{"id":1606,"date":"2012-10-11T16:28:38","date_gmt":"2012-10-11T16:28:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1606"},"modified":"2015-04-14T16:34:49","modified_gmt":"2015-04-14T16:34:49","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-1-kriegsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-1-kriegsberichterstattung\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.1 \u2013 Kriegsberichterstattung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend meines Aufenthalts in Arabien habe ich mich \u00f6fters nach einer geschriebenen Geschichte der Wahaby erkundigt, indem ich es f\u00fcr wahrscheinlich hielt, dass irgendein gelehrter Mann von Mekka, oder Medinah ein solches Werk geschrieben haben k\u00f6nnte; aber meine Bem\u00fchungen waren fruchtlos. Niemand zeichnet t\u00e4gliche Vorf\u00e4lle auf, und der Tag, an welchem sie sich ereignet haben, ist bald vergessen. Manche Personen sind zwar recht gut in Betreff der Dinge unterrichtet, welche in ihrer eigenen Nachbarschaft vorgefallen sind, wissen aber wenig von dem, was sich in der Entfernung zugetragen hat; und ehe eine vollst\u00e4ndige und befriedigende Schilderung der Angelegenheiten der Wahaby entworfen werden kann, m\u00fcsste man jedenfalls alle Teile Arabiens zuvor durchreisen. Bagdad ist wegen der N\u00e4he von Nedschid, dem Mittelpunkt der Herrschaft der Wahaby, unter gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden Wahrscheinlich derjenige Ort, wo sich die genauesten Nachrichten sammeln lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Ich will hier nur einzelne Umst\u00e4nde in Bezug auf die Geschichte dieses au\u00dferordentlichen Volkes aus dem Zeitr\u00e4ume vor der Wiedereroberung von Hedschaz durch die T\u00fcrken mitteilen. Dieses Ereignis bin ich selbst ziemlich genau zu beschreiben im Stande, weil ich mich w\u00e4hrend des Krieges gerade in dieser Provinz aufgehalten habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahaby hatten ungef\u00e4hr seit 30 Jahren ihre Lehrs\u00e4tze aufgestellt, zahlreiche Proselyten gemacht, nach und nach Nedschid erobert und die meisten gro\u00dfen Beduinenst\u00e4mme sich unterworfen, welche w\u00e4hrend des Fr\u00fchlings in dieser Provinz ihr Vieh weiden und alsdann sich in die W\u00fcste begeben. Es war aber kein Krieg erkl\u00e4rt worden, auch hatten die Wahaby keine Eingriffe in die Rechte der beiden, ihnen zun\u00e4chst gelegenen, t\u00fcrkischen Gouvernements gemacht, n\u00e4mlich in dasjenige von Bagdad gegen Norden, und in dasjenige von Hedschaz gegen S\u00fcden. Die Pilgerkarawanen zogen von Damaskus und von Bagdad ohne die geringste Bel\u00e4stigung durchs Gebiet der Wahaby. Ihr Wachstum an Macht, und der Eifer, mit welchem sie ihre Lehrs\u00e4tze verbreiteten, scheinen zuerst die Eifersucht der Scherif Ghaleb erregt zu haben. Unter seiner Autorit\u00e4t, und zum Teil auch unter seinem Einfluss, standen alle St\u00e4mme, welche sich in Hedschaz niedergelassen hatten, und auch mehrere an der Grenze dieser Provinz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Versuche, welche Abb el Azyz gemacht hatte, letztere zu seinen Anh\u00e4ngern zu machen, nachdem er ihre Nachbarn sich unterworfen hatte, konnte Ghaleb nicht mit Gleichg\u00fcltigkeit ansehen, den wir mehr als einen m\u00e4chtigen Beduinen-Scheikh, denn als einen F\u00fcrsten des Morgenlandes zu betrachten haben; und dieselben Ursachen, welche zwischen allen gro\u00dfen benachbarten St\u00e4mmen der W\u00fcste best\u00e4ndige Kriege erzeugen, streuten auch den Samen der Uneinigkeit zwischen ihm und den Wahaby aus. Einige Jahre, nachdem Ghaleb zur Regierung von Mekka gelangt war, lie\u00df er sich zum ersten mal 1792, oder 1793 mit den Wahaby in offene Feindseligkeit ein und setzte diesen Krieg fort, bis zur endlichen \u00dcbergabe von Mekka.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Partei wurde alsdann durch die s\u00fcdlichen St\u00e4mme Begum (zu Taraba), Beni Salem (zu Beische), Ghamed (in Zoran) und die zahlreichen Beduinen an der Grenze von Tayf verst\u00e4rkt. Diese Kriege wurden nach der Weise der Beduinen gef\u00fchrt und nur durch sehr kurze Waffenstillst\u00e4nde unterbrochen. Beide Parteien machten unvermutete Einf\u00e4lle in das feindliche Gebiet, und es wurde von beiden Seiten Beute gemacht, ohne gro\u00dfen Verlust, oder Vorteil. Ghaleb, welcher damals in regelm\u00e4\u00dfiger Korrespondenz mit der Pforte stand und jedes Jahr die Pilgerkarawanen empfing, lie\u00df kein Mittel unversucht, die t\u00fcrkische Regierung gegen seine Feinde einzunehmen. Er schilderte sie als Ungl\u00e4ubige; und ihr Benehmen gegen die t\u00fcrkischen Pilger war keineswegs geeignet, diese ung\u00fcnstige Meinung zu entfernen. Die Pforte lieh diesen Schilderungen umso bereitwilliger Geh\u00f6r, als die Paschas von Bagdad Anzeigen \u00e4hnlichen Inhaltes gemacht hatten. Gleich dem Scherif von Mekka, \u00fcbte auch der Pascha von Bagdad einen Einfluss \u00fcber viele Beduinenst\u00e4mme in seiner Umgebung aus. Mehrere dieser St\u00e4mme waren bereits im Kriege mit den Wahaby, deren Unternehmungen l\u00e4ngs den Ufern des Euphrats ein Gegenstand des Schreckens waren. Die Gegend um Basra wurde fast jedes Jahr von einem Heere dieser Sektierer heimgesucht, und viele arabische Landbauern am s\u00fcdlichen Ufer des Flusses, die Untertanen des Paschaliks von Bagdad waren, wurden von ihnen ermordet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die persischen Pilger, welche \u00fcber Bagdad und Derayeh nach Mekka zogen, klagten auf dem R\u00fcckwege noch mehr \u00fcber die gro\u00dfen Bedr\u00fcckungen von Seiten der Wahaby, deren Oberhaupt sie ein sehr hohes Kopfgeld, oder Durchgangszoll hatten bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Unternehmung eines Angriffes auf Derayeh schien sich nun keine Stadt an der Grenze Arabiens so gut zu eignen, als Bagdad. Der Pascha dieser Stadt besa\u00df indessen so wenig pecuni\u00e4re<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Hilfsmittel, und seine Autorit\u00e4t war selbst innerhalb seiner eigenen Provinz noch so unvollst\u00e4ndig anerkannt, dass bis zum Jahre 1797 keine t\u00e4tlichen Feindseligkeiten unternommen werden konnten. Um diese Zeit wurde der Plan zu einem \u00dcberfalle von Derayeh entworfen. Soleyman Pascha war damals Gouverneur von Bagdad und zeichnete sich durch Tapferkeit, Energie, Gerechtigkeit und alle diejenigen Talente aus, die ein t\u00fcrkischer Gro\u00dfbeamte haben muss, wenn er seinen Posten zu behaupten w\u00fcnscht. Sein Untergouverneur wurde mit der Anf\u00fchrung der Expedition beauftragt, die von Bagdad auszog. Die Armee bestand aus 4 bis 5000 t\u00fcrkischen Truppen und doppelt so viel arabischen Bundesgenossen von den St\u00e4mmen Dhosyr, Beni Schammar und Montefek. Sie marschierten in gleicher Linie mit dem Persischen Meerbusen durch ein w\u00fcstes Land, wo auf jeder Station Brunnen anzutreffen sind. Zuerst wendeten sie sich nach der Provinz el Hassa, dem reichsten und fruchtbarsten Teile des Gebietes der Wahaby.