{"id":1489,"date":"2012-09-19T09:08:41","date_gmt":"2012-09-19T09:08:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1489"},"modified":"2015-04-09T09:31:45","modified_gmt":"2015-04-09T09:31:45","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-01-einleitung-44","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-01-einleitung-44\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby &#8211; 01 &#8211; Einleitung (4\/4)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 1815 wurden zwei Abgeordnete von dem Oberhaupt der Wahaby in diese Stadt gesendet, und einer derselben war ein vollkommen gelehrter Wahaby. Mohammed Aly Pascha w\u00fcnschte, dass sie den ersten Gelehrten in Kairo eine Erkl\u00e4rung ihrer Lehrs\u00e4tze geben m\u00f6chten, und sie hatten demgem\u00e4\u00df wiederholte Zusammenk\u00fcnfte mit ihnen. Die Wahaby hatten es bei diesem Colloquium<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> am besten, weil sie jeden Satz mit einer Stelle aus dem Koran und dem Hadith, oder der Tradition bewiesen, was sie alles auswendig wussten, und was deshalb als unverletzliche Autorit\u00e4t galt. Die Ulama erkl\u00e4rten, dass sie im Glauben der Wahaby keine Ketzerei finden k\u00f6nnten; und da sie diese Erkl\u00e4rung gewisserma\u00dfen gegen sich selbst geben mussten, so ist sie umso weniger verd\u00e4chtig. Es war auch ein Buch nach Kairo gekommen, welches verschiedene, von Abb el Wahab geschriebene Aufs\u00e4tze \u00fcber religi\u00f6se Gegenst\u00e4nde enthielt. Viele Ulama hatten es gelesen und erkl\u00e4rten einm\u00fctig, dass, wenn die Meinungen der Wahaby von solcher Beschaffenheit w\u00e4ren, sie alle diesem Glauben angeh\u00f6rten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Da der fanatische P\u00f6bel einer neuen Sekte selten den wahren Sinn des Stifters der Sekte zu erfassen vermag, so trat auch hier der Fall ein, dass der gr\u00f6\u00dfere Teil der Anh\u00e4nger des Abd el Wahab solche Dinge der neuen Lehre f\u00fcr Hauptsachen ansah, die nur Nebensachen waren, und dadurch Veranlassung gab, dass die Feinde der Sekte von der angeblichen neuen Religion sehr falsche Vorstellungen sich machten. N\u00e4chst dem Kriege, welchen die Wahaby den Heiligen erkl\u00e4rten, war ihr Fanatismus haupts\u00e4chlich gegen Kleiderluxus und gegen das Tabakrauchen gerichtet. Die reiche t\u00fcrkische Tracht stimmt wenig mit den Vorschriften der Sunna \u00fcberein, in welchen Seide, so wie auch Gold und Silber ausdr\u00fccklich verboten sind, und nur letzteres in kleiner Quantit\u00e4t erlaubt wird. Die Wahaby betrachten die pr\u00e4chtigen R\u00f6cke der t\u00fcrkischen Pilger mit Verachtung; und da sie wissen, dass der Prophet gleich ihnen einen Abbaya getragen und luxuri\u00f6sen Schmuck verboten hat, so halten sie es f\u00fcr ebenso notwendig, seine Kleidertracht beizubehalten, als seinen moralischen Vorschriften zu folgen. An der Tracht konnte man in Arabien die Wahaby sogleich erkennen. Ein Araber, welcher nicht diesem Glauben beigetreten war, hatte zuverl\u00e4ssig irgendein St\u00fcck seiner Kleidung aus Seide: entweder hatte sein Kopftuch einen seidenen Einschlag, oder sein Rock war mit Seide gen\u00e4ht. Was das Tabakrauchen anlangt, so ist es eine ganz bekannte Sache, dass viele t\u00fcrkische Ulama in ihren Schriften dasselbe mehrmals als eine verbotene Gewohnheit erkl\u00e4rt haben. Eine der vier orthodoxen Sekten der Muselm\u00e4nner, die Malikis, hat es f\u00fcr geh\u00e4ssig erkl\u00e4rt. Eine gro\u00dfe Menge Ulama in jedem Teile der T\u00fcrkei, enth\u00e4lt sich des Tabakrauchens aus religi\u00f6sen Grunds\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Oberhaupt der Wahaby w\u00fcnschte auch das Rauchen bet\u00e4ubender Pflanzen zu verhindern, was im Morgenlande gebr\u00e4uchlich, aber direkt gegen den Koran ist, konnte es aber nicht gut verhindern, so lange die