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Stopp der SCHURA-Hetze?

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Artikel von al-adala.de / 29.06.2010

Leider gab es in letzter Vergangenheit des öfteren öffentliche Verlautbarungen und Interviews von Seiten der SCHURA Hamburg gegen den Moschee-Verein "Arabisch-Deutscher Kulturverein e.V.", der Träger der Masjid Taiba ist. Ausgegangen sind diese maßgeblich vom Vorsitzenden der SCHURA, dem Milli-Görüs-Funktionär Dr Mustafa Yoldas (wir berichteten SCHURA-Hetze in Hamburg>> und Milli Görüs und die SCHURA Hamburg steigen ein>> ). Dieser Umstand könnte jetzt ein Ende haben. Aus dem Umfeld der Masjid al-Nour (Mitglied der SCHURA) wurde am 28.06.2010 bekannt, dass im Rahmen einer Sitzung dieses Thema angesprochen wurde und man sich entschloss derartige Verlautbarungen in Zukunft zu unterlassen und eine Normalisierung der Beziehungen anzupeilen.

Ausgegangen ist diese Initiative vom stellvertretenden Imam der Masjid al-Nour, der erst durch einen regelmäßigen Besucher der Taiba-Moschee von den vergangenen offiziellen Stellungnahmen des SCHURA-Vorstandes erfuhr. Er zeigte sich ebenso verwundert, wie in der Vergangenheit auch die Vertreter der Masjid Taiba. Denn es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen den tatsächlich guten und respektvollen Beziehungen zwischen den meisten Moscheen und diesen offiziellen Verlautbarungen der SCHURA auf Veranstaltungen und gegenüber der Presse.

Wie es dazu kommen konnte, dass ohne das Wissen diverser SCHURA-Mitglieder derartig schlimme Anschuldigungen an die Öffentlichkeit lanciert werden konnten, dass kann nur vermutet werden. Bekannt ist auf jeden Fall, dass es innerhalb der islamischen Gemeinschaft Anstrengungen gibt, durch offene Lossagung und Verunglimpfung dem sogenannten "Salafismus" Einhalt zu gebieten. Besonders häufig fallen in diesem Zusammenhang eben die Namen Milli Görüs und SCHURA.

Am 14.12.2009 z.B. sendete der Radiosender NDR Info im Rahmen der Sendereihe "Die Islamisten in Deutschland" über "Salafisten in Bremen". Als muslimischer Ratgeber zu dieser Thematik wird gerne die SCHURA Bremen bemüht. Der Vorsitzende der SCHURA Bremen und Milli-Görüs-Funktionär Mehmet Kilinc, der im Bericht auch mal als "der Vertreter der Muslime in Bremen" bezeichnet wird, gibt zum Thema Salafisten anscheinend gerne Auskunft.

Das ist eine verschworene Gemeinschaft, sagt Mehmet Kilinc, der Vertreter der Muslime in Bremen und Vorsitzender der Schura: "Im Gespräch mit Einzelpersonen, die zu dieser Gemeinde gehören, die aus ihrem Verständnis des Islam heraus uns als vom Weg Abgekommene, zu liberale, als Menschen, die die Grundpfeiler des Islam nicht mehr in den Vordergrund stellen, oder in ihrer Praxis, deren Einstellung nach vom richtigen Weg abgekommen sind, weil wir nicht eins zu eins wörtlich den Koran interpretieren. Solche Sachen sind aus deren Sicht Verrat am Glauben."
...
...,die Zahl der Salafisten in Deutschland wächst. Und zwar so schnell wie keine andere islamistische Sekte. Zur Zeit wird sind es einige tausend. Auch in den Nachbarländern haben die Salafisten Zulauf. Erst vor kurzem wurde eine Veranstaltung des Kultur- und Familienvereins in Bremen aufgelöst. Die Ermittlungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber schon jetzt steht fest, dass etwa jeder vierte Besucher aus dem Ausland kam - vor allem aus Frankreich, Holland, Dänemark und Österreich.

Mehmet Kilinc von der Bremer Schura sieht diese Entwicklung mit Sorge. Immer wenn die Salafisten Schlagzeilen machen, muss er sich rechtfertigen, sagt er. Das sei ungerecht: "Die meisten Muslime hier in Bremen wissen noch nicht mal, dass es diese Gruppe gibt, so marginal sind sie. Aber in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit sind sie natürlich ein Problem, weil sie die Grundordnung dieser Gesellschaft ablehnen. Und viele assoziieren uns damit und wir sind dann in der Position, zu irgendwelchen Unterstellungen zu dieser Gemeinde Stellung nehmen zu müssen - wir werden danach gefragt."
(http://www.ndrinfo.de/nachrichten/islamistenbremen100.html)

Und auch der Fernsehsender NDR Niedersachsen berichtete am 20.01.2010 über "Salafisten". In diesem Falle gab es ebenfalls eindeutige Stellungnahmen von Seiten der SCHURA Niedersachsen.

