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Zynische Aufklärung über Afghanistan

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Gefunden am 16.07.2010 / hintergrund.de / Von THOMAS WAGNER

Wie zwei Bild-Journalisten die Bündnistreue zum Sachzwang stilisieren und dafür den Beifall des Verteidigungsministers ernten -

In Sachen Krieg in Afghanistan haben Regierung und Bundeswehr die deutsche Bevölkerung viele Jahre hinters Licht geführt. Da wurde schöngeredet, tabuisiert und gelogen, dass sich die Balken biegen. Vom Brunnen bauen war die Rede, von Mädchenschulen, Demokratie und Wiederaufbau eines geschundenen Landes. Von Krieg könne da keine Rede sein, hieß es einerseits aus dem Verteidigungsministerium, andererseits sei ein Abzug nicht möglich, da Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt werde. Nachdem im Rahmen der sogenannten Kundus-Affäre Stück für Stück ans Licht kam, in welchem Umfang Bundeswehr und Verteidigungsministerium zu täuschen bereit waren, dürfen Journalisten, die hinter die Fassaden der Macht blicken und über das Gesehene Tacheles reden, mit einiger Aufmerksamkeit ihrer Kolleginnen und Kollegen rechnen.

Und da das neue Buch der Bild-Journalisten Julian Reichelt und Jan Meyer schon im Untertitel verspricht darüber aufzuklären, Wie Politik und Bundeswehr die Wahrheit über Afghanistan vertuschen
(Julian Reichelt/Jan Meyer: Ruhet in Frieden, Soldaten! Wie Politik und Bundeswehr die Wahrheit über Afghanistan vertuschen. Köln, Fackelträger-Verlag 2010 ), war es auch nicht überraschend, dass am Mittwochnachmittag Hinz und Kunz bei der Buchvorstellung in der schlauchartigen Galerie des Café Einstein in Berlin, Unter den Linden erschienen.

Während der ehemalige Nachrichtensprecher Ulrich Wickert im Nachbarraum sichtlich ungerührt speiste, bemühten sich der ehemalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe und der Historker Michael Wolffsohn mehr oder weniger erfolgreich um einen Sitzplatz in dem hoffnungslos überfüllten Raum. „Ein kritisches, aufklärerisches Buch" hätten die Journalisten vorgelegt, sagte Jürgen Horbach, der Geschäftsführer des Fackelträger-Verlags, in dem das Buch erschienen ist, in seiner Begrüßungsansprache. Doch wie es mit dem aufklärerischen Anspruch wirklich bestellt war, sollte sich schon bald herausstellen. Denn unmittelbar im Anschluss an die kurze Rede des Verlagsvertreters schickte sich niemand geringeres als Karl-Theodor zu Guttenberg persönlich an, das Buch zu besprechen. Eine Kontroverse blieb jedoch aus. Vielmehr gratulierte der Verteidigungsminister den Bild-Journalisten zu ihrem Buch. Bei ihnen handele es sich um engagierte Autoren, die sich mit Fug und Recht als Experten bezeichnen dürften. Sie leisteten damit ihren Teil zu einer lange Zeit fehlenden, nun aber hart und intensiv geführten Debatte über den Afghanistan-Einsatz, der leider von Beginn an durch die Politik verharmlost worden sei. Nun aber könne endlich über die „Ausrüstungsnotwendigkeiten", die „Ausbildungsnotwendigkeiten" und die Rechtssicherheit der Soldaten im Einsatz gesprochen und die entsprechenden Maßnahmen ergriffen werden. (Im Klartext, den der Guttenberg in dieser Hinsicht aber nicht sprach, heißt das: schwere Artillerie nach Afghanistan, Töten lernen für den schmutzigen Guerilla-Krieg und die weitest mögliche Straffreiheit für dieses Töten.)

Nur in drei Punkten vertrat der Minister eine in Nuancen andere Sicht als die Autoren. ... [weiterlesen>>]

 

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