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt von hieraus sogleich auf Derayeh zu marschieren, welches nur f\u00fcnf, oder sechs Tagereisen entfernt lag, belagerten sie die Zitadelle el Hassa, die sie ohne Schwierigkeit zu nehmen glaubten. Sie leistete indessen l\u00e4nger, als einen Monat Widerstand, und das Anr\u00fccken einer starken Armee der Wahaby unter Sauds Anf\u00fchrung, w\u00e4hrend Abd el Azyz zu Derayeh geblieben war, machte den Erfolg sehr zweifelhaft, sodass die T\u00fcrken sich zur\u00fcckzuziehen beschlossen. Saud hatte diese Ma\u00dfregel vorhergesehen, machte sich fr\u00fcher als die T\u00fcrken auf und lagerte sich mit seinen Truppen bei einem der Brunnen, namens Thadsch, etwa drei Tagereisen von el Hassa entfernt. Den anderen Brunnen, welcher etwa zwei Meilen davon entfernt lag, machte er dadurch unbrauchbar, dass er mehrere Kamelsladungen Salz hineinwarf, welche er f\u00fcr diesen Behuf<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> mitgebracht hatte. Die Truppen von Bagdad lagerten sich an diesem Brunnen, und es l\u00e4sst sich begreifen, wie sehr Menschen und Vieh von der Qualit\u00e4t des Wassers gelitten haben: auch hielt man es nicht f\u00fcr r\u00e4tlich, aufzubrechen, indem Saud sich leicht unversehens auf die Armee h\u00e4tte st\u00fcrzen k\u00f6nnen. Saud wagte aber nicht, die T\u00fcrken anzugreifen, deren Artillerie ihm und seinen Arabern ein Gegenstand des Schreckens war. So blieben die beiden Armeen drei Tage lang einander gegen\u00fcber, und nur ein einzelner Reiter wagte sich manchmal von der einen, oder der anderen Seite in die Ebene zwischen den beiden Lagern. Es begann eine Unterhandlung, in welcher auf sechs Jahre zwischen den Wahaby und dem Paschalik von Bagdad Frieden geschlossen wurde, worauf beide Armeen ruhig in ihre Heimat zogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Misslingen dieser Unternehmung war die erste Veranlassung des Missgeschickes, welches bald nachher den T\u00fcrken von allen Seiten zu Teil wurde, indem die Wahaby jetzt gelernt hatten, die t\u00fcrkischen Truppen zu verachten. Eine persische Pilgerkarawane mit einer Bedeckung von Wahaby war zwischen Helle und Meschhed von Arabern, die unter der t\u00fcrkischen Jurisdiction von Bagdad standen, angegriffen und fast vollst\u00e4ndig ausgepl\u00fcndert worden. Nun zeigten sich auch pl\u00fcndernde Wahaby-Abteilungen in der Gegend von Basra, und die Verheerung von Imam Hossein im Jahr 1801 erf\u00fcllte alle echten Muselm\u00e4nner mit Schrecken und machte die Wahaby sehr gef\u00fcrchtet. Die Verehrung, welche man dem Grabe von Mohammeds Enkel in dieser Stadt zu widmen pflegte, war hinl\u00e4nglicher Grund, den Zorn der Wahaby sich zuzuziehen. In dieser Stadt wurden 5000 Personen niedergemetzelt. Alte M\u00e4nner, Weiber und Kinder wurden verschont, und auch das Viertel, welches den Namen Haret el Abbassye f\u00fchrte, wurde um dessen Willen verschont, weil die Wahaby das Andenken der Stifter desselben ehrten. Die Kuppel von Hosseins Grabe wurde zerst\u00f6rt, aber die Sch\u00e4tze dieser Moschee, wie auch diejenigen von Meschhed Aly waren geborgen und sp\u00e4ter nach Bagdad geschafft worden. Die Wahaby hatten an die Mauern der Stadt el Hossein abgehauene Palmenb\u00e4ume gelegt und auf diese Weise erstere erstiegen. F\u00fcnf, oder sechs Tage lang dauerte das Niedermetzeln der Einwohner und die Pl\u00fcnderung der Stadt. Nachher zogen sie sich zur\u00fcck und griffen die arabischen Landbauern am Fluss Schat el Arab an, wurden aber vom Stamme Zebeyr und auch von den Bewohnern von Meschhed Aly zur\u00fcckgeschlagen. Sie brachten jedoch alle fr\u00fcher gemachte Beute davon und kehrten in ihre Heimat zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pl\u00fcnderung von Imam Hossein scheinen die Wahaby ihre Pl\u00e4ne sehr erweitert zu haben, besonders nachdem eine zweite Expedition aus der Gegend von Bagdad fehlgeschlagen war. Der Scheikh des Stammes Montefek, namens Thuyny begleitet von allen seinen Leuten und den St\u00e4mmen Dhosyr, Schammar und Beni Kab, war mit einem Korps t\u00fcrkischer Soldaten nach Nedschid marschiert. Ohne sich bei el Hassa aufzuhalten, waren sie sogleich auf Derayeh losmarschiert und erreichten den Brunnen Szebeyhy, eine Tagereise entfernt von dem sehr besuchten Brunnen el Koweyt, der noch f\u00fcnf, oder sechs Tagereisen von Derayeh entfernt war. W\u00e4hrend die Truppen hier sich gelagert hatten, wurde der Anf\u00fchrer Thuyny von einem fanatischen Wahaby, einem Sklaven aus dem Stamme Khaled, ermordet. Saud r\u00fcckte sogleich herbei, und die Soldaten von Bagdad flohen. Aber mehrere Tausende von ihnen, welche die Wege nicht kannten, wurden erschlagen, obschon die meisten Truppen der Beduinen entkamen. Viele der erstem kehrten in der n\u00e4chsten Nacht nach dem Brunnen Szebeyhy zur\u00fcck, um Wasser zu bekommen und in der Hoffnung, unbemerkt zu bleiben, oder als Gefangene behandelt zu werden. Aber Saud ging von seiner bestehenden Gewohnheit nicht ab und lie\u00df sie alle von seinen Arabern t\u00f6ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Araber von Nedschid und der n\u00f6rdlichen W\u00fcste waren menschlicher, als die andern. Sie verbargen viele ihrer ungl\u00fccklichen Feinde in ihren Zelten, gaben ihnen Wasser auf den Weg und entlie\u00dfen sie vor Tagesanbruch, w\u00e4hrend dagegen die s\u00fcdlichen Beduinen (besonders diejenigen der St\u00e4mme Kahtan und Ateybe) ohne Gnade diejenigen t\u00f6teten, welche vor ihren Zelten standen. Aber selbst damals konnten die Beduinen, wie auch ihr Fanatismus, oder die Befehle ihres Oberhauptes beschaffen gewesen sein m\u00f6gen, nicht g\u00e4nzlich ihre Gef\u00fchle unterdr\u00fccken, und ein Augenzeuge hat mir die Versicherung gegeben, dass jeder Gefangene erst seinen Durst l\u00f6schen durfte, ehe er den Todessto\u00df empfing. Ich habe bereits erw\u00e4hnt, dass das Oberhaupt der Wahaby das Recht des <em>dakheil<\/em> zu Gunsten eines Individuums, welches nach dem Gesetze der Wahaby als ein Feind mit den Waffen in der Hand dem Tode verfallen ist, nicht anerkennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sauds Vater, Abd el Azyz, begann im Jahre 1801 die Provinz Hedschaz und den Scherif Ghaleb mit mehr Ausdauer und Eifer anzugreifen, als er noch zuvor an den Tag gelegt hatte. In seinen Feldz\u00fcgen gegen die Wahaby war Ghaleb abwechselnd Sieger und Besiegter gewesen. Er war einst in die Provinz Nedschid eingedrungen und hatte ein ganzes Jahr lang die kleine Stadt Schaara in der Provinz Kasym in Besitz behalten. Ein andermal war er von den Truppen der Wahaby eingeschlossen worden, schlug sich aber des Nachts durch und erreichte nur mit einigen Begleitern Beische.