{"id":2080,"date":"2015-08-31T09:57:42","date_gmt":"2015-08-31T09:57:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2080"},"modified":"2015-08-31T09:57:42","modified_gmt":"2015-08-31T09:57:42","slug":"auszug-ibn-khaldun-einleitende-bemerkungen-zur-menschlichen-kultur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/auszug-ibn-khaldun-einleitende-bemerkungen-zur-menschlichen-kultur\/","title":{"rendered":"Auszug: Ibn Khaldun &#8211; Einleitende Bemerkungen zur menschlichen Kultur"},"content":{"rendered":"<pre style=\"text-align: justify;\">Der folgende Auszug stammt aus der ber\u00fchmten <em>Muqaddima<\/em>, der Einf\u00fchrung in das mehrb\u00e4ndige Geschichtswerk des muslimischen Universalgelehrten <em>Ibn Khaldun<\/em> (1332-1406). Diese einleitenden Bemerkungen zur menschlichen Kultur lassen jeden Leser aufhorchen, der sich f\u00fcr Soziologie und Volkswirtschaft begeistern kann. Besonders die Kenner von <em>Adam Smith<\/em> und seiner Darlegung der menschlichen Arbeitsteilung, werden hier \u00fcberraschende Parallelen vorfinden.<\/pre>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einleitende Bemerkungen zur menschlichen Kultur im allgemeinen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu allererst mu\u00df festgestellt werden, da\u00df der menschliche Zusammenschlu\u00df notwendig ist. Die Philosophen geben dem mit ihrer Aussage, da\u00df der Mensch von Natur aus gesellschaftlich sei, Ausdruck. Das hei\u00dft, da\u00df f\u00fcr ihn der Zusammenschlu\u00df, den sie mit dem Terminus &lt;Stadt&gt; umrei\u00dfen, unumg\u00e4nglich ist. Das ist auch der Sinn des Wortes \u2018umran &#8211; menschliche Kultur. Die Erkl\u00e4rung ist darin zu suchen, da\u00df Allah &#8211; gepriesen sei er &#8211; den Menschen schuf und ihn so gestaltete, da\u00df dieser ohne Lebensmittel nicht leben und existieren kann. Er f\u00fchrte ihn dazu, durch seinen nat\u00fcrlichen Trieb nach diesen Lebensmitteln zu suchen, und stattete ihn mit der Kraft aus, diese zu erlangen. Doch ist die Kraft eines einzelnen Menschen nicht imstande, seinen Bedarf an allem zu decken, und sie reicht f\u00fcr ihn als Lebenssubstanz nicht aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Selbst wenn wir eine kleinstm\u00f6gliche Menge annehmen z. B. Nahrung aus Weizen f\u00fcr einen Tag &#8211; so kommt der Mensch nur mit Hilfe vieler Arbeitsg\u00e4nge, wie Mahlen, Kneten und Backen, zu ihr. Jede dieser drei T\u00e4tigkeiten erfordert jedoch Hilfsmittel und Werkzeuge, die nur durch verschiedene Handwerke, wie das des Schmiedes, Tischlers und T\u00f6pfers, entstehen k\u00f6nnen. Angenommen, er \u00e4\u00dfe alles in Form unverarbeiteter K\u00f6rner, so w\u00fcrde er, um zu diesen zu kommen, anderer, noch zahlreicherer T\u00e4tigkeiten bed\u00fcrfen, n\u00e4mlich des S\u00e4ens, Erntens sowie Dreschens, das die K\u00f6rner von den Spelzen der \u00c4hren trennt. Jede dieser T\u00e4tigkeiten erfordert noch um ein Vielfaches mehr als die erstgenannten zahlreiche Werkzeuge und umfangreiche handwerkliche Fertigkeiten. Es ist unm\u00f6glich, da\u00df die Kraft eines einzelnen f\u00fcr dies alles oder selbst einen Teil dessen ausreicht. Ein Zusammenschlu\u00df der vielen Kr\u00e4fte seiner Artgenossen ist deshalb unumg\u00e4nglich, um Nahrung f\u00fcr ihn selbst und f\u00fcr sie zu erlangen. Durch das Zusammenwirken wird dem Bedarf der Menschen nach Lebensmitteln (dabei) um ein Vielfaches mehr Gen\u00fcge geleistet, als Menschen eigentlich vorhanden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Weiteren braucht ein jeglicher auch die Hilfe seiner Artgenossen zur Verteidigung seiner selbst. Als n\u00e4mlich Allah &#8211; gepriesen sei er &#8211; die Naturen aller Lebewesen formte und die Kr\u00e4fte unter ihnen aufteilte, startete er viele wilde Tiere mit vollkommenerer Kraft aus als den Menschen. Die Kraft des Pferdes ist beispielsweise erheblich gro\u00dfer als die des Menschen, ebenso die des Esels und des Stieres. Die Kraft des L\u00f6wen und des Elefanten ist sogar um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer als seine Kraft. Da Feindschaft bei einem Lebewesen in dessen Natur liegt, versah Allah \u2013 gepriesen sei er &#8211; jedes von ihnen mit einem Organ, das der Verteidigung seiner selbst gegen Feindseligkeiten durch andere dient. Dem Menschen verlieh er statt all dessen die F\u00e4higkeit zu denken sowie die Hand. Unterst\u00fctzt vom Denken, bereitet die Hand den menschlichen Fertigkeiten den Weg. Durch die Fertigkeiten gelangt der Mensch zu den Werkzeugen, die ihm das ersetzen, was die Raubtiere zur Verteidigung besitzen. Das sind z. B. Lanzen, die die H\u00f6rner zum Sto\u00dfen ersetzen, Schwerter anstelle von Krallen, um Wunden beizuf\u00fcgen, Schilde anstelle harter Haut sowie weiteres, das Galen in seinem