{"id":793,"date":"2013-11-02T10:57:50","date_gmt":"2013-11-02T10:57:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=793"},"modified":"2015-02-17T11:01:18","modified_gmt":"2015-02-17T11:01:18","slug":"auszug-ferdinand-a-hoischen-tradierte-abendlaendische-rechtsauffassung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/auszug-ferdinand-a-hoischen-tradierte-abendlaendische-rechtsauffassung\/","title":{"rendered":"Auszug: Ferdinand A. Hoischen &#8211; Tradierte abendl\u00e4ndische Rechtsauffassung"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Recht und Gesetz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelalter existierte eine F\u00fclle von kirchlichen und weltlichen Rechtsnormen und Rechtsvorschriften. Entgegen der weit verbreiteten Meinung vom &#8222;finsteren Mittelalter&#8220; gab es so gut wie keine rechtsfreien R\u00e4ume. Alle Belange des zwischenmenschlichen Miteinanders waren in irgendeiner Weise geregelt. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das grundlegende Prinzip mittelalterlicher Politik war, dass alle, auch der K\u00f6nig, durch das Recht gebunden waren, dass ein rechtloser Herrscher kein rechtm\u00e4\u00dfiger K\u00f6nig ist, sondern ein Tyrann, dass dort, wo keine Gerechtigkeit herrscht, auch kein Gemeinwesen Bestand haben kann und dass ein Vertrag besteht zur Wahrung des Rechts zwischen Herrscher und Untergebenen. Der K\u00f6nig war nicht dazu da, Gesetze zu erlassen, sondern das vom Volk durch Gewohnheit geschaffene Recht zu bewahren. K\u00f6nig und Volk waren nicht einander verpflichtet, sondern Vielmehr beide gleicherma\u00dfen dem Recht &#8211; mit der Verpflichtung, daf\u00fcr zu sorgen, dass die Unversehrtheit des Rechts erhalten wurde. Eine Rechtsverletzung durch eine Seite gab der anderen Seite die Verpflichtung, die Verletzung zu beseitigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Recht war nicht einheitlich. Dies war zwar f\u00fcr den Einzelnen kein Problem, jedoch f\u00fcr Juristen. Wenn jemand zum Beispiel wegen eines Verbrechens verhaftet wurde, stellte man ihm als erstes die Frage nach dem auf ihn anzuwendenden Recht [z.B. auch j\u00fcdisches oder muslimisches Recht]. Denn er wurde behandelt nach dem (Gewohnheits-) Recht des Gebietes, aus dem er kam, und nicht nach dem Recht des Gebietes, in dem er verhaftet worden war. Das anzuwendende Recht folgte der Person. Und es unterschied sich von Stadt zu Stadt. Richter mussten sich \u00fcber das an einem bestimmten Ort anzuwendende Recht erst kundig machen, bevor sie einen Fall entscheiden konnten. Die gesetzliche Gleichf\u00f6rmigkeit des r\u00f6mischen Reichs war vollst\u00e4ndig verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In moderner Zeit braucht Recht nur eine einzige Eigenschaft, um wirksam zu sein: Es muss vom Staat erlassen und in Kraft gesetzt worden sein, also \u00e4u\u00dferlich bestimmten Formalien entsprechen. Im Mittelalter dagegen war Recht nur dann Recht, wenn es alt (von den Vorv\u00e4tern \u00fcberliefert, Tradition) und gut (auf Gewohnheit und Sitte beruhend, dem Gewissen entsprechend), also inhaltlich Recht war. War es dies nicht, stellte es \u00fcberhaupt kein Recht dar, auch wenn es formell in Kraft gesetzt worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Staat existierte f\u00fcr das Recht und durch das Recht und nicht das Recht durch den Staat. Der \u00dcbergang vom mittelalterlichen Gewohnheitsrecht zum neuzeitlichen positivistischen [menschengemachten], gesetzten Recht brachte es als Negativfolge mit sich, dass sich eine vom Volk separierte Kaste von Anw\u00e4lten und Rechtsgelehrten mit unverst\u00e4ndlicher Eigensprache entwickelte und dass der B\u00fcrger immer unsicherer wurde, was denn nun Recht ist und was Unrecht. Die Wiederbelebung r\u00f6mischen Rechts zum Ende des Mittelalters bewirkte eine rechtliche Vereinheitlichung und Standardisierung im Interesse der Machtkonzentration zentralisierter Nationalstaaten, eine Entrechtung des gesetzgebenden Individuums (Gewohnheitsrecht) und letztlich den Niedergang des Rechts. Dieser Niedergang wird heute immer deutlicher, da kein Staat an Recht, sondern immer nur an Macht interessiert ist und sich weder an die eigenen Gesetze noch an Recht h\u00e4lt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/ef-magazin.de\/autor\/ferdinand-a-hoischen\" target=\"_blank\">Ferdinand A. Hoischen<\/a>, Jurist und Autor, <em>Eine nur angeblich dunkle Zeit<\/em>, <a href=\"http:\/\/ef-magazin.de\/archiv\/ef\/135\/inhalt.html\" target=\"_blank\">eigent\u00fcmlich frei Nr. 135<\/a>, Seite 47)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>* Erl\u00e4uterungen in [eckigen Klammern] wurden von mir hinzugef\u00fcgt<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_793\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"793\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Recht und Gesetz Im Mittelalter existierte eine F\u00fclle von kirchlichen und weltlichen Rechtsnormen und Rechtsvorschriften. 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