Über die Gewalt

Die sich im Zerfall befindliche westliche Zivilgesellschaft leidet unter dem Phänomen des Gewaltfetischismus. Fetischismus weil kein Zugang mehr zur naturgegebenen Gewalt besteht. Jegliche Form von Gewalt ist etwas Abträgliches geworden. Das sehen wir am Tiefkühlfach mit der kindgerechten, dauergrinsenden Bärensalami, aber vor allem in der mittelbaren virtuellen Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Der liberale Humanitarist ist oftmals Tagelöhner des Sekundären und ein Heuchler par excellence der nur vordergründig Gewalt ablehnt. Im Kino werden nämlich jedes Wochenende Gewaltexzesse konsumiert. Bis ins krankhafte werden sinnesbenebelnde Filme geschaut, ohne die innerliche Verrohung zu bemerken. Wenn beim islamischen Opferfest Schafe geopfert werden ist der Aufschrei in der aufgeklärten Zivilisation groß. Der Schlachthof um die Ecke und der Jäger im Wald werden trotz dessen aber ungern besucht. Indem Gewalt nur noch im Kopf stattfindet, beim unseligen Daddeln an der Spielkonsole, solange wird die Äußere verfemt und angefeindet. Besonders niederträchtig wird es jedoch, wenn Enthauptungsvideos von krankhaften Psychopathen im Netz geschaut werden! Sie sind nichts weiter als eine verschlimmerte pervertierte Form von Konsumterror. Es ist keine reale Realität. Es ist nur ein realer Konsum und ein innerer Schulterklopfer wert. Die hedonistische Gesellschaft der oberflächlichen Freiheit, die Freiheitsapostel des Konsums, sind ja angeblich die Guten und die wahrhaftig zivilisatorisch voran geschrittenen. In den Gärten der Vulgarität des Abendlandes hat die finstere Schlussstunde geschlagen und das ist gut so. Wir kämpfen nämlich für den Geist eines neuen Morgens im Lande.

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Nando-Dragan Nuruddin Augener

Über Nando-Dragan Nuruddin Augener

Nuruddin, Jahrgang 1989, machte 2010 sein Abitur und lebt in Hamburg. Studium der Erziehungswissenschaft und der Soziologie an der Universität Hamburg (2011-2014). Arbeitet zurzeit als Bürokaufmann. Muslim seit September 2016. Kontakt: nd.augener@web.de

2 Gedanken zu „Über die Gewalt

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