefahr trat eine Bewegung auf dem Plan, welche für die so vielfach verzweigte Judennot ein einheitliches Entstehungsprinzip gefunden zu haben sich rühmte und kündete, alles Elend komme daher, daß die Judenheit sich national auflöse. Sie behauptete, das Judentum sei stets eine Nation gewesen, sei es heute noch, und die Assimilation an die Kultur der anderen Nationen sei eine Verschwendung und Vernichtung der besten Kräfte, stelle einen schmählichen Verrat an dem Wesen und der Zukunft des Judentums dar, habe zudem nie etwas anders gezeitigt als Unglück und Verfall. Das ganze Unglück rühre daher, daß die Nation ein Mittelpunkt, ein territorialer und territorialer Mittelpunkt fehle, und diesen gelte es darum zu schaffen. Nur dann werde die Judenheit ein erträgliches Los haben, wenn das nationale Moment in den Vordergrund gestellt werde und sich Geltung verschaffe, wenn alle nationalen Kräfte zusammengeführt würden, und auf dem geheiligten Boden der Väter eine Zuflucht geschaffen sei, die einerseits dem gehetzten Judenvolke eine rechtlich gesicherte Heimstätte gewähre, wo er seine Individualität gemäß leben und sich betätigen könne, von der andererseits eine geistige Belebung aller jüdischen Werte ausgehen werde. Einen „Judenstaat“ verlangte der edle Theodor Herzl in seinem Buche das den gleichen Titel trägt und seinem dichterischen Können ebenso Ehre macht wie seinem Idealismus. Dieser Mann, der ein warmes Herz hatte für das Leiden seiner Brüder, der ein ehrlicher und ehrenhafter Idealist von reiner Gesinnung war, ist es, der der neuen Bewegung einen idealen Impuls hat. Er hatte aber das tragische Schicksal gehabt, das sich an seinen Namen eine pseudomessianische Bewegung häßlichster Natur knüpft und das mit seinem Namen geschäftsmäßige Schreier, gewissenlose Demagogen und unwissende Phantasten ihre wenig ideale Motive und Ziele decken.

Wie war es nun gekommen, daß eine pseudomessianische Aktion gerade ein solches Gesicht annahm, daß sie sich auf einen Gedanken aufbaute, der dem Judentum absolut fremd war und einer zweitausendjährige Entwicklung, die nur Religion und wieder gefordert und gefördert hatte. Hat dieser nationale Gedanke vielleicht doch irgend eine Grundlage in jüdischer Anschauungen, gibt es irgend ein Analogon oder einen Vorläufer in der jüdischen Geschichte? Es ist das nie und nirgends der Fall gewesen! Gewiß kann man oft genug auf Bewegungen hinweisen, die der Rückkehr nach dem heiligen Lande ersehnten, aber noch niemals war man vom prophetischen Wege abgewichen, nie hatte man etwas anders erträumt als in erster Reihe die Wiedererrichtung des Tempels und den Sieg der Religion! Im Zionismus war etwas völlig Neues, etwas ganz Fremdes aufgetreten. Nicht an religiösen Gefühle appellierte er, nicht handelte es sich um die Errichtung des Tempels und die Herbeiführung des Gottesstaates, sondern um den Aufbau eines nationalen Staatswesens, wie andere es auch waren, ohne das von de m Siege der Religion auch nur die Rede war! Hier war nicht das ideale religiöse Moment in die Waagschale geworfen, denn um Glaubensfragen handelte es sich nicht, an sie dachte keiner. Es war die Judenfrage zu einem einfachem politischen und wirtschaftlichen Problem degradiert, ein völliges Novum, für jeden der die jüdische Geschichte nicht mit Schlagworte abtat, sondern sie studierte. Auf jüdischem Boden war der neue Messias nicht groß geworden, aber trotzdem liegt sein Ursprung vor aller Augen offen zu Tage. Das diese neuen Judenrettungsaktion eine spezifisch nationale Färbung annehmen mußte, liegt einfach daran, daß sie ein Kind des nationalistischen neunzehnten Jahrhunderts ist. Hier spielt eben die seltsame Richtung, die die geistige Entwicklung unserer Zeit aufweist, in die innere Geschichte des Judentums hinein. In dem merkwürdigen Buche von H.St. Chamberlain über „Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“, einem Hohenliede der dilettantenhaften Oberflächlichkeit und der hohlsten Selbstüberhebung spiegelt sich, sowohl was die Form wie die materielle Seite betrifft, am deutlichsten jene bequeme Weltanschauung wieder, die unsere Zeit beherrscht. Sie verachtet die individuellen Arbeit an sich selber und die persönliche Tüchtigkeit , sie erwartet alles Heil nur aus der Rassenveranlagung, die wie ein unabänderliches Fatum des Menschen Denken und Handeln leitet und beherrscht. Es gibt hervorragende und inferiore Rassen. Unter jenen soll die germanische die erste, unter diesen die jüdische die letzte sein. Jene sei der Inbegriff aller Erhabenheit , Großzügigkeit und Tugend sein, diese dagegen der Tummelplatz aller Laster und jeder Tüchtigkeit. Das Glied der germanische Rasse das nichts leiste, sei immer noch erheblich besser als der hervorragendste Semit. Wir können und wollen dieser Geistesrichtung nicht in ihre Einzelheiten verfolgen, uns nicht die Mühe geben, ihre offenbaren Fehler aufzudecken. Aber es ist klar, daß dieser Rassenwahn, die künstlich gezüchtete Rassenüberhebung der Betrachtung der Judenfrage neue Wege ebnete und dem Judenhasse eine ganz neue Richtung gab.

