{"id":1670,"date":"2013-07-29T19:02:37","date_gmt":"2013-07-29T19:02:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1670"},"modified":"2015-04-25T19:05:02","modified_gmt":"2015-04-25T19:05:02","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-6-kriegsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-6-kriegsberichterstattung\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.6 \u2013 Kriegsberichterstattung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es wurden augenblicklich mit der Nachricht des Sieges Boten nach Konstantinopel und Kairo abgesendet, und durch ganz Hedschaz wurden die T\u00fcrken \u00fcberm\u00fctig und kehrten wieder zu ihrer nationalistischen Unversch\u00e4mtheit und zu ihrem Stolze zur\u00fcck, den sie neuerdings einigerma\u00dfen abgelegt hatten. Die Einwohner von Hedschaz waren mittlerweile zwar froh, gegen eine zweite Eroberung von Seiten der Wahaby sicher gestellt zu sein, \u00e4rgerten sich aber dar\u00fcber, dass Araber von T\u00fcrken besiegt worden und schauderten vor den Grausamkeiten, welche diese Sieger w\u00e4hrend und nach der Schlacht ausge\u00fcbt hatten. Die 300 Gefangenen, denen Pardon versprochen worden war, sendete Mohammed Aly nach Mekka und feierte, als ein echter t\u00fcrkischer Eroberer, seinen Triumph auf die Weise, dass er 50 derselben vor den Toren von Mekka spie\u00dfen lie\u00df; 12 derselben mussten denselben schrecklichen Tod vor den 10 Kaffeeh\u00e4usern und an den Ruheorten zwischen Mekka und Dschidda erdulden, und die \u00fcbrigen vor dem Tore der Stadt Dschidda, welches nach Mekka f\u00fchrt. Hier blieben sie, bis die Hunde und Raubv\u00f6gel ihre Leichname verzehrt hatten. Wenn sich die T\u00fcrken an dieser emp\u00f6renden und abscheulichen Tat erg\u00f6tzten, die sie einen kriegerischen Triumph nannten, so dr\u00fcckten dagegen alle mit ihnen alliierten Beduinen unverhohlen ihren h\u00f6chsten Abscheu aus; Scherif Radscheh hatte sich alle M\u00fche gegeben, den Pascha davon abzubringen, jedoch vergebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Vier Tage nach der Schlacht langte Mohammed Aly mit geh\u00f6riger Schnelligkeit vor Taraba an, welche Stadt Faysal bei der Ann\u00e4herung der T\u00fcrken verlie\u00df. Die von ihren Alliierten verlassenen Einwohner kapitulierten, und der Pascha schlug an diesem Ort einige Zeit lang sein Hauptquartier auf. Die T\u00fcrken pl\u00fcnderten einige H\u00e4user und schleppten einige sch\u00f6ne arabische Weiber fort, die indessen auf Befehl des Paschas ihren Familien wiedergegeben wurden. Ghalye hatte sich zu den Beduinen gefl\u00fcchtet. Man h\u00e4tte sie gern als eine Troph\u00e4e nach Konstantinopel gesendet, aber keine Art von Vorschlagen konnte sie zur R\u00fcckkehr, oder dazu bewegen, den Anerbietungen der T\u00fcrken zu trauen. Unmittelbar nach dem Siege bei Byssel befehligte der Pascha den Scherif Yahya, zu Lande mit seinen Arabern nach Gonfode zu gehen, und er verst\u00e4rkte sein Korps mit den Truppen des Mahu Bey. Es wurde auch Befehl nach Dschidda gesendet, mehrere Transporte mit Proviant nach Gonfode abzusenden. Da die Hauptst\u00e4rke seiner Feinde in den s\u00fcdlichen Provinzen enthalten war, so beschloss Mohammed AIy, den Krieg auf dem Gebiete seiner Feinde zu f\u00fchren und ihren