{"id":706,"date":"2013-05-11T20:09:57","date_gmt":"2013-05-11T20:09:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=706"},"modified":"2019-04-18T08:13:42","modified_gmt":"2019-04-18T08:13:42","slug":"buchauszug-erik-von-kuehnelt-leddihn-unterschied-zwischen-nation-und-reich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/buchauszug-erik-von-kuehnelt-leddihn-unterschied-zwischen-nation-und-reich\/","title":{"rendered":"Buchauszug: Erik von K\u00fchnelt-Leddihn &#8211; Unterschied zwischen Nation und Reich"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Hier ein Auszug aus dem Buch <em>Konservative Weltsicht als Chance &#8211; Entlarvung von Mythen und Klischees<\/em> (15. Kapitel: Nation und Reich, Seite 242-246) von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kuehnelt-Leddihn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn.<\/em><\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ein Reich ist also reich &#8211; reich an Sprachen, V\u00f6lkern, Gebr\u00e4uchen, Traditionen, zumal auch an St\u00e4nden, Glaubensgemeinschaften, Landschaften und Vereinigungen. Das Wort Reich ist germanisch, auch das franz\u00f6sische riche, das spanisch-portugiesisch-italienische rico-ricco hat diese nichtlateinische Wurzel. V\u00f6lkern, die keine Reichstraditionen besitzen, ist der Terminus &#8222;Reich&#8220; schwer verst\u00e4ndlich, weil es eben nicht prim\u00e4r eine menge- oder gr\u00f6\u00dfenhafte Bedeutung hat. Die Vereinigten Staaten sind eben kein Reich. Amerikaner f\u00fchlen sich sehr als Teil einer Nation, wenn auch dieser Begriff, wie auch sonstwo im Westen, keine ethnisch-sprachliche, sondern eine juridisch-poltische, manchmal dazu auch noch eine historische Bedeutung hat. F\u00fcr Staatsb\u00fcrgerschaft wird dann nationality-nationalit\u00e9-nazionalit\u00e0 verwendet. Im alten \u00d6sterreich wurden die verschiedenen Volksst\u00e4mme &#8222;Nationalit\u00e4ten&#8220; genannt. &#8222;Nationalisieren&#8220; bekam aber auch einen recht anderen Sinn: es bedeutet heute soviel wie &#8222;sozialisieren&#8220; beziehungsweise &#8222;verstaatlichen&#8220;. Und das ist sehr bezeichnend. Man sieht aber auch bei uns wie weit das sprachliche Chaos gewachsen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, Treue kann man zum eigenen Volkstum halten, aber auch zu einem Land, einem Reich, in dem man nur als Minderheit vertreten ist. Es gab deutsche Balten, die loyal ihrem russischen Kaiser dienten und wiederum andere, deren Loyalit\u00e4t zu ihrem Volk (und damit zum Deutschen Reich) den Vorrang hatte. Einer der siegreichen k. u. k. Feldherren war General Swjetosar Borojewitsch von Bojna, ein orthodoxer Serbe, der aber absolut kaisertreu war und nach dem Weltkrieg sich in K\u00e4rnten niederlie\u00df. Prinz Eugen war ein Franzose, Radowitz ein Ungar, Witte ein Deutscher, aber ein &#8222;Ru\u00dfl\u00e4nder&#8220;. Alexander II. bot dem preu\u00dfischen Gesandten Otto von Bismarck an, in russische Dienste zu treten. Bismarck lehnte ab, doch der Antrag war ehrenvoll.<strong>\u00b9<\/strong> Der portugiesische Gesandte Joaquim Oriola wurde preu\u00dfischer Diplomat. Das sind Dinge, die &#8222;moderne Menschen&#8220; in basses Erstaunen versetzen &#8211; und daf\u00fcr gibt es gute Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hauptgrund liegt darin, da\u00df wir seit der Aufkl\u00e4rung und der Franz\u00f6sischen Revolution in einer bis heute andauernden Epoche des &#8222;Horizontalismus&#8220;, des kollektivistischen Gleichheits- und N\u00e4mlichkeitswahns leben. Mit Ausnahme der Ehe. In der alten Christenheit waren die prim\u00e4ren Bindungen nicht zum Neben-Menschen, sondern &#8222;vertikal&#8220;. Auch glaubte fr\u00fcher niemand, da\u00df Menschen auswechselbar w\u00e4ren (das sind sie heute vor der Wahlurne): jedermann war persona, also einzigartig. Dieses Wort kommt vom etruskischen phers\u00fa, der Maske, her, die der Schauspieler auf der B\u00fchne trug, also f\u00fcr eine Rolle, die man eben ganz pers\u00f6nlich zu spielen hat und die einem niemand anderer abnahm. Nobody is indispensable ist eine nihilistische Feststellung aus dem demokratischen Rotwelsch. Da geht es um Ziffern und um &#8222;Numerierte&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich, &#8222;identit\u00e4re&#8220; und egalit\u00e4re Bewegungen hatte es schon immer in kleinen Sekten gegeben, aber sie traten nur f\u00fcr kurze Zeit auf. Darum auch das Entsetzen in der Christenheit, als die hussitischen Taboriten im 15. Jahrhundert auftauchten und als Vorl\u00e4ufer der Nationalsozialisten andere V\u00f6lker, diesmal deutsche katholische B\u00f6hmen, in einem ersten Genozid auszurotten versuchten. Diese fanatisch-kollektivistische Volksbewegung war ein wahrer Einbruch in die abendl\u00e4ndische Kultur, denn man sah in den V\u00f6lkern nicht exklusive und xenophobe Gemeinschaften, sondern pluralistische patriarchale Gruppierungen. Die Hussiten konnten