{"id":4005,"date":"2019-03-29T19:35:57","date_gmt":"2019-03-29T19:35:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=4005"},"modified":"2019-03-29T19:39:50","modified_gmt":"2019-03-29T19:39:50","slug":"oswald-spengler-ueber-die-geistesgeschichtlichen-epochen-des-judentums","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/oswald-spengler-ueber-die-geistesgeschichtlichen-epochen-des-judentums\/","title":{"rendered":"Oswald Spengler \u00fcber die geistesgeschichtlichen Epochen des Judentums"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer Oswald Spengler (gest. 1936) und sein Opus Magnum &#8222;Der Untergang des Abendlandes&#8220; (1922) nicht kennt oder zu sch\u00e4tzen wei\u00df, wird nicht nachvollziehen k\u00f6nnen weshalb ich hier beinah ein ganzes Kapitel aus dem 2. Band zitieren werde, welches zudem auch noch das Judentum behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Spengler gilt als verbrannt, weil er ein Antidemokrat war und heute vor allem von der Neuen Rechten vereinnahmt wird. Aber trotz seiner heute als regressiv geltenden Auffassung, war er ein gro\u00dfartiger Denker und sein kulturphilosophisches Geschichtswerk ist mit seiner vergleichenden Methodologie m.E. einzigartig.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Blick auf die unterschiedlichen Kulturkreise und ihre Geistesgeschichte scheint mir unvoreingenommen und ehrlich, auch wenn er sicherlich nicht in allem richtig liegen mag. <\/p>\n\n\n\n<p>Interessant an seiner Darlegung des Judentums ist, dass er es der &#8222;arabischen Kultur&#8220; zurechnet, es auch immer wieder mit der islamischen Geistesgeschichte verwebt und dass er (1922 bereits) den aufkommende rassistischen Judenhass widerlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Um dem geneigten Leser nicht allzu viel Lesestoff auf einmal zuzumuten, werde ich den gro\u00dfen Auszug aus Kapitel 59 des 2. Bandes in mehrere Blogbeitr\u00e4ge aufteilen, die ich nacheinander publizieren werde.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00abEine Fellachenreligion ist auch das Judentum etwa seit Jehuda ben Halevi, der wie sein islamischer Lehrmeister Al Ghazali die wissenschaftliche Philosophie mit unbedingter Skepsis betrachtet  und sie im \u00bbKuzari\u00ab (1140) nur noch als Dienerin der gl\u00e4ubigen Theologie  gelten l\u00e4\u00dft. Das entspricht durchaus der Wendung von der mittleren zur  j\u00fcngeren Stoa der Kaiserzeit und dem Erl\u00f6schen der chinesischen  Spekulation unter der westlichen Han-Dynastie. Noch bezeichnender ist  Moses Maimonides, der um 1175 den gesamten Lehrstoff des Judentums als  etwas Fertiges und Starres in einem gro\u00dfen Werk vom Schlage des  chinesischen Li-ki zusammengetragen hat, ohne die geringste R\u00fccksicht  darauf, ob das Einzelne noch Sinn hatte oder nicht.<\/p><p>Weder in dieser noch in einer andern Zeit ist das Judentum etwas  Einzigartiges in der Religionsgeschichte, aber von der Lage aus  betrachtet, welche die abendl\u00e4ndische Kultur auf ihrem eigenen Boden  daf\u00fcr geschaffen hat, erscheint es so. Und ebensowenig ist die Tatsache,  da\u00df der j\u00fcdische Name immer wieder etwas anderes bezeichnet, ohne da\u00df  seine Tr\u00e4ger es bemerken, etwas f\u00fcr sich Stehendes, denn sie wiederholt  sich Schritt f\u00fcr Schritt im Persertum.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In ihrer \u00bbMerowingerzeit\u00ab (etwa 500\u20130) entwickeln sich beide aus  Stammesverb\u00e4nden zu Nationen magischen Stils, ohne Land, ohne Einheit  der Abstammung und schon damals mit der  Wohnweise des Ghetto, die bis auf die Parsen in Bombay und die Juden in Brooklyn dieselbe geblieben ist.