{"id":630,"date":"2013-01-10T13:30:17","date_gmt":"2013-01-10T13:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=630"},"modified":"2016-12-06T09:32:24","modified_gmt":"2016-12-06T09:32:24","slug":"buchauszug-ghazanfar-islahi-al-ghazali-ueber-reichtum-armut-profit-wohlfahrt-und-voluntarismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/buchauszug-ghazanfar-islahi-al-ghazali-ueber-reichtum-armut-profit-wohlfahrt-und-voluntarismus\/","title":{"rendered":"Buchauszug: Ghazanfar &#038; Islahi &#8211; Al-Ghazali \u00fcber Reichtum, Armut, Profit, Wohlfahrt und Voluntarismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Imam Abu Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazali<\/em> &#8211; Allah sei ihm gn\u00e4dig &#8211; war ein gro\u00dfer und anerkannter islamischer Gelehrter des 11. Jahrhunderts (christlicher Zeitrechnung). <em>Prof. Dr. S. Mohammad Ghazanfar<\/em> und <em>Prof. Dr. Abdul Azim Islahi<\/em> sind zeitgen\u00f6ssische Gelehrte des Fachbereichs Islamische \u00d6konomie. Aus ihrem Buch stammt das folgende Zitat, welches von mir aus dem Englischen ins Deutsche \u00fcbersetzt wurde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Reichtum und Armut<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[&#8230;] Laut al-Ghazali ist das nach Profit strebende Verhalten der Menschen nicht grunds\u00e4tzlich als verwerflich zu betrachten, denn der Wunsch Reichtum und Eigentum zu erwerben ist Teil der menschlichen Natur und ein Mittel um ein h\u00f6heres Ma\u00df an materiellem Wohlergehen zu erreichen. Al-Ghazali erkennt diese Form der &#8222;Maximierung&#8220; als menschliche Wesensart an, indem er sagt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Ein Mann liebt es den Wohlstand zu vermehren und seinen Besitz aller Arten von Eigentum zu vergr\u00f6\u00dfern. Wenn er zwei T\u00e4ler von Gold h\u00e4tte, w\u00fcrde er gern auch ein drittes haben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann erw\u00e4hnt er einen klaren Grund f\u00fcr dieses Verhalten; er sagt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Ein Mann hat hohe Ambitionen. Er denkt immer daran, dass der momentan vorhandene Reichtum nicht ausreichen oder vernichtet werden k\u00f6nnte, und f\u00fcr diesen Fall ben\u00f6tigt er deshalb mehr. Er versucht also diese \u00c4ngste durch weitere Anh\u00e4ufung zu \u00fcberwinden. Jedoch werden diese Bef\u00fcrchtungen niemals enden &#8211; auch wenn er alle Besitzt\u00fcmer der Welt hat.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Al-Ghazali scheint damit (allgemein) menschlich-materialistische Tendenzen zu beschreiben, wie sie in jeder Gesellschaft vorhanden sind, ob nun in seiner (damalig) eigenen oder jeder zeitgen\u00f6ssischen Industriegesellschaft. Er erkennt somit nicht nur das Begehren des Menschen an, Reichtum und Besitztum zu vermehren, sondern auch sein Bed\u00fcrfnis sich achtsam auf die unbekannte Zukunft einzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. (Ver-)Teilung und Gleichheit von Wohlstand<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Al-Ghazali nimmt eine kritische Meinung zu allen Mitteln ein, die eine Gleichheit von Einkommen und Wohlstand in einer Gesellschaft erzwingen. Ebenso kritisiert er diejenigen die darauf bestehen, dass alle Menschen allgemein ein bestimmtes Existenzminimum zum Leben brauchen &#8211; ein solcher Ansatz w\u00e4re lediglich f\u00fcr jene Menschen geeignet, die fromm sind und ausschlie\u00dflich das Jenseits begehren; es kann aber kein Rezept f\u00fcr eine Gesellschaft als Ganzes sein. W\u00e4re dies ein allgemeing\u00fcltiges Konzept, dann bietet es den Herrschern n\u00e4mlich einen guten Grund zu Tyrannen und Dieben zu werden und den Menschen unter Zwang all jenes Abzunehmen, was ihrer Ansicht nach \u00fcbrig und \u00fcber den Bed\u00fcrfnissen der Menschen ist. Dar\u00fcber hinaus wird es zu einem Problem f\u00fcr den Staat, nicht nur in Bezug auf die Einziehung (Eintreibung) dieses &#8222;\u00dcberschusses&#8220;, sondern auch bez\u00fcglich der angemessenen Verteilung an diejenigen, \u00fcber deren Bed\u00fcrftigkeit ja auch noch geurteilt werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Alternative, meint al-Ghazali, muss der Geist der islamischen Br\u00fcderlichkeit zu einem voluntaristischen (freiwilligen) Teilen des Reichtums leiten. Auch hier spricht al-Ghazali von drei Arten des Teilens und er ordnet sie im Hinblick auf ihre Erw\u00fcnschtheit entsprechend der Scharia. Die unterste Stufe ist, wenn eine Person ihren Bruder als Helfer oder Diener betrachten kann und sie macht es sich ebenfalls zur Aufgabe, ihrem Not leidenden Bruder zu helfen, ohne zu erwarten um Hilfe gebeten zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine h\u00f6here Ebene ist, seinen Bruder wie sich selbst zu betrachten und es ihm zu erlauben Anteil am (eigenen) Eigentum zu haben, als ob auch er der Besitzer des selbigen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der h\u00f6chste Rang ist es, den Bed\u00fcrfnissen des Bruders einen gr\u00f6\u00dferen Vorzug einzur\u00e4umen als den eigenen. Laut al-Ghazali ist diese h\u00f6chste Stufe des voluntaristischen (freiwilligen) Teilens und Gebens ein Kennzeichen des wahren islamischen Verhaltens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er zitiert den quranischen Vers 42:38<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;[&#8230;] <\/em><em>und diejenigen, die [&#8230;], ihre Angelegenheiten durch Beratung untereinander regeln und von dem ausgeben, womit Wir sie versorgt haben, [&#8230;]&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">, den er als Verweis auf die fr\u00fchen Muslime interpretiert, die ihr Eigentum untereinander und miteinander teilten, manchmal sogar ohne zu unterscheiden was wem geh\u00f6rt, wie beim Reiten auf Tieren. Somit ist also klar, dass, soweit es das (Auf-)Teilen von Reichtum angeht, al-Ghazali es bevorzugt diese Handlung auf voluntaristischer (freiwilliger) Basis beruhen zu lassen, als Teil einer schariabedingten moralischen Verpflichtung und Neigung, anstatt durch autorit\u00e4re Vorschriften des Staates &#8211; obwohl diese letztere Vorgehensweise nicht vollkommen ausgeschlossen wird, f\u00fcr den Fall das es die Umst\u00e4nde erfordern, wie wir sp\u00e4ter entdecken werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Prof. Dr. S. Mohammad Ghazanfar &amp; Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, <a title=\"PDF: Ghazanfar &amp; Islahi \u2013 Economic Thought of Al-Ghazali\" href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=625\">Economic Thought of Al-Ghazali (\u00d6konomische Lehre des Al-Ghazali)<\/a>, Seite 11-12)<\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_630\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"630\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Imam Abu Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazali &#8211; Allah sei ihm gn\u00e4dig &#8211; war ein gro\u00dfer und anerkannter islamischer Gelehrter des 11. 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