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Gastbeitrag: Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Was geht der Islam den deutschen Michel an?

Gastbeitrag von Steffen

"Bundeskanzlerin Angela Merkel ... verwies am Mittwoch in Berlin auf die "prägende Kraft" der christlich-jüdischen Tradition hierzulande, die "über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende" zurückreiche."
(Rheinische Post: RP-online vom 06.10.2010)

 

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

...Um Pathos und raumgreifende Rhetorik war man in der deutschen Politik wohl nie verlegen. Was jedoch überrascht, sind die gegenwärtig unermüdlichen Versuche seitens der Verantwortlichen, Geschichte im obigen Sinne zu verklären: Süsser die Glocken nie klangen als derzeit.

"Im Jahr 72 nach der Reichspogromnacht haben sie [die Politiker] etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur...
Das ist ein bemerkenswerter Vorgang, weil die nun beschworene Gemeinsamkeit über Jahrhunderte hin die Gemeinsamkeit von Tätern und Opfern war. Die christliche-jüdische Geschichte besteht vor allem in der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden"...
(Süddeutsche Zeitung online: sueddeutsche.de vom 09.11.2010)


Denn gerade die jüngere Vergangenheit blieb den Deutschen so nachhaltig im Gedächtnis, dass das (rückwirkende!) Ausrufen jener "Innigkeit" (sueddeutsche.de) durch die Politik beschämend konstruiert anmutet und unabhängig von der verbalen Verpackung durchsichtig bleibt.

"Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei.
Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime als unverträglich zu kennzeichnen."

(>> ebenda)


Was hingegen in keiner der Bierzelt-Reden Erwähnung findet, ist ein anderes, lichtes Kapitel der deutschen Geschichte.
So lernten exponierte deutsche Geistesschaffende, Träger der Kultur im Lande der Dichter und Denker und sozusagen Teil des Nationalerbes (Goethe z. B. sah man gerade seit 1871 als »Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen« an, vgl. Prof. Dr. Dieter Borchmeyer: "Schnellkurs Goethe", S. 15), den Islam eingehend kennen und gelangten zu gänzlich anderen Ansichten, als man aus der heutigen Propaganda schliessen könnte.

"Wer sich vor Augen hält, daß Goethe während der Arbeit an einem seiner bedeutendsten Werke, dem West-östlichen Diwan, sich eingehend mit dem Islam befaßt, ja sich rundheraus zu ihm bekannt hat, ... der wird sicher gern Näheres erfahren wollen über die Gründe für Goethes bemerkenswertes Interesse an dieser uns angeblich so fremden Religion."
(Peter-Anton von Arnim im Nachwort zu Katharina Mommsen: "Goethe und der Islam", S. 433)

»Der Dichter [und er meint damit sich selbst] ... lehnt den Verdacht nicht ab, daß er selbst ein Muselman sei.«
(Johann Wolfgang von Goethe 1816 in Ankündigung seines "West-östlichen Diwan", vgl. Katharina Mommsen: "Goethe und der Islam, S. 11)


"Weiter rühmt Herder den hohen Grad der Kultur, den die Muslime erreicht hätten, und der sie den Pöbel der Christen in seinen groben Ausschweifungen und verwilderten Sitten tief verachten lasse.
Das Verbot des Weins und unreiner Speisen, das Verbot des Wuchers und gewinnsüchtigen Spiels gehören zu den von Herder hervorgehobenen Reinheitsbestrebungen, mit denen die Anhänger der muslimischen Religion Gott, dem Schöpfer, Regierer und Richter der Welt, zu dienen sich bemühen.
Dieses Reinheitsstreben sowie die eifrige tägliche Andacht, die Werke der Barmherzigkeit und die Ergebung in Gottes Willen, welche der Koran vorschreibt: all dies präge den Muslimen Ruhe der Seele und Einheit des Charakters auf...
In seinen Ideen zur Philosophie einer Geschichte der Menschheit, Buch 19 (1791), würdigt er [Herder] Mohammeds »hohe Begeisterung für die Lehre von Einem Gott« und »die Weise, ihm durch Reinigkeit, Andacht und Guttätigkeit zu dienen«."

