Gastbeitrag: Der verschmähte Kommentar

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Peinlich, peinlicher, Islamische Zeitung! Es heißt ja immer, dass die pösen Salafisten der Ansicht seien, nur sie würden den wahren Islam kennen und praktizieren und alle anderen wären aus dieser Wahrheit ausgeschlossen. Ich möchte das nicht kategorisch verneinen, aber diejenigen unter ihnen, die wirklich so denken sind nicht allein in ihrer Welt. Es gibt noch viele weitere Gruppen, Gruppierungen und Parteien, die anscheinend die Wahrheit mit Löffeln verabreicht bekommen und deshalb keinen Ratschlag dulden. Eine dieser Gruppen ist z.B. die Murabitun-Sekte, die in den 70er Jahren von einem schottischen Schauspieler namens Ian Dallas gegründet wurde. So begab es sich am 18.10. dieses Jahres, dass die Islamische Zeitung (deren Chefetage samt und sonders dieser Gruppierung zugehörig ist) eine Art Fatwa (>>) von dem Murabitun-Schaikh Habib Bewley (wer kennt ihn nicht?) abdruckte, die inhaltlich dem Hadschi den Besuch des Prophetengrabes auferlegt (Zitat: "Und dies ist ein Punkt, bei dem kein Hadschi meinen sollte, er könnte darauf verzichten. Denn durch dieses Besuch wird seine Pilgerfahrt vollendet."). Der Bruder Abdullah al-Maghrebi las den Artikel und nutzte die Gunst der Stunde für eine Nasiha (Ratschlag), die er über die offene Kommentarfunktion abgab. Um es vorweg zu nehmen: Der Kommentar wurde nicht freigeschaltet ... Nasiha nicht von Nöten! Nun gibt es aber noch Al-Adala.de, dachte sich der werte Bruder, und schwupps ... hier ist das verschmähte Schriftwerk:

Gastbeitrag von Abdullah al-Maghrebi

Der verschmähte Kommentar

Ohne die Reise zum Gesandten Allahs in Medina ist keine Hadsch wirklich vollständig" - mit dieser Aussage sollte man etwas vorsichtig sein. Die zu verrichtenden Säulen, damit eine Hadsch ihre Gültigkeit erreicht, sind vier: der sogenannte Weihe-Zustand (Ihram), der Tawaaf (Umrunden der Kaaba), das siebenmalige Umhergehen zwischen den beiden Hügel Safa und Marwa (Sa'i) und der Aufenthalt in Arafah. Verrichtet der Gläubige diese vier Säulen mit ihren dazugehörigen Vorschriften, so ist seine Hadsch schari'a-Gemäß und er hat die fünfte Säule des Islams verrichtet. Dies ist die Priorität und man sollte es - besonders den körperlich schwachen Gläubigen - nicht schwerer machen als es ist.

Doch zweifellos ist ein Besuch Medinas mindestens mustahab, also empfehlenswert. Jedoch sollte man innerlich lediglich die Absicht hegen, in der Prophetenmoschee zu beten, da ein authentisch überlieferter Bericht, der bei Muslim (3441) verzeichnet ist, darauf hinweist, dass ein Gebet in der Prophetenmoschee besser ist, als tausend Gebete woanders (mit Ausnahme in Mekka).

Zudem sollte angemerkt werden, dass von einigen Rechtsgelehrten sämtliche Überlieferungen über den Besuch des Prophetengrabes als schwach (da'if) und teilweise sogar als erfunden (mawdu') klassifiziert wurden.

Beispielsweise der von Ihnen erwähnte Hadith: "Wenn ihr die Hadsch verrichtet und mich nach meinem Tod besucht, so wird es sein, als hättet ihr mich in meiner Lebenszeit besucht und begleitet." Dieser Hadith wurde beispielsweise von Rechtsgelehrten wie Imam Adh-Dhahabi (Lisan Al-Mizan 4/285), Ibn Hajar und Ahmad Ibn Taimiya (At-Tawassul wal Wassila s. 134) als sehr schwach eingestuft. Der Rechtsgelehrte Ahmad Ibn Taimiya führte sogar noch weiter aus:

„Alle Ahadith über das Besuchen seines Grabes sind schwach (da'if) und man darf sich in Angelegenheiten der Religion  nicht auf sie stützen. Dies ist auch der Grund, warum keiner der Autoren der Sahih- und Sunnan-Bücher sie überhaupt erwähnen. Sie wurden nur von denen überliefert, die mitunter schwache Ahadith überlieferten, wie Daraqutni, al-Bazzar und andere."

Das heißt jedoch nicht, man solle das Grab des Gesandten Gottes - salla lahu 'alaihi wa sallam - nicht besuchen. Ahmad Ibn Taimiya sagte, dass dies sogar mustahab (empfehlenswert) ist, solange es nicht mit abstoßenden Handlungen und Erneuerungen (Bid'a) verbunden ist. Jedoch sollte man sich nicht ausschließlich aufgrund des Grabbesuches auf die Reise begeben, da eine authentische Überlieferung existiert, die bei Bukhari (1189) verzeichnet ist, die besagt:

"Eine Reise gilt nur für drei Moscheen: Al-Masjid Al-Haram, die Moschee des Gesandten Allahs - salla lahu 'alaihi wa sallam - und Al-Masjid Al-Aqsa."

Der Hadith-Forscher Muhammed Nasiruddin Al-Albani sagte hierzu: "Dieser Hadith beschreibt nicht nur ein Verbot andere Moscheen zu besuchen, wie viele Menschen denken. Er beinhaltet auch ein Verbot aufzubrechen, um jeden anderen Platz zu

besuchen, von dem die Leute denken, dass er sie näher zu Allah bringen wird, egal ob er eine Moschee ist, ein Grab oder jeder andere Platz. Dies wird durch den Hadith von Abu Hurairah angedeutet, der sagte: "Ich traf Basrah ibn Abi Basrah al-Ghifari und er fragte mich: 'Von wo kommst du?' Ich sagte: 'Aus al-Tur (Sinai).' Er sagte: 'Wenn ich dich getroffen hätte, bevor du aufgebrochen wärst, wärst du nicht dorthin gegangen! Ich hörte den Gesandten Allahs - salla lahu ´alaihi wa sallam - sagen:  'Reise nicht, außer zu den drei Moscheen...' "

In ihrem letzten Absatz geben sie noch einen Bericht von Al-Utbi wieder. Man sollte an dieser Stelle unbedingt unterstreichen, dass ein Traum oder eine Vision eines normalen Menschen kein Beleg und keinerlei Beweiskraft in der islamischen Jurisprudenz darstellt.

Möge Allah, der Allbarmherzige, die Hadsch der vielen Millionen Pilger annehmen und uns allesamt ein gesegnetes Opferfest erreichen lassen. Amin.

AMIN