{"id":710,"date":"2013-05-13T15:21:29","date_gmt":"2013-05-13T15:21:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=710"},"modified":"2018-08-17T10:08:10","modified_gmt":"2018-08-17T10:08:10","slug":"buchauszug-fritz-kern-die-traditionelle-germanische-rechtsauffassung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/buchauszug-fritz-kern-die-traditionelle-germanische-rechtsauffassung\/","title":{"rendered":"Buchauszug: Fritz Kern &#8211; Die traditionelle germanische Rechtsauffassung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Recht-Verfassung-Mittelalter-Fritz-Kern\/dp\/3534000358\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Recht und Verfassung im Mittelalter<\/em><\/a>, so hei\u00dft das kleine B\u00fcchlein des deutschen Historikers <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Kern_%28Historiker%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Prof. Dr. Fritz Kern<\/em><\/a> (1884-1950), das sich mit der tradierten germanisch-abendl\u00e4ndischen Rechtsauffassung besch\u00e4ftigt bzw. selbige bem\u00fcht ist darzustellen. F\u00fcr Leser mit Interesse f\u00fcr die Materie ist es eine wahre Fundgrube, auch wenn bei mangelndem Fachwissen das Lesen streckenweise recht schwer f\u00e4llt. Leider ist das Urheberrecht an diesem Werk erst 2020 abgelaufen, sonst h\u00e4tte ich einen <a href=\"http:\/\/www.archive.org\/stream\/historischezeits120mnuoft\/historischezeits120mnuoft_djvu.txt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">uneditierten Netzfund<\/a> gern aufbereitet und als PDF ins Angebot genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrages komme, m\u00f6chte ich einiges im Voraus festhalten: Es ist wichtig zu wissen welche traditionelle Rechtsauffassung hier (auf germanischem Boden) \u00fcber viele Jahrhunderte lang herrschte, bis den ersten Herrschern einfiel sich doch selbst zum Souver\u00e4n \u00fcber Recht und Gesetz zu machen. Herr <em>Prof. Dr. Kern<\/em> l\u00e4sst bereits zu Beginn seiner Abhandlung keinen Zweifel daran, welche <em>Eigenschaften<\/em> <strong>das Recht<\/strong> nach tradiertem germanisch-abendl\u00e4ndischen Befinden haben musste <em>(im Gegensatz zu heute)<\/em>:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;F\u00fcr uns hat [heute] das Recht, damit es gelte, nur eine einzige Eigenschaft n\u00f6tig: die unmittelbare oder mittelbare Einsetzung durch den Staat. Dem mittelalterlichen Recht dagegen sind zwei andere Eigenschaften anstatt dieser einen wesentlich: es ist \u201ealtes&#8220; Recht und es ist \u201egutes&#8220; Recht. Dagegen kann es das Merkmal der Einsetzung durch den Staat entbehren. Ohne jene zwei Eigenschaften des Alters und des Gutseins, die, wie wir sehen werden, merkw\u00fcrdigerweise eigentlich nur f\u00fcr eine einzige und einheitliche Eigenschaft gehalten wurden, ist Recht kein Recht, selbst wenn es vom Machthaber in aller Form eingesetzt sein sollte.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch zum <em>Ursprung<\/em> dieses <em>alten<\/em> und <em>guten Rechts<\/em> findet der Professor klare Worte:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nicht der Staat, sondern &#8218;Gott ist der Anfang alles Rechts&#8216;. Das Recht ist ein St\u00fcck der Weltordnung; es ist unersch\u00fctterlich. Es kann gebeugt, gef\u00e4lscht werden, aber dann stellt es sich selbst wieder her und zerschmettert zuletzt doch den Misset\u00e4ter, der es antastete.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">und<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gott ist der einzige Gesetzgeber im vollen und wahren Sinne des Worts.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das dieses g\u00f6ttliche Recht ewig gilt und bewahrt werden muss, versteht sich zwar von selbst, ist aber nat\u00fcrlich auch in der germanisch-abendl\u00e4ndischen Tradition verankert.