{"id":1666,"date":"2012-12-14T18:50:00","date_gmt":"2012-12-14T18:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1666"},"modified":"2015-04-25T18:58:28","modified_gmt":"2015-04-25T18:58:28","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-4-kriegsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-4-kriegsberichterstattung\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.4 \u2013 Kriegsberichterstattung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Begum-Araber, die zum Teil Viehzucht und zum Teil Landbau treiben, wurden von einer Witwe, namens Ghalye, angef\u00fchrt, deren Ehemann einer der angesehensten M\u00e4nner zu Taraba war. Sie selbst besa\u00df mehr Reichtum, als irgendeine arabische Familie in der Nachbarschaft. Sie verteilte Geld und Lebensmittel unter alle Armen ihres Stammes, die sich bereit erkl\u00e4rten, gegen die T\u00fcrken zu fechten. Ihr Tisch war f\u00fcr alle rechtgl\u00e4ubigen Wahaby gedeckt, deren H\u00e4uptlinge in ihrem Hause beratschlagten; und da die alte Frau wegen ihres richtigen Urteils und genauer Kenntnis der Interessen der umgebenden St\u00e4mme ber\u00fchmt war, so wurde ihre Meinung nicht allein in den Beratschlagungen angeh\u00f6rt, sondern wurde auch in der Regel angenommen. In der Tat regierte sie die Begum, obschon dieselben dem Namen nach einen gewissen Ibn Khorschan zum H\u00e4uptling, oder Scheikh hatten. Seit der ersten Niederlage des Mustafa Bey in der N\u00e4he von Taraba war der Name Ghalye im ganzen Lande bekannt geworden. Die Furcht der t\u00fcrkischen Soldaten vergr\u00f6\u00dferte bald den Einfluss und die Wichtigkeit dieses Weibes. Sie betrachteten sie als das Oberhaupt der vereinigten Wahaby und erz\u00e4hlten die albernsten Geschichten \u00fcber ihre Macht als Zauberin, so z. B. dass sie mit allen Anf\u00fchrern der Wahaby ihre Gunstbezeigungen teile, die dadurch unsichtbar w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Diese Ger\u00fcchte trugen dazu bei, den Mut der Osmanen niederzuschlagen, und st\u00e4rkten dagegen das Selbstvertrauen der Beduinen. Dieser Umstand trug auch sehr wesentlich dazu bei, dass die Expedition des Tusun Pascha verungl\u00fcckte. Mohammed Aly beschloss endlich, einen zweiten Angriff zu machen, und Tusun Pascha wurde deshalb beordert, gegen Ende des Oktober, oder zu Anfange des Novembers 1813 mit zweitausend Mann von Tayf aufzubrechen und Taraba zu nehmen. Das Land zwischen dieser Stadt und Tayf war im Besitze der feindlichen St\u00e4mme Beni Sad, el Nasera und besonders im Besitze des Stammes Ateybe. So lange der Scherif regierte, hatten diese St\u00e4mme neutral zu sein geschienen, und mehrere ihrer Scheikhs waren sogar nach Mekka gekommen, um mit dem Pascha zu unterhandeln. Sobald aber letzterer den Scherif festgenommen hatte, flohen sie alle in ihre Gebirge zur\u00fcck und machten Angriffe gegen Tayf und gegen die t\u00fcrkischen Truppen, welchen sie die Treulosigkeit des Paschas zum Vorwurf machten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Tusun Tayf verlie\u00df, nahm er auf drei\u00dfig Tage Proviant mit, brachte aber den gr\u00f6\u00dferen Teil dieser Zeit mit einem erm\u00fcdenden Kriege gegen die Araber des Stammes Ateybe zu, die er in ihren Bergen herum jagte und auch einige ihrer Nebenzweige zur Unterw\u00fcrfigkeit brachte. Als er endlich vor Taraba angelangt war, hatte er nur noch Lebensmittel auf drei Tage \u00fcbrig. Die Truppen wurden befehligt, die Stadt sogleich anzugreifen; aber die Araber verteidigten ihre Mauern mit Mut und wurden durch die Gegenwart und die Ermahnungen der Ghalye begeistert, w\u00e4hrend die T\u00fcrken ohne alle Aussicht auf eine reiche Beute und erm\u00fcdet durch