nur durch echte Kreuzz\u00fcge besiegt werden. Mit der Franz\u00f6sischen Revolution kam zwar nicht die .Freiheit, die wir auch in der Heiligen Schrift finden, sondern die Gleichheit und die &#8222;Br\u00fcderlichkeit&#8220;<strong>\u00b2<\/strong>, wobei Gleichhiet auch als N\u00e4mlichkeit verstanden wurde und man sich auch fragen mu\u00df, ob es vaterlose Br\u00fcder eigentlich geben kann. Im Endeffekt hatte man schlie\u00dflich Tyrannen, die sich als &#8222;F\u00fchrer&#8220; ausgaben, aber tats\u00e4chlich Herren und Verf\u00fchrer waren. Ohne Krone oder Zepter wandelten sie im schlichten Gewande einher, redeten die Sprache des einfachen Volkes und verk\u00f6rperten es. Neben dem alten Druck von oben kam der horizontale Druck durch die Nachbarn und durch die Massenpartei, zu der das liebe Volk str\u00f6mte: daher auch die Volksempf\u00e4nger, Volksw\u00e4gen, Volksgef\u00e4ngnisse, Volksgerichte, Volksdemokratien und als gr\u00f6\u00dfter Schrecken das unjuridische &#8222;gesunde Volksempfinden&#8220;.<strong>\u00b3<\/strong> Montesquieu hatte richtig gesagt, da\u00df die Republik die Tugend (vertu), die Monarchie aber das milde Erbarmen (cl\u00e9mence) darstelle. In der Franz\u00f6sischen Revolution wurde der Terminus der vertus r\u00e9publicaines gepr\u00e4gt. Die haben wir ja auch nach 1789 und ganz besonders seit 1918 so richtig kennengelernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun darf man aber ja nicht \u00fcber das Ziel schie\u00dfen und die Nationalit\u00e4t, die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit verteufeln. Wir bem\u00fchen uns, hier lediglich eine Hierarchie der Werte festzustellen und dabei den Reichsgedanken h\u00f6her zu bewerten als den Begriff des Nationalstaats. Die Nationalit\u00e4t ist selbstverst\u00e4ndlich auch ein Wert, deren wichtigster Komponent die Sprache ist. Unser ganzes Denken bewegt sich auf den Schienen der Sprache. Menschsein hei\u00dft zu sprechen. Wir m\u00fcssen uns fragen &#8211; um nur ein Beispiel anzuf\u00fchren &#8211; ob ein in Frankreich oder Italien geborener Martin Heidegger uns seine existentielle Philosophie h\u00e4tte schenken k\u00f6nnen. H\u00f6chstwahrscheinlich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen anderen Existentialismus? Das w\u00e4re allerdings m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Volkszugeh\u00f6rigkeit und Sprache kommt das Brauchtum, kommen Hunderte, ja Tausende Redewendungen, Klischeebilder, Denkformen, ja auch der Humor, alles Dinge, die zum Teil auch durch eine gemeinsame Geschichte gepr\u00e4gt wurden. Das Nationalgef\u00fchl stammt von der \u00dcberzeugung, da\u00df der Mitmensch auf ein bestimmtes Wort oder eine bestimmte Tat relativ eindeutig reagieren w\u00fcrde: man hat zu ihm Vertrauen, weil man wei\u00df, oder zu wissen glaubt, wie sein Charakter und seine Mentalit\u00e4t funktionieren. Und dieses Vertrauen gibt wiederum ein Gef\u00fchl der Verbundenheit. Wird aber aus dem nationalen Gef\u00fchl ein &#8222;Ismus&#8220;, also ein Nationalismus, dann steigert sich das Mi\u00dftrauen in den anderer Volkszugeh\u00f6rigkeit in gef\u00e4hrlichem Ausma\u00df, und vom Mi\u00dftrauen ist es dann oft nicht weit zum Ha\u00df. Hier liegt die Gefahr des kleinlichen &#8222;identit\u00e4ren&#8220; eher denn egalit\u00e4ren Wahns, der dem Abenteuer der Begegnung mit den Andersgearteten abhold ist. Der Andere wird automatisch der Feind. Misogynie und Misandrie haben dieselben psychologischen Wurzeln, ebenso der Rassismus und der Klassenha\u00df. Und gerade aus diesem Dunstkreis kamen die Ideen der Franz\u00f6sischen, Russischen und Deutschen Revolution, also Demokratie, einschlie\u00dflich der Nationaldemokratie, der Internationalismus und der Nationalsozialismus mit ihren blutroten Fahnen. Sie waren der Ausdruck identit\u00e4r-egalit\u00e4rer Bewegungen, die unsere Zeit sehr eindeutig gef\u00e4rbt haben.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fu\u00dfnoten:<strong><br \/>\n(1)<\/strong><\/span> Kaiser Alexander I. von Ru\u00dfland war buchst\u00e4blich von Ausl\u00e4ndern umgeben, in der Hauptsache von Deutschen<br \/>\n<strong>(2)<\/strong> Von den Greueln der Franz\u00f6sischen Revolution entsetzt, meinte Metternich in Hinblick auf das Schlagwort von &#8222;Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit&#8220;, da\u00df wenn er einen Bruder h\u00e4tte, er ihn lieber &#8222;Vetter&#8220; nennen w\u00fcrde.<br \/>\n<strong>(3)<\/strong> Die Hinrichtungen von Sokrates und Jesus waren sehr popul\u00e4r. Das Lynchen ist echte Volksjustiz. Auch der Tod Marie-Antoinettes wurde applaudiert.<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_706\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"706\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ein Auszug aus dem Buch Konservative Weltsicht als Chance &#8211; Entlarvung von Mythen und Klischees (15. 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