Tabakspfeifen noch geduldet wurden. Er musste zugleich die Bemerkung gemacht haben, dass seine Anh\u00e4nger, indem sie durch Versagung des Tabakrauchens ein so gro\u00dfes Opfer gebracht hatten, nat\u00fcrlich umso bitterere Feinde aller derer werden mussten, welche noch immer diesem Luxus huldigten und ihrem Glauben nicht beigetreten waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Verbot des Tabakrauchens ist eins der Hauptmittel geworden, die Gem\u00fcter der Wahaby gegen die T\u00fcrken zu entflammen: es ist das Losungswort der Proselyten<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, aber unter allen Vorschriften, welche die Reformatoren aufstellen, haben sich die Araber dieser mit dem gr\u00f6\u00dften Widerwillen gef\u00fcgt. Eine andere verbotene Handlung ist das Beten \u00fcber dem Rosenkranze, was bei den Muselm\u00e4nnern allgemein gew\u00f6hnlich, obschon nicht durch ein Gesetz angeordnet ist. Die Wahaby erkl\u00e4rten diese Gewohnheit als nicht zu rechtfertigen und schafften sie ab. Man hat behauptet, dass sie auch das Kaffeetrinken abgeschafft h\u00e4tten; davon ist aber nicht das Geringste wahr, denn sie haben ihn immer im unm\u00e4\u00dfigen Grade genossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es steht sehr zu bezweifeln, ob Abd el Wahab, als er Reform zu Derayeh predigte, im Geringsten daran dachte, eine neue Dynastie mit der Regierung \u00fcber die in Arabien gemachten Proselyten zu gr\u00fcnden. Weder die St\u00e4rke seiner eigenen Familie, noch diejenige seiner Verwandten kann ihm zu einem solchen Unternehmen Veranlassung gegeben haben, und der Gedanke daran scheint erst bei Abb el Azyz, dem Sohne Mohammed Ibn Sauds, entstanden zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es l\u00e4sst sich nicht leugnen, dass Abd el Wahab mit seinen neuen Lehrs\u00e4tzen den Arabern ein segenbringendes Geschenk gemacht habe; auch war die Regierungsform, welche sp\u00e4ter daraus hervorging, den Interessen und dem Wohlstande der ganzen arabischen Nation nicht nachteilig. Ob die allgemein angenommene Lehre als die orthodoxe zu betrachten, oder ob die Religion der Wahaby die achte Mohammedanische Religion zu nennen sei, ist im Ganzen eine Sache von geringem Belang, aber es war von gro\u00dfer Wichtigkeit, jene ungl\u00e4ubige Gleichg\u00fcltigkeit zu unterdr\u00fccken, die durch ganz Arabien und einen gro\u00dfen Teil der T\u00fcrkei sich verbreitet hatte und auf die Moral einer Nation eine nachteiligere Wirkung aus\u00fcbte, als selbst das entschiedene Bekenntnis einer falschen Religion. Das Verdienst der Wahaby besteht deshalb, meiner Meinung nach, nicht blo\u00df darin, dass sie die bestehende Religion reinigten, sondern dass sie die Araber anhielten, p\u00fcnktlich die positiven Vorschriften einer genannten Religion zu beobachten; denn obschon die Beduinen zu allen Zeiten ehrfurchtsvoll die Gottheit verehrten, so d\u00fcrften doch die deistischen Grunds\u00e4tze allein nicht ausreichend sein, einer, so wilden und unf\u00fcgsamen Nation die praktische \u00dcbung der Sittlichkeit und Gerechtigkeit zu lehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wunsch, die Araber in den Zustand zur\u00fcckzuf\u00fchren, in welchem sie sich zur Zeit des Gr\u00fcnders ihrer Nation befanden, bewog nat\u00fcrlich den Abd el Wahab und seine Nachfolger, auch ihren politischen Zustand zu ver\u00e4ndern, sobald sie wahrnahmen, dass sich ihre Proselyten vermehrten. Mohammed, und nach ihm die Khalifen, waren sowohl die geistlichen, als die weltlichen Oberh\u00e4upter ihrer Nation, und das Gesetzbuch der Muselm\u00e4nner spricht auf jeder Seite die Notwendigkeit eines Oberhauptes in religi\u00f6sen und weltlichen Angelegenheiten aus. Nedschid, welches der Hauptsitz der Macht der Wahaby wurde, war in eine Menge kleiner Gebiete, St\u00e4dte und D\u00f6rfer geteilt, welche voneinander