{"id":2951,"date":"2010-09-27T10:19:25","date_gmt":"2010-09-27T10:19:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2951"},"modified":"2016-10-06T10:29:52","modified_gmt":"2016-10-06T10:29:52","slug":"der-zionismus-seine-theorien-aussichten-und-wirkungen-iii-die-aussichten-des-zionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-zionismus-seine-theorien-aussichten-und-wirkungen-iii-die-aussichten-des-zionismus\/","title":{"rendered":"Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen \u2013 III &#8211; Die Aussichten des Zionismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>III. Die Aussichten des Zionismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Weltgeschichte wie in der des Judentums haben h\u00e4ufig Bewegungen in ihren ersten Anf\u00e4ngen ganz andere Wirkungen hervorgerufen als sp\u00e4ter, da ihr wahres Wesen erkannt worden war. So mache messianische Erhebung, die schlie\u00dflich logisch zum Christentum f\u00fchrte oder das religi\u00f6se Empfinden durch Mystik und Aberglauben vergiftete, begann damit, da\u00df sie anscheinend einen frischen Zug in das religi\u00f6se Leben ihrer Anh\u00e4nger brachte. Und wenn das beim Zionismus sicherlich und zuweilen der Fall war und ist, so soll es weder abgeleugnet noch \u00fcbersch\u00e4tzt werden, denn auch diese Tatsache kann \u00fcber seinem wahren Charakter und sein Endziel nicht hinwegt\u00e4uschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theoretisch k\u00f6nnen wir keine Interesse an eine Partei haben, die im Widerspruche zu unserer j\u00fcdischen Religion steht und damit unser kostbarstes Gut zerst\u00f6rt. Und trotz mancher entschieden vorhanden Anregungen, die der Zionismus die j\u00fcdische Religion gebracht hat, ist er auch von diesen praktischen Gesichtspunkten aus bek\u00e4mpfenswert, weil er auf den j\u00fcdischen K\u00f6rper dem aufreizenden Gift gleich wirkt, das zwar die Nerven aufpeitscht und den Schein frisches Leben erweckt, dem aber die v\u00f6llige Erschlaffung, ja der Tot mit absoluter Sicherheit folgt. Wen aber selbst diese Erw\u00e4gung nicht davon bringen kann der Bewegung durch wohlwollende Neutralit\u00e4t und finanzielle Unterst\u00fctzung die Wege zu ebnen, den m\u00f6ge ein Blick zun\u00e4chst auf die Aussichten und dann auf die sichtbare Wirkungen des Zionismus nachdenklich werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man hat sich daran gew\u00f6hnt, seine praktischen Aussichten mit dem Wort Utopie abzutun. Freilich bedarf ein so wegwerfendes Urteil , selbst wenn es von dem gr\u00f6\u00dften Teil der deutschen Judenheit ausgesprochen wird, einer ernsten Begr\u00fcndung. Es l\u00e4\u00dft sich aber sehr leicht nachweisen, da\u00df die Endaussichten der Bewegung deshalb sehr tr\u00fcbe sein m\u00fcssen, weil die ganze Wirkung der Arbeit verfehlt ist. Das gilt negativ und positiv. Negativ, indem den eigentlichen T\u00e4tigkeitsgebiete viel zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet und viel zu viel Kraft entzogen wird , positiv, indem die Bem\u00fchungen sich auf ein aussichtsloses Beginnen konzentrieren und Kraft und Gut nutzlos vergeuden, ohne da\u00df auch nur die Aussicht auf die Gegenwert ergibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das nichtzionistisches Hilfswerk in Westeuropa hatte das Problem der wirtschaftlichen Judennot richtig erfa\u00dft. In den Hauptl\u00e4ndern Ru\u00dfland, Galizien und Rum\u00e4nien sitzt eine Masse von fast sieben Millionen Juden, und die Judenfrage wurde schon fr\u00fchzeitig