{"id":1815,"date":"2014-09-27T15:57:27","date_gmt":"2014-09-27T15:57:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1815"},"modified":"2015-05-17T13:53:13","modified_gmt":"2015-05-17T13:53:13","slug":"h-h-frank-ueber-den-sufismus-5-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-5-teil\/","title":{"rendered":"H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (5. Teil)"},"content":{"rendered":"<pre style=\"text-align: justify;\">Dieser Teil wirkt noch ein wenig beh\u00e4big, aber ab dem n\u00e4chsten Teil wird es endlich faktisch und interessant ... zumindest f\u00fcr Leute wie mich.<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Da hei\u00dft es nun, da\u00df besondere Zust\u00e4nde den k\u00fcnftigen Adepten auf seinen Beruf aufmerksam machen. Er bekommt &#8222;Zust\u00e4nde&#8220; so ist die einfache \u00dcbersetzung des hierf\u00fcr gebrauchten Kunstausdruckes H\u00e2l. Nat\u00fcrlich findet er sie in seinem Innern, aber er macht sie nicht. Diese Zust\u00e4nde und das Verhalten des Individuums zu denselben, also der Akt des Gewahrwerdens bildet den Gegenstand der mannigfaltigsten Erkl\u00e4rungsversuche; und es fehlt so sehr an allen begrifflichen Ankn\u00fcpfungspunkten und Handhaben zur Bezeichnung eines Zustandes, den man erst verstehen will, da\u00df sich die meisten unwillig von solcher (ihnen leeren) Lekt\u00fcre wenden und deren Gegenstand als Mystik bezeichnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Was es auch sein mag, nennen wir es Freude an der Erkenntnis, Erkenntnisakt, Verz\u00fcckung, Erleuchtung, Durchbrechen zur Gnade, ein fr\u00f6hliches Gef\u00fchl ohne deutliches Bewu\u00dftsein vom Grunde desselben, gesteigertes Lebensgef\u00fchl oder tatkr\u00e4ftige Lebenslust den Reflex eines gesunden Lebensrhytmus, Begeisterung, Gedankenrausch: es ist eine gesteigerte Empfindung, begleitet von dem zwiefachen Wunsch der Wiederholung und der M\u00f6glichkeit einer willk\u00fcrlichen Wiedererzeugung. M\u00f6ge es doch zur Gewohnheit, zum Hang werden, was dann in der Kunstsprache der Sufi &#8222;Mak\u00e2m = Standort&#8220; genannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hauptsache aber ist und bleibt das, was wir auch im gew\u00f6hnlichen Leben als das edelste an einer Freude bezeichnen: die Uneigenn\u00fctzigkeit, Uninteressiertheit. M\u00f6ge der Egoismus an der Sache gebrochen werden. In dieser Hinsicht gibt es nur ein Symbol des Diesseits, was aller Kreatur bekannt ist: die Liebe. In ihr geht die eigene Person im geliebten Gegenstande auf. So wird die Kirche zu Christus in einem br\u00e4uchtlichen Verh\u00e4ltnis gedacht. Und so ist die letzte Predigt des alternden Johannis &#8222;Kindlein, liebet einander&#8220;. Daher ist in der symbolischen Sprache der Derwische das meist gebrauchte Bild das der Liebe (eschk). Und Liebe im h\u00f6chsten Sinne ist Hingabe und Aufgabe der eigenen Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist g\u00e4nzliche Verkennung des Sufismus, wenn ihm Pantheismus als Name untergelegt wird. Das ganze All, was da ist, eine plumpe Masse soll das Meer sin, in das wir versinken, das soll eine Gottheit sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sehen hier: Ein Evangelium, ein Objekt der Erkenntnis, ein Bekenntnis, zu dem man st\u00fcrmisch Parteig\u00e4nger, Anh\u00e4nger sucht, ist hier ganz undenkbar. Daher ist und bleibt die oberste Richtschnur f\u00fcr das Verhalten des Derwisch: derwisch asiat nemikuned.