{"id":1580,"date":"2010-09-26T09:41:14","date_gmt":"2010-09-26T09:41:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1580"},"modified":"2016-10-06T10:22:53","modified_gmt":"2016-10-06T10:22:53","slug":"der-zionismus-seine-theorien-aussichten-und-wirkungen-i-die-entstehung-des-zionismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-zionismus-seine-theorien-aussichten-und-wirkungen-i-die-entstehung-des-zionismus\/","title":{"rendered":"Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen &#8211; I &#8211; Die Entstehung des Zionismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Judentum stellt nur ein Glied der allgemeinen Kultur- und Menschheitsgeschichte dar. Mag es oft mehr als andere Gebilde in seiner ausgepr\u00e4gt selbst\u00e4ndigen Innenentwicklung als ein streng gegen die Au\u00dfenwelt abgeschlossenes kleines Ganzes erschienen sein, so schlagen doch in seine Kreisen die Wellen der gro\u00dfen Welt hinein und beeinflussen seinen \u00e4u\u00dferen Entwicklungsgang. Zu dieser selbstverst\u00e4ndlichen Tatsache gestellt sich aber noch eine von gr\u00f6\u00dfere Tragweite. Denn in den geistigen Bewegungen, von denen das Judentum erf\u00fcllt ist, spiegelt sich die \u00e4u\u00dfere Lage ganz getreulich wieder. Nicht etwa, als ob eine Besserung der \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse stets Hand in Hand ginge mit einer gesteigerten Intensivit\u00e4t des geistigen Lebens und einer optimistischen Auffassung der Lebensprobleme. Das Gegenteil ist oft der Fall. Eine Regel l\u00e4\u00dft sich \u00fcber diese Zusammenh\u00e4nge \u00fcberhaupt nicht aufstellen, aber sie sind vorhanden, stets konkret nachzuweisen, und daran mu\u00df man denken, wenn man jene Bewegung kritisch betrachten will die &#8211; an den alten heiligen Namen sich klammernd &#8211; Zionismus nennt. Nur aus den geistigen Str\u00f6mungen die am Ende des neunzehnten Jahrhunderts die allgemeine Geschichtsbetrachtung beeinflu\u00dften, verbunden mit der wirtschaftlichen und politischen Lage der verschiedenen Glieder der Judenheit, ist der Zionismus ein Versuch zur L\u00f6sung der Judenfrage, seinem Wesen und seinen Zielen nach zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das allgemeine Schicksal des Judentums am Ende des verflossenem Jahrhunderts unterscheidet sich &#8211; wenigstens was die Massen betrifft &#8211; nur sehr unwesentlich von den finstersten Zeiten des Mittelalters. Jener wesentliche Teil, der die russische Judenheit mit ihren rum\u00e4nischen und galizischen Anh\u00e4ngsel darstellt, sa\u00df und sitzt in unendlicher wirtschaftlicher und geistiger Not. Ein Netz von Staatsgesetzen, das tagt\u00e4glich dichter wird, raubt ihm eine wirtschaftliche Existenzm\u00f6glichkeit nach der andere, in schweren Lebensk\u00e4mpfe ist das geistige Interesse fast erlahmt, und seine letzten Reste verzehren sich in Aberglauben und Mystik. Die ewige Furcht vor blutgierigen Verfolgern hat das Aufrechte und Selbstbewu\u00dfte des Charakters verloren gehen lassen, und besonders f\u00fcr Ru\u00dfland wo man sich in die schlimmsten Zeiten eines erbarmungslosen Mittelalters zur\u00fcckversetzt f\u00fchlt, kann man, ohne ein Prophet zu sein, voraussagen da\u00df sich trotz des heutigen gewi\u00df vorhandenen geistigen Lebens eine wirtschaftliche, geistige und moralische Katastrophe vorbereitet, die das Judentum in seiner Grundvesten ersch\u00fcttern mu\u00df, wenn nicht eine Wendung eintritt. Ein anderes kam dazu, um die Lage noch verzweifelter zu machen. Die entwickelten Verkehrsverh\u00e4ltnisse einer neuen Zeit, die der Volksmassen Beweglichkeit erh\u00f6hen, schien anf\u00e4nglich auch den