{"id":2156,"date":"2015-09-27T19:06:11","date_gmt":"2015-09-27T19:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2156"},"modified":"2019-03-06T11:18:52","modified_gmt":"2019-03-06T11:18:52","slug":"der-tadel-an-den-bediensteten-der-dawla-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-tadel-an-den-bediensteten-der-dawla-2-teil\/","title":{"rendered":"Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (2. Teil)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>von Yahya ibn Rainer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2138\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Im 1. Teil dieser Reihe<\/a> habe ich versucht, den herrschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel der muslimischen Gemeinschaft in den ersten 150 Jahren nach der Hijra verk\u00fcrzt darzustellen. Wichtig war f\u00fcr mich in diesem Zusammenhang der Fokus auf die &#8222;Staatlichkeit&#8220; und &#8222;Zentralit\u00e4t&#8220; der politischen und gesellschaftlichen Ordnungsstruktur. Wir k\u00f6nnen, beginnend bei der F\u00fchrung durch den Gesandten Allahs<em> &#8211; Allah segne ihn und schenke ihm Heil &#8211;<\/em>, als Oberhaupt einer f\u00f6deralen Ordnungsstruktur (<em>al-Mithaq<\/em>), bis hin zur zentralistischen <em>Dawla<\/em> der Abbasiden, einen signifikanten Anstieg der staatlichen Organisation und Planung feststellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Schaffung zahlreicher Verwaltungen, Registraturen und hofstaatlicher Stellen, stieg auch die Anzahl staatlicher Angestellter. Im Abbasidenreich war der Anteil staatlicher Bezugsempf\u00e4nger bereits derma\u00dfen angewachsen, dass dadurch eine ganz eigene Bev\u00f6lkerungsklasse entstand. Die Bediensteten der <em>Dawla<\/em> hatten einen eigenen Status im Volk und waren nicht selten mit Attributen der Staatsgewalt ausgestattet, was ihnen gewisse Privilegien einbrachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ergab es sich, dass bestimmte Teile der Gesellschaft sich darin \u00fcbten, die Beamten, Sekret\u00e4re und sonstigen Bediensteten der <em>Dawla<\/em> mit Lob zu \u00fcbersch\u00fctten, um sich mit ihrer Gunst zu schm\u00fccken. Dem gegen\u00fcber wurden die freien und unabh\u00e4ngigen Kaufleute, die h\u00e4ufig wohlhabend und welterfahren waren, mit Hohn betrachtet und mit Tadel \u00fcberh\u00e4uft, weil sie, wo es nur ging, sich vom Herrscher und seiner <em>Dawla<\/em> fern hielten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen solchen Lob auf die Beamten und Tadel auf die Kaufleute beantwortete der ber\u00fchmte Literat <em>\u02bfAmr ibn Bahr al-Jahiz<\/em> (159-255 n. H.) mit einen Sendschreiben an seinen Briefpartner. Er drehte den Spie\u00df um und schrieb <em>\u201e\u00dcber das Lob der Kaufleute und den Tadel der \u00f6ffentlichen \u00c4mter\u201c<\/em>:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00ab [&#8230;] Eine solche Sprache erw\u00e4chst noch immer aus den untersten Gefolgsleuten des Herrschers. Die Oberschicht von ihnen dagegen, ihre Hevorragendsten, diejenigen von ihnen, die Einsicht und Unterscheidungsverm\u00f6gen besitzen, denen die Klugheit die Augen ge\u00f6ffnet, die die Erziehung hart angepackt und deren Blick lange \u00dcberlegung gesch\u00e4rft hat, die Schamgef\u00fchl in sich haben und die Pr\u00fcfungen stark gemacht haben, so dass sie die Folgen der Dinge kennen, die Einzelheiten beherrschen und von den R\u00e4tseln der Ursachen zu sprechen imstande sind, die geben die \u00dcberlegenheit der Kaufleute zu und w\u00fcnschen, in deren Lage zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie erkennen ihnen zu, dass ihr geistliches Leben heil und ihr Essen gut ist, und sie wissen, dass sie stets die gewissenhaftesten Leute sind, das angenehmste Leben f\u00fchren und das ruhigste Gem\u00fct haben, denn in ihren H\u00f6fen sind sie wie K\u00f6nige