{"id":2837,"date":"2016-08-12T17:54:39","date_gmt":"2016-08-12T17:54:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2837"},"modified":"2016-08-12T18:44:57","modified_gmt":"2016-08-12T18:44:57","slug":"wirtschaftslehreoekonomie-beziehungen-und-einfluesse-zwischen-den-oekonomischen-denkschulen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wirtschaftslehreoekonomie-beziehungen-und-einfluesse-zwischen-den-oekonomischen-denkschulen\/","title":{"rendered":"Wirtschaftslehre\/\u00d6konomie: Beziehungen und Einfl\u00fcsse zwischen den \u00f6konomischen Denkschulen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wirtschaftslehre\/\u00d6konomie: Beziehungen und Einfl\u00fcsse zwischen den Ideen muslimischer Gelehrter, der christlichen Scholastik und der griechischen Philosophie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt lassen sich verschiedene Beziehungen zwischen den Ideen muslimischer Gelehrter, denen der griechischen Philosophie und der christlichen Scholastik mit Hilfe des folgenden Diagramms erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wirtschaftslehreoekonomie-beziehungen-und-einfluesse-zwischen-den-oekonomischen-denkschulen\/econom3\/\" rel=\"attachment wp-att-2838\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2838\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/econom3.png\" alt=\"econom3\" width=\"420\" height=\"560\" srcset=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/econom3.png 420w, http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/econom3-225x300.png 225w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kategorien 1, 2 und 3 stehen f\u00fcr die konkreten Vorstellungen jeder Identit\u00e4t, die einander widersprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kategorie 4 zeigt solche Ideen, die Muslime und Griechen gemeinsam haben, die aber dem Christentum fremd oder entgegengesetzt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kategorie 5 zeigt Ideen, welche Muslime mit dem Christentum gemeinsam haben, w\u00e4hrend Kategorie 6 Vorstellungen aufzeigt, welche das Christentum und die griechische Philosophie gemeinsam haben, die aber der islamischen Tradition fremd sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kategorie 7 vereint solche Ideen, die allen 3 Systemen gemeinsam sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fall der Kategorien 1, 2 und 3 versuchten muslimische Gelehrte die griechischen Ideen zu interpretieren, um \u2013 wo es m\u00f6glich war &#8211; eine Synthese zur muslimischen Lehre herzustellen. Wo eine Synthese nicht m\u00f6glich war, haben sie die griechischen Ideen einer Kritik unterzogen und sie widerlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da das Christentum mit den selben Problemen konfrontiert war, bedienten sich die Scholastiker an diesen (muslimischen) Argumenten (wenn es ihnen zum Vorteil gereichte), zumeist jedoch ohne die Quellen zu w\u00fcrdigen. In diesen Bereichen sind allgemeinhin philosophische und metaphysische Ideen vorzufinden. Wenn jedoch die Interpretation eines muslimischen Gelehrten in Konflikt mit dem christlichen Dogma geriet, wurde die Quelle von ihnen genannt und explizit auf den Fehler hingewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleiches ist der Fall in den Kategorien 4 und 6. Die Scholastiker wiesen auf (aus ihrer Sicht) dogmatische Irrt\u00fcmer hin und muslimische Gelehrte wurden namentlich (daf\u00fcr) verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beispiel: Im Jahre 1277 n. Chr. publizierte Stephan Tampier, der Bischof von Paris, eine Liste von Ideen des muslimischen Gelehrten Averro\u00ebs (Ab\u016b l-Wal\u012bd Mu\u1e25ammad bin Ru\u0161d), die von ihm allesamt verurteilt wurden (Durrant, Will, The Story of Civilization: The Age of Faith, New York: Simon &amp; Schuster, 1950, Vol. 4., pp.57-58). Thomas von Aquins Antrieb, seine <em>Summa Theologiae<\/em> zu schreiben, lag u.a. darin, die drohende Liquidierung der christlichen Theologie aufzuhalten, die durch die arabischen Interpretationen von Aristoteles drohte. (ibid., p. 913). Tats\u00e4chlich trieb Thomas von Aquin also nicht die Liebe zu Aristoteles an, sondern vielmehr die Angst vor dem muslimischen Gelehrten Averro\u00ebs. (ibid., p. 954) Im Grunde war dies eine Anerkennung, mit einer schlechten Absicht allerdings.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solcherlei Bezugnahmen sind nicht selten, auch in zeitgen\u00f6ssischen Texten die die Beitr\u00e4ge muslimischer Gelehrter zur Wirtschaftslehre vollkommen au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beispiel: W\u00e4hrend er muslimische Beitr\u00e4ge zum Wirtschaftlehre vollst\u00e4ndig ignoriert, erw\u00e4hnt <em>Roll<\/em> die Muslime lediglich als \u201eBeutekrieger\u201c (\u2018\u2026.. Moslems who had begun as raiding warriors \u2026.