vorausgegangene Strapazen sich leicht zur\u00fcckschlagen lie\u00dfen. Tusun befahl einen zweiten Angriff f\u00fcr den folgenden Tag, aber seine Truppen weigerten sich offen, gegen die Ghalye zu k\u00e4mpfen; auch stellten ihm seine Offiziere den ersch\u00f6pften Zustand der Armee und den Mangel an Lebensmitteln vor, mit der Bemerkung, dass im Falle sie abermals zur\u00fcckgeschlagen w\u00fcrden, alle vor Hunger sterben m\u00fcssten. So bewogen sie ihn zu einem R\u00fcckzuge nach Tayf. Als die Beduinen seine Verlegenheit gewahr wurden, kamen sie, nachdem er den R\u00fcckweg angetreten hatte, aus ihrer Stadt hervor, dr\u00e4ngten seine Soldaten aufs Heftigste, besetzten die P\u00e4sse, durch welche er kommen musste, und plagten ihn so sehr, dass zuletzt die T\u00fcrken ihr ganzes Gep\u00e4ck, ihre Zelte, ihre Artillerie und ihren Proviant zur\u00fccklassen mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier zeichnete sich der schon r\u00fchmlich erw\u00e4hnte Schotte Thomas Keith abermals aus: mit Wenigen seiner Reiter nahm er dem Feinde wiederum eine Kanone ab und richtete sie so gut, dass die fl\u00fcchtigen T\u00fcrken Zeit erhielten, ein <em>Defil\u00e9<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><em><strong>[1]<\/strong><\/em><\/a> zu passieren, in welchem sie sonst wahrscheinlich umgekommen sein w\u00fcrden. Bei diesem R\u00fcckzuge wurden \u00fcber siebenhundert T\u00fcrken erschlagen; viele starben, weil es an Wasser und Lebensmitteln fehlte, denn schon vor Taraba war ein Pfund Zwieback bis zu einem Dollar gestiegen. Von g\u00e4nzlicher Vernichtung wurde die Armee durch etwa hundert Reiter gerettet, welche den Tusun Pascha begleiteten. Die Infanterie der Beduinen war nicht im Stande, den Angriff dieser schweren \u00e4gyptischen Kavallerie auszuhalten, die jedoch nur wenig Gelegenheit fand, mit Erfolg in diesen bergigen und felsigen Distrikten zu agieren. Die flinken und abgeh\u00e4rteten S\u00f6hne der W\u00fcste hatten gro\u00dfe Vorteile vor dem plumpen t\u00fcrkischen Infanteristen voraus, der nicht im Stande ist, viele Strapazen zu tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach gro\u00dfem viert\u00e4gigen Ungemach und nachdem Tusun Pascha mit genauer Not entkommen war, langte er mit dem Reste seiner Armee von Taraba in Tayf an. Der ungl\u00fcckliche Ausgang dieser Unternehmung ist haupts\u00e4chlich dem Mangel an Kamelen f\u00fcr den Transport der Mannschaft und des Proviants zuzuschreiben. Auch gab es zu Tayf keine Kamele mehr, welche ihm Mannschaft und Proviant h\u00e4tten zuf\u00fchren k\u00f6nnen. Mit seinem anderen Gewinn, als der Erfahrung, die sich aus Missgeschick ziehen l\u00e4sst, war Aly nach dieser wichtigen Niederlage gen\u00f6tigt, zu seiner fr\u00fcheren Besch\u00e4ftigung zur\u00fcckzukehren, n\u00e4mlich Karawanen zwischen Dschidda, Mekka und Tayf hin und her zu senden, indem er die \u00dcberzeugung hatte, dass alle Operationen gegen seine Feinde am besten von Tayf aus unternommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die Wahaby die T\u00fcrken bis auf eine Tagereise vor Tayf verfolgt hatten, kehrten sie nach Taraba zur\u00fcck und begannen wiederum, die Karawanen des Paschas mittelst fliegender Korps zu beunruhigen, sodass dieselben nur mit einer so zahlreichen Bedeckung ihrem Ziel entgegen schreiten konnten, dass vor der Erreichung desselben schon der dritte Teil des Proviants unterwegs verzehrt wurde. Mohammed Aly hielt sich teils in Mekka, teils in Dschidda auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 1813 ging die heilige Wallfahrt mit gro\u00dfem Pomp vor sich. Soleyman Pascha von Damaskus war mit der syrischen Karawane, ohne das geringste