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahaby hatten seit einigen Jahren ihre Waffen und ihren Glauben zu den meisten Gebirgsst\u00e4mmen s\u00fcdlich von Tayf, gegen Jemen hin, getragen. Diese St\u00e4mme waren ziemlich stark, und Abu Nokta, Scheikh von Azyz, war \u00fcber sie alle gesetzt worden. Selbst die Araber bei Tayf mussten sich 1801 unterwerfen. Ghalebs Schwager, Othman el Medhayfe, ein Scheikh des Stammes Aduan, welcher diese Gegenden bewohnte, war seit mehreren Jahren mit Ersterem in Feindschaft; und da er sich durch alle Eigenschaften auszeichnete, welche ein Beduinen-Oberhaupt haben muss, so ernannte ihn Abd el Azyz, nachdem er sich das Land unterworfen hatte, zum Oberhaupt der St\u00e4mme von Tayf und Mekka und von da noch weiter nach Norden bis zur H\u00e4lfte des Weges nach Medinah. Jetzt war Ghaleb eng eingeschlossen, verlor aber doch nicht seine Energie. Er sammelte nochmals den Rest seiner treuen Araber und versuchte abermals einen Einfall in Nedschid, jedoch mit geringem Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1802 belagerte Othman el Medhayfe Tayf, und diese sch\u00f6ne Stadt, der Sommeraufenthalt aller reichen Mekkaner und das Paradies von Hedschaz, wie die Araber es nennen, wurde nach kr\u00e4ftigem Widerstand genommen und teilte das Schicksal von Imam Hossein, nur mit dem Unterschiede, dass Othman&#8217;s Feindschaft gegen den Scherif Ersteren bewog, die meisten guten Geb\u00e4ude zu ruinieren; auch war den Soldaten nicht der Befehl gegeben worden, bei dem allgemeinen Blutbad Gebrechliche, oder Kinder zu verschonen. Im Laufe desselben Jahres nahm dieser Anf\u00fchrer auch Gonfode, einen Hafen am Roten Meer, sieben Tagereisen s\u00fcdlich von Dschidda, welcher dem Scherif geh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese erfolgreichen Unternehmungen hatten die Wababy sehr k\u00fchn gemacht. Bis jetzt war die syrische und \u00e4gyptische Pilgerkarawane immer regelm\u00e4\u00dfig nach Hedschaz gezogen, obschon der Scherif Ghaleb alles getan hatte, was nur in seiner Macht stand, um offenen Krieg zwischen der Pforte und den Wahaby herbeizuf\u00fchren. Dschezzar Pascha zu Acre hatte manchmal, als er noch Pascha von Damaskus war, die Karawane selbst auf eine sehr pomphafte Weise nach Mekka gef\u00fchrt; und dies hatte auch Abdallah, Pascha von Aden, getan. Letzterer hatte mehrmals zu Mekka auf der Ebene von Arafat, w\u00e4hrend der Wallfahrt, dem ganzen Heere der Wahaby-Pilger begegnet, und es waren zwischen ihm und Abd el Azyz Geschenke gewechselt worden. Der Weigerung von Seiten der Wahaby, den Durchzug der Karawanen zu gew\u00e4hren, scheinen religi\u00f6se Beweggr\u00fcnde gehabt zu haben, denn sie wussten ja, dass die Soldaten, welche die Karawanen begleiten, nichts feindliches in einem Lande unternehmen, wo ihnen mit einem mal alle Lebensmittel und alle Verst\u00e4rkungen abgeschnitten werden k\u00f6nnen. Aber die Pilger, aus welchen diese Karawanen bestehen, hatten sich immer auf eine so unanst\u00e4ndige Weise benommen; die Anf\u00fchrer hatten immer die schlechtesten Handlungen offen sanktioniert, und die Zeremonien der Wallfahrt selbst waren durch die Auff\u00fchrung der Pilger so befleckt worden, dass die Wahaby, welche seit langer Zeit auf eine Reform dieser Unordnungen bestanden hatten, endlich beschlossen, ihnen ein Ende zu machen. Die syrische Karawane machte ihre Wallfahrt zum letzten Mal im Jahr 1802.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den n\u00f6rdlichen Teilen von Hedschaz griffen die Wahaby den starken und kriegerischen Stamm Beni Harb an und belagerten Medinah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1803 vollendeten die Wahaby die g\u00e4nzliche Eroberung von Hedschaz, und ihre Macht war damals \u00fcber alle fr\u00fcheren Grenzen hinaus verbreitet. Saud, der Sohn des Abd el Azyz, und Othman el Medhayfe hatten zu Anfange dieses Jahres eine bedeutende Macht bei Tayf zusammengezogen, und nach mehreren Gefechten mit dem Scherif Ghaleb r\u00fcckte die Armee der Wahaby gegen Mekka vor und schlug ihr Hauptquartier im Dorf el Hesseinye auf, wo die Bewohner von Mekka, 1 1\/2 Stunden von dieser Stadt gegen S\u00fcden, viele sch\u00f6ne Sommerh\u00e4user hatten. Ihre leichten Truppen umgaben die Stadt von allen Seiten und griffen die \u00f6stliche Vorstadt an, Namens eI Moabede, von welcher sie eine zeitlang Besitz nahmen, wie auch von dem darin gelegenen Palast des Scherifs. Von hieraus machten sie h\u00e4ufige Einf\u00e4lle in die Stadt, die keine Mauern hat. Ghaleb leistete unerschrocken tapferen Widerstand. Er legte eine Mine in der N\u00e4he seines Palastes an, die zwar nicht ihre vollst\u00e4ndige Wirkung tat, doch aber den Feind n\u00f6tigte, sich zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun schnitten die Wahaby der Stadt das s\u00fc\u00dfe Wasser ab, welches ihr durch den Kanal von Arafat zugef\u00fchrt wird; und die Bewohner waren in die Notwendigkeit versetzt, Wasser aus salzigen Brunnen zu trinken. Nachdem die Belagerung zwei, oder drei Monate gedauert hatte, gerieten die Bewohner, teils durch das schlechte Wasser, teils durch Mangel an Lebensmitteln, in gro\u00dfe Not. Ghaleb selbst und seine Soldaten hatten noch einige Vorr\u00e4te; aber unter die niederen Klassen wurde nichts verteilt, und diese waren deshalb gen\u00f6tigt, sich des Nachts aus der Stadt zu stehlen und f\u00fcr des Scherifs Pferde auf den benachbarten Bergen d\u00fcrres Gras zu sammeln, wof\u00fcr sie in der Wohnung des Scherifs eine Handvoll Getreide empfingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem alle Katzen und Hunde in Mekka verzehrt und auch die Vorr\u00e4te des Scherifs d\u00fcnn geworden waren, verlie\u00df er die Stadt mit seinen