(Katharina Mommsen: "Goethe und der Islam", S. 19)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der bedeutendste Vertreter des deutschen Idealismus, war fasziniert vom Islam und charakterisierte ihn als die "Religion der Erhabenheit".
(Spiegel online, 25.03.2008)


So verwechsle also niemand Lautstärke mit Evidenz und prüfe im eigenen Interesse auf Substanz und Glaubwürdigkeit...
Deutschland mangelte es nie an fähigen Köpfen, was jedoch nicht davor bewahrte, kollektiv gewissenlosen Führungen zu verfallen. An diese unselige Tradition anzuknüpfen und sein persönliches Schicksal daran zu binden, wäre verfehlt, zumal die Entscheidung über den eigenen Weg jedermann frei steht - Allah sei Dank.

Friede sei auf dem, der der Rechtleitung folgt.


Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten.
(Qur´an 21:107)

Und an dem Tage wird sich der Himmel mitsamt den Wolken spalten
und die Engel werden ununterbrochen herabgesandt.
Das Königreich, das wahrhaftige - an jenem Tage wird es des Allerbarmers sein;
und ein Tag soll es sein, (der) schwer für die Ungläubigen [-> Kafirun] (ist).
Am Tage, da der Ungerechte sich in die Hände beißen wird, wird er sagen:
"O wäre ich doch den Weg mit dem Gesandten gegangen!

(Qur´an 25:25-27)

Wer begeht also ein größeres Unrecht als einer, der Lügen gegen Allah vorbringt,
oder einer, der die Wahrheit verwirft, wenn sie zu ihm kommt?
Ist nicht in Ğahannam (>>>) eine Herberge für die Ungläubigen [Kafirun]?

(Qur´an 39:32)

 

Dieser Beitrag erschien ebenfalls in einem muslimischen Forum, in einem Strang mit dem Titel Was geht der Islam den deutschen Michel an? Ich bedanke mich recht herzlich beim Bruder Steffen für diesen schönen Beitrag. Möge Allah dich mit dem Besten belohnen. Amin!

Kommentare   

 
0 #4 Das Schönste vom TagAbdullah 2011-10-24 15:51
Lieber Jürgen,

besten Dank für den Hinweis auf das Forum. Die Worte kann ich gut nachvollziehen, vor allem das mit dem Herzenswunsch. Das Erfüllen der Pflichten hat mich vor dem Bekenntnis auch schwer beschäftigt, weil ich eigentlich ein eher fauler Typ bin. Mittlerweile bin ich schon wach, bevor der Wecker klingelt. Es ist wie ein Rendezvous mit seiner großen Liebe. Mehr kann man dazu eigentlich auch nicht sagen. Man muss es wirklich erleben, wenn man es erfahren will, was aber nicht heißen soll, dass man sich aus solchem Grund bekennen dürfte.

Dir auch viele Grüße und Dank für Dein Interesse
 
 
0 #3 "Das Schönste vom Tag"Jürgen 2011-10-24 14:26
Lieber Abdullah,

vielen Dank für Deine Ausführungen und die offenen Worte, aus denen Gottvertrauen spricht: "...inshaAllah, so weiß ich, dass ich alles bewältige, was auf mich zu kommt, inshaAllah. Und ich bin unbeschreiblich Glücklich."

Darin liegt auf jeden Fall Antwort und zudem finden sich in den oben verlinkten Beiträgen eines muslimischen Forums weitere Schilderungen aus dem persönlichen Erleben sowie Koranverse zum Thema - vgl. ebenda Beiträge #1 und #3:

[Zitat]

Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten.
(21:107)

Voller Segen ist Er, Der die Unterscheidung zu Seinem Diener herabgesandt hat,
auf daß er ein Warner für die Welten sei.
(25:1)

Dieser (Qur´an) ist nichts als eine Ermahnung für die Welten.
Und ihr werdet sicher seine Kunde nach einer Zeit kennen."
(38:87-88)

Das ist nur eine Ermahnung für die Weltenbewohner,
für die von euch, die sich recht verhalten wollen.
(81:27-28)

"...Und wie gesagt bestätigt meine persönliche Erfahrung aus gut einem Jahrzehnt, dass man als deutscher Muslim in Deutschland leben kann in Wahrung der eigenen Identität.
All dies ist möglich und erfüllend hier und heute mitten im Leben [...] Und diese islamische Praxis ist nicht nur möglich, sondern in Liebe zu Allah (Der sich liebevoll Seinen Geschöpfen zuwendet: Al-Wadud ) wie gesagt erfüllend und - insbesondere die Gebete - das Schönste vom Tag. Doch nur wer´s tut, kann´s auch erleben.