Hindernis, durch die W\u00fcste gekommen; aber die Beduinen, durch deren Gebiet sein Weg f\u00fchrte, n\u00f6tigten ihn, auf 10 Jahre den Durchgangstribut zu bezahlen, so lange n\u00e4mlich war die syrische Karawane g\u00e4nzlich ausgeblieben. Eine gro\u00dfe Zahl von Pilgern aus Kleinasien und Konstantinopel waren \u00fcber Suez und Dschidda nach Mekka gekommen, und die Bewohner der heiligen St\u00e4dte freuten sich schon, den Gewinn zur\u00fcckkehren zu sehen, den ihnen ehedem die Anwesenheit der Pilger gebracht hatte und dessen sie zum Teil durch die Wahaby beraubt worden waren. Mehrere 1000 Kamele waren auch aus Kairo dem Pascha mit der Pilgerkarawane nebst einer bedeutenden Truppenverst\u00e4rkung gesendet worden. Mustafa Bey wurde nach \u00c4gypten zur\u00fcckgesendet, um f\u00fcr die vielen verlorenen Pferde neue <em>Remonte<\/em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><em><strong>[2]<\/strong><\/em><\/a> zu holen. W\u00e4hrend des Winters 1813 und zu Anfang des Sommers 1814 blieb die t\u00fcrkische Armee ganz unt\u00e4tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem jede Expedition gegen den Feind fehlgeschlagen war, ausgenommen diejenige, wo Medinah genommen wurde, hielt es der Pascha f\u00fcr n\u00f6tig, eine <em>Diversion<\/em><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><em><strong>[3]<\/strong><\/em><\/a> nach einem neuen Plane zu versuchen, deren Erfolg seinen Truppen Mut einfl\u00f6\u00dfen und die Aufmerksamkeit der Wahaby vom Hauptpunkte des Angriffes abziehen sollte. Eine Seeunternehmung wurde zu Dschidda ausger\u00fcstet, durch 1500 Mann Infanterie und zahlreiche Transporte von Proviant unterst\u00fctzt. Dem Hossein Aga und dem Saym Oglu wurde das Kommando \u00fcber diese Macht anvertraut. Sie gingen nach Gonfode, einem Seehafen, sieben Tagereisen s\u00fcdlich von Dschidda und ehedem zum Gebiete des Scherif Ghaleb geh\u00f6rig, aber w\u00e4hrend der f\u00fcnf letzten Jahre im Besitze Tamys, des Scheikhs der Asyr-Araber, des st\u00e4rksten der Gebirgsst\u00e4mme s\u00fcdlich von Mekka und der eifrigsten Anh\u00e4nger der Wahaby. Die Lage von Gonfode schien vorteilhaft zu sein, um, in \u00dcbereinstimmung mit der Garnison von Tayf, Angriffe auf die Gebirgsbewohner zu machen; und da der Ort leicht verproviantiert werden konnte, auch schon ein Schritt zur Eroberung von Jemen war, dessen Reichtum ohne Zweifel auf Mohammed Aly eine starke Anziehungskraft \u00e4u\u00dferte, so war der Plan im Ganzen gar nicht \u00dcbel. Gonfode, wo Tamy nur eine schwache Garnison hielt, wurde im M\u00e4rz 1814 ohne Blutvergie\u00dfen genommen; aber die meisten Einwohner waren entflohen. Ein Korps von 400 Mann Kavallerie r\u00fcckte von Dschidda aus, sobald die Einnahme der Stadt bekannt war. Gonfode war hinl\u00e4nglich mit einer Mauer befestigt, um einem Feinde Widerstand leisten zu k\u00f6nnen, dem es, wie den Wahaby, an Artillerie fehlte; aber es hatte in seinem Weichbild kein Wasser, und die Brunnen, welche der Stadt ihren Wasserbedarf liefern, liegen drei Stunden weit am Fu\u00dfe der Gebirge. Man h\u00e4tte m\u00fcssen an diesen Brunnen Befestigungen anlegen und den Weg von da bis zur Stadt durch eine befestigte Linie, oder durch Batterien sch\u00fctzen, indem die T\u00fcrken eine Menge Artillerie bei sich hatten; aber solche Vorsichtsma\u00dfregeln fallen dem stupiden Verstand eines Osmanenanf\u00fchrers, der an den n\u00e4chsten Augenblick gar nicht denkt, niemals ein. So wurden auch die Brunnen von Dschidda, welche eine halbe Stunde von dieser Stadt entfernt liegen, best\u00e4ndig ohne alle Verteidigung gelassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An die Brunnen von Gonfode