dahin pr\u00e4zisiert, da\u00df durch die politische, wirtschaftliche und Bildungsarbeit da\u00df Problem im Niederlassungslande seiner L\u00f6sung n\u00e4her gef\u00fchrt werden m\u00fcsse, da\u00df aber Auswanderung nur ein Notbehelf der Zeit sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein in der Auswanderung desjenigen Teiles des Judentums, der sich nicht assimilieren will und kann- und das ist nach seiner Auffassung der allergr\u00f6\u00dfte &#8211; nach eine rechtlich gesicherten Heimatst\u00e4tte sieht der Zionismus die Erl\u00f6sung aus der Judennot. Logisch ist es unm\u00f6glich, einem so gro\u00dfen Volke durch dieses Mittel eine nur teilweise Befreiung aus der Schwierigkeit zu schaffen, denn Volksmassen sind keine Schachfiguren. Historisch ist auch kein Beispiel vorhanden, da\u00df auf diesem Wege gr\u00f6\u00dfere Massen als die franz\u00f6sischen und \u00f6sterreichische Protestanten es waren, sich Rat geschafft h\u00e4tten, denn die Zeit der V\u00f6lkerwanderung ist aus mannigfachen Gr\u00fcnde kein Vergleichsobjekt. Man mag zwar einwenden, da\u00df das zionistische Projekt den Vorzug der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit genie\u00dft. Aber diese Eigenschaft besitzt eine jede Wahnidee, ja, die zur Unvernunft gesteigerte Gro\u00dfz\u00fcgigkeit ist ein charakteristisches Kennzeichen f\u00fcr Pl\u00e4ne die sich vom Boden der Wirklichkeit und des Verst\u00e4ndigen entfernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dem Hilfswerk, an der Arbeit, die wir Nichtzionisten zur Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer Glaubensgenossen im \u201eNiederlassungslande&#8220; leisten, beteiligt sich der Zionismus kaum, weil er wei\u00df da\u00df jeder erfolgreiche Schritt auf dem Wege zur L\u00f6sung der Judenfrage ihm etwas von seiner Bedeutung und Agitationsf\u00e4higkeit raubt. Nur aus der schrillen Dissonanz des Elends sch\u00f6pft er seine Kraft, und es ist Selbsterhaltungstrieb wenn er offen dokumentiert, da\u00df er an einer Besserung der j\u00fcdischen Lage in den \u201eNiederlassungsl\u00e4ndern&#8220; keine Interesse zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vier Aufgaben ergeben sich f\u00fcr die Arbeit im Osten, es mu\u00df versucht werden, die Juden geistig zu heben, um ihre Kr\u00e4fte f\u00fcr wirtschaftlich lohnendere Gebiet zu machen. Den so vorbereiteten Massen m\u00fcssen Erwerbsm\u00f6glichkeiten neuer Art erschlossen werden, was teilweise eng mit der dritten Aufgabe, der Erringung politischer Freiheit, zusammenh\u00e4ngt. Hand in Hand mit dieser positiven Arbeit geht nat\u00fcrlich die Hilfe f\u00fcr den Augenblick, die Wohlt\u00e4tigkeitsaktionen, die auch dem Jude von heute, der die Freiheit der Zukunft nicht erleben wird, ein etwas menschw\u00fcrdiges Los bereiten wollen. Der Zionismus beteiligt sich nur z\u00f6gernd und schwach an diesen ernsten wichtigen Arbeit! Er lebt nur in die Zukunft, sieht mit einer gewissen mitleidigen Verachtung auf alles herab, was die Westjuden an emsiger Arbeit f\u00fcr die Judenheit geleistet haben, und es ist nat\u00fcrlich viel, viel leichter \u00fcber \u201eRachmonusjudentum&#8220; seicht zu witzeln als durch Arbeit und Geld zu helfen. Die geistige, wirtschaftliche und politische Hebung im Niederlassungslande ist f\u00fcr den Zionismus \u00fcberfl\u00fcssig und blo\u00dfe Kraftvergeudung, und er, der bombastisch vorgibt, die Erl\u00f6sung f\u00fcr die ganze Judenheit, f\u00fcr das ganze j\u00fcdische \u201eVolk&#8220; zu bringen, k\u00fcmmert