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In der Fr\u00fchzeit (etwa 0\u2013500) wird dieser landlose <em>consensus<\/em>  von Spanien aus bis nach Schantung verbreitet. Es war die j\u00fcdische  Ritterzeit und die \u00bbgotische\u00ab Bl\u00fctezeit religi\u00f6ser Gestaltungskraft: die  sp\u00e4te Apokalyptik, die Mischna und das Urchristentum, das erst seit  Trajan und Hadrian abgesto\u00dfen wurde, sind Sch\u00f6pfungen dieser Nation. Es  ist bekannt, da\u00df die Juden damals Bauern, Handwerker und Kleinst\u00e4dter  waren. Die gro\u00dfen Geldgesch\u00e4fte f\u00fchrten \u00c4gypter, Griechen, R\u00f6mer, also  \u00bbalte\u00ab Menschen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Um 500 beginnt das j\u00fcdische Barock, das dem abendl\u00e4ndischen  Betrachter sehr einseitig im Bilde der spanischen Glanzzeit zu  erscheinen pflegt. Der j\u00fcdische <em>consensus<\/em> tritt wie der  persische, islamische und byzantinische in ein st\u00e4dtisches und geistiges  Wachsein und beherrscht von nun an die Formen der st\u00e4dtischen  Wirtschaft und Wissenschaft. Tarragona, Toledo und Granada sind  vorwiegend j\u00fcdische Gro\u00dfst\u00e4dte. Juden bilden einen wesentlichen Teil der  vornehmen maurischen Gesellschaft. Ihre vollendeten Formen, ihren <em>esprit<\/em>,  ihre Ritterlichkeit hat der gotische Kreuzzugsadel bewundert und  nachzuahmen versucht; aber auch die Diplomatie, Kriegf\u00fchrung und  Verwaltung der maurischen Staaten ist ohne die j\u00fcdische Aristokratie,  welche hinter der islamischen an Rasse nicht zur\u00fcckstand, gar nicht zu  denken. Es gab, wie einst in Arabien einen j\u00fcdischen Minnesang, so jetzt  eine hohe Literatur und eine aufgekl\u00e4rte Wissenschaft. <\/p><p>Als Alfons X.  von Kastilien um 1250 unter Leitung des Rabbiners Isaak ben Said Hassan  durch j\u00fcdische, islamische und christliche Gelehrte ein neues  Planetenwerk ausarbeiten lie\u00df, war das immer noch eine Leistung nicht des faustischen, sondern des  magischen Weltdenkens. Erst seit Nicolaus Cusanus wurde es umgekehrt.  Aber in Spanien und Marokko lag doch nur ein sehr kleiner Teil des  j\u00fcdischen <em>consensus<\/em> und dieser selbst hatte nicht nur einen  weltlichen, sondern vor allem auch einen geistlichen Sinn.<\/p><p>Es gab auch  in ihm eine puritanische Bewegung, die den Talmud verwarf und zur reinen  Tora zur\u00fcckkehren wollte. Die Gemeinschaft der   Kar\u00e4er ist nach manchen Vorl\u00e4ufern um 760 im n\u00f6rdlichen Syrien  entstanden, eben dort, von wo ein Jahrhundert vorher die  bilderst\u00fcrmenden christlichen Paulikianer und etwas sp\u00e4ter der  islamische Sufismus ausgingen, drei magische Richtungen, deren innere  Verwandtschaft niemand verkennen wird. Die Kar\u00e4er wurden wie die  Puritaner jeder andern Kultur von der Orthodoxie wie von der Aufkl\u00e4rung  bek\u00e4mpft.<\/p><p>Die rabbinischen Gegenschriften entstanden von Cordova und Fes  bis nach S\u00fcdarabien und Persien hin. Aber damals entstand auch, ein  Produkt des \u00bbj\u00fcdischen Sufismus\u00ab und zuweilen an Swedenborg erinnernd,  das Hauptwerk der rationalistischen Mystik, das Buch Jezirah, dessen  kabbalistische Grundvorstellungen sich mit der byzantinischen  Bildersymbolik und dem gleichzeitigen Zauberwesen des griechischen  \u00bbChristentums zweiter Ordnung\u00ab ebenso ber\u00fchren wie mit der Volksreligion  des Islam.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Fortsetzung folgt<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div><p id=\"pvc_stats_4005\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"4005\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p><div class=\"pvc_clear\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Oswald Spengler (gest. 1936) und sein Opus Magnum &#8222;Der Untergang des Abendlandes&#8220; (1922) nicht kennt oder zu sch\u00e4tzen wei\u00df, wird nicht nachvollziehen k\u00f6nnen weshalb ich hier beinah ein ganzes Kapitel aus dem 2. 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