ganzen Anhang zu vertilgen. Was nur an Vorr\u00e4ten zu Kolach noch aufgetrieben werden konnte, wurde auf die 5, oder 6000 Kamele geladen, welche die Armee von Mekka aus mitgenommen hatte; ferner auf eine fast ebenso gro\u00dfe Zahl, die nach der Schlacht Beute gemacht worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Armee marschierte von Taraba aus durch das Gebiet der Araber des Stammes Oklob in s\u00fcdlicher Richtung nach Rannye und durchzog zwei Tage lang eine Ebene, welche von den Arabern des Stammes Sabya bewohnt wird, deren Scheikh, Ibn Katnan, hier ein kleines Kastell angelegt hatte, welches sich \u00fcbergab. Vier Tagereisen von hier kamen sie in den Distrikt Beische, eine fruchtbare Landschaft, die dem m\u00e4chtigen Stamme der Ben Salem geh\u00f6rte, deren H\u00e4uptling, Ibn Schokban, ein wichtiger Mann im Heere der Wahaby war. Hier waren auf den ausdr\u00fccklichen Befehl Sauds zwei kleine Kastell angelegt, indem er alle Hauptpositionen dieser L\u00e4nder auf \u00e4hnliche Weise befestigt hatte. Ibn Schokban hatte sich nach der verlorenen Schlacht zu den Zelten einiger benachbarten Beduinen des Stammes Kahtan gefl\u00fcchtet. Eins dieser Kastell \u00f6ffnete seine Tore und in dem anderen verteidigte sich Ibn Schaban. ein zweiter H\u00e4uptling der Beni Salem, vier Tage lang gegen die ganze t\u00fcrkische Infanterie, welche von Hassan Pascha befehligt wurde, w\u00e4hrend Mohammed Aly mit seiner Reiterei in den Dattelw\u00e4ldern auf der s\u00fcdlichen Seite von Beische seine Stellung genommen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Schaban wurden Kapitulationsvorschl\u00e4ge mit dem Versprechen des sicheren Geleits gemacht. Diese nahm er ungl\u00fccklicher Weise an und verlie\u00df mit seiner Garnison von ungef\u00e4hr 60 Mann das Kastell, empfing auch Kamele zum Transport seines Gep\u00e4cks. Nachdem er aber zum Zelte des Hassan Pascha gegangen war, um demselben seine Aufwartung zu machen, warf ihm dieser fanatische T\u00fcrke Ketzerei vor. Schaban verteidigte k\u00fchn seine Meinungen und gab den Vorwurf zur\u00fcck, wor\u00fcber Hassan Pascha so w\u00fctend wurde, dass, als Schaban mit seinen Leuten das Zelt verlassen hatte, er seinen Soldaten befahl, \u00fcber diese Araber herzufallen, worauf sie dann alle niedergemetzelt wurden. Von solchen sch\u00e4ndlichen Vorf\u00e4llen, die sich h\u00e4ufig ereignen, pflegt die t\u00fcrkische Regierung niemals Notiz zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Armee blieb etwa 14 Tage in Beische, der wichtigsten Position in dem Lande \u00f6stlich von den Gebirgen Jemens, und deshalb auch von den n\u00f6rdlichen Beduinen der Schl\u00fcssel Jemens genannt. Hier schlossen sich an den Pascha viele Beduinen an. Alle diejenigen, welche mit den Wahaby unzufrieden waren und alle die Verwandten derjenigen Scheikhs, die abgesetzt worden waren, kamen jetzt zu Mohammed Aly, um bei ihm Hilfe zu suchen. Er ahmte das System Sauds nach und \u00e4nderte \u00fcberall die H\u00e4uptlinge der St\u00e4mme, wodurch er sich eine starke Partei machte. Hier erfuhr er, dass Tamy abermals eine betr\u00e4chtliche Armee in seinen Bergen gesammelt habe und entschlossen sei, zum zweiten Male ein Treffen zu wagen. Mohammed Aly richtete nun seinen Marsch nach dem Gebiete