sich um die realen Existenzm\u00f6glichkeiten dieses Volkes nicht, sondern wendet seine konzentrierte F\u00fcrsorge den wenigen, ach so wenige zu, die sich von dem Schicksal ihrer Br\u00fcder trennen und sich in Pal\u00e4stina eine neue Heimat schaffen k\u00f6nnen. Wer aber dasselbe zu Hause oder sonstwo auf dem weiten Erdenrunde zu erreichen versucht, ist in den Augen der Zionisten ein materiell denkender \u201eVerr\u00e4ter&#8220; an die Sache des \u201ej\u00fcdischen Volkes&#8220;. Der Zionismus hat gro\u00dfe Geldmittel aufgeh\u00e4uft. Mehr als sieben Millionen Mark nennt er sein eigen, sieben Millionen, die zum Teile aus den Pfennige der Armen und der \u00c4rmsten im Osten gesammelt sind. Aber selbst in den Zeiten der entsetzlichsten Verfolgungen hat sich der Zionismus nicht veranla\u00dft gesehen, seinen Nationalfonds denen und dem zuzuwenden, wof\u00fcr es notwendig war, und das Motiv: \u201eLa\u00df sie betteln geh\u2018n wenn sie hungrig sind&#8220; , erscheint nicht mehr als eine Verirrung, weltfremder, idealistischer Zukunftsschw\u00e4rmer, sondern als eine raffinierte, ausgekl\u00fcgelte Grausamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich arbeitet der Zionismus auch unter den Juden des Ostens, indem er ihnen Nationalgef\u00fchl predigt und sie auf die Aufgaben der Zukunft vorbereitet. In praxi kommt das darauf hinaus, da\u00df die Verhetzung gegen alle Autorit\u00e4ten, vor allem die Religion, gez\u00fcchtet wird, und die in den Zukunftstaumel hineingerissene junge Juden die F\u00e4higkeit verlieren, an den realen Aufgaben der Gegenwart n\u00fctzlich mitzuarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darin besteht der erste Nachteil der Verlegung der gesamten j\u00fcdische Arbeit nach Pal\u00e4stina &#8211; wobei nat\u00fcrlich nochmals hervorgehoben sei da\u00df kein Nichtzionist daran denkt die Arbeit in Pal\u00e4stina innerhalb des Gesamtrahmens gering zu sch\u00e4tzen -, da\u00df \u00fcber den Wert der wirklich ernsten T\u00e4tigkeit, falsche, h\u00e4mische Anschauungen verbreitet und ihr wackere Mitstreiter entzogen werden. Der Zionismus sucht sein herostatisches Vorgehen damit zu entschuldigen, da\u00df er auf die Erfolglosigkeit unserer Bestrebungen hinweist. Aber auch das ist wieder nur ein Beweis daf\u00fcr, da\u00df er das Judenproblem aus dem engen Gesichtswinkels des Kindes betrachtet, das gleich sehen will, wof\u00fcr es seine Leistung aufgewendet hat. Auch unter dieser Voraussetzung ist die Behauptung noch falsch; die Erfolge sind schon vorhanden, jedenfalls in dem Ma\u00dfe, da\u00df sie die Richtigkeit unseres Weges beweisen. H\u00e4tte sich die Welt nur an solche Dinge wagen d\u00fcrfen, die auf bequemen Wege sofortigen sichtbaren Erfolg versprechen, so k\u00f6nnte man das Wort \u201eIdealismus&#8220; aus ihren Sprachenschatze streichen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist also der zionistischen L\u00f6sungsversuch schon deshalb aussichtslos, weil er in seinen gro\u00dfen Z\u00fcgen au\u00dferhalb jeder logischen M\u00f6glichkeit und jeder historischen Erfahrungstatsache stellt, so wird das Utopistische, das gef\u00e4hrlich Utopistische uns zur Gewi\u00dfheit, wenn wir die speziellen Schwierigkeiten aufmarschieren lassen.