{"id":2985,"date":"2016-10-22T12:49:10","date_gmt":"2016-10-22T12:49:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=2985"},"modified":"2016-10-23T19:55:44","modified_gmt":"2016-10-23T19:55:44","slug":"ibn-taymiyyahs-konzept-des-marktmechanismus-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/ibn-taymiyyahs-konzept-des-marktmechanismus-teil-1\/","title":{"rendered":"Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Das Hauptziel dieser Arbeit soll es sein, das Konzept des Marktmechanismus zu studieren und zu analysieren, so wie er von <em>Ibn Taymiyyah<\/em> verstanden wurde. Zudem wird diese Abhandlung versuchen, seine Ansichten mit denen anderer muslimischer Denker und westlicher Autoren &#8211; bis Mitte des 18. Jahrhunderts &#8211; zu vergleichen. Der erste Abschnitt befasst sich mit der Analyse von <em>Ibn Taymiyyahs<\/em> Ansichten, die letzten beiden Abschnitte dienen zum Vergleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Die Konzepte von \u201eAngebot und Nachfrage\u201c sind die grundlegendsten in der Wirtschaftswissenschaft, sie bilden die Essenz des Marktmechanismus. Die Idee jedoch, alle Kr\u00e4fte des Marktes in diese beiden Hauptkategorien einzuteilen und dass die Preisbildung durch \u201eAngebot und Nachfrage\u201c zustande kommt, war eine sehr sp\u00e4te Entwicklung in der Geschichte des \u00f6konomischen Denkens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Schumpeter\"><em>Schumpeter<\/em><\/a>:<\/p>\n<blockquote style=\"padding-left: 30px;\">\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">\u00abWas die Theorie zum Mechanismus der Preisbildung angeht, so gibt es aus der Zeit vor der Mitte des 18. Jahrhundert nur sehr wenig zu berichten \u2026\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">(<em>Schumpeter<\/em>, S. 305)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Nun ist es aber (gerade in diesem Zusammenhang) interessant zu entdecken, dass bereits im 13. Jahrhundert der (muslimische Gelehrte) <em>Ibn Taymiyyah<\/em> (1263-1328 n.Chr.\/661-728 n.H.) ein solches Konzept des Marktmechanismus dargelegt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><strong>Das von Ibn Taymiyyah entwickelte Konzept des Marktmechanismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>Ibn Taymiyyah<\/em> hatte eine klare Vorstellung von der Preisbildung in einem freien Markt, welche durch Marktkr\u00e4fte zustande kamen, die wir heute Angebot und Nachfrage nennen. Er sagt:<\/p>\n<blockquote style=\"padding-left: 30px;\">\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">\u00abDas Steigen und Fallen der Preise ist nicht immer auf das Unrecht (zulm) einiger Menschen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Manchmal ist der Grund ein(e Knappheit durch) Produktions- oder Importr\u00fcckgang der nachgefragten Ware. Wenn also die Nachfrage nach einer (bestimmten) Ware steigt, w\u00e4hrend ihre Verf\u00fcgbarkeit (durch Knappheit) sinkt, dann steigt ihr Preis. Anderseits, wenn die Verf\u00fcgbarkeit der Ware sich erh\u00f6ht und die Nachfrage danach sinkt, dann sinkt auch der Preis. Diese Form von Knappheit und \u00dcberfluss kann nicht durch menschlichen Eingriff verursacht werden; sie kann (entweder) auf eine Ursache zur\u00fcckgef\u00fchrt werden die frei von Unrecht ist, oder, in manchen F\u00e4llen auch Unrecht zum Anlass haben. Es ist Allah der Allm\u00e4chtige, der die W\u00fcnsche in den Herzen der Menschen schafft \u2026\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">(<em>Ibn Taimiyah<\/em>, 1381, vol.8, p. 523)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Aus dieser Feststellung <em>Ibn Taymiyyahs<\/em> geht hervor, dass es zu seiner Zeit eine vorherrschende Meinung war, dass steigende Preise eine Folge des Unrechts (<em>zulm<\/em>) oder des Fehlverhaltens vonseiten der Kaufleute w\u00e4re. Das urspr\u00fcngliche Wort, das von ihm benutzt wird, ist \u201ezulm\u201c, was auch \u00dcberschreitung oder Ungerechtigkeit bedeuten kann. Hier wird es im Sinne von Manipulationen benutzt, die von Kaufleuten vorgenommen werden um den Markt zu st\u00f6ren\/beeinflussen, beispielsweise durch Horten. Nach <em>Ibn Taymiyyah<\/em> ist das jedoch nicht immer wahr. Er macht hier f\u00fcr das Steigen und Fallen der Preise wirtschaftliche Gr\u00fcnde und die Marktkr\u00e4fte verantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>Ibn Taymiyyah<\/em> erw\u00e4hnt zwei Quellen f\u00fcr das (Waren-)Angebot \u2013 lokale Produktion und Import der nachgefragten Waren (<em>ma yukhlaq aw yujlab min dhali&#8217;k al mal al matlub<\/em>). Die (Wort-)Wurzel von \u201eAl matlub\u201c ist \u201et-i-b\u201c, welches das Synonym des Wortes \u201eNachfrage\u201c im Deutschen ist. Um die Nachfrage nach einer Ware auszudr\u00fccken, benutzt er den Ausdruck \u201e<em>raghabat fi&#8217;l shai<\/em>\u201c, d.h. Verlangen nach der Ware.