Tamys und wendete sich von Beische nach Westen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diesem Marsch hatte seine Armee gro\u00dfen Hunger und Strapazen auszustehen. Die H\u00e4lfte der Kamele war bereits vor der Ankunft der Truppen zu Beische umgekommen, und viele Pferde hatten ein gleiches Schicksal gehabt. Die Vorhut reinigte schon die ganze Stra\u00dfe von jedem H\u00e4lmchen Gras, sodass die Nachfolgenden nichts, als eine unfruchtbare W\u00fcste fanden. Als die T\u00fcrken nahten, flohen die Araber nach allen Richtungen mit ihrem Vieh und ihren Lebensmitteln, w\u00e4hrend die Beduinen selbst, die der Armee folgten, die allgemeine Unordnung benutzten und manche Ladungen entwendeten. So oft man Halt machte, fielen eine Menge Kamele, und ihr Fleisch wurde von den Soldaten gierig verzehrt. Der letzte Zwieback war zu Beische verteilt worden, und nach der Zeit blieb es jedem \u00fcberlassen, sich zu verproviantieren, wie es nur gehen wollte. Der Pascha fand es n\u00f6tig, den Truppen t\u00e4glich einen Piaster zuzulegen, aber dieser Zuschuss gew\u00e4hrte wenig Hilfe in einer Gegend, wo so viel in Brot verwandeltes Getreide, als den Hunger eines Mannes ein einziges Mal zu stillen vermochte, 12 Piaster kostete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Tagereisen von Beische erreichte die Armee ein gebirgiges Land, welches von seinen Bewohnern fast g\u00e4nzlich verlassen war. Unter den Arabern des Stammes Schomran genossen die T\u00fcrken einige Tage Ruhe. Hassan el Sulsan, ein Beduinenh\u00e4uptling, stammte von einem Manne ab, welcher vor 300 Jahren, als Othman Pascha Jemen unter der Regierung Selim des Gro\u00dfen eroberte, an die Spitze dieses Stammes gesetzt worden war, und Mohammed Aly setzte ihn wieder in die alten Rechte seiner Familie ein. Hier fielen in einem Tage 100 Pferde. Die Soldaten wurden unzufrieden; da sie aber wohl einsahen, dass ein R\u00fcckzug unvermeidliches Verderben bringen m\u00fcsse, so schritten sie immer vorw\u00e4rts. Der Pascha lie\u00df alle seine Anf\u00fchrer absteigen und an der Spitze ihrer Korps zu Fu\u00dfe marschieren. Seinen Soldaten versprach er gl\u00e4nzende Beute bei der Pl\u00fcnderung der St\u00e4dte Jemens und suchte sie auf diese Weise bei Mut zu erhalten. An jedem Rastort wurde vor dem Zelte des Paschas ein Markt gehalten, wo die alliierten Beduinen den Truppen verkauften, was sie unterwegs den Arabern hatten abnehmen k\u00f6nnen. Der Pascha selbst f\u00fchrte den Vorsitz und hielt auf strenge Ordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dem Gebiete der Asyr-Araber boten die steilen Berge dem Transporte der Artillerie gro\u00dfe Schwierigkeiten dar. In dieses Gebiet r\u00fcckte die t\u00fcrkische Armee 12, oder 14 Tage nach ihrem Ausmarsch aus Beische ein und rastete in der N\u00e4he des Kastells, namens Tor, welches auf einer Anh\u00f6he stand und von Bergen umgeben war. Abu Nokta, der Vorfahr Tamys, hatte dasselbe erbaut, und es galt f\u00fcr so fest, dass eine arabische Macht es nicht zu nehmen verm\u00f6ge. Hier hatte Tamy 8 bis 10.000 Mann versammelt, welche der Pascha angriff. Die t\u00fcrkischen Truppen wurden aber, wie bei Byssel, den ersten Tag zur\u00fcckgeschlagen. Die Asyr feuerten unaufh\u00f6rlich, und es waren 300 T\u00fcrken