Leuten, nahm seine ganze Familie und sein Gep\u00e4ck mit sich, nachdem er vorher diejenigen M\u00f6bel seines Palastes verbrannt hatte, die nicht leicht fortzuschaffen waren. Er wendete sich nach Dschidda und \u00fcberlie\u00df Mekka seinem Schicksal. Den folgenden Morgen zogen die vornehmsten Einwohner aus, um zu kapitulieren, oder vielmehr, um die Stadt auf Gnade und Ungnade zu \u00fcbergeben; und Saud zog denselben Tag ein. Dies ereignete sich im April und Mai 1803. Die Mekkaner erinnern sich noch immer dankbar der trefflichen Mannszucht, welche diese wilden Wahaby bei ihrem Einzug in die Stadt beobachteten. Nicht der geringste Exzess wurde begangen. Den folgenden Tag wurden alle Kaufl\u00e4den auf Befehl Sauds ge\u00f6ffnet, und alles, was seine Truppen brauchten, bezahlten sie bar. Saud erkl\u00e4rte, dass er schon l\u00e4ngst die Stadt h\u00e4tte mit Sturm nehmen k\u00f6nnen, dass er aber gew\u00fcnscht habe, Unordnung und Exzesse zu vermeiden. Den versammelten Ulama erz\u00e4hlte er auch, dass ihm Mohammed im Traum erschienen sei und gedroht habe, er werde nicht den dritten Tag erleben, wenn der heiligen Stadt ein einziges Getreidekorn mit Gewalt genommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bewohner von Mekka nahmen nun den Glauben der Wahaby an, d. h. mit anderen Worten, sie waren gen\u00f6tigt, p\u00fcnktlicher zu beten, als sie gew\u00f6hnlich getan hatten; ihre sch\u00f6nen seidenen Kleider abzulegen, und zu verbergen und sich des Tabakrauchens \u00f6ffentlich zu enthalten. Haufen persischer Pfeifen, aus allen H\u00e4usern gesammelt, wurden vor Sauds Hauptquartier verbrannt; auch der Verkauf des Tabaks wurde verboten. Der Bruder Ghalebs, Abd el Mayen, wurde von Saud an die Spitze der Regierung in Mekka gestellt, und ein gelehrter Mann aus Derayeh, namens Ibn Name wurde zum <em>kady<\/em> der Stadt eingesetzt. In solchem Ansehen stand dieser Beduinenrichter, dass seine Entscheidungen fast zum Sprichworte geworden sind und die Mekkaner noch jetzt als Spott f\u00fcr ihren verk\u00e4uflichen <em>kady<\/em> aus Konstantinopel sagen: \u201edort geht Ibn Name!\u201d Jetzt wurde auch das Gebet f\u00fcr den Sultan, welches gew\u00f6hnlich in der gro\u00dfen Moschee gehalten wird, abgeschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Mekka wendete Saud seine Waffen gen Dschidda, wohin Scherif Ghaleb geflohen war. Er belagerte die Stadt 11 Tage, aber die Einwohner fochten tapfer; und als Saud endlich verzweifelte, die Mauern st\u00fcrmen zu k\u00f6nnen, zog er sich zur\u00fcck. Viele Personen versichern, dass Ghaleb, welcher schon Anstalt getroffen hatte, an Bord eines gro\u00dfen Schiffes im Hafen zu entfliehen, den Saud durch eine Summe von 50,000 Dollars zum R\u00fcckzuge bewogen habe. Die Wahaby begaben sich nun nach der n\u00f6rdlichen W\u00fcste hin. Ghaleb verlie\u00df jetzt Dschidda und \u00fcbernahm abermals die Regierung von Mekka im Julius 1803, wo die schwache Garnison der Wahaby in den beiden Castellen kapitulierte und Abd el Mayen, ein Mann von friedlichem Charakter, sich wieder seinem Bruder unterwarf; aber Ghaleb selbst, der wohl einsah, dass er den Platz nicht auf lange Zeit verteidigen k\u00f6nne, vertrug sich bald nachher mit Saud und unterwarf sich seiner Herrschaft. Obgleich dieser Krieg nur erst 11 Jahre vor meinen Reisen in Hedschaz vorgefallen war, so wurden mir doch einzelne Umst\u00e4nde desselben von verschiedenen Personen ganz verschieden erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ghaleb bekam bei dieser Gelegenheit g\u00fcnstigere Bedingungen, als sie gew\u00f6hnlich anderen \u00fcbergegangenen H\u00e4uptlingen gew\u00e4hrt werden. Er blieb im Besitz seiner St\u00e4dte und ihrer Eink\u00fcnfte, auch gestand man zu, dass mehrere Beduinenst\u00e4mme unter seinem Einfluss bleiben durften. Wegen seiner hohen Stellung und der Achtung, welche denen geb\u00fchrt, die Einwohner der heiligen Stadt sind, verlangte man weder von ihm, noch von den Mekkanern einen Tribut. Dagegen entsagte der Scherif der Z\u00f6lle zu Dschidda f\u00fcr alle echten Wahaby.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einnahme von Mekka hatte andere Vorteile in Hedschaz zur Folge. Der Stamm Harb war gen\u00f6tigt, sich zu ergeben, jedoch nicht ohne schweren Kampf, wodurch die Wahaby so erbittert wurden, dass sie die Araber dieses Stammes h\u00e4rter behandelten, als andere Beduinen des Landes. Ein Nebenzweig des genannten Stammes, bekannt unter dem Namen Beni Sobh, behauptete sich erfolgreich in seinen steilen Gebirgen und konnte nie zur Unterw\u00fcrfigkeit gebracht werden. Auch Yembo \u00fcbergab sich, als Beni Harb und Dscheheyny (ein anderer gro\u00dfer Stamm dieser Nachbarschaft) auf die Seite der Wahaby getreten waren; und Medinah folgte bald (im Fr\u00fchling 1804) dem Beispiel dieser Stadt. Der vornehmste Mann dieser Stadt, Hassan el Kaladschy, hatte sich eine despotische Gewalt angema\u00dft und w\u00e4hrend der allgemeinen Not, indem n\u00e4mlich alle Zufuhr der Stadt von den Wahaby abgeschnitten wurde, die gr\u00f6\u00dfte Ungerechtigkeit zu Schulden kommen lassen. Endlich vergriff er sich auch an dem Schatz, welcher zum Grabe Mohammeds geh\u00f6rt und verteilte einen Teil desselben unter seine Anh\u00e4nger. Alsdann machte er den Vorschlag, die Stadt zu \u00fcbergeben. Die Bewohner von Medinah, welche weit mehr dem t\u00fcrkischen Interesse ergeben sind, als die Mekkaner, und g\u00e4nzlich von dem Gewinne leben, den ihnen die ihre Moschee besuchenden Pilger bringen, wurden nicht so mild behandelt, als die Bewohner von Mekka. Es wurde ihnen der gew\u00f6hnliche Tribut aufgelegt, aber das Privat-Eigentum nicht gepl\u00fcndert. Der oberste t\u00fcrkische Beamte der Stadt, der Aga el Haram (von dem Sultan ernannt), musste Medinah mit vielen t\u00fcrkischen Pilgern verlassen, und el Medheyan, welchen Saud zum Scheikh des ganzen Stammes Harb ernannt hatte, wurde Gouverneur von Medinah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier drangen die Wahaby mit gro\u00dfer Strenge auf die regelm\u00e4\u00dfige Beobachtung der Gebete. Nach dem Morgen-, nach dem Mittags-, und nach dem Abendgebete wurden die Namen aller erwachsenen m\u00e4nnlichen Einwohner in der Moschee verlesen, und wer sich s\u00e4umig bewies, wurde bestraft. Eine angesehene Flau war angeklagt worden, aus einer persischen Pfeife geraucht zu haben, und wurde deshalb auf einen Esel gesetzt, und ihr die Pfeife mit dem langen elastischen Rohr um den Hals gewickelt. In diesem