wurden 150 Arnauten gestellt, nicht sowohl, um sie gegen den Feind zu sch\u00fctzen, als um die benachbarten Araber und die Bewohner des Landes zu verhindern, ihr Vieh zu tr\u00e4nken. Nachdem die T\u00fcrken etwa einen Monat ganz unt\u00e4tig zu Gonfode geblieben waren, wurden sie zu Anfange des Mai von 8 bis 10000 Wahaby unter der Anf\u00fchrung Tamys \u00fcberfallen. Die Arnauten an den Brunnen wurden zuerst angegriffen. Einige von ihnen fochten sehr tapfer bis gegen Abend, die anderen flohen nach der Stadt und verbreiteten eine allgemeine Best\u00fcrzung. Ohne nur den geringsten Widerstand zu versuchen, eilte der von panischem Schrecken ergriffene Befehlshaber, nebst den meisten seiner Truppen, nach den Schiffen, die im Hafen lagen, w\u00e4hrend die Wahaby in die Stadt drangen und viele Soldaten und Sklaven t\u00f6teten, die zur t\u00fcrkischen Armee geh\u00f6rten, sich aber nicht in Boote retten und auch nicht schwimmen konnten. Viele von ihnen wurden sogar noch im Wasser, nahe an den Schiffen, von den ihnen nachschwimmenden Wahaby erschlagen. Der t\u00fcrkische Befehlshaber sah sich kaum am Bord seines Schiffes, als er die Segel zu spannen befahl und alle diejenigen einem sicheren Tode \u00fcberlie\u00df, die nicht zu Wasser entkommen konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemals hatten die Wahaby so reiche Beute gefunden, als zu Gonfode. Das ganze Gep\u00e4ck, betr\u00e4chtliche Vorr\u00e4te und alle Kanonen fielen ihnen in die H\u00e4nde, indem wenige T\u00fcrken mehr mit sich genommen hatten, als die Kleider, welche sie am Leibe trugen. Aber der wichtigste Teil der Beute waren 400 Pferde und eine betr\u00e4chtliche Zahl Kamele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Schiffe schlecht mit Wasser, oder Proviant versorgt waren, so starben viele t\u00fcrkische Soldaten und Matrosen auf dem Wege nach Dschidda. Aber man versichert, dass der Befehlshaber, Saym Oglu, regelm\u00e4\u00dfig seine H\u00e4nde in s\u00fc\u00dfem Wasser wusch, w\u00e4hrend seine ungl\u00fccklichen Begleiter vor Durst umkamen. Er wurde indessen, als die Expedition zu Dschidda ankam, zum Gouverneur dieses Platzes gemacht. Die wenigen Soldaten, welche den Tag \u00fcber bei Gonfode gefochten hatten, versuchten es des Nachts, sich durch die Flucht zu retten, und zw\u00f6lf von ihnen erreichten Mekka, wo sie von Mohammed Aly belohnt wurden und auch die Erlaubnis erhielten, unter ein anderes Korps zu gehen, da sie sich vorgenommen hatten, niemals wieder unter dem Befehle des Saym Oglu zu dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu der Zeit, wo die Expedition nach Gonfode unternommen wurde, war Mohammed Aly nach Tayf gegangen, wegen des gesunden Klimas dieser Stadt; auch w\u00fcnschte er dem Schauplatz der T\u00e4tigkeit und dem Aufenthalte der Beduinen n\u00e4her zu sein, um Versuche zu machen, einen freundschaftlichen Verkehr mit ihnen wiederum herzustellen. Im Junius 1814 langte ein Korps von 1500 Soldaten, die beste Infanterie \u00c4gyptens aus Kairo, unter dem Befehl des Hassan Pascha an, welcher ein ber\u00fchmter Arnautenanf\u00fchrer und treuer Anh\u00e4nger Mohammed Alys war, auch dessen Schicksal schon fr\u00fcher geteilt hatte, noch ehe derselbe Pascha von \u00c4gypten geworden war. Hassan und sein Bruder Abdin Bey, der oben bereits erw\u00e4hnt worden ist, hatten Ober\u00e4gypten zur Unterw\u00fcrfigkeit gebracht und waren nachher dem Mohammed Aly bei der Ermordung der Mammelucken zu Kairo behilflich gewesen; denn letztere Tat wurde g\u00e4nzlich von Arnauten ausgef\u00fchrt. Er hatte auch neuerlich seinen Eifer bekundet, als eine kurze Revolution entstand, w\u00e4hrend der Pascha von Kairo abwesend war. Im