\u2019) (Roll, Eric, A History of Economic Thought, Homewood\/Illinois, Richard D. Irwin In., 1974, p. 42). Selbst die kategorische W\u00fcrdigung der Araber f\u00fcr das individuelle Eigentumsrecht, wird von <em>Ashly<\/em> als eine \u201eSelbstsucht der Heiden\u201c dargestellt (Ashly, William J., An Introduction to English Economic History and Theory, New York: G.P. Putnam and Sons, 2 Vols., 1893-1906, p. 128) \u2013 eine g\u00e4ngige Anspielung auf die Muslime, die m\u00f6glicherweise von den Scholastikern entlehnt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch <em>Whittaker<\/em> machte sich nicht die M\u00fche die Beitr\u00e4ge muslimischer Gelehrter zur Wirtschaftstheorie zu erw\u00e4hnen, jedoch vergas er nicht daran zu erinnern, dass \u201edie Machtausbreitung der Mohammedaner nicht nur die Existenz des Ostens oder Byzanz&#8216; bedrohte, mit Fokus auf Konstantinopel, sondern dass die Mohammedaner nach der Eroberung Nordafrikas sich auch in Spanien und Sizilien ausbreiteten\u201c. (Whittaker, Edmund, Schools and Streams of Economic Thought, London, John Murray, 1960, p. 21) Er sagt weiter: \u201eDer schikan\u00f6se und riskante \u00dcberland-Handel mit Asien wurde durch einen relativ einfachen Seeweg ersetzt, der bei alledem auch noch frei war von der Bedrohung durch die Mohammedaner\u201c (ibid., p. 22). Was hier als \u201eBedrohung\u201c bezeichnet wird, war \u00fcbrigens die Handelskonkurrenz, die von solchen Muslimen ausging die selber H\u00e4ndler waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kategorie 5 kennzeichnet dogmatische Harmonien zwischen dem Islam und dem Christentum. Hier bediente man sich vonseiten der Christen im vollen Umfang an den Ideen muslimischer Gelehrter, jedoch auch hier zumeist ohne W\u00fcrdigung der Quellen. Zum Beispiel der spanische Dominikanerm\u00f6nch Raymond Martini, der sich sehr ausgiebig bei den Ideen von Algazel \u00a0(Ab\u016b H\u0101mid Muhammad al-Ghaz\u0101l\u012b) bediente, welche er aus den Werken <em>Tahafut al-Falasifah<\/em>, <em>al-Maqasid<\/em>, <em>al-Munqidh<\/em>, <em>Mishkat al-Anwar<\/em> und <em>Ihya Ulum ad-Din<\/em> entnahm, wiederum ohne Bezug auf die Quelle nehmen. (Sharif, M.M., A History of Muslim Philosophy, Weisbaden: Otto Harrassowitz, 2 Vols., 1966, p. 1361)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kategorie 7 ist als dogmatisch neutral zu bezeichnen. Auch in diesem Bereich, wie oben bereits erw\u00e4hnt, z\u00f6gerten die Scholastiker nicht, sich ausgiebig an den Ideen der anderen Denkschulen zu bedienen, wobei sie, sofern sie das Bed\u00fcrfnis hatten auf die Quelle zu verweisen, sich vornehmlich auf griechische Gelehrte bezogen. In den Worten Daniels (Daniel, Norman, The Culture Barrier: Problems in the Exchange of Ideas, Edinburgh, Edinburgh University Press., 1975, pp. 76-77): \u201eEs gab eine spontane und allgemein anerkannte \u00dcbereinstimmung dar\u00fcber, was annehmbar und was abzulehnen sei; was \u00fcbernommen wurde, entsprach entweder einer kulturellen Gemeinsamkeit oder war kulturell neutral. Der Gro\u00dfteil d(ies)er wissenschaftlichen Erkenntnis war kulturell neutral. Diese kulturelle Neutralit\u00e4t wurde lediglich in einem gewissen Umfang dadurch absorbiert, dass diese Erkenntnisse ein gemeinsames Erbe der arabischen Welt als auch Europas darstellten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sei darauf hingewiesen, dass die meisten \u00f6konomischen Ideen zu den Kategorien 6 und 7 geh\u00f6ren, also zu denjenigen, die ohne weitere W\u00fcrdigung der Quelle von den Scholastikern \u00fcbernommen wurden. Und auch wenn diese Tatsachen heute geleugnet werden oder einfach in Vergessenheit geraten sind, so \u00e4ndert dies nichts daran, dass es ein Faktum ist, das zumindest heute einer nachtr\u00e4glichen Anerkennung w\u00fcrdig sein sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Basierend auf der Arbeit von Prof. Dr. <em>Abdul Azim Islahi<\/em> in seiner Publikation <a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/pdf-abdul-azim-islahi-contributions-of-muslim-scholars-to-economic-thought-and-analysis\/\" target=\"_blank\"><em>Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis<\/em><\/a>]<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2837\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2837\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftslehre\/\u00d6konomie: Beziehungen und Einfl\u00fcsse zwischen den Ideen muslimischer Gelehrter, der christlichen Scholastik und der griechischen Philosophie Insgesamt lassen sich verschiedene Beziehungen zwischen den Ideen muslimischer Gelehrter, denen der griechischen Philosophie und der christlichen Scholastik mit Hilfe des folgenden Diagramms erkl\u00e4ren. 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