{"id":1388,"date":"2015-03-27T21:06:22","date_gmt":"2015-03-27T21:06:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1388"},"modified":"2019-07-26T20:43:21","modified_gmt":"2019-07-26T20:43:21","slug":"als-salafit-zu-gast-bei-einem-sufi-sheikh-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/als-salafit-zu-gast-bei-einem-sufi-sheikh-teil-2\/","title":{"rendered":"Als Salafit zu Gast bei einem Sufi-Sheikh (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>von Yahya ibn Rainer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist mir etwas aufgefallen, in den letzten knapp 8 Jahren als sogenannter <em>Salafist<\/em>. Alle reden \u00fcber uns. Journalisten, Politiker, Islamwissenschaftler, PImaten, aber auch Funktion\u00e4re von Muslim- und Islamverb\u00e4nden, Religionsbeh\u00f6rden oder Moscheevereinen. Speziell diese &#8222;Muslime&#8220;, die auf Anfrage der Presse oder Anraten \u00f6rtlicher Politiker bzw. Beh\u00f6rden \u00fcber den b\u00f6sen Salafismus schwafeln, dass er nichts mit dem wahren Islam zu tun habe und seine Anh\u00e4nger unwissend seien, diese &#8222;Muslime&#8220;, die sich f\u00fcr alles m\u00f6gliche einsetzen, f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung, f\u00fcr das Grundgesetz, f\u00fcr den Wohlfahrtsstaat, f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog, aber nicht f\u00fcr den Islam und die Muslime, alle Muslime.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie bilden R\u00e4te, organisieren Konferenzen, kooperieren mit staatlichen Einrichtungen, geben Expertisen, nur um Politik und Staat zufrieden zu stellen, um in Ruhe gelassen zu werden, aus Angst vor Repression, um den Aufenthaltsstatus zu behalten oder einfach nur um gelobt zu werden, von Ministern, B\u00fcrgermeistern und Beh\u00f6rdenvorstehern. Doch was passiert, wenn diese Funktion\u00e4re in ihrer Moschee einem solchen Salafisten begegnen? Lassen sie ihren Worten Taten folgen? Nehmen sie sich den Bruder zur Seite? Geben sie Nasiha (einen Ratschlag)? Versuchen sie dieses angeblich falsche Islamverst\u00e4ndnis zu korrigieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>NEIN !!!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In all den 8 Jahren als irrgeleiteter, gef\u00e4hrlicher, b\u00f6sartiger und unislamischer <em>Salafist,<\/em> ist noch kein Hodscha, kein Imam, kein Moscheevorstand, kein Muslimfunktion\u00e4r und auch kein Sufi-Sheikh an mich herangetreten und hat versucht mich aus meinem angeblichen Irrtum zu erretten. Besonders hier in Hamburg, wo man mich vielerorts bestens kennt, als engagiertes Gemeindemitglied der ehemaligen Taiba-Moschee (bzw Al-Quds-Moschee), die nach vertraulichen Beratungen zwischen eben diesen Funktion\u00e4ren und der Staatsmacht einvernehmlich geschlossen und verboten wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich komme in ihre Moscheen &#8211; und ich gehe in fast jede Moschee in Hamburg -, sie sehen mich, erkennen mich und gr\u00fc\u00dfen mich (oder auch nicht), aber dar\u00fcber hinaus kommt kein Sterbensw\u00f6rtchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum ist das so? Ich wei\u00df es nicht. Aber eines wei\u00df ich: Der Sufi-Sheikh aus Trebbus sah ebenfalls keinerlei Veranlassung mich eines Besseren zu belehren. Der Bruder Jamal, den ich eigentlich in Trebbus besucht hatte, k\u00fcndigte meinen Besuch im Mevlevi-Orden bereits einen Tag zuvor an, aber er verschwieg, dass ich ein sogenannter Salafist war. Das sollte ich dem Sheikh &#8211; wenn m\u00f6glich &#8211; doch bitte selber irgendwie beibringen. Und so brachte mich Jamal in die Tekke, die nur etwa 1-2 km von seinem Hof entfernt lag, stellte mich dem Sheikh vor, trank noch einen Tee mit uns und fuhr dann allein wieder nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun lag es also an mir, einen geeigneten Weg zu finden um dem Sheikh die Ankunft des B\u00f6sen, des Krebsgeschw\u00fcrs, in seinem Hause zu offenbaren. Nat\u00fcrlich hatte ich mir zuvor einige Gedanken dar\u00fcber gemacht wie ich auftreten m\u00f6chte. Ich entschloss mich f\u00fcr meine nat\u00fcrliche und somit freundliche und respektvolle Art, wie ich jedem Muslim begegne, besonders wenn er das gesegnete Alter von 70 Jahren erreicht hat &#8211; wie <a href=\"http:\/\/www.mevlevi.de\/die-mevlevihane\/die-sufilehrer\/scheich-abdullah-halis-efendi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Scheich Abdullah Halis al Mevlevi\u2013Efendi<\/a> -, das geh\u00f6rt sich einfach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war allerdings nicht der einzige Gast im Hause. Bei meiner Ankunft sa\u00df bereits ein