Dezember 1813, oder im darauf folgenden Januar hatte Latif Pascha einigen Verdacht erregt. Dieser Mann, einst Mammelucke Mohammed Alys, war mit Ismayl Pascha abgesendet worden, um dem Gro\u00dfsultan die Schl\u00fcssel von Mekka und Medinah zu \u00fcberreichen. Von letzterem war er, aus Artigkeit gegen seinen Patron, Mohammed Aly, zu einem Pascha von zwei Rossschweifen ernannt worden. Ein Ger\u00fccht verbreitete sich in Kairo, dass Mohammed tot sei, und das Benehmen des Latif Pascha rechtfertigte den Verdacht, dass er die Absicht habe, sich der Regierung zu bem\u00e4chtigen. Es wurde sogar \u00f6ffentlich verbreitet, dass er einen Firman von der Pforte erhalten habe, in welchem er autorisiert werde, so zu handeln, sobald sich eine Gelegenheit darbieten w\u00fcrde. Der zur\u00fcckgelassene Gouverneur ergriff, in Verbindung mit Hassan Pascha, sogleich Ma\u00dfregeln, diese Revolution zu unterdr\u00fccken. Sie belagerten drei Tage lang den Palast des Latif Pascha, welcher bald nachher, als Bauer verkleidet, ergriffen und gek\u00f6pft wurde. Auf diese Weise stellten sie die Ruhe wieder her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Hassan Pascha in Hedschaz angelangt war, beorderte ihn Mohammed Aly, sein Hauptquartier zu Kolach, einem kleinen Dorfe, acht oder neun Stunden \u00f6stlich von Tayf an dem Wege nach Taraba, zu nehmen. Dieses Dorf lag in einer Ebene jenseits der gro\u00dfen Bergkette, und zahlreiche Brunnen machten es zu einer h\u00f6chst wichtigen Position. Es war einigerma\u00dfen befestigt. Tusun Pascha, welcher sich das Missfallen seines Vaters durch seinen un\u00fcberlegten Angriff auf Taraba zugezogen hatte, blieb in Mekka.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um diese Zeit kam ich selbst von Sowakin nach Dschidda. Der Zustand der t\u00fcrkischen Angelegenheiten in Hedschaz schien keineswegs einen g\u00fcnstigen Ausgang des Krieges zu versprechen. Unzufriedenheit und Mutlosigkeit waren unter den Soldaten allgemein verbreitet. Die wiederholten Siege, welche der Feind erfochten hatte, und der sichere Tod, welcher alle t\u00fcrkische Gefangene erwartete, machte den blo\u00dfen Namen der Wahaby zum Schrecken f\u00fcr die Truppen des Paschas. Die Entlohnung, welche in \u00c4gypten ausreichend war f\u00fcr alle Bed\u00fcrfnisse des Soldaten, setzte ihn in Hedschaz kaum in den Stand, sich vor Hunger zu sch\u00fctzen. Zu Tayf und Medinah stiegen die Preise aller Bed\u00fcrfnisse bald so hoch, dass der Soldat kaum im Stande war, zu seiner einzigen Nahrung s\u00e4ttigendes Brot und Zwiebeln zu kaufen, und dabei war immer eine drei-, ober viermonatliche Entlohnung im R\u00fcckstand. Selbst in Dschidda und Mekka war alles um 250 Prozent teurer, als in \u00c4gypten, sodass jedermann, welcher vor seiner Ankunft in Hedschaz etwas Geld erspart hatte, es f\u00fcr den Ankauf der unentbehrlichsten Lebensbed\u00fcrfnisse wieder ausgeben musste. Die Soldaten wurden \u00fcbrigens in \u00e4gyptischen Piastern bezahlt, einer schlechten M\u00fcnze, welche in Hedschaz weit geringeren Wert, als in Kairo hatte, sodass die Soldaten allein an dieser M\u00fcnze den dritten Teil des Betrages ihrer Entlohnung verloren. Viele verkauften ihre Feuergewehre und Kleider, und alle litten durchg\u00e4ngig gro\u00dfe Not. Um eine Erleichterung derselben k\u00fcmmerte sich indessen Mohammed Aly nie. Viele Soldaten, Kameltreiber, Dienstboten und K\u00fcnstler b\u00fc\u00dften lieber ihre Entlohnung ein und schifften sich in Dschidda und Yembo nach Kairo ein; aber der Pascha verbot dieses bald unter schweren Strafen. Dieses Verbot war allen sehr unangenehm. Ein t\u00fcrkischer Soldat ist immer ein Freiwilliger und kann sich aus dem