Zustande wurde sie durch die Stadt gef\u00fchrt. Hassan el Kaladschy behielt noch immer einigen Einfluss unter den Wahaby und fuhr fort, die Einwohner zu bedr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald nachher besuchte Saud die Stadt Medinah und nahm vom Grabe Mohammeds alle noch vorhandenen wertvollen Gegenst\u00e4nde. Die goldenen Gef\u00e4\u00dfe waren schon vorher genommen worden. Er machte auch den Versuch, den hohen Dom zu zerst\u00f6ren, welcher \u00fcber dem Grabe errichtet war, und wollte nicht gestatten, dass t\u00fcrkische Pilger von irgendeinem Punkte her nach Medinah k\u00e4men; und mehrere derselben, welche es versucht hatten, von Yembo aus dahin zu gelangen, erfuhren eine sehr \u00fcble Behandlung. Ihre B\u00e4rte wurden auch abgeschnitten, da die Wahaby, welche selbst kurze und d\u00fcnne B\u00e4rte tragen, erkl\u00e4rten, dass der Prophet nicht einen so langen und buschigen Bart, wie die n\u00f6rdlichen T\u00fcrken, getragen habe. Dieses taten indessen die niederen Klassen der Wahaby zur Verspottung der T\u00fcrken und nicht auf den Grund eines Gesetzes, oder eines Befehls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahaby fuhren indessen immer fort, Medinah zu Ehren des Propheten zu besuchen; ebenso ehrfurchtsvoll besuchten sie auch die Moschee dieses Propheten, aber nicht, gleich anderen Muselm\u00e4nnern, sein, in derselben Moschee gelegenes, Grab. Das Grab blieb unverletzt, aber Saud hielt es f\u00fcr G\u00f6tzendienerei, das Grab zu besuchen, Gebete, oder Ausrufungen an dasselbe zu richten, und verbot deshalb dergleichen. Es ist demnach falsch, zu behaupten, wie es die T\u00fcrken getan haben, dass die Pilgerfahrt nach Medinah von den Wahaby abgeschafft worden sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst vor der Einnahme von Medinah hatten die gro\u00dfen Pilgerfahrten in ganzen Karawanen aufgeh\u00f6rt. Die syrische Karawane, von Yusef Aga, einem Beamten des Abdallah Pascha, angef\u00fchrt, war im Jahr 1803 nicht im Stande gewesen, Medinah zu erreichen, sondern trat den R\u00fcckweg an, als sie nur noch einige Stunden von der Stadt entfernt war. Sie wurden auf ihrem R\u00fcckwege nicht bel\u00e4stigt. Die \u00e4gyptische Pilgerkarawane wagte es dieses Jahr nicht, den Landweg zu nehmen, da die St\u00e4mme Harb und Dscheheyne jetzt zu den Wahaby \u00fcbergegangen waren; aber der <em>Mahmal<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em> und einige Pilger kamen mit etwa 4, oder 500 Soldaten unter der Anf\u00fchrung von Scherif Pascha, welchen die Pforte zum Gouverneur von Dschidda ernannt hatte, zu Wasser an und landeten in letzterem Hafen. Auch die persische Pilgerkarawane war seit 1802 ausgeblieben, und dasselbe war der Fall mit der Pilgerkarawane aus Jemen, sodass nach dem Jahr 1803 keine regelm\u00e4\u00dfige Karawane dieser Art nach Mekka gekommen ist, wohin es nur einigen Wenigen gelang, sich durch zu finden. Der <em>Mahmal<\/em> wurde zu Dschidda zur\u00fcckgehalten, und Scherif Pascha starb 1804 in Hedschaz. Es war Verdacht vorhanden, dass er auf Ghalebs Befehl vergiftet worden sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abd el Azyz \u00fcberlebte zwar die Einnahme von Mekka, war aber kein Zeuge derjenigen von Medinah. Er wurde zu Ende des Jahres 1803 von einem Perser ermordet, dessen Verwandte fr\u00fcher von den Wahaby erschlagen worden waren. Dem Abd el Azyz folgte sein \u00e4ltester Sohn Saud in der Regierung und besa\u00df in weit h\u00f6herem Grade die notwendigen Eigenschaften eines geistlichen Oberhauptes kriegerischer Beduinen. Er hatte schon seit vielen Jahren alle Kriege gef\u00fchrt, und ihm muss man eigentlich die Eroberung von Hedschaz zuschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Medinah sich gen\u00f6tigt sah, den n\u00f6rdlichen Wahaby die Tore zu \u00f6ffnen, waren auch diejenigen des S\u00fcdens nicht m\u00fc\u00dfig, den Einfluss ihrer Waffen zu verbreiten. Abu Nokta, der Scheikh von Asyr, war seit einiger Zeit mit dem Scherif Hamud im Kriege begriffen. Letzterer regierte damals den ganzen Strich der Meeresk\u00fcste von Jemen, aus der Gegend von Gonfode an in s\u00fcdlicher Richtung bis nach Beit el Fakyh, ein Landstrich, den er selbst von der Jurisdiction seines n\u00e4chsten Verwandten, des Imam von Szana, losgerissen hatte. Hamud verlie\u00df sich auf die Mauern seiner Stadt und auf 5 bis 600 Reiter in seinem Dienste, und hatte sich deshalb geweigert, den Glauben der Wahaby anzunehmen. Gegen Ende des Jahres 1804 stieg Abu Nokta mit einem zahlreichen Heere seiner Araber von den Gebirgen herab und bedeckte die ganze K\u00fcste mit einer solchen Menge von Wahaby, dass Hamud zu fliehen gen\u00f6tigt war. Die reichsten St\u00e4dte an der K\u00fcste von Jemen, Loheya und Hodeyda, wurden gepl\u00fcndert; aber Abu Nokta wagte es nicht, mit seiner Armee lange Zeit in diesen St\u00e4dten zu verweilen, sondern zog sich wieder in die Gebirge zur\u00fcck und hielt von hier die ganze K\u00fcste von Jemen in Schach. Hamud erkl\u00e4rte sich nun als einen Anh\u00e4nger des neuen Glaubens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obschon Hedschaz jetzt erobert war, so blieb doch immer die Macht des Scherifs noch sehr gro\u00df. Sein Name und sein ehrw\u00fcrdiges Amt; seine gro\u00dfen Talente f\u00fcr die Intrige; sein pers\u00f6nlicher Einfluss auf viele Beduinenst\u00e4mme, welche der Macht Sauds noch immer Widerstand leisteten, und die wertvollen Geschenke, welche er letzterem machte, so oft derselbe nach Mekka kam, bewirkten, dass das Oberhaupt der Wahaby mehrere Handlungen Ghalebs seinen Beifall gab. Wenn Saud sich der Stadt Mekka bei Gelegenheit der j\u00e4hrlichen Wallfahrt n\u00e4herte (die er j\u00e4hrlich mit einer gro\u00dfen Zahl seiner Araber machte), kam ihm eine ganze Karawane von Kamelen, mit Geschenken des Scherif beladen, zwei Tagereisen weit bis nach Zeyme entgegen. Die Geschenke umfassten alle Sorten auserlesener Lebensmittel, Kleider und andere Artikel, nebst mehreren Kamelsladungen von Indischem Muslin f\u00fcr den <em>ihram<\/em> oder Mantel, in welchem die Pilger das Heilige Gebiet betreten. Alle seine Beamten bekamen \u00e4hnliche Geschenke. Die Weiber und Kinder bekamen alle neue Kleider und eine gro\u00dfe Menge von Konfekt und eingemachten S\u00fc\u00dfigkeiten. So gro\u00df war in der Tat die Freigebigkeit Ghalebs bei diesen Gelegenheiten, dass Saud oft sagte, es setze ihn in Verlegenheit und mache es ihm unm\u00f6glich, den Scherif so zu behandeln, wie