{"id":2167,"date":"2015-09-30T10:30:46","date_gmt":"2015-09-30T10:30:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2167"},"modified":"2019-03-06T10:42:42","modified_gmt":"2019-03-06T10:42:42","slug":"der-tadel-an-den-bediensteten-der-dawla-3-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-tadel-an-den-bediensteten-der-dawla-3-teil\/","title":{"rendered":"Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (3. Teil)"},"content":{"rendered":"<p><em>von Yahya ibn Rainer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2156\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Im 2. Teil dieser Reihe<\/a> habe ich den Auszug aus dem Sendschreiben <em>\u201e\u00dcber das Lob der Kaufleute und den Tadel der \u00f6ffentlichen \u00c4mter\u201c<\/em> des ber\u00fchmten Literaten <em>\u02bfAmr ibn Bahr al-Jahiz<\/em> (159-255 n. H.) begonnen. Dort ging es inhaltlich in erster Linie um die Verurteilung desjenigen, der in seinem Loblied (auf die Beamten der Dawla) die Kaufleute tadelte. Des weiteren verteidigte al-Jahiz die Kaufleute als gute Muslime und machte darauf aufmerksam, dass es solche auch unter den Salaf gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem 3. und letzten Teil m\u00f6chte ich den Auszug aus dem Sendschreiben des <em>al-Jahiz<\/em> fortsetzen. Nun geht der Autor dazu \u00fcber, die Sekret\u00e4re (Beamten) der Dawla zu <span class=\"st\">portraitieren und erteilt ihnen anbei einen gro\u00dfen Tadel.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00ab [\u2026] Jeder Sekret\u00e4r ist zur Loyalit\u00e4t verurteilt, und man verlangt von ihm, dass er M\u00fchseligkeiten auf sich nimmt; dies sind die verschiedenen Bedingungen, die ihm auferlegt sind, und die vollkommene Pr\u00fcfung, die ihn erwartet. Der Sekret\u00e4r darf sich aber seinerseits nichts dergleichen ausbedingen, vielmehr beschuldigt man ihn beim ersten Versehen der S\u00e4umigkeit, obgleich er sich abhetzt, und selbst wenn er noch nicht ge\u00fcbt ist, erreicht ihn beim ersten Fehler der Tadel. Der Sklave hat wenigstens das Recht, durch Beschwerde von seinem Herrn mehr zu verlangen und, wenn er es w\u00fcnscht, um Wechsel des Besitzers zu bitten, w\u00e4hrend der Sekret\u00e4r weder die Ausbezahlung seines ausstehenden Gehalts fordern noch seinem Herrn davonlaufen kann, wenn die Beziehungen schwierig werden. Seine Rechtsstellung ist die der Sklaven, und sein Platz unter der Dienerschaft ist der von Dummk\u00f6pfen. Trotz alledem steht er aber an der \u00e4u\u00dfersten Spitze der Prahlerei, auf dem h\u00f6chsten Gipfel des Stolzes und auf dem Meer, das von Hochmut und Ma\u00dflosigkeit \u00fcberflie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manch einer von ihnen bildet sich ein, wenn er sein weit\u00e4rmeliges Gewand verbreitere, seine Schleppe verl\u00e4ngere, seine Schl\u00e4fenlocke \u00fcber seine Wange flechte und auf seiner Stirn von seinem Haar zwei Winkel abschneide, sei er einer, dem Gefolgschaft geleistet wird, und kein Untergebener und ein Lehnsherr \u00fcber dem Lehnsmann. Sobald ein Anf\u00e4nger den Platz der F\u00fchrung betreten und sich im Rat des Kalifats eingerichtet hat, eine Korbwand ihn abschlie\u00dft und das Tintenfass vor ihm steht, sobald er aus der Rhetorik die brillantesten Redensarten und aus der Wissenschaft die geistvollsten Geschichten auswendig wei\u00df, die Sprichw\u00f6rter des <em>Buzurgmihr<\/em>, das Verm\u00e4chtnis des <em>Ardasir<\/em>, die Sendschreiben des <em>Abdalhamid<\/em> und den <em>adab<\/em> des Ibn <em>al-Muqaffa\u2018<\/em> erz\u00e4hlen kann und sobald er das Buch des <em>Mazdak<\/em> zur Fundgrube seines Wissens und die Sammlung <em>Kalila wa Dimna<\/em> zum Schatz seiner Weisheit gemacht hat, h\u00e4lt er sich f\u00fcr den gro\u00dfen <em>Faruq<\/em> in Sachen der Verwaltung, f\u00fcr Ibn