{"id":1914,"date":"2015-06-03T08:38:23","date_gmt":"2015-06-03T08:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1914"},"modified":"2021-11-02T16:06:06","modified_gmt":"2021-11-02T16:06:06","slug":"homo-ehe-mal-anders-betrachtet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/homo-ehe-mal-anders-betrachtet\/","title":{"rendered":"\u00abHomo-Ehe\u00bb mal anders betrachtet"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>von Yahya ibn Rainer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt momentan, auch (und besonders) unter Muslimen, sehr viel Aufregung \u00fcber die Institution der sogenannten \u00abHomo-Ehe\u00bb. Es sollte hierzu unbedingt erw\u00e4hnt werden, dass das, was da als \u00abEhe\u00bb bezeichnet wird, gar keine Ehe ist, sondern lediglich eine verwaltungstechnische Registrierung im Regulierungsmoloch des modernen Wohlfahrtsstaates. Der Staat verlangt diese Registrierung, um seine staatliche Diskriminierung zu begr\u00fcnden (z.B. bei seiner willk\u00fcrlichen Besteuerung oder der willk\u00fcrlichen Schenkung fremden Eigentums)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Im Islam jedoch ist die Ehe ein religi\u00f6ser und privatrechtlicher Vertrag, der keinen Staat, sondern lediglich Zeugen und eine Verlautbarung ben\u00f6tigt. Und auch im Christen- und Judentum ist die staatliche Registrierung kein Erfordernis f\u00fcr eine religionsrechtlich g\u00fcltige Ehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde teilt man dem Staat mit dieser Registrierung lediglich mit, dass man in einer Lebenspartnerschaft ohne allgemeine G\u00fctertrennung lebt, also in einer G\u00fctergemeinschaft. Weder setzt der Staat hierbei voraus, dass von den g\u00fcterteilenden Lebenspartnern gegenseitige sexuelle Handlungen ausgehen, noch verbietet er, dass sexuellen Handlungen au\u00dferhalb der Lebenspartnerschaft stattfinden. Letzteres disqualifiziert diese Institution also als tats\u00e4chliche \u00abEhe\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben zweier gleichgeschlechtlicher Partner in einer reinen G\u00fctergemeinschaft ist im Islam nicht verboten, vielmehr ist diese Lebenspartnerschaft sogar ausschlie\u00dflich bei gleichgeschlechtlichen Partnern \u00fcberhaupt erlaubt &#8211; es sei denn es handelt sich um Personen aus dem engsten Familienkreis <em>(Maharim)<\/em> -. Laut einigen Gelehrten, wie Imam <em>al-Ghazali<\/em> \u2013 Allah sei ihm gn\u00e4dig \u2013 ist eine solche freiwillige G\u00fctergemeinschaft sogar mit religi\u00f6sen Vorz\u00fcgen gesegnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der islamische Wirtschaftsprofessor Dr. <em>Abdul Azim Islahi<\/em> und sein Kollege Dr. <em>S. Mohammad Ghazanfar<\/em>, beides Autorit\u00e4ten auf ihrem Gebiet, legten in ihrem Werk \u00ab<em>Economic Thought of Al-Ghazali (\u00d6konomische Lehre des Al-Ghazali)<\/em>\u00bb dar, dass der gro\u00dfe Rechtsgelehrte des 11. Jahrhunderts (christl. Zeitr.) eine wirtschaftliche und soziale Gleichstellung der B\u00fcrger und somit eine zwangsweise und willk\u00fcrliche Umverteilung von Wohlstand (z.B. durch Besteuerung) strikt ablehnte. Stattdessen legte er den Muslimen nahe, durch freiwillige G\u00fcterteilung besondere Lebenspartnerschaften zu pflegen. Hierzu zitiere ich aus dem o.g. Werk (\u00fcbersetzt von mir \u2013<em> Yahya ibn Rainer<\/em>):<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Al-Ghazali nimmt eine kritische Meinung zu allen Mitteln ein, die eine Gleichheit von Einkommen und Wohlstand in einer Gesellschaft erzwingen. Ebenso kritisiert er diejenigen die darauf bestehen, dass alle Menschen allgemein ein bestimmtes Existenzminimum zum Leben brauchen \u2013 ein solcher Ansatz w\u00e4re lediglich f\u00fcr jene Menschen geeignet, die fromm sind und ausschlie\u00dflich das Jenseits begehren; es kann aber kein Rezept f\u00fcr eine Gesellschaft als Ganzes sein. W\u00e4re dies ein allgemeing\u00fcltiges Konzept, dann bietet es den Herrschern n\u00e4mlich einen guten Grund zu Tyrannen und Dieben zu werden und den Menschen unter Zwang all jenes Abzunehmen, was ihrer Ansicht nach \u00fcbrig und \u00fcber den Bed\u00fcrfnissen der Menschen ist. Dar\u00fcber hinaus wird es zu einem Problem f\u00fcr den Staat, nicht nur in Bezug auf die Einziehung (Eintreibung) dieses \u201c\u00dcberschusses\u201d, sondern auch bez\u00fcglich der angemessenen Verteilung