g\u00e4nzlich unabh\u00e4ngig und best\u00e4ndig im Kriege miteinander begriffen waren. Kein anderes Gesetz, als dasjenige des St\u00e4rkeren, galt im offenen Lande, wie in den Mauern der St\u00e4dte, und pers\u00f6nliche Sicherheit musste immer um den Preis des Eigentums der Individuen erkauft werden. Au\u00dferdem verwandelte die wilde Freiheit der benachbarten Beduinenst\u00e4mme, ihre endlosen Kriege und Raubz\u00fcge die Landschaft Nedschid und die umliegende Gegend in einen Schauplatz best\u00e4ndiger Unordnung und Blutvergie\u00dfens. Nur erst nach vielen harten K\u00e4mpfen gelang es dem Abd el Azyz, seine Religion \u00fcber ganz Nedschid zu verbreiten, und jetzt erst, wo er nicht mehr der H\u00e4uptling eines Stammes, sondern einer ganzen Provinz war, ergriff er die oberste Gewalt und assimilierte seine Autorit\u00e4t derjenigen, welche von den ersten Nachfolgern Mohammeds ausge\u00fcbt worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Landsleute zu unterjochen, w\u00fcrde ein fruchtloses Unternehmen gewesen sein. Er lie\u00df sie im Genuss ihrer Freiheit, n\u00f6tigte sie aber, in Frieden zu leben, das Eigentum zu achten und den Bestimmungen des Gesetzes Folge zu leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wurde denn mit dem Fortschritte der Zeit das Oberhaupt der Wahaby Regent vom gr\u00f6\u00dferen Teile Arabiens. Seine Regierung war frei, weil sie sich auf das System eines Beduinenstaates gr\u00fcndete. Er war das Oberhaupt aller Scheikhs der einzelnen St\u00e4mme und leitete ihre politischen Angelegenheiten, w\u00e4hrend alle Araber innerhalb ihrer St\u00e4mme v\u00f6llig unabh\u00e4ngig und in Freiheit blieben, nur jetzt gehalten waren, den strengen Sinn des Gesetzes zu beobachten, und sich Strafen aussetzten, wenn sie dagegen handelten. Sonst erkannte ein Araber kein anderes Gesetz, als seinen eigenen Willen an, und durch das Oberhaupt der Wahaby wurde er gezwungen, den alten muselm\u00e4nnischen Gesetzen gehorsam zu sein. Diese legten ihm auf, Zehnten, oder Tribut an das allgemeine Oberhaupt zu entrichten und immer bereit zu sein, ihn bei jeder Unternehmung gegen Ketzer, ober Ungl\u00e4ubige zu begleiten. Im Falle eines Zwistes unter Nachbarn war es nicht mehr erlaubt, zu den Waffen zu greifen, und ein Tribunal wurde niedergesetzt, was alle dergleichen Streitigkeiten zu entscheiden hatte. Das Hauptstreben der Oberh\u00e4upter der Wahaby war deshalb auf Tribut, Militairkonskription<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, inneren Frieden und strenge Verwaltung der Rechtspflege gerichtet. Es war ihnen vollst\u00e4ndig gelungen, diese Ma\u00dfregeln in Ausf\u00fchrung zu bringen, und dieselben schienen festen Grund gewonnen zu haben, als die Anstrengungen Mohammed Alys und sein Geld mehr noch, als die Tapferkeit seiner Truppen die Macht der Wahaby schw\u00e4chten und sie in den Zustand zur\u00fcckf\u00fchrten, in welchem sie sich mehrere Jahre vorher befunden hatten. Ich will jetzt mehrere einzelne Umst\u00e4nde erw\u00e4hnen, welche auf diese interessante Regierung Bezug haben. Sie gr\u00fcnden sich auf die richtigsten Angaben, die ich von vielen gut unterrichteten Personen in Hedschaz zu sammeln Gelegenheit hatte.<\/p>\n<p>____________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> auch: wissenschaftliches Gespr\u00e4ch<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Abgeworbene Gl\u00e4ubige aus anderen Konfessionen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> auch: Milit\u00e4rdienst<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1489\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1489\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herbst 1815 wurden zwei Abgeordnete von dem Oberhaupt der Wahaby in diese Stadt gesendet, und einer derselben war ein vollkommen gelehrter Wahaby. 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