geblieben. Man sah den Tamy zu Pferde vor der Front seiner Krieger, durch Kriegsges\u00e4nge sie ermutigend. Als die Feldschlangen den zweiten Tag ihre Wirkung tun konnten, wichen die Wahaby; Tamy selbst floh, war aber der letzte, welcher das Schlachtfeld verlie\u00df. Die Schlacht war besser besprochen worden, als jene bei Byssel, und die Menge Beduinen, welche die T\u00fcrken begleiteten, gaben letzteren das \u00dcbergewicht \u00fcber ihre Feinde. Im Kastell fand man betr\u00e4chtliche Vorr\u00e4te von Lebensmitteln, welche der Armee sehr gute Dienste leisteten; ferner Munition und die im vorigen Jahre zu Gonfode eroberten Kanonen, wie auch einen gro\u00dfen Vorrat von Feuergewehren, alte persische Flinten, die von den Arabern besonders gesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Radscheh befehligt worden war, den Tamy zu verfolgen, gab Mohammed Aly dem Stamm Asyr einen neuen Scheikh, namens Ibn Medry, und verfolgte seinen Weg durch steile P\u00e4sse gegen die Meeresk\u00fcste hin. Er scheint gew\u00fcnscht zu haben, aus der weniger gebirgigen Gegend am westlichen Fu\u00dfe der hohen Bergkette nach Jemen vorzur\u00fccken. Scherif Hamud, mit dem Beinamen Abu Mesmar, war in Besitze der Meeresk\u00fcste. Fr\u00fcher hatte er es mit den Wahaby gehalten, nachdem er viele K\u00e4mpfe mit ihnen gefochten hatte; als aber die T\u00fcrken nach Hedschaz kamen, sendete er reiche Geschenke an den Pascha nebst der Versicherung, dass er bereit sei, das t\u00fcrkische Interesse zu unterst\u00fctzen. Die h\u00e4ufigen Niederlagen der T\u00fcrken hatten indessen seinen Eifer abgek\u00fchlt. Er trat in Verbindung mit Tamy, und ein Gesandter, den Mohammed Aly an ihn sendete, fand ihn eben mit Kriegszur\u00fcstungen besch\u00e4ftigt. Es unterlag geringem Zweifel, dass er sich den Wahaby angeschlossen haben w\u00fcrde, sobald die t\u00fcrkische Expedition ungl\u00fccklich abgelaufen w\u00e4re. Der Pascha hatte schon l\u00e4ngst sehnlich gew\u00fcnscht, in dem weltber\u00fchmten Reichtum Jemens zu schwelgen, der jedoch im Morgenland sehr \u00fcbertrieben wird. Er h\u00e4tte sich auch gern in den Besitz der Dollars gesetzt, welche j\u00e4hrlich in gro\u00dfen Summen von Kairo gesendet werden, um daf\u00fcr Kaffee zu kaufen; und in Hedschaz erz\u00e4hlte man sich, dass er im Fall eines gl\u00fccklichen Ausganges seines Krieges mit den Wahaby entschlossen gewesen sei, Hamud anzugreifen. F\u00fcr diesen Zweck hatte er eine Korrespondenz mit dem Imam von Sanaa angekn\u00fcpft, der Geschenke gesendet hatte und an dem Ausgange dieser Unternehmung herzlichen Anteil nahm, indem sie ihn von zwei gef\u00e4hrlichen Nachbarn, den Wahaby und dem Scherif Hamud, w\u00fcrde befreit haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Armee verriet indessen nach einem so langen, erm\u00fcdenden und gef\u00e4hrlichen Marsch hier starke Symptome von Unzufriedenheit und erkl\u00e4rte offen, dass es ihr Wunsch sei, nach Mekka zur\u00fcckzukehren. So viel ist gewiss, dass Mohammed Aly, um sie zu beruhigen, zu dem Versprechen sich gen\u00f6tigt sah, dass sie bald nach \u00c4gypten zur\u00fcckgesendet und durch frische Truppen ersetzt werden sollten. Statt sich nun s\u00fcdlich zu wenden, marschierte er nach Gonfode.