<br \/>\nDie Unm\u00f6glichkeiten liegen zuerst in inneren Verh\u00e4ltnissen. Der edle Herzl hatte einst ein Judenstaat gefordert. Das war ein berauschendes Wort, dessen Hohlheit man bald darlegen konnte; es war aber wenigstens aus ehrlichem Herzen gesprochen. Die F\u00fchrer von heute haben die Wegen Herzl&#8217;s verlassen, es gilt als unmodern, in so offener und ehrlicher Weise die logischen Folgen des nationalen Gedankens zu ziehen, und die kluge Diplomaten haben sich auf die Formel einer autonomen Heimst\u00e4tte unter dem Schutze der T\u00fcrkei oder der Garantie der Gro\u00dfm\u00e4chte geeinigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Spiegelfechterei kann aber die inneren Schwierigkeiten nicht beheben. Die Frage der Eignung und F\u00e4higkeit, sich selber zu regieren, die gewi\u00df eine Rolle spielt, mag zur\u00fccktreten, obwohl der Verlauf der j\u00fcdischen Geschichte deutlich erweist, da\u00df gerade in Zeiten nationaler Selbst\u00e4ndigkeit die Zwietracht und der Ha\u00df geradezu entsetzliche Orgien gefeiert haben und da\u00df die innere Unf\u00e4higkeit, sich selber zu regieren, eine der gewichtigsten Untergangsursachen gewesen ist. Ein so stolzes Kapitel des Kampfes um Jerusalem ist, wenn man auf die heldenm\u00fctige Hingabe des gemeinen Mannes schaut, ein so schmachtvolles ist es, wenn man daran denkt, da\u00df Kraft, Gut und Blut des Volkes in so schimpflicher Weise von ehrgeizigen, uneinigen und kurzsichtigen F\u00fchrern gemi\u00dfbraucht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wirkliche gro\u00dfe Schwierigkeit f\u00fcr jedes j\u00fcdische autonome Staatswesen liegt in der Stellung zur Religion. Unsere Zionisten, die eine ferne Vergangenheit neu erstehen lassen wollen, bedenken nicht, da\u00df in der Neuzeit alle staatsrechtliche Anschauungen sich von Grund auf ge\u00e4ndert haben. Im Altertum war die Nationalreligion oder die Religionsnation etwas selbstverst\u00e4ndliches! Ein Volk, ein K\u00f6nig, ein Gott! Aber es d\u00fcrfte nicht das geringste Verdienst des Judentums sein, hier ein Wandel hervorgerufen haben, und unter den ethischen Sch\u00f6pfungen des Judentums ist die erhebendste mit der Begriff der Gewissenfreiheit. Fr\u00fcher hie\u00df es w\u00f6rtlich: cujus regio, eius religio! Das ist durch das Judentum anders geworden. Der Staat ist zwar eine Zwangsorganisation, der man angeh\u00f6ren mu\u00df, deren Pflichten man zu erf\u00fcllen hat, ob man will oder nicht. Der religi\u00f6sen Gemeinschaft aber leistet man freiwillig Gefolgschaft, solange man auf ihrem Standpunkt steht, nie und nimmer jedoch darf sie einen Zwang aus\u00fcben, um sich ein Mitglied zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist auch das Judentum die Zusammenfassung derer, sich gern und freundlich zur j\u00fcdischen Religion bekennen. Was k\u00f6nnte nun in einem autonomen Staatswesen geschehen? Zweierlei ist denkbar. Entweder wird das Judentum Staatsreligion, oder Gewissensfreiheit wird proklamiert. Das erstere ist einfach undenkbar! Davon, da\u00df man alle B\u00fcrgern das Bekenntnis zum Judentum abn\u00f6tigte, kann nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt keine Rede sein; aber selbst wenn es nur Staatsreligion in dem Sinne w\u00e4re, da\u00df das Judentum die Rechte einer bevorzugten Religion h\u00e4tte, so w\u00fcrde das angesichts der Tatsache, da\u00df wir im Namen der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung gegen eines christlichen Staates erbittert und nachhaltig Widerspruch erheben, einer Verleumdung unserer gesamten sittlichen Grunds\u00e4tzen bedeuten. Jeder Versuch nach dieser Richtung hin w\u00fcrde die selbe sittliche F\u00e4ulnis verursachen, wie wir heute im Begriffe des Taufjudentums, der widerlichsten Ausdrucksform des Strebertums