{"id":1807,"date":"2014-09-20T15:46:11","date_gmt":"2014-09-20T15:46:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1807"},"modified":"2015-05-17T13:56:28","modified_gmt":"2015-05-17T13:56:28","slug":"h-h-frank-ueber-den-sufismus-1-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-1-teil\/","title":{"rendered":"H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (1. Teil)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Muhammedaner wissen nun selbst nicht wie, aber es entstand eine sonderbare Bewegung der Geister, wahrscheinlich schon vor und w\u00e4hrend der ersten Zeiten des Islams, eine Bewegung, die vielleicht das merkw\u00fcrdigste Gebilde ist, was die Geschichte hervorgebracht hat, eine Erscheinung, die wir erst in ihrer rein \u00e4u\u00dferlichen Darstellung unbefangen pr\u00fcfen wollen, ehe wir versuchen, uns klar zu machen, was ihr Wesen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Orientreisende entdeckt bereits in Konstantinopel, in Aegypten, Syrien, Nordafrika eine seltsame Klasse von Menschen, Derwische genannt. Im gro\u00dfen Teil durchstreifen sie, in ihrem \u00c4u\u00dferen verwahrlost, zerlumpt oder phantastisch gekleidet, das Land vom Balkan bis zum n\u00f6rdlichen China. Unsauberkeit, Unregelm\u00e4\u00dfigkeit der Lebenshaltung, Tabak und Opiumgenu\u00df l\u00e4\u00dft viele dieser Leute geistesgest\u00f6rt, vertiert, als Narren erscheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Besonders h\u00e4ufig sind diese Leute in Persien, wo sie &#8222;Sufi&#8220; genannt werden, und in Indien, wo sie unter dem Namen Fakir allbekannt sind und eine Anzahl, Kunstst\u00fccke, Wunder oder wie man es nennen will, vollbringen, und (die bekannten B\u00fc\u00dfer) durch unerh\u00f6rte Selbstpeinigung in eine Art lethargischen Zustand verfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im eigentlichen Arabien sind diese Leute am wenigsten zu finden und in den ritterlichen, rauflustigen Sinn der freien W\u00fcstens\u00f6hne und Drusen passen sie gar nicht hinein. Bei n\u00e4herem Zuschauen gibt es deren, die sich wie die indischen Fakire ganz in ihr Inneres versenken und ganz auf sich beschr\u00e4nken, ohne Bed\u00fcrfnis der Lehre und des Lernens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo sie Nahrungsmittel nicht selbst finden und nehmen, sind sie lediglich auf die Gaben des Volkes angewiesen und k\u00f6nnen selbst wenn die Almosen reichlich genug ausfielen, sich in keinem europ\u00e4ischen Lande halten, da sie nicht einmal so viel Gewerbliches hervorbringen, wie die Zigeuner. Sie sind also auf ein Klima und eine Mitbev\u00f6lkerung angewiesen, die nur im Orient zu finden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sind das f\u00fcr Leute und was wollen sie? Wie verhalten sie sich, da sie auch Familienbande nicht kennen und Frauen nicht unter ihnen sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erfahren zun\u00e4chst, da\u00df sie au\u00dfer jenen einzelnen Wanderderwischen sich zu Sekten oder Gesellschaften zusammengetan haben, deren einige sogar Kl\u00f6ster, Schulen, Geldmittel besitzen, sich mit besonderen Abzeichen versehen, Obere verehren, von ihnen unterrichtet und in verschiedenen Lehrmeinungen vorw\u00e4rts gebracht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bestimmte Ordensregeln und Andachts\u00fcbungen sind damit verbunden; und wenn sonst nichts, so wird der Europ\u00e4er aus B\u00fcchern oder eigener Anschauung von den Kl\u00f6stern der tanzenden und heulenden Derwische in Konstantinopel, in Kairo und allenfalls in Cupelias wissen, an der Stelle, wo sich der alte Fahrweg zwischen Beirut und Damaskus zur Beka, dem alten C\u00f6lesyrien herabsenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Teheran haben die Derwische sogar eine Art Centrale. Noch heute pflegt ein Deputierter (wie wir sagen w\u00fcrden) ein namenhaftes Geldgeschenk von den vornehmen H\u00e4usern und sogar auch den fremden Gesandtschaften einzusammeln und dar\u00fcber Empfangsschein auszustellen. Daf\u00fcr behelligt das ganze Jahr hindurch kein Derwisch das zahlende Haus. Wird aber die Gabe verweigert, so siedelt sich in leichtem Zelt ein Derwisch vor dem Thore, mit einem Kuhhorn an; Tag und Nacht l\u00e4\u00dft er sein Horn ert\u00f6nen; Niemand wagt ihn fortzutreiben; und so zahlt man lieber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Derwischorden gibt es solche, nach deren Statut sich eine Art Gewissensfreiheit oder Kasuistik ausgebildet, wonach sie, ohne Abzeichen zu tragen, sich in jegliche b\u00fcrgerliche Stellung begeben und dort ihre Pflichten erf\u00fcllen, wie eben der gl\u00e4ubige Hauptmann im Evangelium auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df solche seltsame, ebenso alte als verbreitete Institution nicht nach ihren abschreckenden \u00c4u\u00dferlichkeiten allein beurteilt werden kann, ist gewi\u00df; es hat sich daher bei den Europ\u00e4ern und noch mehr bei den Orientalen eine ganz stattliche Literatur herausgebildet, die sich allein die Beantwortung der Frage angelegen sein l\u00e4\u00dft: Was sind das f\u00fcr seltsame Leute und was wollen sie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antworten nehmen als Material entweder das auf, was die Derwische im Leben selber bieten oder das, was die Literatur, ihre eigenen oder die fremden Skribenten (Schriftsteller) liefern, und daraus sehen wir mit \u00dcberraschung, da\u00df die edelsten Geister und die besten Dichter von sich selbst sagten, da\u00df sie zum Sufitum geh\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1807\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1807\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Muhammedaner wissen nun selbst nicht wie, aber es entstand eine sonderbare Bewegung der Geister, wahrscheinlich schon vor und w\u00e4hrend der ersten Zeiten des Islams, eine Bewegung, die vielleicht das merkw\u00fcrdigste Gebilde ist, was die Geschichte hervorgebracht hat, eine Erscheinung, die wir erst in ihrer rein \u00e4u\u00dferlichen Darstellung unbefangen pr\u00fcfen wollen, ehe wir versuchen, uns &hellip; <a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-1-teil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">H. 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