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der verlorenen Schlacht fl\u00fcchtete sich Tamy in die N\u00e4he von Arysch in das Haus eines Scherifs, der sein Freund und von Hamud ein Verwandter war. Der Scherif hielt dieses f\u00fcr eine g\u00fcnstige Gelegenheit, einen feindlichen Einfall abzuwenden und zugleich seine ver\u00e4nderten Gesinnungen und seine Unterw\u00fcrfigkeit zu bekunden. Tamy wurde in Ketten gelegt, und ein Bote mit einem Briefe von Hamud, in welchem sich der Scherif den Sklaven Mohammed Alys nannte, in das t\u00fcrkische Hauptquartier gesendet und gefragt, was er mit seinem Gefangenen anfangen solle. Scherif Radscheh, welcher damals die Gebirge durchstrich, um den Fl\u00fcchtling aufzusuchen, erhielt Befehl, ihn nach Gonfode zu bringen, wohin sich die Armee jetzt begab und \u00dcberfluss an Lebensmitteln fand, die zu Wasser von Dschidda herbeigeschafft worden waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mohammed Aly hatte eine Abteilung Soldaten von Rannye aus gesendet, um von Osten her nach Zohran zu dringen, w\u00e4hrend Mahu Bey \u00fcber die Gebirge kam und durch ein geschicktes Man\u00f6ver die Araber des Bakhrudsch zwischen zwei Feuer brachte, sodass sie eine f\u00f6rmliche Niederlage erhielten, wobei Bakhrudsch selbst gefangen genommen und nach Gonfode gebracht wurde. Hier blieb der Pascha mehrere Tage, und seine beiden edlen Gefangenen befanden sich in Zelten, welche dicht an dem seinigen aufgeschlagen waren. Tamys Benehmen fl\u00f6\u00dfte der ganzen Armee Achtung ein. Der Pascha unterhielt sich oft mit ihm zum Zeitvertreib, gleich wie der Tiger mit seiner Beute spielt, ehe er sie mit seinen Klauen packt; aber Tamys w\u00fcrdiges Benehmen bezwang selbst dieses T\u00fcrken Wildheit, und er versprach ihm, sich f\u00fcr ihn zu verwenden und ihm vom Sultan die Erlaubnis zu verschaffen, in den Gebirgen Romliens in Zur\u00fcckgezogenheit zu leben. Tamy war ein Mann von gro\u00dfen nat\u00fcrlichen Kr\u00e4ften, dabei von Statur kurz, mit einem langen wei\u00dfen Bart und feuerspr\u00fchenden Augen; in der Regel war er sarkastisch, aber gegen den t\u00fcrkischen Feldherrn h\u00f6flich. Bakhrudsch dagegen verharrte in m\u00fcrrischem Schweigen und hatte die \u00dcberzeugung, dass ihm Mohammed Aly den Brief nie vergeben werde, den er einst an ihn geschrieben hatte; auch verlangte ihn der Pascha nie zu sehen. Als Bakhrudsch eines Nachts die Entdeckung machte, dass seine W\u00e4chter eingeschlafen seien, ergriff er einen Dolch und entledigte sich damit seiner Bande. Er entkam aus dem Lager, wurde aber wieder eingeholt, nachdem er zwei Mann get\u00f6tet und einen dritten verwundet hatte. Den folgenden Tag fragte ihn Mohammed Aly, mit welchem Recht er seine Soldaten get\u00f6tet habe. &#8222;Wenn ich nicht gefesselt bin&#8220;, erwiderte Bakhrudsch, &#8222;so handele ich, wie es mir gef\u00e4llig ist.