und der Heuchelei haben. Ein solches autonomes Staatswesen w\u00fcrde mit all den sittlichen M\u00e4ngeln behaftet sein, die wir den anderen Staaten mit Entr\u00fcstung vorwerfen, und ein \u201eVerein j\u00fcdischer Staatsb\u00fcrger nichtj\u00fcdischen Glaubens&#8220; m\u00fc\u00dfte mit gr\u00f6\u00dfter Berechtigung in seiner Entstehungsstunde gegr\u00fcndet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was aber wenn die autonome Gemeinschaft Gewissensfreiheit proklamiert? Dann brauchte man nicht j\u00fcdischer Religion zu sein. Wir wollen die Eventualit\u00e4t christlicher oder buddhistischer Juden weniger in den Kreis der Er\u00f6rterungen ziehen, aber Atheisten g\u00e4be es sicherlich! Denen m\u00fc\u00dfte doch unbedingt der Zugang zu leitenden Stellen gew\u00e4hrleistet werden! Und was h\u00e4tte die gro\u00dfe Masse der Juden, die jahrtausendelang wegen ihres Glaubens gelitten haben, f\u00fcr ein Interesse daran, als Kristallisationspunkt ihrer gesamten Freiheitsbewegung ein Gemeinwesen zu haben, in denen sich die Religionsfeindschaft breitmachen darf, in dem man sich ohne jede Scheu zu jenen Religionen bekennen darf, die das Judentum so entsetzlich gequ\u00e4lt, verfolgt und geha\u00dft haben, und trotzdem von Rechts wegen die Geschicke einer j\u00fcdischen Religionsgemeinschaft mitbestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein j\u00fcdischer Staat also, in welchen vielleicht Atheisten das gro\u00dfe Wort f\u00fchren, ein j\u00fcdischer Staat als Grab der j\u00fcdischen Religion. Diesem Ideal auch nur einen Pfennig an Geld, eine Atembewegung an Kraft zu opfern, w\u00fcrde f\u00fcr die Judenheit fast Selbstmord bedeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein religi\u00f6ses, autonomes Staatswesen ist nach den heutigen staatsrechtliche Anschauungen undenkbar. Einer Zeit, die aus der zwingenden Richtigkeit dieses Satzes heraus dem Kirchenstaate den Untergang bereiten mu\u00dfte, dem autonomen Staat des starken Katholizismus, der dann doch \u00fcber ganz andere \u00e4u\u00dfere Machtmittel verf\u00fcgt als das Judentum, wird auch bei diesem ein solches Gebiet nicht entstehen lassen! Und es w\u00e4re f\u00fcr jene Zionisten, die lernen wollen, unendlich heilsam, wenn sie sich in die Geschichte des Kirchenstaates versenkten und aus ihr ers\u00e4hen, zu welchen Zust\u00e4nden ein solcher pr\u00e4historisch anmutender Religionsstaat f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innere theoretische Gr\u00fcnde machen den Judenstaat unm\u00f6glich. Daneben aber t\u00fcrmen sich Bergen von praktische Schwierigkeiten, die der Verwirklichung zionistischer Ideen gerade in Pal\u00e4stina f\u00fcr ewige Zeiten, soweit es Menschengeist voraussagen kann, unbedingt ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die oft besprochene Raumfrage braucht man nicht tragisch zu nehmen; sie kann man mit Humor behandeln. Der Zionismus will allen, die sich nicht assimilieren wollen und k\u00f6nnen, eine rechtlich gesicherte Heimat vorbereiten. Da aber diese &#8211; nach zionistische Ma\u00dfst\u00e4be &#8211; mindestens an die Zahl von neun Millionen heranreichen und das heilige Land &#8211; an Gr\u00f6\u00dfe der Provinz Polen vergleichbar &#8211; h\u00f6chstens zwei Millionen fassen kann, so hat man dem Zionismus eingewendet, da\u00df auch er bestenfalls eine Teill\u00f6sung bedeute. Er hat geantwortet, da\u00df man eben auch die Nachbarl\u00e4nder dazu besiedeln wolle, und mit dieser Antwort kann man sich zufrieden geben. Es