{"id":1527,"date":"2012-09-19T16:57:03","date_gmt":"2012-09-19T16:57:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1527"},"modified":"2015-04-09T16:59:54","modified_gmt":"2015-04-09T16:59:54","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-04-verwaltung-der-rechtspflege-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-04-verwaltung-der-rechtspflege-23\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 04 \u2013 Verwaltung der Rechtspflege (2\/3)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Vergehen, welches Saud am h\u00e4ufigsten zu bestrafen hatte, war der Verkehr seiner Araber mit Ketzern. Zur Zeit, wo der Glaube der Wahaby erst eingef\u00fchrt worden war, waren die bestimmtesten Befehle gegeben, alle Verbindung zwischen Wahaby und anderen Nationen zu verbieten, die noch nicht die neue Lehre angenommen hatten, denn es galt der Satz, dass das Schwert allein als Beweismittel gegen letztere gebraucht werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Da die Einwohner von Nedschid indessen gewohnt waren, h\u00e4ufig Medinah, Damaskus, Bagdad und die benachbarten L\u00e4nder zu besuchen, so bewiesen sie sich best\u00e4ndig ungehorsam gegen diese Befehle, sodass es Saud f\u00fcr n\u00f6tig fand, von seiner Strenge in diesem Betreffe nachzulassen. Er gestand es sogar schweigend zu, dass seine Araber in der letzten Zeit der syrischen Wallfahrt Lebensmittel f\u00fcr die Karawanen transportierten, und nahm selbst f\u00fcr jedes solches Kamel, welches seinen Untertanen geh\u00f6rte, einen Dollar; dieses Transportgesch\u00e4ft bei den Wallfahrtskarawanen ausgenommen, wollte er jedoch keinem seiner Araber erlauben, Verkehr mit Syrien, oder Bagdad zu treiben, bis zum Jahr 1810, wo der Pascha von \u00c4gypten zum ersten Mal gegen ihn ins Feld r\u00fcckte. Es existierte aber das Gesetz, dass, wenn ein Wahaby, Beduine oder Kaufmann, auf der Reise nach einem ketzerischen Land angetroffen w\u00fcrde, was sich aus der Richtung des Weges und der Beschaffenheit der Ladung allenfalls erweisen lie\u00df, sein ganzes Eigentum in G\u00fctern und Vieh f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Schatz konfisziert werden sollte. Kehrt derselbe aber aus dem ketzerischen Lande zur\u00fcck, so wird sein Eigentum respektiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Willk\u00fcrliche Auflagen, wie man sie in der Levante unter dem Namen <em>avanias<\/em> kennt, sind bei den Wahaby g\u00e4nzlich unbekannt, wo niemand jemals mehr zu zahlen braucht, als was er den Steuereinnehmern schuldig ist, oder die Bu\u00dfe, welche er wegen eines Vergehens an den \u00f6ffentlichen Schatz zu entrichten verurteilt worden ist. Reiche Personen sind vor der Habsucht der Regierung v\u00f6llig gesichert, und Arabien ist vielleicht das einzige Land im Osten, wo dergleichen stattfindet. Die reichen Kaufleute zu Mekka, deren Niederlagen die sch\u00f6nsten Beduinenkleidungen enthielten, waren nie gen\u00f6tigt, die kleinste Summe zu zahlen, oder an Saud irgendein Geschenk von Wert zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Araber murren indessen \u00fcber eine Art gezwungener Requisition in Folge der h\u00e4ufigen Befehle ihres Oberhauptes, ihm auf seinen Kriegsz\u00fcgen gegen die Ketzer beizustehen. F\u00fcr diesen Fall m\u00fcssen die Araber, f\u00fcr ihre eigenen Nahrungsmittel, Kamele, oder Pferde sorgen und empfangen dagegen kein anderes Emolument<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, als die Beute, die sie etwa zu machen im Stande sind. Dergleichen Expeditionen kommen ihnen deshalb teuer zu stehen. Andern Teils kann jedermann, der sich das Missvergn\u00fcgen Sauds durch irgendeinen geringen Versto\u00df zugezogen hat, \u00fcberzeugt sein, ihn dadurch wieder zu vers\u00f6hnen, dass er ihn auf seinen Kriegsz\u00fcgen begleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfe Sicherheit, welche aus dieser strengen Verwaltung der Gerechtigkeit hervorging, gefiel ganz nat\u00fcrlich denen, welche Beraubungen und Unordnungen irgendeiner Art am meisten ausgesetzt waren. Die