&#8220; &#8222;Ich werde es ebenso machen&#8220;, sagte der Pascha, und um seine T\u00fcrken zu unterhalten und zugleich seine Rache zu befriedigen, lie\u00df er den ungl\u00fccklichen Gefangenen, gebunden, wie er war, seiner Leibwache \u00fcbergeben, mit dem Befehl, ihn mit ihren S\u00e4beln schwach zu verwunden, damit seine Qual desto l\u00e4nger dauere. Er gab endlich den Geist auf, ohne einen einzigen Klagelaut ausgesto\u00dfen zu haben. Sein Kopf wurde mit Tamy nach Kairo und Konstantinopel gesendet. Nach seiner Ankunft in letzterer Stadt wurde Tamy sogleich enthauptet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Gonfode marschierte der Pascha nach Mekka, wo selbst er den 21sten M\u00e4rz, also 15 Tage nach seinem Ausmarsch aus Gonfode. anlangte. Von welcher Art diese Kriegsunternehmung gewesen sei, wird man daraus abnehmen k\u00f6nnen, wenn ich sage, dass von mehr als 10,000 Kamelen<em>, <\/em>die urspr\u00fcnglich bei der Armee waren (die H\u00e4lfte dieser Zahl war bei Byssel Beute gemacht worden), nur 300 nach Mekka zur\u00fcckkehrten, indem alle \u00fcbrigen unterwegs umgekommen waren. Viel Gep\u00e4ck und Munition war zu Grunde gegangen, weil es an Transportmitteln fehlte; es kamen auch nur 300 Pferde zur\u00fcck. Von den 4000 T\u00fcrken, die von Mekka aufgebrochen waren, kehrten nur 1500 zur\u00fcck und alle, vom Vornehmsten bis zum Niedrigsten, waren von Strapazen ersch\u00f6pft und ohne Kleider und Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mohammed Aly lie\u00df sie, nach dem zu Gonfode ihm abgepressten Versprechen, s\u00e4mtlich zu Dschidda einschiffen und behielt nur Hassan Pascha, mit einigen 100 Arnauten in Hedschaz. Bald nachher langte aus \u00c4gypten neue Verst\u00e4rkung an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die St\u00e4rke der Wahaby war jetzt, besonders im S\u00fcden, bedeutend vermindert worden. Als die Schlacht bei Byssel vorfiel, stand Abdallah Ihn Saud mit einem Truppencorps in der Provinz Kasym, in der Absicht, sich den Fortschritten Tusun Paschas bei Medinah entgegen zu setzen; er kehrte aber nach Derayeh zur\u00fcck, als er die Niederlage der Seinigen erfuhr, indem er einen Angriff von Mohammed Aly bef\u00fcrchtete, der leicht von Taraba nach Nedschid h\u00e4tte r\u00fccken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald nach seiner Ankunft zu Mekka versammelte der Pascha die vornehmsten M\u00e4nner und die Ulama der Stadt und las ihnen einen Brief vor, den er an Abdallah Ibn Saud geschrieben und ihn in demselben ermahnt hatte, sich zu unterwerfen und Friedensvorschl\u00e4ge zu machen. Er verlangte von ihm, dass er die Sch\u00e4tze wieder ersetzen solle, welche sein Vater vom Grabe des Propheten zu Medinah genommen habe, wenn er nicht dasselbe Schicksal zu erfahren w\u00fcnschte, was seine Freunde im S\u00fcden betroffen habe. Diesen Brief brachte ein t\u00fcrkischer Soldat, begleitet von einigen Beduinen, nach Derayeh. Nach einem kurzen Aufenthalte zu Mekka, nachdem Mohammed Aly den Hassan Pascha zum Gouverneur dieser Stadt gemacht, den Hossein Bey, einen Reiteranf\u00fchrer, und den Scherif Radscheh nach Taraba und Beische als Besatzung gelegt hatte, begab er sich nach Medinah, wo er unerwartet den 14ten April mit einem Gefolge von 30, oder 40 Mann auf Dromedaren anlangte, indem er die ganze Reise zu Lande gemacht hatte. Tusun Bey hatte bereits Medinah verlassen, und Thomas Keith oder auch Ibrahim Aga, war einstweilen Gouverneur dieses Platzes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Nachricht von dem Siege des Mohammed Aly zu den n\u00f6rdlichen St\u00e4mmen gelangte, machten viele ihrer Scheikhs dem Tusun Pascha, welcher sich damals zu Medinah befand, Vorschl\u00e4ge