{"id":3622,"date":"2018-09-21T09:19:14","date_gmt":"2018-09-21T09:19:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=3622"},"modified":"2018-09-21T09:19:14","modified_gmt":"2018-09-21T09:19:14","slug":"rezeption-die-balkanlaender-1886-von-prof-emile-louis-victor-de-laveleye-1-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/rezeption-die-balkanlaender-1886-von-prof-emile-louis-victor-de-laveleye-1-teil\/","title":{"rendered":"Rezeption: Die Balkanl\u00e4nder (1886) von Prof. \u00c9mile Louis Victor de Laveleye (1. Teil)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr gew\u00f6hnlich ist eine Rezension die kritische Besprechung eines Buches, das zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt als neue Erscheinung in den Buchhandlungen ausliegt oder (zeitgem\u00e4\u00df ausgedr\u00fcckt) neu bei Online-Buchshops im Angebot ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Falle dieser Buchbesprechungen ist dies so nicht gegeben. Es handelt sich n\u00e4mlich um ein Werk in 2 B\u00e4nden und der Autor publizierte diese bereits im Jahre 1886. Da ich Werk und Autor nicht kritisch beurteilen, sondern lediglich den Inhalt rezipieren m\u00f6chte, ist dies also keine Rezension sondern eine sogenannte Rezeption. Musste ich auch erst lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Gegenstand dieser Rezeption handelt es sich um das Werk \u00bbLa p\u00e9ninsule des Balkans. Vienne, Croatie, Bosnie, Serbie, Bulgarie, Roum\u00e9lie, Turquie, Roumanie\u00ab, das 1886 zu Den Haag und Br\u00fcssel erschien und 1888 von E. Jabobi ins Deutsche \u00fcbertragen beim Verlag von Carl Reissner zu Leipzig erschien. Der Titel wurde in der \u00dcbersetzung erfreulicherweise auf ein ertr\u00e4gliches Minimum gek\u00fcrzt und lautete nun knapp aber pr\u00e4gnant \u201eDie Balkanl\u00e4nder\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Titel an und f\u00fcr sich w\u00e4re f\u00fcr mich kein Ansporn gewesen mir die Lekt\u00fcre dieser 132 Jahre alten Reiseliteratur aufzuerlegen. Buchausz\u00fcge jedoch, die ich in Texten des deutsch-franz\u00f6sischen Islamkonvertiten Muhammad Adil Schmitz du Moulin aus dem Jahre 1903 fand, weckten mein Interesse. Also recherchierte ich ein wenig und fand recht schnell auch Scans der beiden B\u00e4nde bei archive.org.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich reizte in erster Linie der Wandel des Autors, den er w\u00e4hrend seiner Reise durch die ehemals osmanischen Gebiete des Balkans durchzumachen schien. Er reiste klar erkennbar mit antimuslimischen\/antit\u00fcrkischen Vorurteilen in diesen Teil Europas, gab die Schuld f\u00fcr den Entwicklungsr\u00fcckstand der osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder den \u00bbgeist- und herzt\u00f6dtenden Regimenten der Moslims\u00ab und bezeichnete die Herrschaft der Osmanen auf dem Balkan als \u00abbarbarische Zust\u00e4nde\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits zeigte sich aber auch, dass der Professor ein wahrer Wissenschaftler war, mit einem Sinn f\u00fcr Objektivit\u00e4t und einer ideologisch ungetr\u00fcbten Brille. Selbst ein religi\u00f6ser Katholik, verfasste er Beitr\u00e4ge und Artikel, die den Protestantismus f\u00fcr seine fortschrittliche Orientierung lobten und die Katholische Kirche als ma\u00dfgeblichen Grund f\u00fcr die katholische R\u00fcckst\u00e4ndigkeit verantwortlich machten. Zu seiner Schaffenszeit noch waren solche \u00fcberkonfessionellen \u00c4u\u00dferungen in vielerlei Hinsicht nicht gern gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wandel also, den de Laveleye vollzog, war in meinen Augen dieser objektiven und ungetr\u00fcbten Beobachtungsweise geschuldet und somit authentisch und nicht das Produkt eines schw\u00e4rmenden Philikers oder Konvertiten. Und genau dieses objektive Urteil eines Au\u00dfenstehenden interessierte mich sehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Rezeption dieses Werkes dauert jetzt schon seit einigen Monaten an. Im Januar verfasste ich bereits einen kleinen Blogbeitrag zum Thema (<a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-meinungswandel-des-prof-dr-de-laveleye-gest-1892-ueber-den-islam-und-die-muslime\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbDer Meinungswandel des Prof. Dr. de Laveleye (gest. 1892) \u00fcber den Islam und die Muslime\u00ab<\/a>), in dem ich ank\u00fcndigte einen umfassenderen Beitrag vorzubereiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu aller erst muss man wohl auf die Pers\u00f6nlichkeit des Autoren zu sprechen kommen, bevor man sich dem Inhalt seines Reiseberichtes widmet. \u00c9mile Louis Victor de Laveleye (und hier beziehe ich mich auf den Eintrag bei Wikipedia) &#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; \u00abwurde 1822 in Br\u00fcgge geboren und absolvierte das Coll\u00e8ge Stanislas, eine private Schule der katholischen Oratorium-Gemeinschaft in Paris, sowie sp\u00e4ter die Katholische Universit\u00e4t L\u00f6wen und die Universit\u00e4t Gent. Im Jahr 1864 wurde er Professor f\u00fcr National\u00f6konomie an der Universit\u00e4t L\u00fcttich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Jahre sp\u00e4ter vertrat er Belgien in der Jury der Weltausstellung von 1867. Im September 1873 war er an der Gr\u00fcndung des Institut de Droit international (Institut f\u00fcr V\u00f6lkerrecht) beteiligt, einer bis in die Gegenwart bestehenden Einrichtung, die 1904 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Er starb 1892 in Doyon bei L\u00fcttich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aktivit\u00e4ten von \u00c9mile de Laveleye umfassten weite Bereiche der politischen Wissenschaften und der \u00d6konomie sowie Probleme der Geldpolitik, des V\u00f6lkerrechts und der internationalen Beziehungen. Dar\u00fcber hinaus besch\u00e4ftigte er sich mit Fragen der Bildung, Religion, Moral und Literatur, und erstellte beispielsweise 1861 eine franz\u00f6sische \u00dcbersetzung des Nibelungenliedes. Er f\u00fchlte sich insbesondere der Gesellschaft in England zugeneigt, da diese in vielen Bereichen seinen sozialen, politischen und religi\u00f6sen Vorstellungen entsprach.\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">(Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%89mile_Louis_Victor_de_Laveleye\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%89mile_Louis_Victor_de_Laveleye<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Einleitung schm\u00fcckt das Gesamtwerk im ersten Band eine \u201eBiographische Skizze von Ph. Linet\u201c, die weiteren Aufschluss \u00fcber Person und Wirken de Laveleyes gibt. So lesen wir, dass er bereits ab einem Alter von 19 Jahren begann literarische und geschichtliche Schriften herauszugeben. 20 Jahre sp\u00e4ter fertigte er die ersten gemeinverst\u00e4ndlichen franz\u00f6sischen \u00dcbersetzungen der \u00bbNibelungen\u00ab und der \u00bbEdda\u00ab an. Hierzu bereiste er Deutschland, wo er an den Urtext ging und sich Rat von hiesigen Experten holte, wie den ber\u00fchmten Gebr\u00fcdern Grimm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann widmete sich de Laveleye der soziologischen Fragen seiner Zeit. Er besch\u00e4ftigte sich mit den \u00bbUrsachen des Fortschrittes angels\u00e4chsischer V\u00f6lker\u00ab und der \u00bbPr\u00fcfung des Kommunismus\u00ab. Ab 1859 schrieb er insgesamt 76 Artikel f\u00fcr das \u00bbRevue des Deux Mondes\u00ab, einem der \u00e4ltesten noch heute existierenden Magazine Europas, in dem auch Pers\u00f6nlichkeiten wie Charles Baudelaire, Leo Tolstoi, Victor Hugo, Ernest Renan, Alexis de Tocqueville und Heinrich Heine publizierten. Er schrieb vor allem \u00fcber Volkswirtschaftslehre, Ackerbau, Finanzwesen, Geschichte der Gegenwart, Politik, Schulwesen, Religion uvm., \u00bbes giebt wohl kaum einen Stoff von politischer oder socialer Natur, den er nicht mit Meisterh\u00e4nden angefasst und behandelt hat.\u00ab, schreibt Ph. Linet seiner Einleitung zum hiesigen Werk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1864, also im Alter von 42 Jahren, wurde de Laveleye von der belgischen Regierung zum Inhaber des Lehrstuhles f\u00fcr National\u00f6konomie an der Universit\u00e4t L\u00fcttich berufen. Dort wirkte er neben seiner Lehrt\u00e4tigkeit auch als Vork\u00e4mpfer des V\u00f6lkerrechts, als kirchenkritischer Verteidiger des religi\u00f6sen Glaubens und als Unterst\u00fctzer der allgemeinen Schulbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ph. Linet schlie\u00dft seine Biographische Skizze dann mit folgenden Worten ab:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbProfessor