{"id":1481,"date":"2012-09-19T08:10:29","date_gmt":"2012-09-19T08:10:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1481"},"modified":"2015-05-08T13:17:58","modified_gmt":"2015-05-08T13:17:58","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-01-einleitung-14","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-01-einleitung-14\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby &#8211; 01 &#8211; Einleitung (1\/4)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Wahaby sind verschiedene widersprechende und falsche Angaben in den wenigen, bis jetzt erschienenen, Nachrichten \u00fcber dieselben aufgestellt worden. Einige Anekdoten \u00fcber diese merkw\u00fcrdigen Sektierer, aus den besten Quellen gesammelt, zu welchen ich im Morgenland nur Zugang erhalten konnte, d\u00fcrften vielleicht vielen Lesern interessant sein. Ich muss indessen bedauern, dass w\u00e4hrend meines Aufenthaltes in Hedschaz diese Provinz wegen des Krieges mit Mohammed Aly Pascha den Bewohnern von Nedschid unzug\u00e4nglich war, die vor allen anderen am besten im Stande waren, wahrhafte und richtige Auskunft \u00fcber die Wahaby zu geben, w\u00e4hrend dagegen die Beduinen der gemeinen Klassen, welche dem neuen Glauben beigetreten waren, im Allgemeinen seine wirkliche Bedeutung und seine Lehrs\u00e4tze gar nicht kannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Die Religion und die Regierung der Wahaby kann k\u00fcrzlich als ein muselm\u00e4nnischer Puritanismus und eine Beduinenregierung definiert werden, in welcher das Oberhaupt der politische und religi\u00f6se Regent der Nation ist, auch seine Autorit\u00e4t auf dieselbe Weise aus\u00fcbt, wie die Nachfolger Mohammeds sie \u00fcber ihre bekehrten Landsleute auszu\u00fcben pflegten. Der Stifter dieser Sekte war, wie bekannt, ein gelehrter Araber, namens Abd el Wahab, welcher verschiedene Schulen der Hauptst\u00e4dte im Morgenland besucht (was feine Landsleute selbst noch jetzt zu tun pflegen) und durch die Beobachtungen w\u00e4hrend seiner Reisen die \u00dcberzeugung erlangt hatte, dass die urspr\u00fcngliche Religion des Islam oder die Mohammedanische Religion g\u00e4nzlich verderbt und durch Missbr\u00e4uche verdunkelt worden sei, sodass man bei weitem den gr\u00f6\u00dferen Teil der Bewohner des Morgenlandes und besonders die T\u00fcrken mit Recht als Ketzer betrachten k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber neue Lehrs\u00e4tze und Meinungen sind im Morgenland ebenso wenig annehmbar, als im Abendland, und man schenkte deshalb dem Abd el Wahab nicht eher Aufmerksamkeit, als bis er sich nach langen Wanderungen in Arabien mit seiner Familie gerade zu der Zeit in Derayeh<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> niederlie\u00df, als Mohammed Ibn Saud die Hauptperson dieser Stadt war. Dieser wurde nun zuerst bekehrt und heiratete bald nachher die Tochter des Abd el Wahab. Diese beiden Familien darf man deshalb nicht mit einander verwechseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abd el Wahab, der Stifter der Sekte, war seiner Geburt nach aus dem Stamme Temym<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und aus dem Clan, namens El Wahabe. Die Beni Temym treiben gr\u00f6\u00dftenteils Landbau in Nedschid. Ihr Hauptwohnort ist El Howta, ein Dorf, f\u00fcnf Tagereisen von Derayeh, s\u00fcdlich in der Richtung von Wady Dowasyr gelegen, und der Geburtsort des Abd el Wahab. Eine andere Kolonie der Beni Temym bewohnt die Stadt Keffar in der Provinz Dschebel Schammar und besteht aus den Abk\u00f6mmlingen von Familien, welche aus