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mystische Grundzug der ganzen Sache l\u00e4\u00dft sich nicht wegleugnen. Es handelt sich um den Aufbau, die St\u00e4ndigmachung gewisser Seelenzust\u00e4nde, die allerdings Gegenstand der Erfahrung, also eine Realit\u00e4t sein k\u00f6nnen, sich aber jeder Darstellung entziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gelingt uns hiermit vielleicht auch, die falschen Begriffe zu entfernen, die \u00fcber das indische Nirwana (&#8222;nichts&#8220; w\u00f6rtlich &#8222;ausgeweht sein&#8220;) herrschen, welche mit dem Ausdruck der Sufi fan\u00e2 (&#8222;Vernichtung&#8220;) hei\u00dft. Diese dem persisch-indischen Sufismus entlehnten Ausdr\u00fccke werden durch eine Art unorthographischen Denkens immer als Derwischleere aufgefa\u00dft. Christus sagt zu seinen J\u00fcngern: Wer seine Seele zu verlieren meint, wird sie finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Tagesverlauf erkennen wir unter &#8222;Ich&#8220; von Jugend auf und Kindesbeinen an durch den Widerstand, den es am Nicht-Ich, der Welt findet, der Widerstand hei\u00dft: Schmerz, Kampf, Tod. In diesem Ich wird das H\u00e4\u00dfliche, Egoistische beseitigt; vom Standpunkt der Vorstellungswelt bleibt dann nichts \u00fcbrig. Und dieses Nichts ist der Geist. Das Atman der Inder. Dies Beharrende im Wechsel wird, wie gesagt, unter den schwersten Schicksalsschl\u00e4gen am besten erkannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses ist das Beharrende; das allgemeine moralische Gef\u00fchl! Dieses, nicht die weinende Gattin oder Gatte oder der treueste Freund tritt in der Sterbestunde vor uns; dieses, die moralischen Qualit\u00e4ten, nicht den Plunder der Vorstellungswelt (die Hobelsp\u00e4ne unserer moralischen Lebensaufgabe) nehmen wir vermutlich mit; diese moralischen Qualit\u00e4ten erhellen freundlich, den zur\u00fcckbleibenden sichtbar, die Z\u00fcge des Sterbenden, gleich der verbleichenden Abendr\u00f6te eines klaren Sonnenunterganges.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indes kehren wir zur Derwischlehre in ihren sozialen Bez\u00fcgen zur\u00fcck und konstatieren, abgesehen von ihren positiven Lehren, in ihrer Abgrenzung zur praktischen Welt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Diese Lehre betrachtet die Religion als Vorstufe, als erste Lehrmeisterin, als den Elementarlehrer; sie \u00fcbt daher keine Feindschaft gegen irgend eine Religion;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. sie verh\u00e4lt sich gleichg\u00fcltig gegen die ganze und gesamte Teilnahme an den wirtschaftlichen und politischen Fragen des Lebens und hat, dem Orient eng verwachsen, grade gegen diese zwei wundesten und schw\u00e4chsten Punkte des orientalischen Lebens sich gekehrt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. sie vereinigt alles das, was wir im Abendland Aufkl\u00e4rung und Bildung nennen; im milden Geist einer echten Humanit\u00e4t, welche einen Fanatismus und ein Ketzergericht genau so verabscheut, wie einen rohen Spott gegen alle diejenigen, bei denen sich die Satzung, die Beobachtung irgend welcher religi\u00f6ser Br\u00e4uche noch genau mit den metaphysischen Bestandteilen deckt, die Trennung noch nicht eingetreten ist;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. sie geht aus reiner Innerlichkeit hervor, die sich mit jeder Form vertr\u00e4gt, deren wir Menschen, als in Form gebannte Geister, doch nicht entraten k\u00f6nnen; sie schreibt kein Bettlertum noch Schmutz, noch Lumpen vor; dies alles sind Gestaltungen, die von dem geistigen Standpunkt abh\u00e4ngen, die der einzelne im Verh\u00e4ltnis zur Welt einzunehmen die Kraft hat;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. sie ist daher mit seiner Pflichterf\u00fcllung unvereinbar, durch welche wir uns mit M\u00fche und Arbeit einen sittlichen Anteil an den Kulturg\u00fctern und einen Platz im wirtschaftlichen Leben sichern wollen. Nur lehnen wir uns dagegen auf, da\u00df die Erwerbsarbeit eine Martha ist, die alle ihre Bestrebungen auf Spiel setzt, um dieser \u00e4u\u00dferen Welt willen, die wir sicher in einem kurzen Zeitraum verlassen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1815\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1815\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Teil wirkt noch ein wenig beh\u00e4big, aber ab dem n\u00e4chsten Teil wird es endlich faktisch und interessant &#8230; zumindest f\u00fcr Leute wie mich. &#8222;Da hei\u00dft es nun, da\u00df besondere Zust\u00e4nde den k\u00fcnftigen Adepten auf seinen Beruf aufmerksam machen. 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