kommt wirklich nicht darauf an, wenn man schon einmal beim annektieren ist, ob man noch etwas hinzunimmt, und das ganze Judenproblem w\u00e4re ja selbst f\u00fcr die N\u00f6rgler gel\u00f6st, wenn man sein Augenmerk auf Persien und \u00c4gypten richtete. Besonders \u00c4gypten w\u00e4re ja sehr geeignet, und man darf eben nur nicht zimperlich sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Ernste ist es aber ein sehr gef\u00e4hrliches und gewagtes Beginnen, bei den schwankenden politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen in der T\u00fcrkei so erhebliche Werte ohne irgendeine Sicherheit dort zu investieren. Heute wissen wir es mehr denn je, wie wenig man im Osmanenreiche vor \u00dcberraschungen sicher ist. Die zionistische Politik, die ja die geringsten Schwankungen dort \u00e4ngstlich beobachtet und oft genug zum Frontwechsel gezwungen ist, hat durch diese Vertiefung in Kr\u00e4hwinkeleien v\u00f6llig den Blick f\u00fcr die gro\u00dfen bestimmenden Z\u00fcge t\u00fcrkischer Staatsverh\u00e4ltnisse verloren. Sie \u00fcbersieht, da\u00df ein Tag des Sturmes imstande ist, Millionen an Kapital und die Arbeit von Jahrzehnten g\u00e4nzlich zu vernichten. Im Verlauf der gesamten j\u00fcdischen Geschichte ist nie eine Konzentration aller Energien an einem Punkte eingetreten oder beg\u00fcnstigt worden, sondern stets sind die Kr\u00e4fte verteilt gewesen, und nur so hat das Judentum Schl\u00e4ge wie den Untergang Jerusalems und die Vertreibung aus Spanien \u00fcberstehen k\u00f6nnen. Alles Interesse, alle Arbeit auf Pal\u00e4stina vereinigen zu wollen, ist ein va banque-Spiel und wer nur etwas politische Einsicht mit einem bescheidenem Ma\u00df von Verantwortungsgef\u00fchl verbindet, wird wissen, wie besonders gef\u00e4hrlich das blinde Vertrauen auf die Zukunft der T\u00fcrkei wirken mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn man aber mit dem Eintreten stabiler Verh\u00e4ltnisse in der T\u00fcrkei rechnet &#8211; was freilich einstweilen ausgeschlossen scheint &#8211; so ist es ein Zeichen ganz besonderer Kurzsichtigkeit, zu glauben, da\u00df dieser Staat das Anwachsen eines neuen j\u00fcdischen Gemeinwesen in seiner Mitte irgendwie zu unterst\u00fctzen oder auch nur zu zulassen, Veranlassung h\u00e4tte. Da\u00df die T\u00fcrkei das j\u00fcdische Kapital und die j\u00fcdische Arbeitskraft in Pal\u00e4stina freudig begr\u00fc\u00dft, ist selbstverst\u00e4ndlich; denn es kommt einen ver\u00f6deten und stark vernachl\u00e4ssigten Gebiete zu Gute. Aber schon heute wei\u00df der Eingeweihte, da\u00df man am Goldenen Horn sehr sorgf\u00e4ltig den S\u00e4ttigungsgrad f\u00fcr Judenaufnahme zu ermitteln sucht, der den Interessen des heiligen Landes und denen der T\u00fcrkei gerade entspricht; da\u00df es mit ihren W\u00fcnschen wirklich nicht \u00fcbereinstimmt, sich noch einen nationalen Herd, der jeden Augenblick mit Autonomiegel\u00fcste hervortreten kann, mitten im Staatsgebiete k\u00fcnstlich zu schaffen, kann zwar der zionistischer Agitator leugnen, nicht aber der auch nur oberfl\u00e4chlich volkswirtschaftlich und geschichtlich Geschulte. Das Bestreben der T\u00fcrkei, da\u00df sie gewi\u00df nicht ungeschickt hinter nichtssagenden halben Versprechungen und Zusagen zu verbergen versteht, geht einfach dahin, die Juden wirtschaftlich nach M\u00f6glichkeit auszunutzen und sie politisch nie erstarken zu lassen, da\u00df sie an Autonomie denken. In allen Wogen und Schwanken der gesamten t\u00fcrkischen Judenpolitik ist das der einzige