{"id":2891,"date":"2016-08-29T18:04:52","date_gmt":"2016-08-29T18:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2891"},"modified":"2016-08-29T18:04:52","modified_gmt":"2016-08-29T18:04:52","slug":"buchauszug-habermann-de-jouvenel-der-mensch-ohne-gott-ohne-vorfahren-ohne-glaubenshaltungen-und-ohne-braeuche-v","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/buchauszug-habermann-de-jouvenel-der-mensch-ohne-gott-ohne-vorfahren-ohne-glaubenshaltungen-und-ohne-braeuche-v\/","title":{"rendered":"Buchauszug: Habermann \/ de Jouvenel \u2013 Der Mensch ohne Gott, ohne Vorfahren, ohne Glaubenshaltungen und ohne Br\u00e4uche (V)"},"content":{"rendered":"<pre>Es gibt keinen anderen nichtmuslimischen Autor, dessen Werke ich ausgiebiger und mit solcher Hingabe studierte, wie diejenigen des Wissenschaftlers und Philosophen Prof. Bertrand de Jouvenel. Sicherlich k\u00f6nnte ich nun versuchen in Worte zu fassen, was die Faszination f\u00fcr diesen gro\u00dfen Denker ausmacht. Viel besser jedoch als ich, kann dies die Eminenz des klassischen Liberalismus in Deutschland, Prof. Dr. Gerd Habermann, der f\u00fcr seine de Jouvenel-Publikation \u201eDie Ethik der Umverteilung\u201c (2012) eine umfassende W\u00fcrdigung de Jouvenels verfasste. Das Folgende ist ein Auszug aus dieser W\u00fcrdigung:<\/pre>\n<p><strong>VIII. Die totalit\u00e4re Demokratie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Voraussetzungen einer faktisch nicht mehr beschr\u00e4nkten Volkssouver\u00e4nit\u00e4t in der Form des Mehrheitswillens, wird <em>de Jouvenels<\/em> Bewertung moderner Demokratie als einer \u201etotalit\u00e4ren\u201c verst\u00e4ndlich. Dies gilt auch und gerade f\u00fcr die repr\u00e4sentative Demokratie, die eher eine Herrschaft \u00fcber das Volk als des Volkes darstelle und dies umso mehr, als sie sich auf die \u201eNabelschnur der allgemeinen Wahlen\u201c berufen k\u00f6nne (1972, S. 315). Parteien und Interessengruppen b\u00f6ten keinen Schutz gegen diese totalit\u00e4re Ausweitung. Sie bestimmen nur \u2013 im Kampf miteinander \u2013 die Richtung, in welche diese voranschreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Staat werde zur \u201epermanenten Revolution\u201c in der Verteilung oder Umverteilung von Rechten und in dem Streben nach einer \u201ebestm\u00f6glichen Sozialordnung\u201c. <em>De Jouvenel<\/em> spricht vom \u201eVampirismus\u201c der modernen Staatsgewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber liegt nicht in der verfassungsm\u00e4\u00dfig verb\u00fcrgten Gewaltenteilung eine Garantie der Freiheit? Nun, bei Montesquieu, auf den moderne Politikwissenschaftler oft ohne n\u00e4here Kenntnis seines Werkes beriefen, konnte eine Gewalt die andere in Schranken halten, weil jede der Institutionen das Organ einer in der Gesellschaft existierenden sozialen und politischen Macht war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In modernen Demokratien beziehen aber zum Beispiel der Pr\u00e4sident (oder die Regierung, Gerd Habermann) und das Parlament dieselbe Art Legitimit\u00e4t durch das Volk, sodass diese nur formelle Gewaltenteilung \u201elediglich den Disput zwischen zwei M\u00e4nnern (oder Organen, Gerd Habermann) institutionalisiert, die ihre Macht aus derselben Quelle beziehen\u201c (1972, S. 354).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen vertrat das englische Oberhaus bis ins 19. Jahrhundert (und die Monarchie im Jahrhundert davor, Gerd Habermann) eine echte soziale Gegenmacht, \u201eteilte\u201c nicht nur, sondern beschr\u00e4nkte die politische Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verteidigung der spontanen oder \u201enat\u00fcrlichen\u201c Rechtsordnung und Moral gegen das Vordringen der \u201egemachten\u201c Ordnung des Gesetzgebers sei immer schw\u00e4cher geworden. Nur noch offene Gewalt motiviere die B\u00fcrger zu Widerstand, \u201ew\u00e4hrend diese Ordnung der stillen und t\u00e4glichen Unterwanderung gegen\u00fcber weder reagiert noch reagieren kann\u201c (1972, S. 367).<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Mensch ohne Gott, ohne Vorfahren, ohne Glaubenshaltungen und ohne Br\u00e4uche, der moderne Mensch, ist v\u00f6llig waffenlos, wenn man ihn auf die Leistungen aufmerksam macht \u2013 erreichter Lebensstandard und realisierter Nutzen -, die mithilfe einer Gesetzgebung erreicht wurden, die ein obsoletes Recht nur deshalb verletzt, weil sie ein besseres an ihrer Seite hat\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">(1972, S. 367)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So vollzieht sich im Namen der \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c nach <em>de Jouvenel<\/em> die Zerst\u00f6rung der weltoffenen \u201eGrande Societ\u00e9\u201c (1941b, S. 437) \u2013 jener \u201eWelt von gestern\u201c der festgef\u00fcgten b\u00fcrgerlich-agrarisch-aristokratischen Ordnungen, als deren wortgewaltiger, aber auch etwas nostalgischer Anwalt <em>de Jouvenel<\/em> \u2013 wie sein Bruder im Geist: <em>Friedrich August von Hayek<\/em> \u2013 erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Nationalismus zerriss das internationale Netz, oligarchische Interessengruppen machten das \u201eGemeinwohl\u201c zur Farce, Rechtspositivismus und Volkssouver\u00e4nit\u00e4t fegten die Herrschaft des Rechts, also den alten liberalen Rechtsstaat hinweg, eine atomistisch missverstandene Marktwirtschaft l\u00f6ste soziale Beziehungen auf und eine ignorante Politikerschicht, \u201ederen Mittelm\u00e4\u00dfigkeit sie allein schon vor unserem Zorn bewahrt\u201c (1941a, S. 27) sah diesem Vorgang hilflos, wo nicht f\u00f6rdernd zu. <em>De Jouvenel<\/em> ist wie <em>Wilhelm R\u00f6pke<\/em> in seiner \u201eDie Gesellschaftskrisis der Gegenwart\u201c (1942\/1979) ein Analytiker der Aufl\u00f6sung der liberal-marktwirtschaftlichen, b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten Ordnung zwischen den beiden Kriegen.<\/p>\n<pre>Literatur:\r\n\r\nJouvenel, Bertrand de (1941a), La D\u00e9composition de L\u00b4Europe Liberale, Paris\r\nJouvenel, Bertrand de (1941b), Nach der Niederlage, Berlin\r\nJouvenel, Bertrand de (1972), \u00dcber die Staatsgewalt - Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Freiburg<\/pre>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2891\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2891\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt keinen anderen nichtmuslimischen Autor, dessen Werke ich ausgiebiger und mit solcher Hingabe studierte, wie diejenigen des Wissenschaftlers und Philosophen Prof. Bertrand de Jouvenel. 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