Juden zugute zu kommen, und in der Auswanderung meinte man ein Mittel gefunden zu haben, das den in den Fremde ziehende Teile v\u00f6llige Freiheit, Sicherheit und Brot, den Zur\u00fcckbleibenden Luft und etwas Bewegungsm\u00f6glichkeit verschafft. Aber abgesehen davon, da\u00df Auswanderung nie das Problem f\u00fcr eine so gro\u00dfe kompakte Masse l\u00f6sen konnte, begann sich das gelobte Land der Freiheit, Nordamerika und mit ihm die alte Hochburg der Toleranz, England, gegen den Zuzug der Ostjuden energisch zu wehren und machte es die Niederlassungserlaubnis von Bedingungen abh\u00e4ngig, denen nur ein geringer Teil der Auswanderer gen\u00fcgen konnte. So wurde auch dieser Rettungsweg, sofern er \u00fcberhaupt einer war, erschwert und versperrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dieselbe Zeit, im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts, hatten sich auch in den westlichen L\u00e4ndern h\u00f6herer Kultur bedenkliche Erscheinungen gezeigt. Der politische Liberalismus, der seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, besonders in Deutschland, herrschend und tonangebend gewesen war, hatte den Juden politische Gleichberechtigung erk\u00e4mpft, und sie herrliche Zukunftsbilder von v\u00f6lliger Kulturassimilation schauen lassen. Um so h\u00e4rter, traf darum den deutschen Juden der R\u00fcckschlag, der an die Stelle des Liberalismus die Herrschaft der Klerikalen und reaktion\u00e4r-konservativen Kr\u00e4fte setzte. Ohne das verfassungsm\u00e4\u00dfig gew\u00e4hrte Recht irgendwie in der Theorie anzutasten, bem\u00fchte sich nun die Verwaltungspraxis den Juden wieder in seiner Pariastellung im Staate zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Freiheiten, die er sich kaum errungen, wurden eingeschr\u00e4nkt, Stellungen, die er mit Eifer aus ausgef\u00fcllt hatte, entzog ihm, &#8211; um Mommsens unsterblich gewordenen Ausdruck zu gebrauchen &#8211; die Verwaltungsprellerei! Tausend Dem\u00fctigungen wurden den Westjuden zugef\u00fcgt, die er um so dr\u00fcckender empfinden mu\u00dfte, als er an den positiven Bl\u00fchen und Erstarken der Westkultur nicht unwesentlich beteiligt war, andererseits auch in seinem Denken und F\u00fchlen durch die Verm\u00e4hlung mit ihr weit empfindsamer geworden war als fr\u00fcher. Es traf ihm wie ein Peitschenhieb, da\u00df er nicht mehr w\u00fcrdig sein sollte, seinem Kaiser als Offizier zu dienen, er, der sich deutsch f\u00fchlte, der sich bew\u00e4hrt hatte, der in schwerer Kriegszeit begeistert mehr als seine Pflicht getan hatte. Genauso entsetzlich, traf es ihn, da\u00df freche antisemitische Agitatoren ihr Haupt frei erheben durften, und das Verh\u00f6hnung und Beschimpfung der Juden in gewissen Kreisen zum guten Ton zu geh\u00f6ren schienen. Und wenn der deutsche Jude in seine Verzweiflung Umschau hielt, sah er, da\u00df es anderswo auch nicht besser war. In Frankreich hatte die Dreyfu\u00dfaff\u00e4re geradezu erschreckende Blicke in die Tiefe antisemitischer Vorurteile tun lassen. In \u00d6sterreich waren die beiden wichtigsten streitenden Parteien, die Chrislichsozialen und die Deutschnationalen, nur dann einig, wenn es gegen die verha\u00dften Juden ging. In jeder Seele, die noch eine Spur von Feinf\u00fchligkeit und Stolz bewahrt hatte, tauchte die verzweifelte Frage auf, ob es denn \u00fcberhaupt einen Nichtjuden gebe, der nicht Antisemit war, und wer pers\u00f6nlich &#8211; als F\u00fchlender und als Schauender &#8211; diese Zeiten mitgemacht hat, wird f\u00fcr die unendliche \u00dcbertreibung, die in dieser Anschauung steckt, ein verstehendes und verzeihendes Mitgef\u00fchl haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Osten und im Westen also eine sehr bedenkliche \u00e4u\u00dfere Lage! Und war es denn im Innern anders? Bot ein kr\u00e4ftig pulsierendes inneres religi\u00f6sen Lebens einen Ersatz? Ein tieferer Einblick in dieser Richtung hin gab zu nicht minder verzweifelten Betrachtungen Anla\u00df. Denn die belebende Frische eines aktiven religi\u00f6sen Lebens, die das Gef\u00fchl der St\u00e4rke und Begeisterung erweckt, suchte man in dem m\u00fcden dahinschleichenden Judentum der Zeit vergebens, und was vorhanden war hatte durchaus nicht die Kraft, Ideale zu erwecken und sie in den Seelen der heranwachsenden Jugend fest zu verankern. Im Osten der alten Hochburg des frischen und kr\u00e4ftigen religi\u00f6sen Lebens, war an seine Stelle die ceremonielle Lebensf\u00fchrung getreten, und was an Sehnsucht nach der innerlichen und echten Religion des Herzens vorhanden war, hatte teils im Chassidismus, dem Wechselbalg, dessen Vater christlicher Mystizismus und dessen Mutter die geistige R\u00fcckst\u00e4ndigkeit einer arg gedr\u00fcckten Volksmasse ist, teils in sonstigem \u00f6den Aberglauben und totem Formalismus die unerfreulichste Bl\u00fcten getrieben, die nur giftige Fr\u00fcchte ergeben konnten. Im Westen aber herrschte unter den Juden der Materialismus noch st\u00e4rker als in den anderen Schichten der Bev\u00f6lkerung, die ihm an Bildung und Lebenshaltung etwa gleichwertig waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interesse an religi\u00f6se Problemen hatte in weite Kreisen abgenommen, und es machte sich sogar das Bestreben bemerkbar, Religionslosigkeit, ja sogar Religionsfeindschaft als einen Kulturfortschritt zu betrachten, und der offene Hohn, mit dem in diesen Kreisen der fromm Gl\u00e4ubige bedacht wurde, wirkte auf andere verf\u00fchrerisch. Fast schien es, als ob diese Welle seichter Aufkl\u00e4rung alles religi\u00f6se Gef\u00fchl aus dem Kreis der Bildung fortgeschwemmte h\u00e4tte und einen Indifferentismus bem\u00e4chtigte sich weitere Schichten, von dem man bef\u00fcrchten konnte, da\u00df er das Weltjudentum in kurzer Zeit vernichten w\u00fcrde. Dazu trat noch der Wille und die Kraft, Mission zu treiben, bei den Staaten, &#8211; besonders dem preu\u00dfischen &#8211; stark und kra\u00df hervor. Die staatliche Gesetzgebung hatte den Zusammenhang zwischen den j\u00fcdischen Gemeinden nach M\u00f6glichkeit zu lockern versucht, und sie beg\u00fcnstigte auf diese Weise Zersplitterung und Streit. Was aber durch die Zerst\u00f6rungst\u00e4tigkeit nicht erreicht wurde , mu\u00dfte die pers\u00f6nliche Mission ersetzen, indem man durch verlockende Versprechungen und reichliche Belohnungen die religi\u00f6s geschw\u00e4chte und indifferente Oberschicht, dessen Moralbegriffe durch das Schwinden religi\u00f6ser Anschauungsweise naturgem\u00e4\u00df gelitten hatten, zum feigen Abfall und meineidigen \u00dcbertritt verleitete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unerfreulich war so die Lage des Judentums, und f\u00fcr den Beobachter, dem geschichtlichen Blick und Kenntnisse fehlte, stellte sie sich noch verzweifelter dar, als es in Wahrheit der Fall war. Denn weder wu\u00dfte er, da\u00df das Judentum sich schon oft genug in Entwicklungsstadien befunden hatte, die noch weit mehr den Stempel der Aufl\u00f6sung an den Stirn trugen, noch war ihm bekannt da\u00df unsere Gemeinschaft noch jedesmal verm\u00f6ge der inneren Kraft ihrer ewigen Ideen Niedergangsperioden dieser Art siegreich \u00fcberwunden hat. Die Masse der Intellektuellen, die ehrlich dachten und j\u00fcdisches Gef\u00fchl besa\u00dfen, die nicht abfallen und verschwinden wollten