Dienste zur\u00fcckziehen, sobald es ihm gef\u00e4llt; aber in Hedschaz fanden sich die Soldaten wie Gefangene behandelt. Viele verlie\u00dfen ihre Standorte Tayf und Mekka und kamen heimlich nach Dschidda, in der Hoffnung, an Bord eines Schiffes entfliehen zu k\u00f6nnen. Wurde dieses entdeckt, so pflegte man sie in Ketten nach ihren Standquartieren zur\u00fcckzubringen. Auf der Stra\u00dfe von Dschidda nach Mekka habe ich einst selbst mehr, als 30 Soldaten begegnet, welche mit einem langen Seil an den Armen zusammengebunden waren, \u2014 eine Beschimpfung, welche diese stolzen Osmanen nie vergessen konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesen Ursachen der Unzufriedenheit muss man noch die ungesunde Luft und das schlechte Wasser hinzuf\u00fcgen, wodurch die Niederungen der K\u00fcste von Hedschaz zu einem der schlechtesten Himmelsstriche werden, die ich nur kenne. Sehr wenige Soldaten sind dem Einfluss dieses Klimas entgangen, und nach einer m\u00e4\u00dfigen Berechnung war der vierte Teil von ihnen dienstunf\u00e4hig. Mutlosigkeit, eine Folge der Krankheit und der mangelnden Aussicht auf Besserung, nahm allgemein \u00fcberhand. Mohammed Aly vernachl\u00e4ssigte auch jedes Mittel, seinen Soldaten Mut einzufl\u00f6\u00dfen und sie wieder zu beleben, indem er n\u00e4mlich ihre Entlohnung erh\u00f6ht und Belohnungen unter diejenigen verteilt h\u00e4tte, die sich bis jetzt ausgezeichnet hatten. Die Entlohnung wurde aber nicht erh\u00f6ht, auch bestand solche Unordnung im Finanzfach der Armee, dass jeder Vorgesetzte im Stande war, seinen Untergebenen einen Teil ihrer Entlohnung zu entziehen, gegen welche Ungerechtigkeit keine Hilfe zu erlangen war. Wegen Mangel an t\u00fcrkischen Rekruten waren eine Menge \u00e4gyptischer Fellah&#8217;s von den Beamten, bei welchen sie als Dienstboten lebten, einge\u00fcbt worden, um die in der Armee entstandenen L\u00fccken auszuf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mohammed Aly war vielleicht die einzige Person seines ganzen Hofes und der Armee, welche unter diesen Umst\u00e4nden am endlichen Erfolge nicht verzweifelte, er wusste auch, dass sein Untergang und seine Vertreibung aus \u00c4gypten gewiss erfolgen werde, wenn es ihm nicht gelingen sollte, irgendeinen ausgezeichneten Vorteil in Arabien zu erringen. Seit seiner Ankunft zu Tayf hatte er den Versuch gemacht, wiederum einen freundlichen Verkehr mit den Beduinen anzukn\u00fcpfen und erreichte in dieser Hinsicht durch Geld und Geduld teilweise seinen Zweck. Im August 1814 traten die St\u00e4mme Hodeyl, Thekyf, Beni Sad und ein Teil des Stammes Ateybe mit ihm in eine neue Verbindung. Die drei ersteren hatten ihre Wohnsitze zwischen Mekka und Tayf, und der letztere weiter nach Osten hin. Ihre Scheikhs waren in sein Hauptquartier gekommen, und 500 ihrer Araber hatten sich unter Mohammed Alys Fahnen versammelt, der ihnen fast doppelt so viel Entlohnung gab, als seinen eigenen Soldaten. Als ich im August 1814 w\u00e4hrend meines Aufenthalts zu Tayf h\u00e4usig im Hauptquartier war, langten t\u00e4glich Beduinen-H\u00e4uptlinge an und konnten darauf rechnen, mit einem ganzen Anzug beschenkt zu werden. Die gro\u00dfen Scheikhs bekamen Geld, so oft sie sich einstellten. Viele von ihnen nahmen das Geld, kehrten in ihre Zelte zur\u00fcck und teilten den Wahaby alles mit, was sie zu Tayf gesehen hatten. Andere blieben neutral; und der Pascha hielt es f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig, um nur einige auf seine Seite zu ziehen, allen gute Worte und Geschenke zu geben. Er h\u00f6rte den Gespr\u00e4chen und den oft t\u00e4uschenden Versicherungen der Beduinen mit einem Grade der Geduld und einer, dem