Howta flohen, um den Folgen der Blutrache zu entgehen. Eine dritte Kolonie derselben treibt ebenfalls Landbau und wohnt unter der Jurisdiktion<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> des Pascha von Bagdad in den D\u00f6rfern zwischen Helle und Mesched Aly. Die Beni Temym zeichnen sich durch ihren hohen Wuchs, durch breite K\u00f6pfe und dicke B\u00e4rte aus, durch welche Merkmale sie sich von anderen Beduinen unterscheiden. Aber die Familie Saud, der politische Gr\u00fcnder der Wahaby-Regierung, geh\u00f6rt zum Stamme Messalykh, einem Zweige der Wold Aly, und deshalb zur Nation der Aeneze. Der Clan der Messalykh, namens Mokren (\u0645\u0643\u0631\u0646)<em>,<\/em> oder, wie es die Beduinen auch aussprechen, Medschren, zu welchem Saud geh\u00f6rte, hatte sich zu Derayeh niedergelassen und daselbst Einfluss erlangt. An diese Araber nun hatte sich Abd el Wahab gewendet. Mohammed Ibn Saud war der erste, welcher den Titel Emir annahm, aber seine Macht war damals so klein, dass er, wie man erz\u00e4hlt, in seinem ersten Treffen mit einigen Feinden nur sieben Kamelreiter bei sich hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte dieser Sekte bietet \u00e4hnliche Tatumst\u00e4nde dar, wie sie t\u00e4glich in der W\u00fcste vorkommen. Ein Stamm hat Gl\u00fcck, gelangt zu Macht, macht Beute und verbreitet seinen Einfluss \u00fcber seine Nachbarn. Durch unerm\u00fcdliches Bestreben und Wirken gelang es dem Abd el Azyz und dem Ibn Saud, dem Sohn und dem Enkel des ersten Regenten Mohammed, ihre Waffen in die entferntesten Teile Arabiens zu tragen; und indem sie ihre religi\u00f6sen S\u00e4tze verbreiteten, gr\u00fcndeten sie zugleich gem\u00e4\u00df derselben eine Obergewalt, welche die Araber lehrte, einen geistlichen und weltlichen Regenten in derselben Person anzuerkennen, wie sie bei der ersten Verbreitung des Islam getan hatten. Ich will ihre Geschichte in K\u00fcrze vortragen, ob ich gleich nur wenige Tatsachen vor dem Feldzug des Mohammed Aly mit Zuverl\u00e4ssigkeit anf\u00fchren kann. Zuerst muss ich aber die Grunds\u00e4tze erkl\u00e4ren, auf welche die Religion und die Regierung gegr\u00fcndet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lehrs\u00e4tze des Abd el Wahab waren nicht diejenigen einer neuen Religion, sondern sein ganzes Bestreben war nur dahin gerichtet, Missbr\u00e4uche bei den Bekennern des Islam abzustellen und den reinen Glauben unter den Beduinen zu verbreiten, welche zwar dem Namen nach Muselm\u00e4nner, dabei aber ebenso unwissend in der Religion, als gleichg\u00fcltig gegen alle Pflichten waren, welche sie vorschreibt. Wie es nun Reformatoren gew\u00f6hnlich zu gehen pflegt, so wurde auch er von Freunden und Feinden falsch verstanden. Als letztere von einer neuen Sekte h\u00f6rten, welche die T\u00fcrken der Ketzerei beschuldigte und ihren Prophet Mohammed weniger verehrte, als sie selbst, waren sie gleich \u00fcberzeugt, dass es sich von einem neuen Glauben handele, und dass die Wahaby folglich nicht allein Ketzer, sondern auch <em>kuffar<\/em>, oder Ungl\u00e4ubige seien. Sie wurden umso mehr hierin best\u00e4tigt, eines Teils durch die Kunstgriffe des Scherif Ghaleb von Mekka und anderen Teils durch den L\u00e4rm, der bei allen benachbarten Paschas von der Sache gemacht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Scherif von Mekka, der immer ein entschiedener Feind von der wachsenden Macht der Wahaby gewesen war, hatte ein gro\u00dfes Interesse, den Bruch zwischen den neuen Sektierern und dem T\u00fcrkischen Reich immer gr\u00f6\u00dfer werden zu lassen, und