anderer Mann beim Sheikh zu Tisch. Es war ein us-amerikanischer Musikwissenschaftler, der in Deutschland f\u00fcr ein Buch recherchierte. Sein Forschungsgebiet war orientalische Musik, speziell schiitische und sufische Stile. Sein Buch sollte vom Islam in Berlin handeln und hierzu geh\u00f6rte auch ein Aufenthalt im Mevlevi-Orden zu Trebbus, das ja nur 125km s\u00fcdlich von Berlin liegt. Er hatte eine professionelle Videokamera dabei und sein Notizheftchen immer parat, denn der Sheikh hatte viel zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe hin und her \u00fcberlegt, ob und inwieweit ich meine negativen Eindr\u00fccke vom Sheikh hier schildern soll. Ich kam w\u00e4hrend meines Aufenthaltes dort nicht wirklich oft zu Wort und konnte somit auch nicht dar\u00fcber aufkl\u00e4ren dass ich einen Blog betreibe und vorhabe dort \u00fcber meinen Besuch zu berichten. Ich werde also an mich halten und meinen pers\u00f6nlichen Eindruck von der Person des Sheikhs nicht sonderlich ausf\u00fchren, nur so viel sei gesagt: Nicht alles, was ich mir in positiver Erwartung von einem Meister des Tasawwuf erhofft habe, hat sich beim Treffen mit dem Sheikh erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es gab auch sehr viel Gutes was ich sah und h\u00f6rte. Die Gegenwart des Wissenschaftlers war f\u00fcr den Sheikh ein Anlass viele Anekdoten aus seinem langen Leben zu berichten, osmanische \u00dcberlieferungen zu erz\u00e4hlen, Weisheiten aufzuz\u00e4hlen und zahlreiche Koranstellen zu rezitieren. Der Sheikh konnte flie\u00dfend t\u00fcrkisch und &#8211; soweit ich das beurteilen konnte &#8211; auch sehr gut arabisch sprechen. Viele seiner Weisheiten und allgemeinen Ratschl\u00e4ge belegte er mit koranischen Beweisen, aus dem Kopf, erst auf arabisch, dann in gepflegter deutscher \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig war f\u00fcr mich seine Angewohnheit, von sich selbst immer als &#8222;Wir&#8220; zu sprechen und andere Personen mit &#8222;Ihr&#8220; anzureden. Diese Angewohnheit teilte er auch mit den zwei Sufi-Schwestern, die in der K\u00fcche flei\u00dfig am Kochen waren und nur selten mal in den gro\u00dfen Speiseraum kamen. Und so fragte er mich nach einiger Zeit: &#8222;Und wie seid Ihr zum Islam gekommen?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun sah ich meine M\u00f6glichkeit gekommen. Schnell erkl\u00e4rte ich, dass ich schon sehr jung mit dem Islam in Verbindung kam, jedoch die Praxis der Religion, f\u00fcr mich als Jugendlicher, zu streng wirkte, und da auch meine zahlreichen t\u00fcrkischen Freunde den Islam nicht ganz so streng nahmen und meinten, dass der Islam im Herzen ausreiche, da &#8211; so sagte ich &#8211; fand ich zwar den Islam ganz toll, bevorzugte jedoch eine normale deutsche Jugend, mit den \u00fcblichen kleinen und gro\u00dfen S\u00fcnden. Den Islam ernsthaft als Lebenskorrektiv in Erw\u00e4gung &#8211; f\u00fchrte ich weiter aus &#8211; zog ich erst kurz nach meinem 30. Geburtstag, und dann im wahren Vollzug auch erst nach einem ausf\u00fchrlichem Telefongespr\u00e4ch mit <em><strong>Pierre Vogel<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Baaam! Da war es also raus. Ich versuchte ganz locker zu bleiben und tat so als w\u00fcrde ich den schr\u00e4gen und leicht verdutzten Blick des Sheikhs nicht bemerken. Es gab einen kurzen Moment der Stille, worauf der Sheikh dann nach einiger Zeit den Amerikaner auf einmal bat, mich doch bitte mal \u00fcber das Gel\u00e4nde zu f\u00fchren, um mir die Stallungen, den Innenhof, den Hofladen, die Musalla und den Sohbet-Raum zu zeigen. Der Amerikaner wirkte ein wenig irritiert, immerhin war er selbst ein Gast im Haus, und als solcher wurde er jetzt auf einmal aufgefordert einem anderen Gast das Geh\u00f6ft zu zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Musikwissenschaftler kam der Aufforderung trotzdem ohne Murren nach. Wir gingen also nach drau\u00dfen und er zeigte mir alles, was er von seiner eigenen Besichtigung, wahrscheinlich nur wenige Stunden zuvor, selbst noch wusste.&nbsp; Als letzte Station des Rundgangs kamen wir etwa 20 Minuten sp\u00e4ter im Sohbet-Raum an, wo auch Jamal wieder da war und mit dem Sheikh zusammen im Gespr\u00e4ch versunken sa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fortsetzung folgt &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1388\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1388\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya ibn Rainer Es ist mir etwas aufgefallen, in den letzten knapp 8 Jahren als sogenannter Salafist. 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