Und so bin ich glücklich geworden in meinem neuen Leben als Muslim, fand Frieden bei Allah, dem Erhabenen, bei all meiner eigenen Unzulänglichkeit Frieden mit mir selbst sowie mit meinen Mitmenschen (kaum Ausnahmen).

Gelobt sei Allah!

[...] Und wer nach dem Vorbild des Gesandten Allahs muslimische Tugenden pflegt wie Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Güte und Mitgefühl, Zuverlässigkeit, Sauberkeit, Fleiss, der legt im Streben nach dem Wohlgefallen Allahs Seiten an den Tag, welche man den Deutschen in der Welt wohl noch immer nachsagt. Aber wir wollen hier keine Klischees bedienen.

Jedenfalls ist all das erfahrungsgemäss gut vereinbar für einen deutschen Muslim im ehrlichen Bemühen, sein Leben nach dem Koran zu gestalten und der Praxis des Gesandten Allahs und wird mit der Unterstützung Allahs bald zum Herzenswunsch über die unmittelbare Pflicht hinaus, wenn man sich aufrichtig auf den Weg begibt. [...]

Viel ließe sich an dieser Stelle noch notieren zum Alltag eines Muslims in Deutschland, was hier aber den Rahmen sprengen würde. Bei Interesse finden sich dazu im Forum weitere Beiträge...

Aber was sind schon Worte?
So, wie einen Erfrierenden bloße Schilderungen seiner Zeitgenossen vom wohligen Kaminfeuer nicht zu wärmen vermögen, so kann Frieden und Geborgenheit bei seinem Schöpfer nur erleben, wer sich auf den Weg begibt zu IHM. Und jeder hat es in der Hand, der deutsche Michel ebenso wie Joe, der Klempner, und jeder Mensch auf Erden. Deshalb dieses Thema hier." [...]

Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt:
nimmer soll sie von ihm angenommen werden,
und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.
(Koran 3:85)

[Zitat Ende
Quelle: http://www.ahlu-sunnah.com/threads/19948-Was-geht-der-Islam-den-deutschen-Michel-an ]


Nochmals besten Dank
und viele Grüsse
 
 
0 #2 Was geht der Islam den deutschen Michel an?Abdullah 2011-10-22 21:09
Lieber Jürgen,

ehrlich gesagt verstehe ich Deine Frage nicht ganz. Nach zweieinhalb Wochen als Muslim kann ich Dir über das Leben als Muslim in Deutschland noch nicht viel sagen, und über Belege nur, dass es sie gibt. Sicher kann Dir Yahya darüber befriedigende Auskunft geben. Ich kann Dir allerdings etwas über die Erhabenheit des Islam und die befriedigten Sehnsüchte nach ''transmateriellen'' Gütern aus subjektiver Sicht sagen und schildern, wie ich dieses großartige Ereignis des Bekennens erlebt habe. Möglich dass es etwas von dem beantwortet, was Du wissen willst.