Landwirte in Nedschid, Hedschaz und Jemen hingen deshalb am aufrichtigsten an diesem neuen System, weil sie durch die M\u00e4ngel des alten am meisten gelitten hatten. Gro\u00dfe und kleine Karawanen, mit Bodenerzeugnissen beladen, zogen ihre Stra\u00dfe in diesen Teilen des Landes ohne die geringste Anfechtung; auch bef\u00fcrchteten die Landleute nicht mehr, dass ihre Ernten von den wandernden St\u00e4mmen abgem\u00e4ht, oder zerst\u00f6rt w\u00fcrden. Die letzteren dagegen, die immer von R\u00e4ubereien und Angriffen auf andere gelebt hatten, fanden es weit schwieriger, einer Regierung zu gehorchen, deren erste Grunds\u00e4tze mit ihrer Subsistenzart<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> in geradem Widerspruch standen. Man darf sich deshalb nicht wundern, dass einige der gro\u00dfen Beduinenst\u00e4mme sich bedachten, den Glauben der Wahaby anzunehmen, bis sie sich endlich durch die \u00dcbermacht dazu gezwungen sahen. Durch h\u00e4ufige Emp\u00f6rungen haben sie auch bewiesen, wie ungern sie diese Behinderung in ihrer gewohnten Lebensweise ertragen. Hierzu kommt nun noch ihr Widerwille gegen alles Tributzahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Saud auf der einen Seite als sehr strenger Richter in F\u00e4llen von Verletzung des Gesetzes und als unvers\u00f6hnlich gegen seine Feinde bekannt war, so war er eben so ber\u00fchmt wegen der W\u00e4rme und Aufrichtigkeit seiner Freundschaft und wegen seiner Ber\u00fccksichtigung alter und treuer Anh\u00e4nger. Jeder Scheikh, welcher seine Anh\u00e4nglichkeit an Saud bewiesen hat, kann sich auf seinen best\u00e4ndigen Schutz und auf seine Hilfe in allem Missgeschick verlassen, ja sogar einen vollst\u00e4ndigen Ersatz jedes auch noch so betr\u00e4chtlichen Verlustes erwarten, welchen er sich in seinem Dienste zugezogen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gr\u00f6\u00dfte Bestrafung, die ein Araber auf Befehl des Oberhauptes der Wahaby erhalten kann, besteht darin, dass ihm der Bart abgeschoren wird. Dies geschieht aber nur bei Personen von Auszeichnung, oder bei rebellischen Scheikhs und ist f\u00fcr Manche ein Schimpf, welchem sie weit lieber den Tod vorziehen. Ein auf diese Weise rasierter Araber sucht sich so lange vor aller Welt zu verbergen, bis sein Bart wieder gewachsen ist. Eine Anekdote, welche in diesem Betreff erz\u00e4hlt wird, zeigt den eigentlichen Charakter eines Arabers. Saud hatte lange den Wunsch gehabt, die Stute eines Scheikhs aus dem Stamme Beni Schammar zu kaufen; aber der Eigent\u00fcmer weigerte sich, sie f\u00fcr irgendeine Summe zu verkaufen. Um diese Zeit war ein Scheikh aus dem Stamme Khatan verurteilt worden, wegen irgendeiner \u00dcbertretung des Gesetzes, seinen Bart zu verlieren. Als der Barbier in Sauds Gegenwart das Rasiermesser zum Vorschein brachte, rief der Scheikh aus: \u201eO Saud, nimm die Stute des Scheikhs aus dem Stamme Beni Schammar als ein L\u00f6segeld f\u00fcr meinen Bart!&#8220; Die Strafe wurde erlassen und dem Scheikh gestattet, zu gehen und um die Stute zu handeln, die ihm 2500 Dollars kostete, wobei der Eigent\u00fcmer geschworen haben soll, dass keine Geldsumme ihn w\u00fcrde bewogen haben, seine Stute wegzugeben, w\u00e4re es nicht geschehen, um den Bart eines Mannes aus dem edlen Stamme Khatan zu retten. Aber dieses ist ein seltenes Beispiel, denn Saud schlug h\u00e4ufig bedeutende Summen aus, die ihm geboten wurden, wenn er die Strafe des Rasierens erlassen wolle.<\/p>\n<p>_________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ist ein heute nicht mehr gebr\u00e4uchlicher Begriff aus dem Rechts- und Wirtschaftsleben f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfig ausbezahlte, in ihrer H\u00f6he jedoch schwankende Nebeneink\u00fcnfte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Art der Selbsterhaltung bzw -versorgung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Vergehen, welches Saud am h\u00e4ufigsten zu bestrafen hatte, war der Verkehr seiner Araber mit Ketzern. 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