Anscheine nach, guten Laune zu, wie man dieses bei Osmanen von einigem Rang gar nicht zu finden pflegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die S\u00f6hne der W\u00fcste redeten ihn auf eine sehr plumpe und unzeremoni\u00f6se Weise an, indem sie ihn blo\u00df bei seinem Namen, Mohammed Aly, nannten. Eines Tages kam ein Beduine vom Stamm Ateybe zum Pascha, k\u00fcsste seinen Bart, und rief aus: &#8222;Ich habe die Religion der Moslim (oder der echten Gl\u00e4ubigen, wie sich die Wahaby nennen) verlassen, und die Religion der Ketzer angenommen (so nennen n\u00e4mlich die Wahaby alle Mohammedaner, welche nicht ihres Glaubens sind), ich habe die Religion Mohammed Alys angenommen.&#8220; Diese unbeabsichtigte Grobheit verursachte allgemeines Gel\u00e4chter, und der Pascha lie\u00df dem Araber durch seinen Dolmetscher antworten (denn er verstand nur unvollkommen die arabische Sprache): &#8222;Ich hoffe, du wirst immer ein treuer Ketzer bleiben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Pascha und seine obersten Beamten blieben fast g\u00e4nzlich unwissend in demjenigen, was die St\u00e4rke, die Interessen und die Privatgeschichte der umgebenden St\u00e4mme anlangt, und hatten keine Lokalkenntis des Gebietes dieser St\u00e4mme, sodass die Beduinen keiner Ma\u00dfregel ihres neuen Bundesgenossen gro\u00dfes Vertrauen schenken konnten. Der Pascha gewann dennoch t\u00e4glich mehr an Einfluss, und die Verschwendung, mit welcher er ringsum Dollars ausstreute, wurde selbst bis ins Herz der Heere der Wahaby empfunden; und obschon ich zweifele, dass irgendein Beduine dem Interesse des Paschas aufrichtig zugetan gewesen sei, so benahmen sich doch sehr viele gerade so, als ob dieses wirklich der Fall sei, und stellten wenigstens jede Feindseligkeit ein, um Beweise seiner Freigebigkeit zu erhalten. Selbst Scherif Radscheh, welcher an der Spitze der Feinde des Paschas stand und sich bei den Wahaby w\u00e4hrend des Angriffes, welchen Tusun Pascha auf Taraba machte, pers\u00f6nlich ausgezeichnet hatte, machte jetzt Vorschl\u00e4ge, zu Mohammed Aly zur\u00fcckzukehren, indem er Gr\u00fcnde hatte, mit seinen Nebenh\u00e4uptlingen unzufrieden zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis jetzt bewies das Benehmen des Paschas, dass Scherif Ghaleb unter den H\u00e4uptlingen in Hedschaz der einzige Mann gewesen sei, den er pers\u00f6nlich hasste; und Radscheh konnte aufs Deutlichste dartun, dass er die Sache des Paschas blo\u00df aus Furcht, Ghalebs Schicksal zu teilen, verlassen habe. Im September kam er nach Tayf, und Mohammed Aly empfing ihn \u00e4u\u00dferst huldreich, \u00fcbergab ihm auch wieder die Anf\u00fchrung seiner Beduinen-Soldaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer der herablassenden H\u00f6flichkeit, welche Mohammed Aly in seinem Verkehre mit den Beduinen anwendete, hatte er auch alles getan, was nur in seiner Macht stand, um sich die Einwohner von Hedschaz geneigt zu machen. Viele kleine Auflagen, welche noch vom Scherif herr\u00fchrten, wurden abgeschafft; die Z\u00f6lle zu Dschidda auf verschiedene Gegenst\u00e4nde, besonders auf Kaffee, wurden vermindert; gro\u00dfe Geldsummen, wie auch gro\u00dfe Getreidequantit\u00e4ten wurden unter die D\u00fcrftigen und Armen aller Art verteilt. Die Gelehrten und diejenigen, welche an den Moscheen und Schulen angestellt waren, erhielten Geschenke. Die heiligen Orte zu Mekka wurden wieder repariert, und w\u00e4hrend seines Aufenthaltes in dieser Stadt beobachtete der Pascha sehr p\u00fcnktlich die unbedeutenden und langweiligen Gebr\u00e4uche, die denen vorgeschrieben sind, welche die Kaaba besuchen, und welche zu Kairo ihm Stoff zum Spotte gegeben