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das zeitlos Starre, Apriorische der Ethik, nicht das Werden, sondern das Soll beherrscht ihre Anschauung von menschlichen Dingen. Diese Grundform des gebildeten Denkens im Mittelalter verbindet sich leicht mit der germanischen volkst\u00fcmlichen Gewohnheit, das Recht als alt und bleibend, als ruhend und in seiner Ruhe zu sch\u00fctzend anzunehmen. Germanische Volks\u00fcberlieferung und kirchlich-ethische Bildung vereinigen sich, um einen beharrenden, rein verteidigungshaften, nicht vorantreibenden, sondern in die Unver\u00e4nderlichkeit des Zeitlosen zur\u00fcckgezogenen Rechtsbegriff zu schaffen&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und vollkommen nachvollziehbar und nat\u00fcrlich erscheint dann auch die Tatsache, dass dieses ewige, unver\u00e4nderliche und g\u00f6ttliche Recht \u00fcber allem steht &#8211; also souver\u00e4n ist &#8211; und nicht der Herrscher.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Man kann f\u00fcr die [&#8230;] Bindung des mittelalterlichen Herrschers ans Recht drei Quellen namhaft machen, die germanische, schon von Tacitus bezeugte Gewohnheit, das stoische, durch die Kirchenv\u00e4ter \u00fcberlieferte Naturrecht und den christlichen Gedanken, da\u00df jede Regierung Gottes Stellvertreterin und Vollzugsorgan sei. Das Recht steht \u00fcber allen Menschen, auch \u00fcber dem Herrscher:<br \/>\n<em>&#8218;Nieman ist so here, so daz reht zware<\/em><em>&#8218;<\/em>.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufmerksam mitlesende <em>Salafisten<\/em> werden wahrscheinlich schon bemerkt haben worauf ich hinaus will: Diese tradierte Rechtsauffassung ist uns f<em>undamentalistischen Radikalislamisten<\/em> nicht fremd, denn sie scheint der unsrigen vollends zu gleichen. Doch waren die bisherigen kurzen Ausz\u00fcge aus dem B\u00fcchlein ja nicht der Hauptgrund f\u00fcr diesen Beitrag, sie waren blo\u00df wichtiges und erkl\u00e4rendes Beiwerk f\u00fcr den folgenden Auszug, der auch den Bezug zum Beitragstitel herstellt. Er ber\u00fchrt eine Thematik die in heutiger Zeit f\u00fcr viel b\u00f6ses Blut innerhalb der muslimischen Gemeinschaft sorgt. Es geht n\u00e4mlich um den Herrscher, der <em>nicht<\/em> mit dem pr\u00e4existenten Recht herrscht, sondern dieses gegen ein positives Recht <em>(also menschgemachtes, sprich: Unrecht)<\/em> ausgetauscht hat und wie mit diesem Herrscher umzugehen ist. <em>Prof. Dr. Fritz Kern<\/em> schreibt dazu folgendes:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Da das (<em>g\u00f6ttliche)<\/em> Recht schlankweg, nicht positives <em>[sprich: menschgemachtes]<\/em> Recht war, machte es f\u00fcr seinen Gehalt und seine G\u00fcltigkeit nichts aus, ob die Staatsgewalt es kannte und anerkannte. Um so schlimmer f\u00fcr die Staatsgewalt, wenn sie das Recht verkannte! Es mochte also der Fall eintreten <em>(und ist oft eingetreten)<\/em>, da\u00df ein einzelner Volksgenosse das Recht erkannte oder zu erkennen glaubte, w\u00e4hrend die Staatsgewalt es angeblich oder in Wahrheit verkannte. Da aber die Staatsgewalt nur ist durch und f\u00fcr das Recht und nur Obrigkeit ist, insofern sie das Recht spendet und verwaltet, so h\u00f6rt die Obrigkeit, die sich an das Unrecht gebunden hat, auf, Obrigkeit zu sein, f\u00fcr den Mann, der sich an das Recht gebunden wei\u00df. Das Recht ist der Souver\u00e4n, und jene Obrigkeit Tyrannei, d.h. nichtig. Der Einzelne k\u00e4mpft dann mit Fug und Recht gegen den angema\u00dften Tr\u00e4ger der Staatsgewalt, der zu dem betreffenden besonderen Unrecht noch das allgemeine f\u00fcgt, sich widerrechtlich als Obrigkeit aufzuf\u00fchren, w\u00e4hrend doch der aufh\u00f6rt rex zu sein, der das Recht <em>(rectum)<\/em> nicht achtet.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Text in [eckigen Klammern] von mir)<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_710\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"710\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Recht und Verfassung im Mittelalter, so hei\u00dft das kleine B\u00fcchlein des deutschen Historikers Prof. Dr. Fritz Kern (1884-1950), das sich mit der tradierten germanisch-abendl\u00e4ndischen Rechtsauffassung besch\u00e4ftigt bzw. selbige bem\u00fcht ist darzustellen. 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