und erboten sich, ihn gegen die Wahaby zu begleiten, deren Macht dr\u00fcckender im Norden, als bei den s\u00fcdlichen St\u00e4mmen empfunden wurde. Im M\u00e4rz kamen die meisten Scheikhs der Provinz Kasym einer nach dem anderen nach Medinah und gaben Tusun Pascha die Versicherung, dass sie bereit seien, ihn zu unterst\u00fctzen. Er machte ihnen Geschenke und gab ihnen 400 Reiter mit, als eine Garnison f\u00fcr einige ihrer D\u00f6rfer. Tusun selbst hatte jetzt Hoffnung, Nedschid zu erobern. Trotz seines pers\u00f6nlichen Mutes<em>, <\/em>den er so oft bewiesen hatte, war er doch immer bei seinen Unternehmungen in Hedschaz ungl\u00fccklich gewesen. Er strebte darnach, mit seinem Vater in dem Ruhm zu wetteifern, den sich derselbe im letzten Feldzug erworben hatte; aber gleich den meisten T\u00fcrken verstand er nicht, seine Mittel zu berechnen. Mohammed Aly hatte seinem Sohne keine bedeutenden Geldsummen anvertraut, da er seine Freigebigkeit und gro\u00dfartige Denkweise kannte, beabsichtigte vielleicht auch, dass keiner, au\u00dfer ihm, sich in Hedschaz Ruhm erwerben solle. Dem Tusun fehlte es an Kamelen und an Unterhalt f\u00fcr die benachbarten Araber. Der Preis aller Dinge war in Medinah h\u00f6her, als in Mekka. Tusun war indessen entschlossen, sein Gl\u00fcck zu versuchen, und verlie\u00df Medinah zu Ende des Monats M\u00e4rz, marschierte noch Hanakye, einem zerst\u00f6rten Dorfe mit Mauern, welches eine, oder zwei Tagereisen entfernt auf der Stra\u00dfe nach Kasym lag. Er hatte ungef\u00e4hr 400 Kamele bei sich, welche mit Proviant beladen waren, 2 bis 300 Mann Reiterei und 400 Mann Infanterie. Ihm folgten einige 100 Beduinen, welche haupts\u00e4chlich zu den St\u00e4mmen Harb und Meteyr geh\u00f6rten. Er blieb einige Zeit lang zu Hanakye und war noch immer daselbst, als sein Vater nach Medinah kam. Der Grund, weshalb Mohammed Aly diese heilige Stadt besuchte, war wahrscheinlich der, Auskunft \u00fcber die Angelegenheiten des n\u00f6rdlichen Hedschaz zu erlangen und zugleich am Grabe des Propheten seine Andacht zu verrichten. Von Medinah aus sendete er sogleich dem Tusun Pascha den Befehl zu, Hanakye zu verlassen und zur\u00fcckzukehren, um mit ihm die Ma\u00dfregeln f\u00fcr k\u00fcnftige Unternehmungen zu besprechen. Sein Sohn war indessen entschlossen, die Unternehmung nicht aufzugeben und marschierte, sobald er den Befehl seines Vaters erhalten hatte, ohne demselben Folge zu leisten, nach der Provinz Kasym. Da er seinem Vater im Rang gleich war (denn er war, gleich ihm, ein Pascha von drei Rossschweifen), so hatte letzterer vielleicht Unrecht, wenn er ihm seine Abh\u00e4ngigkeit zu sehr f\u00fchlen lie\u00df; und bei t\u00fcrkischen Gro\u00dfen darf man nicht etwa nach Kindesliebe fragen. Die Z\u00f6lle von Dschidda, welche von Rechtswegen dem Tusun Pascha geh\u00f6rten, waren von der Pforte dem Mohammed Aly zur Bestreitung des Krieges angewiesen worden, und Tusun Pascha erhielt nur, gleich den anderen Anf\u00fchrern der Armee, f\u00fcr jeden Tag etwas Bestimmtes. Als Mohammed Aly ihn \u00fcber das ganze n\u00f6rdliche Hedschaz setzte, so gab er ihm von seinem eigenen Hof einen Mann bei, namens Kadery Effendy, durch welchen alle Gesch\u00e4fte gemacht wurden und welchen Tusun bei allen Gelegenheiten fragen