verbreitete deshalb k\u00fcnstlich, und unabl\u00e4ssig Nachrichten, dass die Wahaby in der Tat Ungl\u00e4ubige seien, um alle Unterhandlungsversuche mit ihnen erfolglos zu machen. Die Paschas von Bagdad, Damaskus und Kairo, welche den gef\u00fcrchteten Beduinen am n\u00e4chsten waren, lie\u00dfen es auch nicht daran fehlen, die Absichten dieser Feinde der t\u00fcrkischen Missbr\u00e4uche, und wie sie deshalb folgerten, des t\u00fcrkischen Glaubens, mit den schw\u00e4rzesten Farben zu schildern. Sie hatten entweder Pilgerkarawanen zu geleiten, oder eine Eskorte mitzusenden, und es war deshalb ihr Interesse, die Gefahren unterwegs zu vergr\u00f6\u00dfern, um entschuldigt zu werden, wenn die Karawane ein Ungl\u00fcck treffen sollte, oder um gerechtfertigt zu sein, wenn sie die Karawane zur\u00fcckhielten, was eigentlich ihr geheimer Wunsch war, indem der Abgang der Karawanen allen Paschas sehr gro\u00dfe Kosten verursacht. Hierzu kamen noch die Berichte vieler Pilger, welche zu Wasser nach Dschidda und Mekka gegangen waren und von der Insolenz<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> der Soldaten der Wahaby zu leiden gehabt hatten<em>, <\/em>und denen man in manchen F\u00e4llen gar nicht die Vollendung ihrer Wallfahrt gestattet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei ihrer R\u00fcckkehr vergr\u00f6\u00dferten sie ihre Leiden, und von ihnen war wenigstens keine unparteiische Beschreibung der Wahaby zu erwarten. Wir d\u00fcrfen uns deshalb nicht wundern, wenn man durch das ganze Morgenland geglaubt hat, dass die Wahaby nichts Geringeres vorh\u00e4tten, als eine ganz neue Religion zu begr\u00fcnden, und dass sie alle T\u00fcrken blo\u00df um dessen Willen mit gr\u00f6\u00dferer Grausamkeit behandelten, weil dieselben Muselm\u00e4nner w\u00e4ren. Das Benehmen der gro\u00dfen Masse der Wahaby war dabei nicht geeignet, diesen Glauben zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Wahaby bestand n\u00e4mlich aus Beduinen, welche, ehe sie den Glauben der Wahaby kennengelernt hatten, vom Islam fast gar nichts wussten, und deren Kenntnisse desselben noch jetzt sehr unvollkommen waren. Die neuen Lehrs\u00e4tze kamen ihnen deshalb als eine neue Religion vor, und besonders, wenn sie erfuhren, wie ganz anders die Gewohnheiten und die Lehrsatze der t\u00fcrkischen Pilger und der arabischen St\u00e4dtebewohner im Vergleiche zu den ihrigen seien. Der Geist des Fanatismus, welchen ihr Oberhaupt mit allen m\u00f6glichen in seiner Gewalt befindlichen Mitteln n\u00e4hrte, gestattete ihnen nicht, scharfe Unterscheidungen in einer Sache anzustellen, von welcher sie selbst sehr unvollkommene Kenntnisse hatten. Und daraus erkl\u00e4rt sich denn zur Gen\u00fcge, wie es gekommen ist, dass sie die T\u00fcrken Ungl\u00e4ubige nannten und dagegen von diesen wiederum als solche behandelt wurden.<\/p>\n<p>___________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> auch: ad-Dir&#8217;iyya<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> auch: Tamim<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> auch: Judikative, die richterliche Gewalt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> auch: Anma\u00dfung, Unversch\u00e4mtheit<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1481\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1481\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Wahaby sind verschiedene widersprechende und falsche Angaben in den wenigen, bis jetzt erschienenen, Nachrichten \u00fcber dieselben aufgestellt worden. 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