Buch \u00abDe usu partium\u00bb erw\u00e4hnt. Die Kraft des einzelnen Menschen kann nicht der Kraft eines der Tiere, insbesondere der Raubtiere, widerstehen. Er ist unf\u00e4hig, sich allein gegen sie zu verteidigen. Auch reicht seine Kraft nicht aus, sich all der Werkzeuge zur Verteidigung zu bedienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus alledem wird es f\u00fcr ihn unumg\u00e4nglich, da\u00df er und seine Artgenossen sich gegenseitig unterst\u00fctzen. Ohne dieses Zusammenwirken kommt er nicht zu Nahrung und Lebensmitteln und kann sein Leben sich nicht vollziehen. Denn Allah, der Erhabene, startete ihn mit dem Bedarf nach Lebensmitteln aus. Mangels Waffen kann sich der Mensch auch nicht selbst verteidigen. Er w\u00fcrde so zur Beute wilder Lebewesen werden. Sein Leben f\u00e4nde vorzeitig ein Ende, und die Gattung Mensch w\u00fcrde zu existieren aufh\u00f6ren. Durch das Zusammenwirken erlangt er jedoch f\u00fcr sich Lebensmittel zur Ern\u00e4hrung und Waffen zur Verteidigung. So erf\u00fcllt sich die Weisheit Allahs, da\u00df er fortexistiert und da\u00df seine Gattung bewahrt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folglich ist dieser Zusammenschlu\u00df f\u00fcr die menschliche Gattung notwendig. Anderenfalls w\u00e4re die Existenz der Menschen und Allahs Wunsch, die Erde durch die Menschen zu besiedeln und sie als seine Stellvertreter zu bestimmen, nicht vollkommen. Das ist der Sinn des Wortes \u2018umran &#8211; menschliche Kultur, den wir zum Gegenstand dieser Wissenschaft machten. Mit dieser Er\u00f6rterung soll gewisserma\u00dfen der Gegenstand dieser Wissenschaftsdisziplin nachgewiesen werden, die einen solchen wie den geschilderten besitzt. Das ist f\u00fcr den Vertreter einer wissenschaftlichen Disziplin nicht unbedingt verbindlich, da in der Kunst der Logik festgelegt ist, da\u00df es dem Vertreter einer Wissenschaft nicht obliegen mu\u00df, den Gegenstand dieser Wissenschaft selbst nachzuweisen. Zum anderen wird dies von den Logikern auch nicht verboten. Der Nachweis des Gegenstandes ist folglich ein freiwilliger Beitrag. Allah gibt in seiner Gnade Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn, wie wir erkl\u00e4rt haben, ein solcher Zusammenschlu\u00df der Menschen zustande gekommen und durch sie die menschliche Kultur auf der Welt Wirklichkeit geworden ist, so bed\u00fcrfen sie unbedingt eines z\u00fcgelnden Elementes, das sie voneinander fernh\u00e4lt, da in ihrer animalischen Natur Feindschaft und Tyrannei liegen. Des Weiteren sind die f\u00fcr die Menschen zur Verteidigung gegen Feindseligkeiten wilder Tiere angefertigten Waffen nicht geeignet, Gegnerschaft untereinander abzuwehren, da diese Waffen bei allen Menschen vorhanden sind. Folglich ist etwas anderes unumg\u00e4nglich, das die Feindseligkeiten der Menschen untereinander abwehrt. Dies mu\u00df von ihnen selbst kommen, da alle anderen Lebewesen in ihrer Verstandeskraft und Eingebung dazu nicht f\u00e4hig sind. So mu\u00df jenes z\u00fcgelnde Element einer von ihnen sein, der ihnen \u00fcberlegen ist, Autorit\u00e4t und eine starke Hand besitzt, so da\u00df keiner den anderen angreifen kann. Das ist der Sinn des Wortes mulk &#8211; Herrschaft. F\u00fcr dich wird hierbei offensichtlich, da\u00df sie eine naturgegebene Eigenart des Menschen ist, die f\u00fcr die Menschen unumg\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei einigen wilden Tieren, so den Bienen und Heuschrecken, soll es, wie die Philosophen berichten, derartiges auch geben, da man bei ihnen Prinzipien wie Herrschaft, Unterwerfung und Folgsamkeit gegen\u00fcber einem F\u00fchrer von ihnen, der sich durch seine Natur und k\u00f6rperliche Beschaffenheit auszeichnet, feststellen konnte. Jedoch kommt das bei nichtmenschlichen Lebewesen durch Instinkt und g\u00f6ttliche F\u00fchrung, nicht durch die F\u00e4higkeit zum Denken und zweckm\u00e4\u00dfigen Lenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00abEr hat einem jeden Ding seine kreat\u00fcrliche Art gegeben und hierauf rechtgeleitet.\u00bb<br \/>\n[Koran 20. 50]<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ibn Khaldun, <a href=\"https:\/\/ia601802.us.archive.org\/22\/items\/IbnKhaldunBuchDerBeispiele\/Ibn%20Khaldun%20-%20Buch%20der%20Beispiele.pdf\" target=\"_blank\">Buch der Beispiele &#8211; Die Einf\u00fchrung\/al-Muqaddima<\/a>, \u00fcbersetzt von Mathias P\u00e4tzold, Seite 51-54)<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2080\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2080\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Auszug stammt aus der ber\u00fchmten Muqaddima, der Einf\u00fchrung in das mehrb\u00e4ndige Geschichtswerk des muslimischen Universalgelehrten Ibn Khaldun (1332-1406). 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