er sonst getan haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Mekka hielt auf diese Weise die Macht Ghalebs derjenigen Sauds immer das Gleichgewicht, und in Dschidda blieb die Autorit\u00e4t des Ersten immer in vol1er Kraft. Eine gute Garnison wurde best\u00e4ndig in dieser Stadt unterhalten, in welche keine Truppen der Wahaby kamen, obschon die Einwohner gen\u00f6tigt waren, sich zu dem neuen Glauben zu bekennen, sobald einer von Sauds Beamten sie in Gesch\u00e4ften besuchte. Im Laufe des Jahres 1805 machte Medhayfe, welcher immer seine Feindseligkeiten gegen Ghaleb fortsetzte, mit seinen eigenen Arabern, und ohne vom Oberhaupt der Wahaby dazu autorisiert zu sein, mehrere Versuche, Dschidda zu nehmen. Er nahm Besitz von den zur Stadt geh\u00f6rigen Brunnen; aber die Einwohner nebst den Fremden, die sich zuf\u00e4llig in der Stadt befanden, ergriffen die Waffen und vereitelten seine Absicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obschon die Pilgerkarawanen jetzt unterbrochen waren, so str\u00f6mte doch eine gro\u00dfe Zahl von Pilgern aus jedem Teile des t\u00fcrkischen Reichs j\u00e4hrlich nach Mekka. Sie kamen zu Schiffe nach Dschidda, und Saud gab keinen Befehl, sie zu hindern, nach Mekka zu gehen. Diese Pilger waren folglich gen\u00f6tigt, sich allen Vorschriften der Wahaby zu f\u00fcgen, und wer sich denselben gem\u00e4\u00df und anst\u00e4ndig benahm, erfuhr keine rauhe Behandlung. Ich lernte im Jahr 1810 zu Aleppo einen Einwohner dieser Stadt kennen, welcher mir erz\u00e4hlte, dass er w\u00e4hrend der letzten 6 Jahre die Wallfahrt j\u00e4hrlich ohne alle Bel\u00e4stigung \u00fcber Kairo und Kosseir gemacht habe. Aus Jemen, Indien und den Negerl\u00e4ndern seien in dem Monate der Wallfahrt Pilger zu Schiffe, wie fr\u00fcher, in Dschidda angekommen, h\u00e4tten es aber f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig gefunden, ihre Waffen in Dschidda zur\u00fcckzulassen, indem das Tragen von Waffen irgend einer Art Fremde in Mekka verd\u00e4chtig mache und oft \u00fcbler Behandlung aussetze. Die Wallfahrt ist deshalb niemals, weder in Bezug auf Araber, noch T\u00fcrken, abgeschafft worden; und h\u00e4tten die gro\u00dfen syrischen und \u00e4gyptischen Karawanen auf das sichere Geleit der Wahaby Vertrauen gesetzt, so w\u00fcrden sie die W\u00fcste mit Sicherheit, aber ohne bewaffnete Begleitung, haben durchziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hedschaz war jetzt ruhig. Da die Kommunikation mit dem ganzen inneren Arabien ge\u00f6ffnet war und wenig Fremde ankamen, so waren die Lebensmittel im \u00dcberfluss vorhanden und wohlfeil; aber die Einwohner der heiligen St\u00e4dte hatten jetzt ihre Hauptsubsistenzmittel verloren, die ihnen der Verkehr mit fremden Kaufleuten brachte, welche mit der Pilgerkarawane kamen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zustande blieb nun Hedschaz w\u00e4hrend der Jahre 1806, 1807 und 1808. Die Macht des Scherifs nahm t\u00e4glich ab, und Sauds Autorit\u00e4t wurde in dem bei weitem gr\u00f6\u00dferen Teile von Arabien anerkannt. In den obenerw\u00e4hnten Jahren machte das Oberhaupt der Wahaby mehrere Einfalle in die Gegend von Basra und in Mesopotamien. Eine dieser Unternehmungen in der Gegend von Basra lief damals ungl\u00fccklich ab. Seine Truppen waren eben damit besch\u00e4ftigt, in kleinen Abteilungen die D\u00f6rfer um diese Stadt herum zu pl\u00fcndern, als sie von einem starken Korps der Kab- und Montefek- Araber \u00fcberrascht wurden, bei welcher Gelegenheit \u00fcber 1500 Wahaby erschlagen wurden. Ein Negersklave Sauds, namens Hark, machte an der Spitze einer starken Abteilung verschiedene Kriegsz\u00fcge nach der syrischen W\u00fcste und setzte sogar die Beduinen in der n\u00e4chsten Umgebung von Aleppo in Furcht und Schrecken. Die Abteilungen der Wahaby \u00fcberschritten auch den Euphrat und griffen die reichen Lager der mesopotamischen St\u00e4mme an, welche sie bis in die N\u00e4he von Bagdad pl\u00fcnderten. Im S\u00fcden fuhr Abu Nokta fort, durch pl\u00f6tzliche Einf\u00e4lle und h\u00e4ufiges Pl\u00fcndern die Provinz Jemen zu plagen. Szana scheint indessen niemals der Gegenstand eines Angriffes gewesen zu sein. Saud, welcher die Eifersucht kannte, die zwischen Hamud, dem Gouverneur der K\u00fcste, und Abu Nokta, dem H\u00e4uptlinge der Gebirge, herrschte, versprach bald dem einen und bald dem anderen von ihnen die Pl\u00fcnderung dieser reichen Stadt, die wegen ihrer schwachen Verteidigungsmittel selbst einen schwachen Angriff nicht ausgehalten haben w\u00fcrde; aber er gab nie wirklich den Befehl zur Eroberung derselben und schien dieselbe vielmehr, wie man glaubte, f\u00fcr sich aufgespart zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Jahre \u00fcber blieb die Pforte fast ganz unt\u00e4tig. Saud war mit der t\u00fcrkischen Regierung in offene Feindseligkeiten geraten, seit er verboten hatte, in den Moscheen f\u00fcr das Wohl des Sultans zu beten, was gew\u00f6hnlich den Freitag geschah. Dieses war durch die List und Verschlagenheit des Scherif Ghaleb dahin gebracht worden, welcher zwischen Saud und der Pforte einen unvers\u00f6hnlichen Bruch herbeizuf\u00fchren w\u00fcnschte. Ein tapferer Krieger, Yusef Pascha, war an die Spitze des Gouvernements von Damaskus gestellt worden; und es stand zu hoffen, dass er die Pilgerkarawane mit Gewalt durch die W\u00fcste werde leiten k\u00f6nnen. Aber die Summen, welche f\u00fcr diese Karawane bestimmt waren, und welche auf das Einkommen von Damaskus angewiesen sind, verwendete er zu seinem eigenen Nutzen. Auch die syrischen Beduinen, welche die Karawanen gew\u00f6hnlich geleiteten, verrieten ebenso wenig Lust, sich in eine so gewagte Unternehmung einzulassen. Yusef Pascha machte im Jahr 1809 einige unbedeutende Anstalten, den Distrikt Dschof anzugreifen, der aus mehreren D\u00f6rfern auf der Stra\u00dfe von Damaskus nach Nedschid besteht und 12 Tagereisen von Damaskus entfernt ist. Aber dieses war nur eine eitle Demonstration seines Eifers, die nie zur Ausf\u00fchrung kam. Der gr\u00f6\u00dfte Verlust, den die Wahaby jemals erfuhren, war im Verlaufe dieses Jahres die Zerst\u00f6rung ihres befestigten Hafens am Persischen Meerbusen, namens <em>Ras el Kheyme<\/em>, der durch eine englische Expedition von Bombay aus in Asche gelegt wurde, indem die seer\u00e4uberischen Bewohner desselben, die zum Stamme Gowasim oder Dschowasim geh\u00f6ren, zahlreiche R\u00e4ubereien gegen den englischen Handel in diesen Gew\u00e4ssern sich