{"id":822,"date":"2014-01-10T18:10:55","date_gmt":"2014-01-10T18:10:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=822"},"modified":"2016-07-18T11:38:32","modified_gmt":"2016-07-18T11:38:32","slug":"buchauszug-bertrand-de-jouvenel-parteientum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/buchauszug-bertrand-de-jouvenel-parteientum\/","title":{"rendered":"Buchauszug: Bertrand de Jouvenel &#8211; Parteientum"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Parteien<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahlhandlung ist das die Demokratie charakterisierende Ph\u00e4nomen: Sie hat einen doppelten Sinn. \u00dcben die W\u00e4hlenden ein Recht aus oder erf\u00fcllen sie eine Funktion? W\u00e4hlen sie eine Politik oder Vertreter, die sie an ihrer Stelle machen? Die Interpretation der Wissenschaft ist hier weniger bedeutsam als das allgemeine Urteil. Es steht au\u00dfer Frage, da\u00df die M\u00f6glichkeit zu W\u00e4hlen in bezug auf den B\u00fcrger ein Recht darstellt. Und es steht auch fest, da\u00df er urspr\u00fcnglich das Gef\u00fchl hatte, einen Mann zu W\u00e4hlen, da\u00df er erst nach und nach dahin gelangte, eine Politik zu W\u00e4hlen. Ursache dieser Transformation sind die Parteien; und ihre Folge besteht darin, da\u00df das Regime der parlamentarischen Souver\u00e4nit\u00e4t sich allm\u00e4hlich in ein plebiszit\u00e4res Regime verwandelt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange das zur Bestimmung seiner Vertreter nach Wahlbezirken versammelte Volk noch auf das pers\u00f6nliche Verdienst und nicht auf die parteilich programmierte Meinung achtete, bestand die Vertretungsk\u00f6rperschaft noch aus einer Elite unabh\u00e4ngiger Pers\u00f6nlichkeiten. Entsprechend den Affinit\u00e4ten bilden sich in ihr auch Gruppen, die sich aber best\u00e4ndig Wieder aufl\u00f6sen, um sich in anderer Zusammensetzung erneut zu bilden, da die Ansichten, die \u00fcber ein Thema der Gesetzgebung &#8211; wie etwa die Milit\u00e4rpolitik &#8211; \u00fcbereinstimmten\u201a \u00fcber die Fiskalpolitik schon wieder auseinandergehen k\u00f6nnen. So erlangt man eine lebhafte Volksversammlung, in der sich zum Wohle des Landes und zur Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit freie Meinungen auseinandersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald aber die Vertretungsk\u00f6rperschaft auch \u00fcber die Staatsgewalt verf\u00fcgt, wie es in der Demokratie meistens der Fall ist, veranla\u00dft der Wunsch, die Macht zu erlangen, die Mitglieder, sich st\u00e4ndigen Fraktionen unterzuordnen, einen Teil ihrer Pers\u00f6nlichkeit um der Effizienz der gemeinsamen Aktion willen der Gruppenkoh\u00e4sion zu opfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die k\u00fcnftigen Wahlen sind dann nicht mehr das Reservoir, aus dem die Versammlung neue Talente sch\u00f6pft, sie werden nur noch unter dem Gesichtspunkt der St\u00e4rkung oder Schw\u00e4chung der eigenen Gruppe betrachtet. Das W\u00e4hlervolk wird aufgefordert, dem durch pers\u00f6nliche Verdienste empfohlenen Kandidaten das Parteimitglied vorzuziehen. Wer einen Kandidaten w\u00e4hlt, blo\u00df weil er ihn sch\u00e4tzt, gibt seine Souver\u00e4nit\u00e4t auf, sagt man dem W\u00e4hler, und das ist richtig. Es gilt also eine Meinung zu w\u00e4hlen, die der Kandidat, den man nicht kennt oder nicht sch\u00e4tzt, als Mitglied seiner Partei vertreten mu\u00df. Nur wer so w\u00e4hlt, \u00fcbt seine Souver\u00e4nit\u00e4t aus, gibt der Regierung Direktiven. Durch das Prestige ihrer leader und die Popularit\u00e4t ihres Programmes verhilft die Gruppe auch solchen Wahlkandidaten zum Sieg, die sie weniger wegen ihres Eigenwertes als wegen ihres Gehorsams ausgesucht hat. Je geringer die Chance einer unabh\u00e4ngigen politischen Karriere, um so disziplinierter das Verhalten der Kandidaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vertretungsk\u00f6rperschaft verliert an Wert, weil sie sich nicht mehr aus den Besten rekrutiert. Eine durch den \u00bbwhip\u00ab garantierte Disziplin, eine f\u00fcr den Aufstieg wichtige &gt;&gt;Parteifreundschaft&lt;&lt; zu akzeptieren, verlangt schon ein eigenes Temperament. Man mu\u00df damit einverstanden sein, f\u00fcr die Partei einen Sitz, anstatt f\u00fcr die Versammlung eine Stimme zu bedeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der W\u00e4hler erf\u00e4hrt hier eine erste Dem\u00fctigung. Man sieht in ihm nicht mehr als das Gewicht, das er in die eine oder andere Waagschale werfen kann. Unter allen Umst\u00e4nden mu\u00df man ihm die Stimme, \u00fcber die er verf\u00fcgt, entlocken. Als die Reform von 1832 das allgemeine Wahlrecht eingef\u00fchrt hatte, bestand die gro\u00dfe Sorge der beiden englischen Parteien darin, die W\u00e4hler, die jede von ihnen verf\u00fchrt zu haben meinte, in Listen zu erfassen, um sie am Wahltag im Wagen abzuholen, aus Furcht, sie k\u00f6nnten vers\u00e4umen, ihren Beitrag zu leisten. Es war nicht das Schauspiel eines Volkes, das stolz seine Staatsb\u00fcrgerpflichten erf\u00fcllt, es war dasjenige zweier Fraktionen, die mit allen Mitteln die Stimmen zusammentragen, Welche die Macht ergeben konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch sind Erniedrigung des W\u00e4hlers, die Entwertung des Gew\u00e4hlten nur zuf\u00e4llig. Bald werden sie Methode haben. Interessenverb\u00e4nde werden sich bilden, Welche die Volksversammlung als blo\u00dfe Vorstufe zur Macht ansehen, Welche die Aufgabe des Volkes nur darin erblicken, diese Versammlung aufzuf\u00fcllen, Welche \u00dcberlegungen anstellen werden, um Einflu\u00df auf die Wahlen zu erringen, um gef\u00fcgige Abgeordnete in die Versammlung zu entsenden, um ihren Herren den Einsatz dieser ganzen Operation heimzubringen: die F\u00e4higkeit, die Gesellschaft zu beherrschen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">(<a href=\"http:\/\/www.jungefreiheit.de\/Archiv.611.0.html?jf-archiv.de\/archiv07\/200705012645.htm\" target=\"_blank\">Prof. Bertrand de Jouvenel<\/a>, \u00dcber die Staatsgewalt &#8211; Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 324-326)<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_822\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"822\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Parteien Die Wahlhandlung ist das die Demokratie charakterisierende Ph\u00e4nomen: Sie hat einen doppelten Sinn. \u00dcben die W\u00e4hlenden ein Recht aus oder erf\u00fcllen sie eine Funktion? 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