haben w\u00fcrden. Zu Kairo gab er sich in der Tat nicht die geringste M\u00fche, seine skeptischen, oder vielmehr atheistischen, Grunds\u00e4tze zu verbergen. Die t\u00fcrkischen Soldaten erhielten durch ganz Hedschaz den Befehl, sich jeder beleidigenden Sprache gegen die Eingeborenen zu enthalten, und es erfolgten sogar harte Strafen, wenn sie die tyrannischen Handlungen zu begehen wagten, die in \u00c4gypten so h\u00e4ufig vorzufallen pflegen. Kein Soldat durfte sich unterstehen, etwas auf dem Markt mit Gewalt, oder um den halben Preis zu nehmen; denn, sobald beim Pascha, oder seinen Beamten dar\u00fcber Beschwerde gef\u00fchrt wurde, waren die Eingeborenen immer die beg\u00fcnstigte Partei. So wurde nach und nach das strenge Vorurteil der Araber gegen alle Fremden immer schw\u00e4cher, und der Pascha kam in den Ruf der Gerechtigkeit und Mildt\u00e4tigkeit, \u2014 Eigenschaften, auf welche er in \u00c4gypten nicht den geringsten Anspruch machen durfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai 1814 starb Saud am Fieber, einer Krankheit, welche in Nedschid sehr herrschend ist. An ihm verloren die Wahaby einen unerm\u00fcdlichen Anf\u00fchrer, welcher alle die notwendigen Talente f\u00fcr die ausgezeichnete Stellung besa\u00df, die ihm zuteil geworden war. Seine letzten Worte sollen an seinen Sohn Abdallah gerichtet gewesen sein und den Rat enthalten haben: \u201eMit den T\u00fcrken nie in freier Ebene sich in eine Schlacht einzulassen&#8220;, \u2014 ein Grundsatz, welcher, wenn er streng befolgt worden w\u00e4re, ohne Zweifel den Wahaby die Wiedereroberung von Hedschaz gesichert haben w\u00fcrde. Abdallah, sein \u00e4ltester Sohn, welchem schon die bedeutendsten H\u00e4uptlinge der Wababy w\u00e4hrend Sauds Leben sich unterworfen hatten, erbte jetzt die oberste Autorit\u00e4t. Es entstand indessen einiger Zwiespalt. Saud hatte mehrere Br\u00fcder, welche Anspr\u00fcche auf seine Sch\u00e4tze machten, und einer dieser Br\u00fcder, namens Abdallah, hatte eine starke Partei der Ulama zu Derayeh auf seiner Seite. Aber nach einigen kurzen Feindseligkeiten wurde Abdallah, der Sohn Sauds, als Oberhaupt der Wahaby anerkannt. Was Mut und Kriegskunst anlangte, besa\u00df er einen gr\u00f6\u00dferen Ruf, als sein Vater; nur verstand er nicht so, wie letzterer, die politischen Angelegenheiten der ihm untergebenen St\u00e4mme zu leiten, sodass die gro\u00dfen Scheikhs derselben die Miene der Unabh\u00e4ngigkeit anzunehmen begannen. Dies schw\u00e4chte die allgemeine St\u00e4rke. Die s\u00fcdlichen Wahaby, welche jetzt den Angriffen am meisten ausgesetzt waren, fanden sich nicht von den n\u00f6rdlichen St\u00e4mmen unterst\u00fctzt, deren Reiterei ihnen von gro\u00dfer Hilfe gewesen sein w\u00fcrde; und selbst die s\u00fcdlichen Scheikhs waren miteinander uneinig, sodass der Pascha es mehr mit einzelnen St\u00e4mmen, als mit einer kombinierten Macht zu tun hatte. Dieser Mangel an Einheit muss vielleicht der Verachtung zugeschrieben werden, in welcher die t\u00fcrkischen Truppen bei ihren Feinden standen.<\/p>\n<p>_____________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Durchmarsch<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> milit\u00e4risch ausgebildete Ersatzpferde<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ablenkung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Begum-Araber, die zum Teil Viehzucht und zum Teil Landbau treiben, wurden von einer Witwe, namens Ghalye, angef\u00fchrt, deren Ehemann einer der angesehensten M\u00e4nner zu Taraba war. Sie selbst besa\u00df mehr Reichtum, als irgendeine arabische Familie in der Nachbarschaft. 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