hatten zu Schulden kommen lassen. Ein Vetter von Saud hatte bei dieser Gelegenheit ebenfalls seinen Tod gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In demselben Jahre brach ein neuer Krieg zwischen Abu Nokta und Scherif Hamud aus. Ersterer kam n\u00e4mlich von seinen Bergen herab und lagerte sich bei Abu Arysch. Hamud verlie\u00df des Nachts diese Stadt mit ungef\u00e4hr 40 Reitern, s\u00e4mtlich wie Wahaby-Beduinen gekleidet, machte einen Umweg und befand sich mit Tagesanbruch im R\u00fccken seiner Feinde, in deren Lager er einzog, ohne den geringsten Verdacht erregt zu haben, denn man hielt ihn mit seinen Leuten f\u00fcr befreundete Gebirgsbewohner. Aber vor Abu Nokta&#8217;s Zelte stie\u00dfen sie ihr Kriegsgeschrei aus und Hamud t\u00f6tete diesen H\u00e4uptling mit eigener Hand, als er eben von seiner Matte aufsprang, und war so gl\u00fccklich, in der allgemeinen Unordnung zu entkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Scheikh Tamy, von dem kleinen Stamme Refeydha (zum Stamme Asyr geh\u00f6rend), wurde von Saud zum Nachfolger des Abu Nokta ernannt. Hamud unterwarf sich wieder, aber seine Treue blieb immer zweifelhaft, und er war nie p\u00fcnktlich in Entrichtung seines Tributes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1810 verbreitete Saud Schrecken im Herzen von Syrien, indem er die Umgegend von Damaskus mit einer Abteilung von 6000 Mann \u00fcberfiel. Seine Ankunft war ganz unerwartet und Yusef Paschas Armee nicht im Stande, seinem Fortschritt Einhalt zu tun. Innerhalb drei Tagen pl\u00fcnderte er 35 D\u00f6rfer im Distrikte Hauran, war nur noch zwei Tagereisen von Damaskus entfernt und verbrannte alle Getreideernten, wo er nur hinkam; aber er war nicht so unbarmherzig gegen die Einwohner, wie bei anderen Gelegenheiten, und schenkte vielen Bauern das Leben. Eine christliche Weibsperson, die gefangen genommen und als Sklavin mit fortgeschleppt worden war, wurde einige Tage nachher auf seinen Befehl wieder freigegeben. Er h\u00e4tte leicht die Stadt nehmen k\u00f6nnen, wenn er den Schrecken gekannt h\u00e4tte, den seine N\u00e4he bei den Einwohnern verbreitete, die bereits alle Gegenst\u00e4nde von Wert in die Gebirge des Libanon zu senden begannen; aber seine Absicht war ohne Zweifel, h\u00e4ufige Pl\u00fcnderungsversuche zu machen, sodass Damaskus wenigstens sich bewogen f\u00fchlen sollte, sich von selbst zu \u00fcbergeben. Er kehrte mit betr\u00e4chtlicher Beute zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zahlreiche Karawane von Moggrebyn&#8217;s, welche zu Lande nach Kairo gekommen war, machte dieses Jahr die Wallfahrt. Bei ihrer Ankunft in Hedschaz erhielten sie die Erlaubnis, Mekka zu besuchen, da Saud immer erkl\u00e4rt hatte, dass sich die Moggrebyn&#8217;s anst\u00e4ndig ben\u00e4hmen und religi\u00f6se Leute seien. Er kam dem Anf\u00fchrer dieser Karawane, einem Sohne des Kaisers von Marokko, entgegen, und es wurden zwischen ihnen Geschenke gewechselt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Pascha von Bagdad und derjenige von Damaskus zu verschiedenen Zeiten feindliche Demonstrationen gegen die Wababy gemacht hatten, war \u00c4gypten bei dem Schicksale von Hedschaz ein passiver Zuschauer geblieben, und die kleine Expedition von etwa 500 Mann, welche im Jahr 1804 vom Scherif Pascha zu Dschidda ausger\u00fcstet wurden, war die einzige schwache Anstrengung von \u00e4gyptischer Seite, den t\u00fcrkischen Einfluss auf die heiligen St\u00e4dte wiederherzustellen. Der unruhige Zustand \u00c4gyptens, n\u00e4mlich die Verteilung der Macht unter viele Beys, die nur dem Namen nach dem von der Pforte gesendeten Pascha unterw\u00fcrfig waren; und der Wunsch dieser Beys, das Geld zu besitzen, welches f\u00fcr die Pilgerkarawanen und f\u00fcr die heiligen St\u00e4dte bestimmt war, &#8211; alle diese Umst\u00e4nde trugen dazu bei, dass jeder gl\u00e4ubige Sunny daran verzweifelte, jemals die Pilgerfahrt wiederhergestellt zu sehen, so lange \u00c4gypten in diesem Zustande verbleiben w\u00fcrde. Denn alle Teile wussten, dass nur von \u00c4gypten aus Hedschaz erobert werden k\u00f6nne. Die unermessliche W\u00fcste, die sich zwischen \u00c4gypten und Damaskus ausbreitet, macht den Transport hinl\u00e4nglicher Lebensmittel und Kriegsvorr\u00e4te zu einem regelm\u00e4\u00dfigen Feldzuge mit dem Feinde ganz unm\u00f6glich, und die erste Ma\u00dfregel des letzteren w\u00fcrde darauf gerichtet sein, jede andere Kommunikation abzuschneiden. Eine starke Armee, begleitet von einer unermesslichen Menge beladener Kamele, m\u00f6chte vielleicht nach \u00dcberwindung vieler und gro\u00dfer Schwierigkeiten endlich Medinah und selbst Mekka erreichen; sie k\u00f6nnte auch diese St\u00e4dte erobern. Aber alle Truppen und alle Kamele einer solchen Armee w\u00fcrden nicht im Stande sein, das ganze Land in Unterw\u00fcrfigkeit zu erhalten, es gegen einen unternehmenden Feind zu verteidigen und sich selbst von fremder Zufuhr unabh\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus letzterer R\u00fccksicht allein ergibt sich schon, dass alle Versuche, das Land von seinen Beduinischen Beherrschern zu befreien, von \u00c4gypten ausgehen m\u00fcssen. Hedschaz bezieht alle Lebensbed\u00fcrfnisse fast ausschlie\u00dflich aus \u00c4gypten, die zur See mittelst der H\u00e4fen Yembo und Dschidda, der eigentlichen Tore der heiligen St\u00e4dte, dahin gebracht werden k\u00f6nnen, ohne sie unterwegs einer der Zuf\u00e4lligkeiten auszusetzen, welche mit einer 30- oder 40-t\u00e4gigen Landreise durch eine unfruchtbare und feindliche W\u00fcste von Syrien nach Mekka verbunden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahaby verweigerten es nicht, Pilgern von allen Weltgegenden her, den Eingang in die heiligen St\u00e4dte zu gew\u00e4hren. Sie hatten sich \u00f6ffentlich erboten, ihnen ihre friedliche Wanderung zu gestatten, sobald sie sich anst\u00e4ndig benehmen und nicht die vornehme Miene in diesen L\u00e4ndern behaupten w\u00fcrden, die verm\u00f6ge der nat\u00fcrlichen Beschaffenheit, des Charakters ihrer Einwohner und ihrer geographischen Lage zu einer arabischen und nicht zu einen t\u00fcrkischen Provinz geschaffen seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Mekka und Medinah sich den Wahaby angeschlossen hatten; nachdem selbst der Scherif dem Glauben derselben beigetreten war und offene Feindseligkeiten gegen die Pforte aus\u00fcbte; und nachdem endlich ganz Hedschaz seinem Beispiele folgte, war die nat\u00fcrlichste Ma\u00dfregel, die