f\u00fchlte aber merklich das Unbehagen und Besch\u00e4mende der Lage mit jedem Tage aufs neue. Tausende von phantastischen Gedanken traten an\u2018s Tageslicht, jeder zweiter Glaubensgenosse empfand die Judenfrage in ihrer vollen Schwere und f\u00fchlte sich verpflichtet seine Meinung dazu zu \u00e4u\u00dfern! Und da den meisten das feste Fundament der Kenntnisse sowie die F\u00e4higkeit zur geschichtlicher Betrachtung fehlte, schlossen wohlgemeinte und schlecht geratene Judenbefreiungsversuche wie das Unkraut in die H\u00f6he. Freilich waren es Pflanzen, die nur phantastische Bl\u00fcten trieben, die keinen festen Wurzelboden hatten und keine Fr\u00fcchte trugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine nerv\u00f6se und \u00fcberreizte Zeit war es, wie sie freilich im Judentum schon oft da gewesen, aber immer wieder \u00fcberwunden worden ist durch den gesunden Instinkt der Gemeinschaft, die dann zu den alten Boden der ewigen Religionswahrheiten zur\u00fcckkehrte und aus ihm neue, kr\u00e4ftige Nahrung zog. Aber in solchen nerv\u00f6sen, \u00fcberreizte Zeiten erstehen die Pseudomessiasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch immer hat sich in solchen Tage ein Pseudomessias erhoben, noch immer hat er irgend eine glei\u00dfende Lehre entwickelt, noch immer hat er die leidende Menschheit die Befreiung von jeglichem Leid und Elend versprochen, noch immer ihr der Zukunft in den herrlichsten Farben gemalt, noch immer hat er Gl\u00e4ubige gefunden&#8230;. Aber noch immer hat er seinen begeisterten Anh\u00e4ngern den Boden der Wirklichkeit entzogen sie fanatisiert, und dann &#8211; wenn ihre Fantasien sich als Trug- und Luggebilde erwiesen und im Nichts zerfallen waren, &#8211; nur noch tiefer in das Elend hinabgesto\u00dfen. Noch nie ist eine pseudomessianische Bewegung zerronnen, ohne das sie dem Judentum schwere, schwere Wunden zugef\u00fcgt, ohne da\u00df sie Tausende zum Abfall verleitet h\u00e4tte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In solchen Zeiten ersteht ein Pseudomessias, in jedem Zeitalter in einem anderen Gewande. In ganz moderner Gestalt erhob er sich am Ende des neunzehnten Jahrhundertsmit verf\u00fchrender und fanatisierender Kraft. Der Pseudomessias nannte sich damals Zionismus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als angebliche Rettung aus aller Gefahr trat eine Bewegung auf dem Plan, welche f\u00fcr die so vielfach verzweigte Judennot ein einheitliches Entstehungsprinzip gefunden zu haben sich r\u00fchmte und k\u00fcndete, alles Elend komme daher, da\u00df die Judenheit sich national aufl\u00f6se. Sie behauptete, das Judentum sei stets eine Nation gewesen, sei es heute noch, und die Assimilation an die Kultur der anderen Nationen sei eine Verschwendung und Vernichtung der besten Kr\u00e4fte, stelle einen schm\u00e4hlichen Verrat an dem Wesen und der Zukunft des Judentums dar, habe zudem nie etwas anders gezeitigt als Ungl\u00fcck und Verfall. Das ganze Ungl\u00fcck r\u00fchre daher, da\u00df die Nation ein Mittelpunkt, ein territorialer und territorialer Mittelpunkt fehle, und diesen gelte es darum zu schaffen. Nur dann werde die Judenheit ein ertr\u00e4gliches Los haben, wenn das nationale Moment in den Vordergrund gestellt werde und sich Geltung verschaffe, wenn alle nationalen Kr\u00e4fte zusammengef\u00fchrt w\u00fcrden, und auf dem geheiligten Boden der V\u00e4ter eine Zuflucht geschaffen sei, die einerseits dem gehetzten Judenvolke eine rechtlich gesicherte Heimst\u00e4tte gew\u00e4hre, wo er seine Individualit\u00e4t gem\u00e4\u00df leben und sich bet\u00e4tigen k\u00f6nne, von der andererseits eine geistige