Mir war eigentlich schon länger klar, dass ich wohl irgendwann den Islam annehmen würde, schon allein deshalb, weil er Männer erfordert, wie Nietzsche so schön sagte, und weil die diffamierenden Aussagen über den Islam in den Medien meinen eigenen Erfahrungen mit Muslimen eklatant widersprechen. Auch kannte ich natürlich die Aussagen anderer Denker wie Goethe und Hegel. Auffällig war mir auch die Gemeinsamkeit im Wertebewusstsein, dieses Zugeschnittensein auf das Deutsche Wesen, und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit. Ich wollte gut vorbereitet sein, Arabisch lernen und so weiter. Wahrscheinlich würde ich in zehn Jahren noch Ausflüchte, wie ich sie heute nenne, gefunden haben, weil es tatsächlich eine Macht gibt, die einem alles mögliche einflüstert, wie ich am eigenen Leib erfahren musste. Al-hamdu li-Llah habe ich mich überzeugen lassen und voller Gottvertrauen das Bekenntnis abgelegt. Offen gestanden hielt ich das Aussprechen des Bekenntnisses für reine Formalität und ich war nicht wenig überrascht, was für eine gewaltige Wirkung das hatte. Ich hatte viele richtig glückliche Momente im Leben, Hochzeit mit der Liebe meines Lebens, unzählige Erlebnisse mit ihr, 4 Kinder, 4 Enkelkinder, sehr einträgliche berufliche Erfolge u. s. w., aber dieser Moment, nachdem ich das letzte Wort gesprochen hatte, war, als hätte ich all meine glücklichen Momente plus Nachschlag aus einer Riesenkelle auf einmal erlebt.

Man spürt in jeder Zelle die Erhabenheit des Islam, all die Fragen, die man sich vorher in seiner Unsicherheit gestellt hat, sind plötzlich völlig bedeutungslos. Die Sehnsüchte nach den erwähnten ''transmateriellen'' Gütern wie Zeit, Aufmerksamkeit, Ruhe und Klarheit sind nicht mehr vorhanden, weil man erfüllt ist mit einer ungeheuren Menge von Etwas, das sich mit Worten wirklich nicht beschreiben lässt und alles ersetzt, was man sich je gewünscht hat.

Heute, zweieinhalb Wochen später, hat sich mein Leben praktisch von Grund auf verändert, ohne dass ich großartig etwas dazu getan hätte. Ich will nicht verschweigen, dass ich nicht alles als positiv empfinde, aber das sehe ich eher als Herausforderung denn als Nachteil. Ich habe jetzt eine Zuflucht vor allem Übel, das mir noch begegnen kann. Fragen wie Deine, ob man es schafft, hier zu leben mit Gebeten, Fasten, Pilgern, alkoholfrei und zinslos, saubere (halal) Speisen u. s. w. stellen sich mir gar nicht mehr. Früher habe ich geglaubt, heute weiß ich. Einiges ist natürlich auf Anhieb nicht so einfach, aber das ist Laufen auch nicht, wenn man ein Kleinkind ist. Und so sicher, wie man weiß, dass sein Kind eines Tages Laufen wird, inshaAllah, so weiß ich, dass ich alles bewältige, was auf mich zu kommt, inshaAllah. Und ich bin unbeschreiblich Glücklich.

Ich hoffe, meine ausschweifende Antwort ging nicht all zu weit an Deiner Frage vorbei.

Dir auch frdl. Grüße

Abdullah
 
 
0 #1 Was geht der Islam den deutschen Michel an?Jürgen 2011-10-22 14:00
[Zitat von Abdullah]
"der Islam … diese erhabene Religion [ist] wie zugeschnitten auf das Deutsche Wesen

[…]

Als Deutscher Muslim (ja, ich hab´s getan. Allahu akbar!!) kann ich das beurteilen."
[Zitat Ende]


Lieber Abdullah,

beim Lesen Deines Kommentars zu einem anderen Beitrag auf dieser Seite (http://www.al-adala.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1195:auslaendergewalt-raus-mit-ihnen-&catid=32:fundstuecke-und-presse&Itemid=139#yvComment1195) fühlt man sich an Hegel erinnert, vgl. oben.

Kannst Du zum Alltag eines Muslims in Deutschland bitte noch etwas mehr ausführen, insbesondere zur Praxis: Schafft man es hier und heute, als Muslim zu leben mit den Gebeten, Fasten, Pilgern, alkoholfrei und zinslos, saubere (halal) Speisen,...?

Gibt es Belege im Koran und/oder der Sunna, dass der Islam universell ist, d. h. vom Schöpfer für alle Welt verbindlich gemacht wurde?


Vielen Dank
und frdl. Grüsse
 

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