sich von selbst darbot, diejenige, alle fernere Zufuhr abzuschneiden und allen Schiffen aus Hedschaz die H\u00e4fen von Kosseir und Suez zu verschlie\u00dfen. Dass eine solche Ma\u00dfregel nicht w\u00e4hrend der Herrschaft der Mammelucken zur Ausf\u00fchrung gekommen war, wo eine allgemeine Ma\u00dfregel in \u00c4gypten \u00fcberhaupt gar nicht ergriffen werden konnte, und wo diese Beys, deren Einfluss vorherrschend war, betr\u00e4chtlichen Gewinn aus dem Handel mit Hedschaz zogen, dar\u00fcber d\u00fcrfen wir uns gar nicht wundern. Mit allem Grund aber darf man sich wundern, dass dieses Prohibitivsystem auch unter der Regierung Mohammed Alys vernachl\u00e4ssigt worden ist, der seit 1805 den Hafen von Suez und seit 1808 denjenigen von Koffeir besa\u00df, auch seinem Oberherrn auf das Festeste versprochen hatte, Hedschaz von den Wahaby wieder zu befreien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend dieser ganzen Zeit und selbst zu Anfang des Jahres 1810, als Mohammed Aly ernsthafte Anstalten machte, die Wahaby anzugreifen, langten zu Suez und Kosseir t\u00e4glich Schiffe aus Dschidda und Yembo an, die mit Getreide und Lebensmitteln f\u00fcr den Scherif, wie auch f\u00fcr Privatunternehmer, zur\u00fcckkehrten. Dieser Verkehr wurde auch nicht eher unterbrochen, als einige Monate vor dem Abgang der ersten Expedition von Suez gegen Arabien, wo man bef\u00fcrchtete, dass die Schiffe in diesem Hafen zum Transporte der Truppen in Beschlag genommen werden m\u00f6chten. Alle Zufuhr auch nur ein einziges Jahr lang abzuschneiden, w\u00fcrde f\u00fcr Hedschaz von den schlimmsten Folgen gewesen sein, wo es nicht gew\u00f6hnlich ist, sich \u00fcber zwei Monate lang zu verproviantieren; und die geringe Zufuhr aus Nedschid und Jemen w\u00fcrde eine Hungersnot nicht haben verhindern k\u00f6nnen. W\u00e4re diese wirklich eingetreten, so w\u00fcrde das Oberhaupt der Wahaby sicherlich gen\u00f6tigt worden sein, dem Gouverneur von \u00c4gypten sehr g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr die heilige Wallfahrt und f\u00fcr das ganze t\u00fcrkische Reich zuzugestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich die Armee der Wahaby, welche in Hedschaz stand, immer von der Zufuhr aus dem inneren Arabien h\u00e4tte subsistieren<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> k\u00f6nnen, so w\u00fcrde doch die Hungersnot in den heiligen St\u00e4dten diejenigen religi\u00f6sen Schw\u00e4rmer sehr afficiert<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> haben, die h\u00e4ufig ihre Verehrung f\u00fcr diese Orte und ihre R\u00fccksicht f\u00fcr die Einwohner derselben an den Tag gelegt hatten. Der Scherif selbst w\u00fcrde seinen ganzen Einfluss bei den Wahaby angewendet haben (und seit seiner Unterwerfung besa\u00df er bedeutenden Einfluss), um einen Zustand der Dinge zu endigen, der nicht nur seine eigenen Leute in gro\u00dfe Not brachte (worauf er vielleicht wenig R\u00fccksicht nahm), sondern auch ihn um einen gro\u00dfen Teil seines Einkommens aus dem Handel und den Z\u00f6llen gebracht haben w\u00fcrde, welche er von den nach \u00c4gypten gehenden, oder daher kommenden Artikeln erhob.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da nun eine so leichte und nat\u00fcrliche Ma\u00dfregel von Mohammed Aly nicht versucht wurde, so suchten seine Freunde diese Nachl\u00e4ssigkeit mit dem Vorgehen zu entschuldigen, dass es eine abscheuliche S\u00fcnde gewesen sein w\u00fcrde, im heiligen Lande eine Hungersnot zu erzeugen. Wer aber den Charakter des Paschas kennt, wei\u00df auch, dass eine solche R\u00fccksicht bei ihm von geringem Gewicht ist, w\u00e4hrend dagegen Personen, welche den Handel auf dem Roten Meere kennen, der Meinung sind, dass der Gewinn, welcher auf diesem Weg ihm zuflie\u00dft (er verkauft teils selbst Getreide und Lebensmittel zu Suez und Kosseir, teils erhebt er auch Z\u00f6lle), so betr\u00e4chtlich sind, dass er die Befehle seines Oberherrn in dieser Hinsicht unbefolgt gelassen hat, weil sie seinen Gewinn verringert, oder ganz vernichtet haben w\u00fcrden. Alle Nationen des t\u00fcrkischen Reiches stimmten darin \u00fcberein, dass sie die Wahaby verw\u00fcnschten und zu einer \u00e4hnlichen Unternehmung gegen diese Ketzer aufforderten, wie sonst die Kreuzz\u00fcge waren. Dennoch aber f\u00fchrten ihre Schiffe die Vorr\u00e4te \u00c4gyptens von Suez nach dem unfruchtbaren Hedschaz und verproviantierten auf diese Weise ihre eigenen Feinde, w\u00e4hrend auch Karawanen, mit Kriegsbed\u00fcrfnissen beladen, die gegen diese Feinde benutzt werden sollten, t\u00e4glich von Kairo in Suez anlangten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein europ\u00e4ischer Leser wird der Schilderung eines solchen albernen Benehmens und solcher elender halber Ma\u00dfregeln kaum Glauben schenken; aber ein Aufenthalt von einigen Jahren in der Levante wird die \u00dcberzeugung geben, dass, sobald ein t\u00fcrkischer Gouverneur den kleinsten, oder auch nur einen tempor\u00e4ren Verlust bef\u00fcrchtet, nichts ihn zu bewegen vermag, Ma\u00dfregeln von allgemeiner N\u00fctzlichkeit zu ergreifen. Seine Ansichten reichen nie \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Augenblick hinaus, w\u00e4hrend er die Interessen seines eigenen Oberherrn und die Wohlfahrt seiner Untertanen jeder Gewissheit des geringsten Geldvorteiles aufopfert. Aber eine Habsucht verfehlt oft ihr Ziel und tr\u00e4gt endlich zu seinem Untergange bei, oder gibt wenigstens ein Hindernis f\u00fcr seine eigenen Operationen ab.<\/p>\n<p>_________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> finanzielle<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zweck<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Schwarzes Brokatstofftuch, dass die Kaaba umh\u00fcllt und aus \u00c4gypten geliefert wurde<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> unabh\u00e4ngig versorgt werden<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> beeinflusst<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1606\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1606\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend meines Aufenthalts in Arabien habe ich mich \u00f6fters nach einer geschriebenen Geschichte der Wahaby erkundigt, indem ich es f\u00fcr wahrscheinlich hielt, dass irgendein gelehrter Mann von Mekka, oder Medinah ein solches Werk geschrieben haben k\u00f6nnte; aber meine Bem\u00fchungen waren fruchtlos. 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