Gastbeitrag: Fotostrecke Teil 2: Kairo im Februar 2011 - Mubarak ist Geschichte

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Gastbeitrag von Zeitzeuge

04Ich freue mich, der Fotostrecke vom Tahrir Platz in diesem denkwürdigen Februar 2011 hiermit eine zweite folgen lassen zu können und danke unserem Zeitzeugen herzlich, dass er uns freundlicherweise weitere Fotos zur Verfügung stellte. Die Aufnahmen datieren diesmal aus dem Zeitraum unmittelbar vor und nach dem Rücktritt Präsident Mubaraks und während die Szenen und Gesichter in Teil 1 (>>) die Anstrengung, Brisanz und Gefahren jener schweren Tage der Verteidigung des Platzes spiegeln, so dürfen wir nun an der (Vor-) Freude und Erleichterung teilhaben, welche die Menschen mit diesem Rücktritt verbinden.

Wiederum leben die Bilder von der Authentizität, zeichnen Momentaufnahmen aus sehr bewegten Tagen, ungestellt, ehrlich, berührend. Gern nimmt man als Betrachter Anteil an Erleichterung und Glück der Menschen angesichts ihres Erfolges, welcher so schwer und verlustreich errungen wurde. Die Aufnahmen lassen uns teilhaben an der Euphorie jener Tage, welche menschlich so verständlich ist nach Jahrzehnten des Unrechts in einem durch absolute Willkür, flächendeckende Bespitzelung und die Finsternis der Folterkeller gekennzeichneten System.
Und so finden selbst Bilder vom Grossreinemachen auf dem Tahrir-Platz, scheinbar so profan, einen Platz in dieser Fotostrecke, weil sie (neu erwachten) Gestaltungswillen und Verantwortungsbewusstsein der Menschen für sich und das Land symbolisieren und auch ein Gefühl von Aufbruchstimmung: Erneuerung - Reinigung - Wende zum Besseren insha´ Allah. Und auch, dass die Strassen der Kämpfe am Tahrir-Platz wieder ihrer Bestimmung zugeführt werden, dass Wurfgeschosse wieder zu Wegen werden, hat viel Symbolik und eine im Bild dokumentierte Losung bringt das Selbstverständnis der Menschen wohl auf den Punkt: "Yesterday I was demonstrator - Today I build Egypt."

Dabei fällt auf, dass bei aller Freude, ja Euphorie, die Szenen nie oberflächlich wirken. Vielmehr scheint bei den Menschen selbst im Glücksgefühl der Erleichterung eine gewisse Ernsthaftigkeit und Tiefe mitzuschwingen - vielleicht erklärbar aus den jüngsten Anstrengungen des Aufbegehrens und der Verteidigung, vielleicht selbst im Moment der Befreiung ein Anklang von Trauer und Pietät angesichts der vielen Toten und Verletzten, möglicherweise aber auch Nachklang bzw. Wundmal des Lebens im repressiv islamfeindlichen System Mubaraks, welches der Westen über Jahrzehnte hofierte und finanzierte. Schamlos, dass mit Clinton und Westerwelle eben dessen Repräsentanten nur Tage später ausgerechnet den Tahrir-Platz und dessen Verteidiger als Kulisse für ihre Zwecke zu vereinnahmen suchten...

 

 

The Day after - Mubarak ist Geschichte

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Jetzt wird wieder aufgeräumt - Gemeinsam

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Kinder und Jugendliche - Die Zukunft Ägyptens

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