an diejenigen, \u00fcber deren Bed\u00fcrftigkeit ja auch noch geurteilt werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Alternative, meint al-Ghazali, muss der Geist der islamischen Br\u00fcderlichkeit zu einem voluntaristischen (freiwilligen) Teilen des Reichtums leiten. Auch hier spricht al-Ghazali von drei Arten des Teilens und er ordnet sie im Hinblick auf ihre Erw\u00fcnschtheit entsprechend der Scharia. Die unterste Stufe ist, wenn eine Person ihren Bruder als Helfer oder Diener betrachten kann und sie macht es sich ebenfalls zur Aufgabe, ihrem Not leidenden Bruder zu helfen, ohne zu erwarten um Hilfe gebeten zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine h\u00f6here Ebene ist, seinen Bruder wie sich selbst zu betrachten und es ihm zu erlauben Anteil am (eigenen) Eigentum zu haben, als ob auch er der Besitzer des selbigen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der h\u00f6chste Rang ist es, den Bed\u00fcrfnissen des Bruders einen gr\u00f6\u00dferen Vorzug einzur\u00e4umen als den eigenen. Laut al-Ghazali ist diese h\u00f6chste Stufe des voluntaristischen (freiwilligen) Teilens und Gebens ein Kennzeichen des wahren islamischen Verhaltens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er zitiert den quranischen Vers 42:38<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">\u201c[\u2026] und diejenigen, die [\u2026], ihre Angelegenheiten durch Beratung untereinander regeln und von dem ausgeben, womit Wir sie versorgt haben, [\u2026]\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">, den er als Verweis auf die fr\u00fchen Muslime interpretiert, die ihr Eigentum untereinander und miteinander teilten, manchmal sogar ohne zu unterscheiden was wem geh\u00f6rt, wie beim Reiten auf Tieren.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten uns also nicht allzu k\u00fcnstlich echauffieren, auch wenn wir vermuten, dass die allermeisten gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und (bald) \u00abHomo-Ehen\u00bb hierzulande auch den verbotenen und abscheulichen Geschlechtsverkehr beinhalten. So lange sie dies im Privaten tun und uns damit unbehelligt lassen, ist allein Allah ihr Richter. Und da die allermeisten von ihnen sowieso keine Muslime sind, gilt zudem f\u00fcr sie der Ausspruch \u00ab<em>Es gibt keine S\u00fcnde nach dem Unglauben<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur weil die Kuffar dieser Institution den Namen <em>EHE<\/em> geben, muss das f\u00fcr uns noch lange nichts bedeuten. Vorteile, die hierzulande aus einer solchen staatlich registrierten \u00abEhe\u00bb resultieren, k\u00f6nnten im <em>Dar al-Islam<\/em> allesamt testamentarisch und vertraglich (also privatrechtlich) geregelt werden. Da zwangsweise und willk\u00fcrliche Besteuerung im Islam sowieso verboten ist, sind steuerliche Vorteile ebenfalls nicht gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich w\u00fcrde das Urteil eines Gelehrten zu dieser Angelegenheit sehr interessieren. Unter der Pr\u00e4misse, dass man ausschlie\u00dflich eine G\u00fctergemeinschaft bezweckt und hier im staatlichen Raubsystem <em>(mit einer Staatsquote von nahezu 50%)<\/em> lediglich einen steuerlichen Vorteil erreichen m\u00f6chte <em>(gleich: weniger Futter in den Rachen des Taghut)<\/em>, k\u00f6nnte eine staatlich eingetragene Lebenspartnerschaft zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern auch islamrechtlich erlaubt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine eigene Oma (v\u00e4terlicherseits) verbrachte ihren Lebensabend \u00fcbrigens selbst in einer solchen g\u00fctergemeinschaftlichen Lebenspartnerschaft, mit einer engen Freundin fast gleichen Alters. Bis auf das Schlafzimmer teilten sich die Damen fast alles. F\u00fcr eine alte Frau, die nicht noch einmal heiraten m\u00f6chte, hat das fast ausschlie\u00dflich Vorteile \u2026 sozial (gegen Vereinsamung) als auch wirtschaftlich (sprich: Arbeitsteilung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wa Allahu &#8218;alem<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_1914\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"1914\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya ibn Rainer Es gibt momentan, auch (und besonders) unter Muslimen, sehr viel Aufregung \u00fcber die Institution der sogenannten \u00abHomo-Ehe\u00bb. 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