Hausdurchsuchungen gab es auch in der Privatwohnung des Vereinsvorsitzenden, Mohammed C. . Er betreibt in Braunschweig eine Islamschule und einen Verlag - beide werden den Salafisten zugeschrieben, einer fundamentalistischen Strömung, die von den Sicherheitsbehörden intensiv beobachtet wird. Die Schura, die Vertretung der Muslime in Niedersachsen, hat sich bereits in der Vergangenheit ausdrücklich distanziert und betont, dass die Salafisten nur zu einer sehr kleinen Minderheit innerhalb des Islams gehören.
(http://www.ndr.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemeldungnds490.html)

Bei der SCHURA Niedersachsen ist übrigens Rafet Kurtocagi der Geschäftführer und er ist (wer will raten?) Milli-Görüs-Funktionär.
Und auch auf der Internetpräsenz der Milli-Görüs wird offen der Name der Masjid Taiba mit "offensichtlicher Radikalisierung" in Verbindung gebracht. Erbost über die Aussage des Bundesinnenministers de Maizière, schreibt dort Mustafa Yeneroğlu unter der Überschrift "Radikalisierung in den Moscheen?" folgendes:

Letzte Woche hat Bundesinnenminister de Maizière in einem Interview mit der Zeit geäußert, dass die Radikalisierung von Muslimen fast immer rund um die Moscheen stattfindet. Diese Position scheint in der öffentlichen Diskussion Konsens zu sein, wo doch niemand Anstoß daran genommen hat. Auch deckt sie sich mit den früheren Verlautbarungen der Sicherheitsbehörden.
Aber stimmt diese Behauptung auch? Vor allem in dieser pauschalen Form? Hätte sich der Bundesinnenminister in seiner „Feststellung" nicht wesentlich präziser ausdrücken müssen? Zumal der Öffentlichkeit bisher nur die „Masjid-Taiba" Moschee in Hamburg und das inzwischen verbotene „Multi-Kultizentrum" in Neu-Ulm bekannt sind, in denen offensichtlich Radikalisierung stattfand.
(http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/2009/12/10/11220.html)

Und auch auf der Internetpräsenz der SCHURA Hamburg befindet sich noch ein Artikel, der sich eindeutig gegen die (wie sie dort genannt wird) "Wahabi-Salafiya" richtet. Es handelt sich um einen Vortrag des SCHURA-Vorstandmitgliedes Norbert Müller, der sich zum Glauben der 12er-Schiiten (Rafidha) bekennt. Der Vortrag lautet zwar "Islamische Strömungen und Bewegungen und ihre Bedeutung", jedoch geht es inhaltlich lediglich um die Salafiya-Bewegung, die seiner Meinung nach in eine Reform-Salafiya und eine Wahabi-Salafiya aufgeteilt werden muß. Hier einige Ausschnitte:

Die Reform-Salafiya entstand Ende des 19./Anfang des 20. Jhdts. und richtete sich gegen die als erstarrt empfundenen traditionellen Rechtsschulen. Unter Umgehung theologischen Dogmatisierung der Rechtsschulen wollte man das theologische Denken der ersten drei Generationen der Muslime (Salaf) wieder beleben durch Praktizierung des Idschtihad, d.h. der unmittelbaren Rechtsfindung aus Qur´an und Sunna mittels des menschlichen Verstandes.
...
Von der Reform-Salafiya zu unterscheiden ist die Wahabi-Salafiya. Diese geht zurück auf Muhammad Abdul Wahab, einem Gelehrten, der im 18. Jhd. im zentralarabischen Nedschd lebte.
...
Abdul Wahab wollte in seiner Heimat überhaupt erst wieder den Standard zur Zeit des Propheten (s.a.s.) wieder herstellen durch strikte Einhaltung der religiösen Praxis der Salaf. Dies führte im Ergebnis zu einem theologischen Reduktionismus: Die traditionellen Madhahib erkennen den Unterschied zwischen der (abstrakten) überzeitlichen und überörtlichen Botschaft Allahs und deren Konkretisierung in der Übermittlung durch den Propheten (s.a.s.) an konkrete Menschen in einer bestimmten Zeitepoche an einem bestimmten Ort, wodurch die Praktizierung der Botschaft eine zeit- und ortsbedingte Auskleidung erhält. Dies negiert jedoch die Wahabi-Salafiya, indem sie die Praktizierung durch die Salaf zum einzig authentischen Islam erklärt und jede spätere Abweichung davon zur zu bekämpfenden bid´a (Neuerung). Ein weiteres zentrales Element der Wahabi-Salafiya ist seit jeher „Takfir", die Erklärung von Muslimen abweichender islamischer Richtungen zu im Glauben Irrgeleiteten bzw. vom Glauben Abgefallenen.

(http://www.schura-hamburg.de/index.php?option=com_content&view=article&id=92:islamische-stroemungen-und-bewegungen-und-ihre-bedeutung-&catid=46:startartikel)

Dies war nur ein sehr kleiner Ausschnitt und ich empfehle eine komplette Lektüre dieses Pamphlets.

Fazit:
Die Zusage, dass die SCHURA Hamburg sich nicht mehr öffentlich negativ zur Masjid-Taiba äussern wird, ist ein Fortschritt und auch ein Weg in die richtige Richtung. Dank und Lob gebührt hier an erster Stelle Allah -erhaben ist Er- und danach den beteiligten Brüdern der Masjid al-Nour. Auch die Niederschrift der desaströsen Rede von Dr Mustafa Yoldas, zum 10jährigen Bestehen der SCHURA (wir berichteten >>) ist augenscheinlich von der Internetpräsenz entfernt worden. Jedoch ist wohl nicht damit zu rechnen, dass sich diese Fortschritte auch auf die Milli-Görüs (die laut Norbert Müller ja angeblich eine reform-salafitische Bewegung ist) und die anderen SCHURA-Ableger auswirken wird.

Interessant wäre auch die Meinung der Vertreter der Masjid al-Nour zum o.g. Artikel von Norbert Müller. Denn laut dem stellvertretenden Imam der Masjid, vertreten auch sie die Aqida und den Manhaj der Salaf und ihre Dawa ist die Dawa-Salafiyya nach "wahhabitischer" Ausrichtung. Das dürfte dann wohl ein weiteres mal Stoff für eine Sitzung werden.

Euer Ibn Rainer

 

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