{"id":1124,"date":"2014-07-05T15:29:03","date_gmt":"2014-07-05T15:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1124"},"modified":"2015-02-21T15:36:12","modified_gmt":"2015-02-21T15:36:12","slug":"auszuege-aus-tuerke-wehre-dich-von-dr-hans-barth-1898","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/auszuege-aus-tuerke-wehre-dich-von-dr-hans-barth-1898\/","title":{"rendered":"Ausz\u00fcge aus &#8222;T\u00fcrke, wehre dich !&#8220; von Dr. Hans Barth (1898)"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das t\u00fcrkische. Jeder Kenner dieser braven, liebensw\u00fcrdigen, grundehrlichen und daf\u00fcr von aller Welt verl\u00e4sterten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tats\u00e4chlich gibt es kaum eine Staats- und gesellschafterhaltende Tugend, die dem T\u00fcrken \u2014 insbesondere dem anatolischen \u2014 nicht eigen w\u00e4re: Herzensg\u00fcte und Ehrlichkeit, Toleranz und N\u00e4chstenliebe, demokratischer Gleichheitssinn und unbedingte Loyalit\u00e4t gegen die Regierung, so dr\u00fcckend die staatliche Notwendigkeit auch auf ihm lasten m\u00f6ge, endlich nat\u00fcrlicher Anstand und M\u00e4ssigkeit und eine von der Religiosit\u00e4t nicht in Banden gehaltenen Intelligenz. Welch hohe Lebensweisheit, welch sittlicher Ernst, welches Gem\u00fct spricht nicht schon aus den teilweise sogar aus vorislamscher Zeit stammenden t\u00fcrkischen Spr\u00fcchw\u00f6rtern: \u201eWer von der L\u00fcge sich entfernt, der n\u00e4hert sich Gott.&#8220; \u2014 \u201eMann ist, wer sein Wort h\u00e4lt.&#8220; \u2014 \u00bbTue das Gute, und wirf es ins Meer; sieht es der Fisch nicht, so sieht es der Herr.&#8220; \u2014 \u201eTue Gutes denen, die dir B\u00f6ses antun, so wirst du bei Gott Gnaden finden&#8220; u. s. w, Maximen, denen der gute Moslim in seinem Wandel weit eifriger nachzuleben pflegt, als der Christ den \u00e4hnlich lautenden Befehlen Jesu. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Der Grundzug des osmanischen Charakters, auf dem sich das Wesen des Volkes aufbaut, ist Gutm\u00fctigkeit, nat\u00fcrliche Demokratie und absolute Ehrlichkeit. Ein stark ausgepr\u00e4gter Familiensinn, eine r\u00fchrende Eltern- und Kindesliebe verbinden sich beim T\u00fcrken mit einer tiefen Sittlichkeit, einem Horror vor aller europ\u00e4ischen Verderbtheit. K\u00f6rte \u2014 wie ausser ihm v. d. Goltz, Vambery u. a. \u2014 r\u00fchmt immer wieder des T\u00fcrken innere Vornehmheit. Namentlich im Punkte der Humanit\u00e4t ist es unbestreitbar, dass die demokratisch organisierte, t\u00fcrkische muselmansche Gesellschaft der christlich-europ\u00e4ischen lange voranging und ihr in der praktischen Menschenliebe noch heute weit \u00fcberlegen ist. Das Fehlen des offiziellen Applombs kommt der Entfaltung dieser nat\u00fcrlichen, selbstverst\u00e4ndlichen, idealen Mildt\u00e4tigkeit in ihren tausenderlei Formen zu gute, sodass A. Gescher mit Recht der t\u00fcrkischen Gesellschaft einen \u201efast sozialistischen Anstrich&#8220; zuerkennt. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was den T\u00fcrken vor den orientalischen Christen fernerhin vorteilhaft auszeichnet, ist sein Anstand, sein Ernst, seine gravit\u00e4tische W\u00fcrde, gepaart mit einer zur Wissenschaft ausgebildeten H\u00f6flichkeit. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein auf seine W\u00fcrde haltendes, gutes und ernstes Volk ist auch ein ehrliches Volk, wie denn schon Moltke immer von den \u201eehrlichen&#8220; oder den \u201ebraven&#8220; T\u00fcrken spricht und wie kein Geringerer als F\u00fcrst Bismarck sie als die \u201eeinzigen Gentlemen des Orients&#8220; bezeichnet. Schon die Chronisten der Kreuzz\u00fcge, die Villehardouin, Joinville u. a. sind des Lobes voll \u00fcber die skrupul\u00f6se Treue, mit der die Osmanen ihr Wort zu halten pflegten \u2014 ganz im Gegensatz zu den Griechen und Lateinern, die die guten Kreuzfahrer so &#8230; . christlich an der Nase herumf\u00fchrten und begaunerten. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch an anderen t\u00fcrkischen Eigenschaften k\u00f6nnten sich die V\u00f6lker, k\u00f6nnte sich die \u201eKultur Europas&#8220; ein Beispiel nehmen: an der weitber\u00fchmten t\u00fcrkischen M\u00e4ssigkeit und an der nicht minder l\u00f6blichen Reinlichkeit. Beide Eigenschaften sind freilich durch den Koraan geboten, wie auch dasEvangelium bekanntlich zur M\u00e4ssigkeit mahnt. Nur l\u00e4sst sich der Muselman durch sein Religionsgesetz leiten, w\u00e4hrend der Christ, bei aller theoretischen Fr\u00f6mmigkeit , demselben meist ein Schnippchen schl\u00e4gt. Sprichw\u00f6rtlich ist die t\u00fcrkische Reinlichkeit. Die f\u00fcnfmaligen religi\u00f6sen Waschungen (das Reinigen der Z\u00e4hne eingeschlossen!) haben mindestens den sehr hohen weltlichen und materiellen Nutzen, den Bekenner Allah&#8217;s zu einem Prachtexemplar von Sauberkeit zu machen. \u201eWo k\u00f6nnte&#8220;, \u2014 schreibt Scarfoglio, \u2014 \u201ein Europa eine Volksmenge zusammenkommen, ohne dass, zumal im S\u00fcden, sich ein Meer von D\u00fcften entwickelte, die in nichts an die Wohlger\u00fcche Arabiens erinnern ?