Belebung aller j\u00fcdischen Werte ausgehen werde. Einen \u201eJudenstaat&#8220; verlangte der edle Theodor Herzl in seinem Buche das den gleichen Titel tr\u00e4gt und seinem dichterischen K\u00f6nnen ebenso Ehre macht wie seinem Idealismus. Dieser Mann, der ein warmes Herz hatte f\u00fcr das Leiden seiner Br\u00fcder, der ein ehrlicher und ehrenhafter Idealist von reiner Gesinnung war, ist es, der der neuen Bewegung einen idealen Impuls hat. Er hatte aber das tragische Schicksal gehabt, das sich an seinen Namen eine pseudomessianische Bewegung h\u00e4\u00dflichster Natur kn\u00fcpft und das mit seinem Namen gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Schreier, gewissenlose Demagogen und unwissende Phantasten ihre wenig ideale Motive und Ziele decken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie war es nun gekommen, da\u00df eine pseudomessianische Aktion gerade ein solches Gesicht annahm, da\u00df sie sich auf einen Gedanken aufbaute, der dem Judentum absolut fremd war und einer zweitausendj\u00e4hrige Entwicklung, die nur Religion und wieder gefordert und gef\u00f6rdert hatte. Hat dieser nationale Gedanke vielleicht doch irgend eine Grundlage in j\u00fcdischer Anschauungen, gibt es irgend ein Analogon oder einen Vorl\u00e4ufer in der j\u00fcdischen Geschichte? Es ist das nie und nirgends der Fall gewesen! Gewi\u00df kann man oft genug auf Bewegungen hinweisen, die der R\u00fcckkehr nach dem heiligen Lande ersehnten, aber noch niemals war man vom prophetischen Wege abgewichen, nie hatte man etwas anders ertr\u00e4umt als in erster Reihe die Wiedererrichtung des Tempels und den Sieg der Religion! Im Zionismus war etwas v\u00f6llig Neues, etwas ganz Fremdes aufgetreten. Nicht an religi\u00f6sen Gef\u00fchle appellierte er, nicht handelte es sich um die Errichtung des Tempels und die Herbeif\u00fchrung des Gottesstaates, sondern um den Aufbau eines nationalen Staatswesens, wie andere es auch waren, ohne das von de m Siege der Religion auch nur die Rede war! Hier war nicht das ideale religi\u00f6se Moment in die Waagschale geworfen, denn um Glaubensfragen handelte es sich nicht, an sie dachte keiner. Es war die Judenfrage zu einem einfachem politischen und wirtschaftlichen Problem degradiert, ein v\u00f6lliges Novum, f\u00fcr jeden der die j\u00fcdische Geschichte nicht mit Schlagworte abtat, sondern sie studierte. Auf j\u00fcdischem Boden war der neue Messias nicht gro\u00df geworden, aber trotzdem liegt sein Ursprung vor aller Augen offen zu Tage. Das diese neuen Judenrettungsaktion eine spezifisch nationale F\u00e4rbung annehmen mu\u00dfte, liegt einfach daran, da\u00df sie ein Kind des nationalistischen neunzehnten Jahrhunderts ist. Hier spielt eben die seltsame Richtung, die die geistige Entwicklung unserer Zeit aufweist, in die innere Geschichte des Judentums hinein. In dem merkw\u00fcrdigen Buche von H.St. Chamberlain \u00fcber \u201eDie Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts&#8220;, einem Hohenliede der dilettantenhaften Oberfl\u00e4chlichkeit und der hohlsten Selbst\u00fcberhebung spiegelt sich, sowohl was die Form wie die materielle Seite betrifft, am deutlichsten jene bequeme Weltanschauung wieder, die unsere Zeit beherrscht. Sie verachtet die individuellen Arbeit an sich selber und die pers\u00f6nliche T\u00fcchtigkeit , sie erwartet alles Heil nur aus der Rassenveranlagung, die wie ein unab\u00e4nderliches Fatum des Menschen Denken und Handeln leitet und beherrscht. Es gibt hervorragende und inferiore Rassen. Unter jenen soll die germanische die erste, unter diesen die j\u00fcdische die letzte sein. Jene sei der Inbegriff aller Erhabenheit , Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Tugend sein, diese dagegen der Tummelplatz aller Laster und jeder T\u00fcchtigkeit. Das Glied der germanische Rasse das nichts leiste, sei immer noch erheblich besser als der hervorragendste Semit. Wir k\u00f6nnen und wollen dieser Geistesrichtung nicht in ihre Einzelheiten verfolgen, uns nicht die M\u00fche geben, ihre offenbaren Fehler aufzudecken. Aber es ist klar, da\u00df dieser Rassenwahn, die k\u00fcnstlich gez\u00fcchtete Rassen\u00fcberhebung der Betrachtung der Judenfrage neue Wege ebnete und dem Judenhasse eine ganz neue Richtung gab.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus war vorwiegend &#8211; man braucht andere Momente die mehr oder weniger bewu\u00dft mitklingen, nicht zu verkennen oder abzuleugnen &#8211; Religionsha\u00df; die Emanzipation und das Eindringen der Juden in das Wirtschaftsleben lie\u00df auch die wirtschaftliche Seite des Judenhasses weit st\u00e4rker hervortreten Der Antisemitismus unserer Tage ist aber Rassenha\u00df! Und das bedeutet eine v\u00f6llige Umwertung und eine gewaltige Vertiefung. Religi\u00f6se und wirtschaftliche Judenfeindschaft sind mehr \u00e4u\u00dferlicher Natur; sie gelten der Natur und die Anschauung und dem Wirken, nicht aber der Person. Der Rassenantisemitismus jedoch zielt auf den Menschen pers\u00f6nlich. Er hat aus einer Gegnerschaft , bei der beide Seiten sich durch Argumenten zu \u00fcberzeugen suchten, einen Antisemitismus gemacht, der Verachtung des minderwertigen Juden und v\u00f6llige Trennung von ihm auf allen Gebiete der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens eindringlich predigt. Mit welchem Erfolg ist bekannt! Wenn das \u201ev\u00f6lkische&#8220; Moment eine Bedeutung erlangt hat, der gegen\u00fcber alles andere, Verdienste, Tugenden, Strebung und Gesinnung nichts gelten, wenn der Jude ge\u00e4chtet wird, wenn man ihn zu eine Pariastellung herabdr\u00fccken will, so ist das ein Erfolg der die nationale Weltanschauung, der chauvinistischen Rassenwahn unserer Tage, in emsiger Arbeit errungen hat.<\/p>\n<p>Und dieser chauvinistische, nationale Rassenwahn, ist die theoretische Grundlage, der geistige N\u00e4hrboden des Zionismus! Im hat er die spezifische Z\u00fcge seines Wesens und seiner Wirksamkeit entlehnt! Schon das Aussprechen dieser unbestreitbaren und unbestrittene Tatsache enth\u00e4lt die vernichtendste Kritik dieser pseudomessianischen Bewegung. Mit aller Deutlichkeit mu\u00df man es sich in den letzten Konsequenzen ausmalen, was es f\u00fcr das Wesen und die Erscheinungsformen des Zionismus erscheinen mu\u00df, da\u00df er auf demselben Sumpfboden erwachsen ist wie der Rassenantisemitismus, diese Geisel, unter der wir Juden so entsetzlich leiden. Und es ist immer dasselbe Wasser, mag es nun arisch-antisemitisch, mag es nun j\u00fcdisch-national gef\u00e4rbt sein, da\u00df aus einem Giftbrunnen stammt, und da\u00df keine F\u00e4rbung der Welt zu einem gesunden Trank machen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich auf dem Standpunkt stellt, da\u00df die nationale Verhetzung und der Rassenantisemitismus ein Verbrechen an der Kultur sind &#8211; und wer t\u00e4te das nicht &#8211; der mu\u00df auch dem Bruder in j\u00fcdischen Gewande, den nationalen Zionismus, verdammen, weil er ebenso verderblich wirken mu\u00df wie jene.<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1580\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1580\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Judentum stellt nur ein Glied der allgemeinen Kultur- und Menschheitsgeschichte dar. 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