{"id":1811,"date":"2014-09-24T15:53:36","date_gmt":"2014-09-24T15:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1811"},"modified":"2015-05-17T13:55:09","modified_gmt":"2015-05-17T13:55:09","slug":"h-h-frank-ueber-den-sufismus-3-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-3-teil\/","title":{"rendered":"H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (3. Teil)"},"content":{"rendered":"<pre style=\"text-align: justify;\">Bevor hier nun der 3. Teil der Abschrift folgt, m\u00f6chte ich den Leser um ein wenig Geduld bitten. Ich h\u00e4tte den Auszug durchaus k\u00fcrzer ausfallen lassen k\u00f6nnen, denn <em>H. H. Frank<\/em> holt wirklich weit aus und verliert sich z.T. in kleinlichen Abschweifungen. Jedoch m\u00f6chte ich mir nicht anma\u00dfen zu wissen, welche Teile seiner Erw\u00e4gungen denn nun f\u00fcr den Rotstift taugen und welche nicht. Und so nehme ich ausnahmslos und zusammenh\u00e4ngend den ganzen Teil mit und m\u00f6chte an dieser Stelle schon darauf hinweisen, dass der anf\u00e4nglichen negativen Wahrnehmung durch H. H. Frank mit der Zeit eine durchaus positive Sichtweise auf den Sufismus folgen wird.<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Aus der gro\u00dfen Menge schriftlicher Zeugnisse und verschiedener Systeme nehmen wir mit Bedacht einiges heraus und \u00fcbernehmen die Gew\u00e4hr der Richtigkeit auf die Gefahr einer kontrollierenden Nachpr\u00fcfung der einheimischen Quellen, die ja keinem verwehrt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Derwisch stellt f\u00fcr sich den Grundsatz auf; derwisch asi\u00e1t n\u00e9mikun\u00e9d &#8222;Der Derwisch tut keinem Leid an, stiftet keinen Schaden&#8220;. Und das mu\u00df wahr sein, kein Derwisch konspiriert. Das Volk l\u00e4\u00dft sie gew\u00e4hren. Obrigkeit, Geistlichkeit, b\u00fcrgerliche Gesellschaft h\u00e4lt sie f\u00fcr v\u00f6llig harmlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Der Derwisch will alsdann seine Anh\u00e4nger, sich selber erziehen. Und seinen Lehrplan teilt er in drei Abschnitte. Der erste ist die ibadet, die Beobachtung der religi\u00f6sen Satzung. Der Derwisch h\u00e4lt sie nicht f\u00fcr uneben, noch f\u00fcr einen Gegenstand der Polemik; er will sich von der Religion erziehen lassen. Das Gesetz ist ein Zuchtmeister auf die Erl\u00f6sung. Vielfacher, direkter Verkehr mit Derwischen hat mich von der Meinung abgebracht, da\u00df hierin eine kleine Heuchelei liege, eine scheinbare Reverenz, vor dem Islam, um sich ein Existenzrecht zu erkaufen. Denn der Islam liegt fest und dicht auf dem ganzen Orient und der Orientale nimmt es bitter ernst mit der Religion, sie ist ihm allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, der Derwisch l\u00e4\u00dft sich von der Religion erziehen, aber er \u00fcberwindet die Satzung. Ist das geistige Bed\u00fcrfnis so weit gesteigert, da\u00df \u00c4u\u00dferlichkeiten in keiner Weise mehr dessen ad\u00e4quater Ausdruck sein k\u00f6nnen, dann ist der Derwisch ein ssalik (wandernder); er befindet sich auf dem Weg (tarikat); ist auf den Gang gebracht. Jetzt steuert er direkt auf sein Ziel los: nach der befestigten Erkenntnis (ma&#8217;rifat).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zustand erh\u00e4lt er die F\u00e4higkeit, eine Einheit, Ruhe, Einm\u00fctigkeit in seinem Innern dauernd herzustellen. Er nennt die Erf\u00fcllung seines Wunsches und Strebens tauhid &#8222;das eins-machen&#8220; oder ittihad d.h. die T\u00e4tigkeit, verm\u00f6ge deren man sich mit sich selbst eins gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wird ja immer gesagt und erkl\u00e4rt, das tauhid und ittihad sei das Verschmelzen mit Gott. Ein frommer und in der Geschichte wohl bekannter, von den Dichtern oft erw\u00e4hnter Sufi, mit Namen Manzur el Halladsch d.h. Manzur der Wollkrempler, glaubte zu diesem Ziele gekommen zu sein und durchwanderte die Stra\u00dfen mit dem Rufe ana alhak &#8222;ich bin Gott&#8220;. Allein, das war den Moslims zu viel. Die Staatsgewalt schritt ein und der arme Manzur wurde in schauderhafter Weise langsam zu Tode bef\u00f6rdert, ohne einen Augenblick an seinem Glauben irre zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erinnert an die Befragung Christi durch den Hohenpriester. Er zerri\u00df sein Gewand ob der Antwort und sprach: &#8222;er hat Gott gel\u00e4stert&#8220;. Er wollte ihn mi\u00dfverstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hat die Derwischlehre, wie ihre Literatur und die Vielfachheit der \u00dcberlieferung au\u00dfer Zweifel stellt, weniger den Charakter einer einzelnen, auf einen Offenbarungsakt zur\u00fcckgehenden historischen Lehre, als den eines wiederholten Deutungsversuches typischer spontaner Erscheinungen aus dem Seelenleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Real sind sie diese Erscheinungen! Aber wie sollen sich zwei oder drei oder viele verst\u00e4ndigen \u00fcber das, was sie meinen? Es ist schwieriger, als wenn sich zwei \u00fcber eine Farb- oder Tonempfindung verst\u00e4ndigen wollen. Als Beispiel kann man sich ferner die allm\u00e4hliche Entstehung der Kunstausdr\u00fccke unserer traditionellen Psychologie w\u00e4hlen, als: Denken, wollen, empfinden, Gef\u00fchl, Seele, Geist, Gem\u00fct, Verstand, Vernunft, Leidenschaft, Gewissen usw.. Das sind ja alles nur W\u00f6rter, Figuren: In den Sand gezeichnet, den die St\u00fcrme des Leben hin und hertragen, Figuren, Spiegelungen auf der Wasserfl\u00e4che unseres dahin rinnenden Vorstellungsverlaufes.<br \/>\nWeil die Worte einmal da sind, glauben wir auch an die Realit\u00e4ten darunter, glauben unter jedem dieser W\u00f6rter etwas bestimmtes zu haben, zu wissen, zu begreifen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur durch Gewohnheit klammern wir uns an Ausdr\u00fccke, nehmen Hypostasien und Personifikationen durch Abstrakta, Substantive, f\u00fcr bare M\u00fcnze, w\u00e4hrend das Seelen- und Gem\u00fctsleben in purpurner Finsternis und unendlicher Deutungsf\u00e4higkeit bergtief unter diesen Vorg\u00e4ngen liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, als ein solch stammelndes Wort haben wir uns unter dem tauhid und ittihad einen Gem\u00fctszustand zu denken, den zu beschreiben vielleicht gar nicht m\u00f6glich, zu verstehen vielleicht m\u00f6glich f\u00fcr diejenigen ist, die ihn aus Erfahrung kennen und vor allem zu beobachten gelernt haben. Deren mag es viele geben, ja! H\u00f6chst wahrscheinlich liegt hier eine typische Erscheinung vor, l\u00e4ngst bemerkt, schon in einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit, und herstammend von den Ufern des Stromes der Lotosblumen.&#8220;<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1811\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1811\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor hier nun der 3. 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