erkennbare feste Grundsatz; der einzige jedenfalls, nach dem praktisch gehandelt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und au\u00dfer der T\u00fcrkei haben noch andere M\u00e4chte ein gewichtiges Wort mitzureden! Dabei sollen die politischen Momente, die ja st\u00e4ndig wechseln, nicht einmal als die schwerwiegendsten betrachtet werden. Die lie\u00dfen sich vielleicht leichter \u00fcberwinden als die religi\u00f6sen! Pal\u00e4stina ist auch das Ursprungsland des Christentums. F\u00fcr jeden gl\u00e4ubigen Christen kn\u00fcpfen sich an zahllose seiner St\u00e4tten die heiligsten Erinnerungen Glaubt man nun wirklich, die christlichen M\u00e4chten w\u00fcrden dulden, da\u00df das Grab Christi in einem j\u00fcdischen Gemeindewesen liege? Schon die Vorstellung davon ist absurd; dieser eine Punkt, so unwesentlich und gleichgiltig er zu sein scheint, w\u00e4re im Ernstfalle ganz allein imstande, das Nationalprojekt selbst dann noch zu Falle zu bringen, wenn alle anderen Hindernisse aus dem Wege ger\u00e4umt werden. Wenn der Zionismus, der diese Schwierigkeit nicht untersch\u00e4tzt, als L\u00f6sung empfiehlt, diesen heiligen christlichen St\u00e4tten f\u00fcr exterritorial zu erkl\u00e4ren und sie unter Schutz der Gro\u00dfm\u00e4chte zu stellen, so erschiene diesem Vorschlag gegen\u00fcber der Weg noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach, sie alle abzubrechen und in Rom wiederaufzubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der K\u00fcrze unserer Ausf\u00fchrungen wird man erkannt haben, da\u00df das Pal\u00e4stinaideal eine phantastische Utopie ist, da\u00df ein j\u00fcdisches autonomes Gemeinwesen innerlich eine logische und staatsrechtliche Unm\u00f6glichkeit, \u00e4u\u00dferlich eine Gr\u00fcndung darstellt, die weder die T\u00fcrkei noch die Gro\u00dfm\u00e4chte je gestatten w\u00fcrden. Und darin da\u00df das zionistische Endziel unerreichbar ist, besteht eine ganz besondere Gef\u00e4hrlichkeit der Bewegung.<br \/>\nDenn wenn das Endziel fortf\u00e4llt, was bleibt vom ganzen Zionismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts und wieder nichts als die gef\u00e4hrliche nationale Verhetzung! Es wird noch weiterhin Gelegenheit sein, auf die ungeheuren sch\u00e4dlichen Folgen dieser Tatsache einzugehen. Hier sei nur hervorgehoben, da\u00df durch Vort\u00e4uschung der Erreichbarkeit des Zieles in die j\u00fcdische Massen, die dem Zionismus verfallen sollten, Hoffnungen erweckt werden, die sich nachher nicht realisieren lassen, und denen naturgem\u00e4\u00df eine Zeit der tiefsten Entt\u00e4uschung und Hoffnungslosigkeit folgen mu\u00df, sobald sich die Unm\u00f6glichkeit der Verwirklichung klar herausgestellt hat. In Verbindung damit, da\u00df der Zionismus nicht zur Religion erzieht, ja sie sogar gef\u00e4hrdet und untergr\u00e4bt, ist dies das schlimmste!<br \/>\nDer Zionismus raubt das Judentum seine gro\u00dfe Vergangenheit; er kann ihm keine Zukunft geben. Ohne da\u00df man darin seine Anh\u00e4nger guten Glauben und ehrlichen Willen den Judentum, wie sie es verstehen, zu dienen, anzuzweifeln darf, ist des Zionismus praktischer Endergebnis die Zerst\u00f6rung des Judentums.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>III. Die Aussichten des Zionismus In der Weltgeschichte wie in der des Judentums haben h\u00e4ufig Bewegungen in ihren ersten Anf\u00e4ngen ganz andere Wirkungen hervorgerufen als sp\u00e4ter, da ihr wahres Wesen erkannt worden war. 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