von Laveleye ist Mitglied der k\u00f6nglich belgischen Akademie, der \u00bbInstitut de France\u00ab, der Akademie von Rom, Madrid, Lissabon, Serbien usw., Ehrendoktor der Universit\u00e4ten zu Petersburg, Edinburgh und W\u00fcrzburg, Offizier des Leopoldordens und der Ehrenlegion und Gross-Offizier und Kommandeur von acht fremden Orden. Doch seine ganze umfassende Wirksamkeit, seine wunderbare Schaffens- und Arbeitskraft l\u00e4sst sich in einer einfachen Skizze nur unvollkommen zum Ausdrucke bringen; allein die Gelegenheit ist g\u00fcnstig, um mit einer Huldigung hervorzutreten, welche dem geistvollen Gelehrten, dem tapferen Freiheitsk\u00e4mpfer und dem edlen Menschenfreunde in gleichem Maasse gilt.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Einleitung des Werkes findet der Grund f\u00fcr die Balkanreise des Professors nur kurze Erw\u00e4hnung. Ph. Linet schreibt:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie nach der Schlacht von Sadowa, so erfuhr auch nach dem letzten russisch -t\u00fcrkischen Kriege die allgemeine Lage Europas eine durchgreifende Aenderung. Der brennende Punkt liegt aber im Osten, weil hier Russland und das durch Deutschland gest\u00fctzte Oesterreich sich entgegenstehen und damit das europ\u00e4ische Gleichgewicht in eine ganz andere Richtung dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gelehrte Schriftsteller [Prof. \u00c9mile de Laveleye] hielt sich nun f\u00fcr verpflichtet, an Ort und Stelle die Lage der Donau- und Balkanl\u00e4nder zu erforschen. Die Ergebnisse seiner Reise legte er in der \u00bbRevue des Deux Mondes\u00ab nieder und gab ihnen dann mit den ins Englische und Deutsche \u00fcbersetzten \u00bbBalkanl\u00e4ndern\u00ab die Buchform.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">De Laveleye selbst schreibt ab Seite 1 nur diesen kurzen Abschnitt zu seiner Motivation:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMein Weg f\u00fchrt mich von neuem zu den Slawenv\u00f6lkern der Donau- und Balkanl\u00e4nder. Ich m\u00f6chte sehen, wie die Zadrugas \u2014 die Haus- oder Familiengemeinden \u2014 , welche mir auf meiner Reise im Jahre 1867 eine so grosse Begeisterung einfl\u00f6ssten, inzwischen sich ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen meine veraltete Auffassung jener ehrw\u00fcrdigen Gemeinschaften sprachen Leroy-Beaulieu und Moritz Block mit strengem Tadel sich aus, w\u00e4hrend Stuart Mill dieselbe getheilt und Henry Maine sie begriffen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Bischof Strossmayrs F\u00fchrung werde ich zun\u00e4chst die Zadrugas Slawoniens in der Gegend von Djakovo in Augenschein nehmen , dann will ich meine Beobachtungen in Bosnien, Serbien und Bulgarien fortsetzen und mich dabei \u00fcber die politische und wirthschaftliche Lage dieser L\u00e4nder unterrichten, deren ich schon in meinem Buche \u00bbPreussen und Oesterreich seit Sadowa\u00ab gedachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die g\u00fcnstige Gelegenheit, dergleichen Untersuchungen anzustellen, muss ohne Z\u00f6gern ergriffen werden, weil unter dem Einfl\u00fcsse von Eisenbahnen, neuen Verfassungen und engeren Beziehungen zum Westen Europas eine schnelle Umwandlung sich vollzieht. Die Bewohner jener L\u00e4nder werden ihre eigenartigen, hundertj\u00e4hrigen Sitten und Gebr\u00e4uche, ihre malerischen Trachten bald gegen das vertauschen, was man die moderne Zivilisation zu nennen pflegt, und dann ihre ganze Denk- und Lebensweise nach der Art von Paris oder London regeln. Seit dem Jahre 1867 haben, wie ich h\u00f6re, gewaltige Umwandlungen sich vollzogen.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Schauen wir also, was der Professor auf seiner Reise f\u00fcr Untersuchungen anstellen konnte.<\/p>\n<p>[Der 2. Teil folgt]<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_3622\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"3622\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich ist eine Rezension die kritische Besprechung eines Buches, das zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt als neue Erscheinung in den Buchhandlungen ausliegt oder (zeitgem\u00e4\u00df ausgedr\u00fcckt) neu bei Online-Buchshops im Angebot ist. 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