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Verlangen, welches Bed\u00fcrfnisse oder \u201eGeschmack\u201c reflektiert, ist eines der wichtigsten (und entscheidendsten) Faktoren der Nachfrage, der andere (Faktor) ist das Einkommen. Dieser zweite Faktor wird von <em>Ibn Taymiyyah<\/em> (allerdings) nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Eine Ver\u00e4nderung des Angebots, der anderen Marktkraft neben der Nachfrage, wird von ihm als eine Zunahme oder Abnahme der Verf\u00fcgbarkeit der Ware beschrieben. Die beiden Quellen des Angebots bemerkte er bereits: lokale Produktion und Import.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Die oben zitierte Aussage deutet darauf hin, dass <em>Ibn Taymiyyah<\/em> sich auf etwas bezieht, was wir heute Angebots- und Nachfrageverschiebung nennen, auch wenn er es nicht explizit bei( diese)m Namen nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Das hei\u00dft, es wird (entweder) mehr zum selben Preis nachgefragt und weniger zum selben Preis angeboten, oder umgekehrt, es wird weniger nachgefragt und mehr angeboten zum selben Preis, was letztendlich zu einem Preisverfall f\u00fchrt. Er kombiniert zwei verschiedene \u00c4nderungen in einem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Ohne Zweifel ist es so, dass, wenn ein sinkendes Angebot durch eine Zunahme der Nachfrage begleitet wird, der Anstieg des Preises (nat\u00fcrlich) ausgepr\u00e4gter sein wird. In \u00e4hnlicher Weise wird, wenn ein Anstieg des Angebots mit einer Abnahme der Nachfrage verbunden ist, der Preisr\u00fcckgang (nat\u00fcrlich) gr\u00f6\u00dfer sein, da beide \u00c4nderungen die Bewegung des Preises in die gleiche Richtung unterst\u00fctzen. Es ist jedoch nicht notwendig, die beiden \u00c4nderungen zu kombinieren, da sie nicht zwingend gleichzeitig auftreten m\u00fcssen. Unter sonst gleichen Bedingungen k\u00f6nnen wir also das gleiche Ergebnis haben, auch wenn sich nur eines von beiden \u00e4ndert. Wenn z.B. die Nachfrage sinkt, w\u00e4hrend das Angebot gleich bleibt, wird der Preis sinken, und umgekehrt. Man kann sich eine Anzahl solcher M\u00f6glichkeiten vorstellen, die mit der obigen Aussage <em>Ibn Taymiyyahs<\/em> in \u00dcbereinstimmung zu bringen sind. In seinem Buch \u201e<em>Al Hisbah fi\u2019l Islam<\/em>\u201c beschreibt <em>Ibn Taymiyyah<\/em> die beiden Ver\u00e4nderungen separat, wie er sagt:<\/p>\n<blockquote style=\"padding-left: 30px;\">\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">\u00abWenn die Leute ihre Waren nach allgemein anerkannter Art und Weise ohne jegliches Unrecht verkaufen und der Preis steigt aufgrund eines Warenr\u00fcckgangs (qillat al shai&#8216;) oder aufgrund einer Bev\u00f6lkerungszunahme (kathrat al Khalq), dann ist dies auf die Bestimmung Allahs zur\u00fcckzuf\u00fchren\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">(<em>Ibn Taimiyah<\/em>, 1976, p.24)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Hier nennt er als Gr\u00fcnde f\u00fcr ein Steigen des Preises entweder einen R\u00fcckgang der Waren oder eine Zunahme der Bev\u00f6lkerung. \u201eWarenr\u00fcckgang\u201c k\u00f6nnen wir hier auch als Abnahme des Angebots \u00fcbersetzen. Ebenso ist eine Zunahme der Bev\u00f6lkerung im Grunde nichts anderes als eine Erh\u00f6hung der Nachfrage im Markt, kann also als Anstieg der Nachfrage \u00fcbersetzt werden. Eine Preiserh\u00f6hung aufgrund eines R\u00fcckgangs des Angebots oder aufgrund einer Zunahme der Nachfrage wird zudem als ein Akt des allm\u00e4chtigen Gottes gekennzeichnet, was impliziert, dass der Marktmechanismus (kein Resultat menschlichen Planens, sondern) unpers\u00f6nlicher Natur ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Quelle: Prof. Dr. <em>Abdul Azim Islahi<\/em>, <span class=\"st\">Journal of Research in Islamic Economics<\/span>, Vol. 2, No. 2, pp. S. 51-52 \/ \u00fcbertragen in die deutsche Sprache von <em>Yahya ibn Rainer<\/em>)<\/p>\n<pre>Referenzen:\r\n<strong>Schumpeter<\/strong>, J.A. History of Economic Analysis, London, George Allen and Unwin Ltd., 1972.\r\n<strong>Ibn, Taimiyah<\/strong>, Majmu' Fatawa Shaikh al Islam Ahmad b. Taimiyah, Riyadh, al Riyadh Press, vol. 8, 1381; vol. 29, 1383.\r\n<strong>Ibn, Taimiyah<\/strong>, Al Hisbah fi'l Islam, ed. Azzam, S., Cairo. Dar al Sha'b, 1976.<\/pre>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_2985\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"2985\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Das Hauptziel dieser Arbeit soll es sein, das Konzept des Marktmechanismus zu studieren und zu analysieren, so wie er von Ibn Taymiyyah verstanden wurde. 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