&#8220; \u2014Bei einer t\u00fcrkischen Volksmenge \u2014 vorausgesetzt, dass sie nicht zu sehr mit Christen durchsetzt sei, denn der Kreuzesbekenner h\u00e4lt das Sich-Waschen f\u00fcr S\u00fcnde, \u2014 ist nichts von alledem. W\u00e4hrend man in Europa nur in gewissen, ganz besonders reinlichen L\u00e4ndern und St\u00e4dten \u201ebadet&#8220;, ist im Orient Stadt und Land mit Badeh\u00e4usern bedeckt. Derselbe Reinlichkeitssinn zeigt sich auch im \u00c4ussern der T\u00fcrken-Quartiere, w\u00e4hrend die Christen-Quartiere meist von Schmutz starren. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die T\u00fcrken aber nicht erst seit heute die Abendl\u00e4nder an Reinlichkeit und Anstandssinn \u00fcbertreffen, das lesen wir sogar in dien \u201eEfemerides expeditionis adversus Turcas.&#8220; Sie melden n\u00e4mlich betr\u00fcbt, dass nach der Erst\u00fcrmung Grans (1595) der deutschen S\u00f6ldner Erstes gewesen, das von den T\u00fcrken peinlich sauber gehaltene Schloss sofort mit gemeinstem Unrat zu besudeln und die Altert\u00fcmer und die Kunstsch\u00e4tze zu zertr\u00fcmmern. Und das waren zivilisierte europ\u00e4ische Christen, nicht etwa t\u00fcrkische Barbaren! [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei seiner angeborenen Intelligenz, die nach Vambery und v. d. Goltz die des orientalischen Christen \u00fcbertrifft (wenn auch nicht auf dem Gebiete des Handelns und Schacherns), ist der T\u00fcrke der wahrhaft ideale, der gehorsamste und beste aller Staatsb\u00fcrger der Welt. Mit feinem Empfinden f\u00fcr alles ihm zugef\u00fcgte Unrecht, voll des ausgesprochensten Gleichheitssinnes, des keine Kastenvorurteile kennenden moslimschen B\u00fcrgerstolzes, blickt er zu seinem Herrscherhause mit unbeschr\u00e4nktem Vertrauen empor. Seine Ehrfurcht vor dem Padischah, als dem Vertreter Gottes und des Propheten, ist unbegrenzt und seine politische Loyalit\u00e4t \u00fcber jeden Zweifel erhaben. Das Kannegiesser- und Politikastertum seiner christlichen Nachbarn hat ihn in keiner Weise angesteckt, wenngleich sich auch bei ihm eine \u00f6ffentliche Meinung geltend macht, eine \u00d6ffentliche Meinung, zu der sich jeder Monarch begl\u00fcckw\u00fcnschen k\u00f6nnte, weil sie sich niemals zu der im Sultan politisch wie religi\u00f6s verk\u00f6rperten Staatsidee in Gegensatz bringt. Darum liegen auch dem geduldigen und vertrauensvollen t\u00fcrkischen Volke Regungen ferne, vor denen heute in Europa den Regierenden bangt. Das Volk steht eben immer und wie selbstverst\u00e4ndlich hinter der Regierung, um, \u2014 wie wir beim armenischen Aufruhr gesehen, \u2014 die der Staatsexistenz gef\u00e4hrlichen revolution\u00e4re Elemente zu neutralisieren. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar sind die Zeiten jetzt ernst, und mit eiserner Faust schl\u00e4gt die Notwendigkeit ans \u201eTor der Gl\u00fcckseligkeit&#8220;. Gott sei Dank, dass das t\u00fcrkische Volk die Spannkraft, die jugendliche Energie besitzt, im Sturme auszuharren.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Dr. Hans Barth, <em>T\u00fcrke, wehre dich!<\/em>, <span dir=\"ltr\">Gebhardt und Wilisch, 1898<\/span>)<\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1124\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1124\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das t\u00fcrkische. Jeder Kenner dieser braven, liebensw\u00fcrdigen, grundehrlichen und daf\u00fcr von aller Welt verl\u00e4sterten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tats\u00e4chlich gibt es kaum eine Staats- und &hellip; <a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/auszuege-aus-tuerke-wehre-dich-von-dr-hans-barth-1898\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ausz\u00fcge aus &#8222;T\u00fcrke, wehre dich !&#8220; von Dr. Hans Barth (1898)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1124\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1124\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[158,5],"tags":[70,44,262,10,233,244,272,517,380,105,23,327,75,78,34,178,241,179,218],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":2753,"today_views":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1124"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1125,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124\/revisions\/1125"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}