Gastbeitrag: Von der Erkenntnis zum Bekenntnis

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Kürzlich bekam ich von unserem Bruder Steffen, von dem auf diesem Blog bereits ein Gastbeitrag vorhanden ist, eine Email mit folgendem Inhalt:

Bitte prüf´ doch mal, ob sich folgender Beitrag zur Veröffentlichung auf al-adala eignet! Ich finde die dort geschilderte Begebenheit sehr bemerkenswert, vielleicht könnte das die Kategorie -Gastbeiträge- auf Deinem Blog ergänzen.
...
(schriftliche Genehmigung des Autors zum uneingeschränkten Zitieren liegt vor - anbei)

Es handelt sich um einen Auszug aus dem Buch "Zwischen allen Stühlen - Ein Deutscher wird Muslim" von Christian H. Hoffmann, erschienen 1995 im Bouvier Verlag zu Bonn.

Christian H. Hoffmann:
⋅ Jahrgang 1948, Studium der Germanistik und Anglistik, Dipl.-Volkswirt
⋅ zum Zeitpunkt der folgenden Ereignisse Referent für Öffentlichkeitsarbeit in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn
⋅ 1974 bis 1979 (unter den CDU-Generalsekretären Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler) Referent in der Planungsgruppe

Sodann:

Von der Erkenntnis zum Bekenntnis

... Nie werde ich diesen sonnigen Sonntagnachmittag im Juni 1988 vergessen. Ich saß auf dem Balkon meines Elternhauses und blickte über unseren Garten im ersten Frühlingsgrün. Ich las ein Buch über die Rückkehr des Iran* zum Islam, weil es von einem meiner Lieblingsautoren geschrieben worden war - nicht aus Interesse am Islam.
Plötzlich und völlig unerwartet hatte ich das Gefühl, die Sonne am strahlend blauen Himmel habe sichin einen Lichtblitz von unglaublicher Helle verwandelt, und in diesem Augenblick erkannte ich: Es gibt nur einen Gott: Allah, und der Islam ist die letzte von Ihm offenbarte Religion!
Ich spürte in mir eine augenblickliche totale Veränderung: Hatte ich bis zu diesem Moment die Bäume vor mir ganz naturwissenschaftlich als Dinge, als biologische Phänomene in einer astronomischen Umgebung - Himmel und Erde - betrachtet, so erkannte ich nun meine Umwelt als Schöpfung Allahs. Und ein unglaubliches Gefühl durchflutete mich, ein Gefühl, das ich später im Qur´an beschrieben fand: "Wen Allah rechtleiten will, dem weitet Er die Brust für den Islam." (Sura 6:125) Es war, als seien metallene Ringe von meiner Brust genommen worden und als könne ich zum erstenmal wirklich frei atmen. [...]

Ich war so aufgewühlt, daß ich nicht mehr weiterlesen konnte. Stattdessen ging ich ins Wohnzimmer, um in einem alten Wörterbuch den Begriff Islam nachzuschlagen. Die paar Zeilen dort machten mich nicht viel schlauer, darum ging ich am nächsten Tag nach Dienstschluß sofort in einen Buchladen und kaufte mir mein erstes Buch über den Islam. 1988 war das gar nicht so einfach, denn der Islam hatte noch keine Konjunktur. [...]
Um so viel wie möglich über den Islam in Erfahrung zu bringen und herauszufinden, wie man Muslim wird oder ob es irgendeinen Grund gab, nicht Muslim zu werden, kaufte und las ich so gut wie jedes Buch, das in deutschenBuchläden erhältlich war, bei Reisen nach Amsterdam, London und in die USA füllte ich Rucksack und Koffer mit weiteren Büchern [...]

Informationen über das alltägliche Leben herauszufinden und sich (zunächst probeweise) daran zu halten, war schon schwieriger: ... Jedes Kind weiß: "Muslime beten in Richtung Mekka." Wo ist aber Mekka von Bonn aus? (Dafür gibt es Kompasse und für die Gebetszeiten gibt es Tabellen.) Wie lauten die Texte der Gebete? Wie geschieht die rituelle Reinigung vor dem Gebet? Wie ist der Bewegungsablauf des Gebets? Fragen über Fragen! Und: Wo finde ich Muslime, die ich fragen kann? [...]
Schließlich nahm ich allen Mut zusammen und rief bei der Botschaft des Königreichs Saudi Arabien an, da ich mir dachte, daß ich von Bürgern des Landes, in dem die heiligen Städte des Islam, Mekka und Medina, liegen, sicher Antworten auf meine Fragen erhalten könnte. Im März 1989 hatte ich endlich die Gelegenheit, in langen und intensiven Diskussionen alle Fragen, die mich bewegten, zu stellen und ich erhielt alle Antworten, die ich suchte...
Je mehr ich über den Islam herausfand, desto stärker wurde allerdings in mir der Wunsch, meiner blitzhaften Erkenntnis zu folgen, das Bekenntnis zum Islam abzulegen und damit Muslim zu werden. Ich stellte mir vor, welche Antwort ich Allah am Tag des jüngsten Gerichts auf Seine Frage, warum ich Seinem Fingerzeig nicht gefolgt sei, geben sollte. Und ich stellte fest, daß ich bist jetzt keinen Grund gefunden hatte, Seinem Zeichen nicht zu folgen. [...]

Ich nahm deshalb ein letztes Mal allen meinen Mut zusammen, um die saudische Botschaft anzurufen und um einen weiteren Termin zu bitten. An einem klaren Märztag mit strahlendem Sonnenschein ging ich und legte vor mehreren Zeugen mein Bekenntnis zum Islam ab. Es war sicherlich fürchterliches Arabisch, aber es kam aus der Tiefe meines Herzens:

"Aschadu an, la ilaha illa Allah,
wa aschadu ana, Muhammadun rasulu Allah!"

"Ich bezeuge, es gibt keine Gottheit neben dem einzigen Gott
und ich bezeuge, Muhammad ist sein Prophet [Gesandter]."

mit freundlicher Genehmigung entnommen:
Christian H. Hoffmann: "Zwischen allen Stühlen"
Ein Deutscher wird Muslim
Bouvier Verlag, Bonn 1995
S. 25 ff.

* Die Iranische Revolution in der Waagschale des Islams von Muhammad Mansur Nu'mani