{"id":2028,"date":"2015-07-24T20:46:20","date_gmt":"2015-07-24T20:46:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2028"},"modified":"2015-07-24T20:46:20","modified_gmt":"2015-07-24T20:46:20","slug":"die-vorstellung-von-freier-marktwirtschaft-im-fruehen-islam-von-abu-hanifa-bis-ibn-khaldun-zustimmung-fuer-den-freien-markt-4-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/die-vorstellung-von-freier-marktwirtschaft-im-fruehen-islam-von-abu-hanifa-bis-ibn-khaldun-zustimmung-fuer-den-freien-markt-4-teil\/","title":{"rendered":"Die Vorstellung von freier Marktwirtschaft im fr\u00fchen Islam \u2013 Von Abu Hanifa bis Ibn Khaldun, Zustimmung f\u00fcr den freien Markt (4. Teil)"},"content":{"rendered":"<pre>Der folgende Text stammt von <em>Suleyman Dost<\/em>, einem t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Doktoranten des Fachbereichs <em>\u00bbNah-\u00f6stliche Sprachen und Zivilisationen\u00ab<\/em> an der <em>University of Chicago <\/em>(<a href=\"https:\/\/iqsaweb.wordpress.com\/2015\/04\/13\/dost-arabian_context_diss\/\" target=\"_blank\">hier ein Auszug aus seiner Dissertation<\/a>), und wurde von mir (<em>Yahya ibn Rainer<\/em>) in die deutsche Sprache \u00fcbertragen. Das englischsprachige Original ist <a href=\"http:\/\/www.muslims4liberty.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Free-Markets-in-Early-Islam-Suleyman-Dost.pdf\" target=\"_blank\">\u00bbHIER\u00ab<\/a> zu finden<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer islamischer Gelehrter, der ausf\u00fchrlich \u00fcber Wirtschaft geschrieben hat, war <em>al-Mawardi<\/em>, der in seinem ber\u00fchmten Werk <em>Al-Ahkam al-Sultaniyya<\/em> verschiedenste Themen behandelte, angefangen von Landwirtschaft, \u00fcber Steuerpolitik bis hin zum Posten der Marktaufsicht (<em>muhtasib<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->In einem langen Kapitel \u00fcber die Aufgaben des <em>muhtasib<\/em> &#8211; des Staatsbeamten, in dessen Verantwortlichkeit die moralische und wirtschaftliche Beaufsichtigung des Marktes fiel \u2013 beschreibt <em>al-Mawardi<\/em> den Umfang staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft. F\u00fcr ihn ist der Marktaufseher lediglich ein Koordinator des Marktplatzes, der nach den Prinzipien des \u201eGebietens von Gutem und Verbieten des Schlechten\u201c eher eine moralische Aufgabe erf\u00fcllte, als eine wirtschaftliche. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sorgt daf\u00fcr, dass die Muslime das Freitagsgebet besuchen, im Monat Ramadan fasten und dass Nichtmuslime sich an die Regeln halten, die f\u00fcr sie Geltung haben, was Verhalten, Benehmen und Bekleidung angeht.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Seine Aufgaben, den wirtschaftlichen Bereich betreffend, beschr\u00e4nken sich lediglich auf die Regulierung von Ausschweifungen, Kontrolle der Ma\u00dfeinheiten (Gewichte usw), Inspektion der Produktqualit\u00e4t und die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Vertr\u00e4ge auf dem Markt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Al-Mawardi<\/em> verwahrte sich strengstens gegen irgendwelche Formen des Eingriffs in das Privateigentum (anderer Leute) vonseiten des <em>muhtasib<\/em> und er sprach ihm jegliche richterliche Gewalt ab. Mit <em>Abu Hanifa<\/em> stimmte er auch in Sachen Preisbindung (bzw. \u2013festsetzung) \u00fcberein:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr (der muhtasib) kann nicht die Preise f\u00fcr Waren und andere G\u00fcter f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit festlegen, weder in Zeiten der Knappheit, noch in Zeiten des \u00dcberflusses.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <em>muhtasib<\/em> ist der h\u00f6chste Vertreter einer Stadtverwaltung in Wirtschaftsangelegenheiten, doch sein Wirkungsbereich auf dem Marktplatz, welcher in der Vormoderne die Gesamtwirtschaft bildete, ist \u00e4u\u00dferst begrenzt. Wobei es nat\u00fcrlich auch Ausnahmen von dieser Regel gab, beispielsweise im fatimidischen \u00c4gypten und in einigen St\u00e4dten des osmanischen Reiches im sp\u00e4ten 16. Jahrhundert, aber die urspr\u00fcnglichen Aufgaben des <em>muhtasibs<\/em> beschr\u00e4nkten sich auf die Bereiche, die auch von den Gelehrten beschrieben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere gro\u00dfe Figur, die man nur schwerlich au\u00dfer Acht lassen kann, in der Diskussion um freie Marktwirtschaft im Islam, ist <em>Ibn Khaldun<\/em>, der renommierte islamische Universalgelehrte des 14. Jahrhunderts. Tats\u00e4chlich gingen sogar einige Gelehrte so weit, ihn als Vorl\u00e4ufer von <em>Adam Smith<\/em> zu betrachten, dessen Ideen von Arbeitsteilung, Profit und Wertsch\u00e4tzung des freien Marktes auf ihn (<em>Ibn Khaldun<\/em>) zur\u00fcckzuf\u00fchren seien. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> In einer Zeit lebend, als es in ganz Nordafrika und Spanien keinerlei islamische Ordnungsmacht gab, basierte <em>Ibn Khalduns<\/em> Wirtschaftstheorie auf freier Warenzirkulation, der Wichtigkeit des unternehmerischen Risikos und der Preisbildung, die ihre Ver\u00e4nderung durch Angebot und Nachfrage in verschiedenen (Handels-)Regionen erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Theorie ist es die Aufgabe des Staates, in seinem Zust\u00e4ndigkeitsbereich f\u00fcr Recht und Ordnung zu sorgen, denn dies ist der Ursprung f\u00fcr Gerechtigkeit und ben\u00f6tigt dazu milit\u00e4rische Kr\u00e4fte, Verwaltung und gesellschaftliche Produktionsstrukturen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedoch missbilligte er die direkte Beteiligung des Staates an der Wirtschaft, auch in Form von Investitionen\/Subventionen, da er bef\u00fcrchtete, das der Staat zu m\u00e4chtig werden w\u00fcrde und eine Konkurrenz f\u00fcr den privaten Sektor. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fu\u00dfnoten<\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Al-Mawardi, op. cit. pp. 260<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ibid. pp. 263<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ibid. pp. 278<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Berg &amp; Kemp, op. cit. pp. 12<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Kozak E. Ibn Haldun\u2019a G\u00f6re \u0130nsan-Toplum-\u0130ktisat, Istanbul: P\u0131nar Yay\u0131nlar\u0131 (1984) pp. 160<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ibid. pp. 167<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2028\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2028\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text stammt von Suleyman Dost, einem t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Doktoranten des Fachbereichs \u00bbNah-\u00f6stliche Sprachen und Zivilisationen\u00ab an der University of Chicago (hier ein Auszug aus seiner Dissertation), und wurde von mir (Yahya ibn Rainer) in die deutsche Sprache \u00fcbertragen. 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