sollte, gleichsam, als ob ihn sein Vater zu dem hohen Posten, den er bekleidete, f\u00fcr unt\u00fcchtig halte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald nach ihrer Ankunft zu Medinah verlor Kadery Effendy, wie man hatte voraussagen k\u00f6nnen, die Gunst seines Z\u00f6glings, welcher ihm in einem Anfalle des Zornes den Kopf abschlagen lie\u00df. In der Verwaltung der Gesch\u00e4fte entstand nun gro\u00dfe Unordnung. Die Interessen der T\u00fcrken in Bezug auf die umgebenden Araber wurden schlecht gewahrt, die Soldaten erlaubten sich Erpressungen. Als Tusun Kamele brauchte, nahm er alles Vieh, was nur unter den Beduinen zu finden war; und als Mohammed Aly anlangte, war er, statt die Offensive gegen den Feind zu ergreifen, vollauf besch\u00e4ftigt, den Schaden wieder gut zu machen, welcher aus den Fehlern seines Sohnes hervorgegangen war. 250 Reiter, unter Anf\u00fchrung des Thomas Keith (oder Ibrahim Aga), nebst einer Abteilung Fu\u00dfvolk, mit welchem Ahmed Bonaparte eben von Kairo zur\u00fcckgekehrt und von Yembo hier eingetroffen war, wurde dem Tusun Pascha als Verst\u00e4rkung gesendet. Nach einem Marsch von 10, oder 11 Tagen von Medinah aus, erreichte Tusun Pascha zu Anfang des Monates Mai die Provinz Kasym. Unterwegs griff er die Heleym an; nahm ihnen 500 Kamele, die er nach Medinah sendete, damit sie von Yembo aus nach letzterer Stadt Proviant transportieren sollten. Als er nach Rass, einer der Hauptst\u00e4dte, oder gro\u00dfen D\u00f6rfer der Provinz Kasym, kam (dieser Ort war mit einer Mauer versehen), fand er seine Reiterei, die ihm etwas vorausgegangen war; auch kamen die Scheikhs verschiedener Distrikte von Kasym, um Ma\u00dfregeln mit ihm zu verabreden. Aber der oberste H\u00e4uptling von Kasym, namens Hedscheilan, kam nicht, indem er dem Saud immer aufrichtig ergeben gewesen war; und ebenso war er jetzt dem Interesse seines Sohnes zugetan, zu dessen Unterst\u00fctzung er seine Araber bei der Stadt Bereydha versammelte. Im Januar 1815 kam ich nach Medinah und musste bald wegen Krankheit das Bett h\u00fcten. Damals kam mein Sklave h\u00e4ufig weinend nach Hause und klagte, dass ihm die t\u00fcrkischen Soldaten das Fleisch genommen h\u00e4tten, welches er f\u00fcr mich gekauft habe, auch sei er geschlagen worden, als er nicht gutwillig sich gef\u00fcgt habe.<\/p>\n<p>______________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Gegen das feierliche Versprechen, welches Mohammed Aly dem Tamy gegeben hatte, wurde letzterem, als er nach Kairo kam, eine gro\u00dfe Kette um den Hals gelegt, er selbst auf ein Kamel gesetzt und in diesem Aufzug mit einem Sack \u00fcber seine Schultern, in welchem sich der Kopf des Bakhrudsch befand, durch die Stra\u00dfen gef\u00fchrt.<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1670\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1670\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wurden augenblicklich mit der Nachricht des Sieges Boten nach Konstantinopel und Kairo abgesendet, und durch ganz Hedschaz wurden die T\u00fcrken \u00fcberm\u00fctig und kehrten wieder zu ihrer nationalistischen Unversch\u00e4mtheit und zu ihrem Stolze zur\u00fcck, den sie neuerdings einigerma\u00dfen abgelegt hatten. 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