Abbas in der Wissenschaft der Koranauslegung, f\u00fcr <em>Mu\u2019ad bin Jabal<\/em> in der Kenntnis des Erlaubten und Verbotenen, f\u00fcr \u2018Ali bin Abi Talib in der K\u00fchnheit zu Entscheidungen und Urteilen, f\u00fcr <em>Abul-Huhail al-Allaf<\/em> in Fragen der Atomistik und der sprunghaften Mutation (<em>tafra<\/em>), f\u00fcr <em>Ibrahim bin Sajjar an-Nazzam<\/em> in der Lehre vom <em>kumun<\/em> und von der <em>muganasa<\/em>, f\u00fcr <em>Hussain an-Najjar<\/em> in der Kenntnis der religi\u00f6sen Pflichten und in der Lehrmeinung von der Vorherbestimmung und f\u00fcr <em>al-Asma\u2019i<\/em> und <em>Abu \u2018Ubaida<\/em> in der Lexikographie und Genealogie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste, womit er anf\u00e4ngt, ist die Anordnung des Korans anzufechten und \u00fcber ihn wegen der darin enthaltenen Widerspr\u00fcche das Urteil zu f\u00e4llen. Dann legt er seinen Scharfsinn an den Tag, indem er die \u00dcberlieferungen f\u00fcr falsch erkl\u00e4rt und diejenigen, welche die Traditionen \u00fcbermitteln, herabsetzt. Wenn jemand den Prophetengenossen den Vorzug gibt, verzieht er dabei die Mundwinkel und kehrt ihm, wenn von ihren vortrefflichen Eigenschaften die Rede ist, den R\u00fccken. Wenn man <em>Suraih<\/em> zitiert, h\u00e4lt er ihn f\u00fcr unzuverl\u00e4ssig, und lobt man vor ihm al-Hasan, so findet er ihn unausstehlich; wenn man in seiner Gegenwart <em>ash-Sha\u2019bi<\/em> lobt, h\u00e4lt er ihn f\u00fcr dumm, wenn man zu ihm von <em>Ibn Jubair<\/em> spricht, erkl\u00e4rt er ihn f\u00fcr unwissend, und gibt man ihm gegen\u00fcber <em>an-Naha\u2019i<\/em> den Vorrang, so erachtet er ihn f\u00fcr unbedeutend. Daraufhin bricht er auf der Stelle die Debatte ab und erz\u00e4hlt von der Politik des <em>Ardasir Babakan<\/em>, von der Verwaltung des <em>Anusirwan<\/em> und von der Ordnung, die im Lande unter den Sassaniden herrschte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muss er vor Spitzeln auf der Hut sein und unterziehen ihn Muslime einer Pr\u00fcfung, so f\u00fchrt er zwar \u00dcberlieferungen vom Propheten an, geht aber dann zu den rationalen Wissenschaften \u00fcber, zitiert wohl \u00abfeste\u00bb Koranverse, wendet sich darauf jedoch den \u00abaufgehobenen\u00bb zu. Er verwirft alles, was nicht durch den Augenschein wahrnehmbar ist, und gleicht das Unsichtbare dem Sichtbaren an. Von den B\u00fcchern hei\u00dft er nur die Logik (des Aristoteles) gut, lobt nur den, der keinen Anklang findet, und h\u00e4lt nur den f\u00fcr ausgezeichnet, der keinen Zulauf hat [\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beweis daf\u00fcr ist die Tatsache, dass man niemals einen Sekret\u00e4r gesehen hat, der den Koran zu seinem Lieblingsbuch, die Auslegung des heiligen Buches zur Grundlage seines Wissens, den Kenntniserwerb in der Religion zu seiner Losung und die Bewahrung der Traditionen und \u00dcberlieferungen zum Eckpfeiler seiner Bildung gemacht h\u00e4tte. Und findet man einen, der etwas aus dem Koran und der Tradition anf\u00fchrt, so zeigen seine Kinnbacken dabei keine Gel\u00f6stheit, und seinem Speichel fehlt die S\u00fc\u00dfe. Wenn es einer von ihnen vorzieht, sich um das Studium des Hadith zu bem\u00fchen, und es sich angelegen sein l\u00e4sst, die B\u00fccher der Rechtsgelehrten zu zitieren, so finden ihn seine Genossen unleidlich und seine Kollegen anr\u00fcchig; sie rechnen es ihm als Entgleisung in seiner Lebensweise und als Abweichen in seinem Beruf an, da er etwas erstrebt, was nicht in seinem Wesen liege, und etwas sucht, was nicht von seiner Art sei.\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2167\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2167\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya ibn Rainer Im 2. 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