{"id":1813,"date":"2014-09-26T15:55:46","date_gmt":"2014-09-26T15:55:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1813"},"modified":"2015-05-17T13:54:25","modified_gmt":"2015-05-17T13:54:25","slug":"h-h-frank-ueber-den-sufismus-4-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-4-teil\/","title":{"rendered":"H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (4. Teil)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Der Verbreitung, scheint es, leistete in Persien wenigstens die Einf\u00fchrung der einfachen, einheitlichen Grundlehren und die politische Bedeutung des Islams eine gute Vorbereitung, so wie einst griechische Sprache und das imperium romanum dem Christentum! Die orientalischen Autoren sind erstaunt, wie die Derwischlehren um die ersten Zeiten des Islam auf einmal da waren, pl\u00f6tzlich \u00fcberall gleichsam aus dem Boden spro\u00dften und geben den Versuch nicht auf, jene Lehren aus dem Islam ableiten zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weit gefehlt; ebensowenig wie das Christentum aus dem r\u00f6mischen Staatsgedanken abzuleiten ist. Wohl aber fand es darin den N\u00e4hrboden der Universalit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Dieser Gott ward st\u00e4rker als die kleineren Nationalg\u00f6tter; er \u00fcberwand sie, denn er war ja die Gottheit \u00fcberhaupt. Nun, so lagen die Keime der Sufilehre wohl schon \u00fcberall und man wird nicht fehl gehen, wenn man f\u00fcr deren Verbreitung durch Wanderm\u00f6nche ganze lange Jahrhunderte in Anspruch nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ja keine auf Dogmen gegr\u00fcndete, mit irgend welchen Pr\u00e4tensionen auftretende, frech Annahme, Aufnahme, Glauben fordernde Lehre, sondern ein haben, ein genie\u00dfen eines Zustandes &#8211; wie? Auf welchen Wege? Wo ihn finden, erreichen, mit Absicht herstellen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir diesen Wanderjahren einer uralten Lehre als Motiv die Flucht vor der Askese unterlegen. Land, Leute sehen, in Sturm, Regen, Sonnenschein \u00fcber Eisgefilde und gl\u00fchenden W\u00fcstensand: Erfahrungen sammeln; nicht einfach mit Br\u00fcten, Starren den Geist t\u00f6ten. Das trieb die Wanderm\u00f6nche fort; daher der Ausdruck ssalik &#8222;der wandernde&#8220; auch madchsub &#8222;der angezogene&#8220;, der magisch fortgezogene genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Wanderm\u00f6nche k\u00f6nnen leichtlich durch die alten Kulturst\u00e4tten und Ursitze alter Bildung durchs n\u00f6rdliche China, Indien, Chald\u00e4a, Mesoptamien, \u00fcber das Jordanland bis \u00c4gypten gekommen sein; und als \u00e4lteste und gr\u00fcndlichste Versuchsdeutung einer typischen Seelenregung mu\u00df hier wohl endlich die sedes materiae jener dunklen Sage &#8222;uralter mystischer Weisheit&#8220; angesprochen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine dunkle Sage, die durch die Griechen an den Rand des Abendlandes gekommen, wie der Traum einer V\u00f6lkerseele seine zitternden Wellen bis in den fernen Westen entsandte. Arisch war die Sache. Im Jordanland traf sie auf Semiten. Die k\u00f6nnen arisch nicht denken. Sie Sache mu\u00dfte umgestaltet werden. Die Semiten, besonders der Araber hat nicht die innere Ruhe zu spekulieren, nur drei gr\u00f6\u00dfere Philosophen hat das sonst gedankenreiche arabische Semitentum hervorgebracht (Al Farabi, Al Kindi und Al-Gasali).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Abstraktion spielen im Arabischen Zusammensetzungen wie &#8222;Sohn der Kraft&#8220;, &#8222;Vater des Neids&#8220;, &#8222;Tochter des Sturmes&#8220;, &#8222;Mutter des Lichtes&#8220;, noch heut eine gro\u00dfe Rolle. Da\u00df man einen L\u00f6wen etwa mit &#8222;Sohn der Kraft&#8220;, die Elektrizit\u00e4t in der Telegraphenleitung mit &#8222;Vater der Schnelligkeit&#8220; oder &#8222;Sohn des Blitzes&#8220; oder \u00e4hnlich wiederg\u00e4be, geht dem arabischen Semiten so nat\u00fcrlich ein, wie etwa im Sudan die arabische Bezeichnung der alten spanischen Piaster als &#8222;Vater der Kanone&#8220;, &#8222;Vater der Adler&#8220; wegen einiger auf diesen M\u00fcnzen auffallenden Emblemen des M\u00fcnzbildes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Wortform ersetzt dem Semiten von