auf ihren Thronen, nach denen die Leute, die etwas bed\u00fcrfen, verlangen und zu denen sich diejenigen, die etwas zu kaufen w\u00fcnschen, begeben. In ihrem Lebenserwerb ist ihnen keine Erniedrigung auferlegt, und Unterw\u00fcrfigkeit macht sie nicht zu Sklaven ihrer Gesch\u00e4fte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist es aber nicht mit denen bestellt, die in eigener Person enge Beziehungen zur Regierung haben und ihr durch ihre Dienstleistung nahe stehen. Diese haben vielmehr die Unterw\u00fcrfigkeit als ihr Gewand und Schmeichelei als ihre Losung, und ihre Herzen sind erf\u00fcllt (vor Ehrfurcht) vor denen, die Macht \u00fcber sie besitzen; Angst bekleidet sie, Erniedrigung ist ihnen vertraut, und die Aussicht auf Bed\u00fcrftigkeit ist ihr st\u00e4ndiger Gef\u00e4hrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem befinden sie sich in Ver\u00e4rgerung und Aufregung aus Furcht vor dem \u00dcbermut ihres Vorgesetzten, dem Tadel ihres Herrn, einem Umschwung des Geschicks und dem Hereinbrechen von Heimsuchungen. Wenn ihnen diese Dinge zusto\u00dfen \u2013 und sie sto\u00dfen ihnen gar oft zu -, dann braucht man \u00fcberhaupt nicht davon zu sprechen, wie bemitleidenswert sie sind, so dass sich sogar ihre Feinde \u00fcber sie erbarmen, von ihren Freunden ganz abgesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie soll man keinen Unterschied machen zwischen denen, welchen eine solche Frucht ihrer Wahl und ein solches Ergebnis ihrer erworbenen F\u00e4higkeiten zuteil wird, und den anderen, die die Erf\u00fcllung ihrer W\u00fcnsche, Ruhe und Sicherheit vor Missgeschicken erlangt haben, und dabei noch zu gro\u00dfem Reichtum und zur Befriedigung ihrer Gel\u00fcste gekommen sind, ohne auf die Gunst eines anderen angewiesen zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gro\u00df ist doch der Unterschied zwischen denen, die von der Huld der Bevorzugten frei sind, und den anderen, die die Wohlt\u00e4tigkeit zu Sklaven macht, die der Ehrgeiz unterjocht, an denen die Last der Gef\u00e4lligkeit h\u00e4ngt, um deren Hals die Verpflichtung zum Dank gelegt ist und von denen das Sicherkenntlichzeigen als Pfand gefordert wird! [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was deinen Freund veranlasst hat, die Kaufleute zu tadeln, ist der Umstand, dass er sich in seinem Mangel an erworbenen Kenntnissen vorstellt, es fehle ihnen an Wissen und Bildung, weil ihr Gewerbe sie daran hindere und davon anhalte. Aber in welchem Zweig der Wissenschaft haben die Kaufleute nicht h\u00f6chste Vollendung erreicht, keinen Anteil daran genommen, nicht die F\u00fchrerstellung unter den Leuten des betreffenden Fachs innegehabt oder die Elite gebildet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gab es etwa unter den <em>tabi\u2019un<\/em> einen gelehrteren und edleren als <em>Sa\u2019id bin al-Musajjab<\/em>? Obwohl er ein H\u00e4ndler war, der verkaufte und kaufte, [\u2026] war er derjenige, der sich auf das Deuten von Tr\u00e4umen am besten verstand und in den Genealogien der <em>Quraish<\/em> am kundigsten war; er erteilte mit Unterst\u00fctzung zahlreicher Prophetengenossen Rechtsgutachten und besa\u00df zudem Kenntnis der Geschichte der <em>jahilijja <\/em>und des Islams, war dem\u00fctig, sehr eifrig, gottesf\u00fcrchtig, befahl das Gute und genoss in den Augen der Kalifen gro\u00dfes Ansehen.\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-tadel-an-den-bediensteten-der-dawla-3-teil\/\"><strong>3. Teil =&gt;<\/strong><\/a> dieser Reihe werde ich mit Ausz\u00fcgen aus dem Sendschreiben des al-Jahiz fortfahren in schaa Allah.<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2156\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2156\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya ibn Rainer Im 1. 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