Der Antisemitismus war vorwiegend – man braucht andere Momente die mehr oder weniger bewußt mitklingen, nicht zu verkennen oder abzuleugnen – Religionshaß; die Emanzipation und das Eindringen der Juden in das Wirtschaftsleben ließ auch die wirtschaftliche Seite des Judenhasses weit stärker hervortreten Der Antisemitismus unserer Tage ist aber Rassenhaß! Und das bedeutet eine völlige Umwertung und eine gewaltige Vertiefung. Religiöse und wirtschaftliche Judenfeindschaft sind mehr äußerlicher Natur; sie gelten der Natur und die Anschauung und dem Wirken, nicht aber der Person. Der Rassenantisemitismus jedoch zielt auf den Menschen persönlich. Er hat aus einer Gegnerschaft , bei der beide Seiten sich durch Argumenten zu überzeugen suchten, einen Antisemitismus gemacht, der Verachtung des minderwertigen Juden und völlige Trennung von ihm auf allen Gebiete der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens eindringlich predigt. Mit welchem Erfolg ist bekannt! Wenn das „völkische“ Moment eine Bedeutung erlangt hat, der gegenüber alles andere, Verdienste, Tugenden, Strebung und Gesinnung nichts gelten, wenn der Jude geächtet wird, wenn man ihn zu eine Pariastellung herabdrücken will, so ist das ein Erfolg der die nationale Weltanschauung, der chauvinistischen Rassenwahn unserer Tage, in emsiger Arbeit errungen hat.

Und dieser chauvinistische, nationale Rassenwahn, ist die theoretische Grundlage, der geistige Nährboden des Zionismus! Im hat er die spezifische Züge seines Wesens und seiner Wirksamkeit entlehnt! Schon das Aussprechen dieser unbestreitbaren und unbestrittene Tatsache enthält die vernichtendste Kritik dieser pseudomessianischen Bewegung. Mit aller Deutlichkeit muß man es sich in den letzten Konsequenzen ausmalen, was es für das Wesen und die Erscheinungsformen des Zionismus erscheinen muß, daß er auf demselben Sumpfboden erwachsen ist wie der Rassenantisemitismus, diese Geisel, unter der wir Juden so entsetzlich leiden. Und es ist immer dasselbe Wasser, mag es nun arisch-antisemitisch, mag es nun jüdisch-national gefärbt sein, daß aus einem Giftbrunnen stammt, und daß keine Färbung der Welt zu einem gesunden Trank machen kann.

Wer sich auf dem Standpunkt stellt, daß die nationale Verhetzung und der Rassenantisemitismus ein Verbrechen an der Kultur sind – und wer täte das nicht – der muß auch dem Bruder in jüdischen Gewande, den nationalen Zionismus, verdammen, weil er ebenso verderblich wirken muß wie jene.