jeher das Kompositum, oft auch: Abstrakta und f\u00fcr moderne Dinge, Neuerfindungen etc., wo wir uns mit lateinisch-griechischen Kunstausdr\u00fccken (Phonograph, Mikroskop, Telepathie usw.) helfen, greift der Semit zu jenem patronymischen Ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prallte jene arische Lehre wirklich auf semitische Geister, so konnten sie sich kaum anders als mit Patronymiken helfen. Ittihad und tauhid sind nun selber arabische Formen und als solche selbstredend in sp\u00e4terer Zeit von gelehrten, in arabischer Sprache schreibenden Persern an Stelle und als \u00dcbersetzung indischer Kunstaudr\u00fccke angenommen worden. Allein die ihnen zu Grunde liegenden Ideen fl\u00fcchteten sich semitisch in Ausdr\u00fccke wie &#8222;des Menschen Sohn&#8220;, &#8222;Gottes Sohn&#8220;, &#8222;Ich und der Vater sind eins&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muhammad kannte seine Semiten, mit krasser Strenge verbannte er die Patronymika weil er deren konkrete Nebenbedeutung f\u00fcrchtete. Er trat ja sechs Jahrhundert nach Christus auf. Wie entsetzlich hatten die griechischen Synoden inzwischen mit &#8222;Christi Lehre, dem Gottessohn&#8220; gewirtschaftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gott hat nicht gezeugt und wird nicht geboren&#8220; (Koran, Sure 112 V. 3 lam jalid welamjulad), &#8222;Wie kann Allah einen Sohn haben&#8220;, &#8222;Es ist L\u00e4sterung&#8220; pr\u00e4gt Muhammad den Seinen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mi\u00dfverstandene, semitisch ganz entsprechend gedachte arische Weisheit! Welch entsetzliche Folgen! Welch rotes Meer von Blut, welch Tor der Tr\u00e4nen, diese semitischen Patronymika! Diese gem\u00fctlichen Familienbezeichnungen, diese All\u00fcren aus der Menschen-Kinderstube, aus dem Elternhause, das wir im feindlichen Leben, wenn Vater und Mutter l\u00e4ngst tot sind, so schmerzlich vermissen! Ein Moralgenie weltersch\u00fctternder Gr\u00f6\u00dfe mu\u00dfte darum am Kreuze verbluten! &#8222;Er hat Gott gel\u00e4stert&#8220; sprach der Hohepriester und zerri\u00df sein Gewand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen jenes Verschmelzens &#8211; mit Gott &#8211; (wie man meint) hat man die Derwischlehre (den Sufismus) im Abendlandland einfach einen Pantheismus genannt. Und in der Tat sind besonders in dem ber\u00fchmten Lehrgedicht Mesnewi vom Scheich Dschelal ed Din Rumi zahlreiche Stellen, die solcher Meinung Vorschub leisten. Ja, ganze Gedanken erinnern in einzelnen Redewendungen an Parallelstellen unserer mittelalterlichen Religionsmystiker, eines Angelus Silesius und anderer. Aber damit scheint doch die Suche so einfach nicht ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir sahen, wird der Lehrplan des Sufi in drei Abteilungen zerlegt. Aber von der Sache selber war noch gar nicht materiell die Rede. Wie kommt denn der Sufi je auf den Gedanken, ein Sufi mit Bewu\u00dftsein werden zu wollen? Und nimmt er daran t\u00e4tigen Anteil?&#8220;<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1813\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1813\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Verbreitung, scheint es, leistete in Persien wenigstens die Einf\u00fchrung der einfachen, einheitlichen Grundlehren und die politische Bedeutung des Islams eine gute Vorbereitung, so wie einst griechische Sprache und das imperium romanum dem Christentum! Die orientalischen Autoren sind erstaunt, wie die Derwischlehren um die ersten Zeiten des Islam auf einmal da waren, pl\u00f6tzlich \u00fcberall gleichsam &hellip; <a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-4-teil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (4. Teil)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1813\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1813\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[446,60],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":180,"today_views":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1813"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1813"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1825,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1813\/revisions\/1825"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}