{"id":145,"date":"2011-03-30T20:18:32","date_gmt":"2011-03-30T20:18:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=145"},"modified":"2020-03-25T10:22:56","modified_gmt":"2020-03-25T10:22:56","slug":"repression-und-gesellschaftliche-isolierung-die-gefaehrliche-taktik-von-behoerden-und-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/repression-und-gesellschaftliche-isolierung-die-gefaehrliche-taktik-von-behoerden-und-medien\/","title":{"rendered":"Repression und gesellschaftliche Isolierung: Die gef\u00e4hrliche Taktik von Beh\u00f6rden und Medien"},"content":{"rendered":"<p><em>von Yahya ibn Rainer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Vorfall am 02.03.2011 in Frankfurt. Es ist also soweit gekommen. Die Medien feiern den <em>&#8222;ersten islamistischen Terroranschlag auf deutschem Boden&#8220;<\/em> (Welt, Spiegel, Stern, Tagesschau, u.v.m.), der neue Innenminister kann offen den <em>&#8222;Kampf gegen den Salafismus&#8220;<\/em> erkl\u00e4ren und die bundesdeutschen Beh\u00f6rden frohlocken, denn ihre Taktik ist aufgegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wirklich hinter den Kulissen vor sich geht, bleibt den allermeisten B\u00fcrgern dieses Landes verborgen. Man begn\u00fcgt sich mit der t\u00e4glichen Lekt\u00fcre der lokalen Tageszeitung und emp\u00f6rt sich bei Gelegenheit \u00fcber Berichte von angeblichen Hasspredigern, salafistischen Umtrieben und dschihadistischen Aktivit\u00e4ten. Aber n\u00e4her und tiefergehend m\u00f6chte man sich eigentlich nicht damit besch\u00e4ftigen, das sollen mal Verfassungsschutz, Kriminalamt und Staatsanwaltschaft machen, denn die wissen schon was sie tun, ihnen vertrauen wir\u2026<em>blind<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Fehler! Dies sage ich, als mittelbarer und unmittelbarer Betroffener.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfang 2007 traf ich f\u00fcr mich die Entscheidung, nach langer Zeit reiflicher \u00dcberlegung, endlich den Islam anzunehmen und somit meinem Leben einen radikalen Wendepunkt zu verschaffen. Ich war sehr gut vorbereitet und habe mir im Vorfeld sehr viele Gedanken dar\u00fcber gemacht welche islamische Glaubenslehre meiner innersten Veranlagung am n\u00e4chsten steht. Die Muslime und ihre Glaubenspraxis sind lange nicht so einig wie es von au\u00dfen manchmal den Anschein hat. Bereits kurz nach dem Ableben der Gesandten Allahs \u2013 Allah segne ihn und schenke ihm Heil \u2013 begannen die Muslime verschiedene Ansichten, Meinungen und Urteile zu entwickeln, und bis zum heutigen Zeitpunkt haben sich viele verschiedene theologische Schulen und Glaubenslehren herausgebildet. Ebenso wie es im Christentum viele verschiedene Konfessionen gibt (katholisch, evangelisch, evangelikal, neuapostolisch usw), so muss man auch als angehender Muslim eine wichtige Unterscheidung vornehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich entschloss mich bewusst f\u00fcr die atharische Glaubenslehre (Athariyya), die (neben der maturidischen und ascharitischen) zu den drei Glaubenslehren geh\u00f6rt, deren Anh\u00e4nger sich zum Sunnitentum bekennen, also die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit unter den Muslimen weltweit ausmacht. F\u00fcr mich war das nichts au\u00dfergew\u00f6hnliches und ich hatte nicht im Ansatz eine Ahnung davon, welche Folgen diese Entscheidung irgendwann in meinem Leben spielen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute, 4 Jahre sp\u00e4ter, stehe ich am Pranger. Ich gelte nicht nur als Islamist, Salafist und Dschihadist, sondern habe auch schon beh\u00f6rdliche Beschattungsma\u00dfnahmen und ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gef%C3%A4hrder#Aktuelle_Bedeutung\">Gef\u00e4hrder<\/a>-Gespr\u00e4ch hinter mir. Der Grund hierf\u00fcr ist mir schleierhaft, denn seit meiner Konversion bin ich weder strafrechtlich in Erscheinung getreten, noch trete ich in irgendeiner Weise gewaltt\u00e4tig und feindselig in der Gesellschaft auf. Ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe dem Konsum jeglicher Rauschmittel abgeschworen und bewege mich deshalb immer im Vollbesitz meiner sinnlichen Wahrnehmungen und geistigen Kr\u00e4fte unter den Menschen. Die Praxis meiner Religion fordert von mir eine Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit gegen\u00fcber meinen Mitmenschen. Wenn ich meine Wohnung verlasse, dann fasse ich oft bewusst die Absicht, den Menschen freundlich gegen\u00fcber zu treten, sie zu gr\u00fc\u00dfen, anzul\u00e4cheln, behilflich zu sein. Bei der Benutzung von \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln achte ich sehr darauf, dass alte und behinderte Mitmenschen einen Sitzplatz bekommen, obwohl ich selber eine k\u00f6rperliche Behinderung habe. Ich fasse h\u00e4ufig die Absicht auf meinen Wegen durch die Stadt ein offenes Auge f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen zu haben, helfe M\u00fcttern mit Kinderwagen Treppen hinauf und hinunter, hebe den Rollator \u00e4lterer Herrschaften in oder aus den Bus und reiche meinen Arm als St\u00fctze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich pers\u00f6nlich sehe mich in diesem Zustand, als praktizierender Muslim, wertvoller f\u00fcr diese Gesellschaft an, als ich es zuvor war. Aber trotzdem habe ich keine Chance auf Anerkennung und Respekt. Mittlerweile ist es hier in Hamburg sogar schon soweit, dass sich Moschee-Vorst\u00e4nde an die Beh\u00f6rden und Medien wenden, wenn ich und Muslime meinesgleichen in ihren Moscheen auftauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kommt nicht von ungef\u00e4hr. Diese Entwicklung ist Teil einer Taktik, um eine Bewegung zu isolieren, die aktiv und offen den Islam lebt und dazu einl\u00e4dt und damit viel Resonanz in der Gesellschaft erzeugt \u2026 negative wie positive. In dieser Taktik arbeiten Beh\u00f6rden und Medien auf eine fast be\u00e4ngstigende Weise zusammen. Scheinbar streng geheime Ermittlungsakten verlassen auf dubiose Weise die Verfassungs- und Kriminalbeh\u00f6rden und tauchen bei TV- und Zeitungsredaktionen wieder auf. Moschee-Vereine werden verboten und die Neuaufteilung der ehemaligen Besucher in andere Moscheen penibel verzeichnet und medial ausgeschlachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird aktiv daran gearbeitet die \u2013 oft noch jungen \u2013 Muslime einer bestimmten islamischen Konfession von der Gesellschaft zu isolieren. Dabei arbeitet man ungeniert mit <em>Islamisten<\/em> konkurrierender Konfessionen zusammen und nimmt wissentlich die Gefahren in Kauf, die mit einer solchen Isolierung einhergehen. Muslimische Vereine und Moscheen werden drangsaliert, verleumdet und verboten, die Mitglieder und Besucher dieser Einrichtungen gesellschaftlich ge\u00e4chtet und verfolgt. Hier ein Beispiel:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Al-Quds- bzw Taiba-Moschee<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Al-Quds-Moschee war mein erster Anlaufpunkt in Hamburg. Dort habe ich vor Zeugen mein Glaubensbekenntnis ausgesprochen, dort habe ich in Unterrichten den Islam erlernt und den gr\u00f6\u00dften Teil meiner gottesdienstlichen Handlungen vollzogen. Mir wurde diese Moschee von einem bekannten Prediger als die einzige empfohlen, die in Hamburg die atharische Glaubenslehre praktiziert, lebt und lehrt. Sicherlich war mir aus den Medien bekannt, dass in dieser Moschee ehemals Muslime verkehrten, die ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Anschl\u00e4ge vom 11. September verantwortlich gemacht wurden und ich hatte deswegen auch ein wenig Skrupel, aber einen Versuch war es mir wert und ich hatte ja jederzeit die M\u00f6glichkeit die Moschee zu wechseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es war nicht ann\u00e4hernd so wie man es aus den Medienberichten kannte. Keine dunklen R\u00e4ume mit d\u00fcster schauenden b\u00e4rtigen M\u00e4nnern und hallenden Hasspredigten. Ich betrat einen sehr hellen Gebetsraum, denn die gesamte Front des Raumes bestand aus gro\u00dfen Fenstern. Es gab dort M\u00e4nner mit und ohne Bart, \u00e4ltere, j\u00fcngere und sogar Kinder tobten durch den Gebetsraum. Die Menschen sahen zufrieden und freundlich aus und auch der Bruder, der mich dann in Empfang nahm, hatte ein freundliches und einladendes L\u00e4cheln. Dieser erste Eindruck blieb f\u00fcr den gesamten Zeitraum meines Aufenthaltes dort erhalten, bis der Tr\u00e4gerverein der Moschee dann im August 2010 verboten wurde und damit auch die Moschee geschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der gesamten Zeit in dieser vorz\u00fcglichen Moschee vernahm ich nie auch nur einen einzigen Aufruf zur Gewalt und zum kriegerischen Dschihad. Niemand versuchte mich f\u00fcr irgendwelche Kampfgruppen zu rekrutieren oder versuchte mich von irgendwelchen Handlungen zu \u00fcberzeugen die in Deutschland verboten sind. Sobald ich aber drau\u00dfen war, zeichnete sich ein anderes Bild ab. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (zumeist um den 11. September herum) fand die Moschee Erw\u00e4hnung in der Lokalpresse und in den g\u00e4ngigen Hetzbl\u00e4ttern des Boulevard. Die Besucher und Verantwortlichen in der Moschee juckte das nicht gro\u00dfartig. &#8222;Das sind wir gewohnt,\u2026&#8220; h\u00f6rte ich nur, &#8222;\u2026da kann man nichts machen.&#8220;. Ich war da anderer Meinung und begann mich f\u00fcr den Verein und die Moschee zu engagieren. Ich besorgte mir ein wenig Webspace und kreierte eine Internetpr\u00e4senz f\u00fcr die Moschee. Ich machte die Moschee f\u00fcr die Au\u00dfenwelt transparent, die diversen Unterrichte und ihre Zeiten wurden offengelegt, eine Selbstdarstellung wurde formuliert und online gestellt und zu fast jeder Medienregung bez\u00fcglich der Moschee gab es eine Stellungnahme. Wir empfingen sogar ein Fernsehteam des NDR, dem wir alle R\u00e4umlichkeiten zeigten und bereitwillig Auskunft gaben. Von ihnen bekamen wir auch den Impuls die Selbstdarstellung dahingehend zu erweitern, dass wir uns explizit von Gewalt gegen Unschuldige und Unbeteiligte lossagen. Hier ein Auszug aus der damaligen Selbstdarstellung:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein jeder Krieg ist etwas grausames. Ein Krieg hat nur Opfer. Ein gerechter Frieden jedoch hat nur Sieger.<br \/>\nBesonders schlimm ist ein Krieg jedoch, wenn Unschuldige und Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen werden. Egal auf welcher Seite eines Konfliktes diese Opfer auch zu beklagen sind und v\u00f6llig egal auch, ob man ihre Einbeziehung als Terrorismus oder Kollateralschaden bezeichnet. Wir empfinden es als eine Ungerechtigkeit und unterst\u00fctzen keine Sichtweise die diesen Umstand als gerechtfertigt ansieht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war der festen \u00dcberzeugung, dass dieser Weg der richtige war. Transparenz und Offenheit. Noch vor der Schlie\u00dfung des Vereins nahm ich \u00fcber mehrere Wochen hinweg regelm\u00e4\u00dfig einen interessierten Journalisten des SPIEGEL mit in die Moschee. Wir besuchten die Moschee zu allen Zeiten, uneingeschr\u00e4nkt und ohne vorherige Ank\u00fcndigung. Egal ob es Freitagsgebete waren oder ganz normaler Moschee-Alltag, er konnte kommen wann er wollte und wir bewegten uns im ganzen Geb\u00e4ude, auch im B\u00fcrobereich, wo normalerweise kein Besucherverkehr war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das, was ich als Fortschritt empfand und wovon ich mir positive Ver\u00e4nderungen versprach, war f\u00fcr die Beh\u00f6rden und ihre Taktik wohl alles andere als positiv. Auf einer Versammlung der Stadtteil-Moscheen, die regelm\u00e4\u00dfig vom B\u00fcnabe (B\u00fcrgernaher Beamter) des Stadtteils in den R\u00e4umlichkeiten der Polizei abgehalten wurde und f\u00fcr an dessen Teilnahme ich mich im Verein stark machte, wurden wir offen von der beisitzenden &#8222;Islamexpertin&#8220; des LKA verbal angegriffen. Etwas sp\u00e4ter begann dann auch die Beschattung meiner Person durch hamburgische Beh\u00f6rden und letztendlich kam es auch zu einem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gef%C3%A4hrder#Aktuelle_Bedeutung\">Gef\u00e4hrder<\/a>-Gespr\u00e4ch mit einem Beamten des Verfassungsschutzes. Ich wurde auf einmal in die N\u00e4he des &#8222;islamistischen Terrorismus&#8220; ger\u00fcckt und man \u00fcberlegte mich als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gef%C3%A4hrder#Aktuelle_Bedeutung\">Gef\u00e4hrder<\/a> zu f\u00fchren, die h\u00f6chste Einstufung. Die Beschattung war teilweise derma\u00dfen offensichtlich, dass sich mir der Eindruck aufdr\u00e4ngte, Ziel von staatlicher Repression zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ende dieser Geschichte ist den meisten ja bekannt. Nach der Ank\u00fcndigung des Hamburger B\u00fcrgermeisters Ole von Beust, das Amt abgeben zu wollen, sah ein Innensenator namens Ahlhaus die Zeit gekommen dem Spuk von Transparenz, Offenheit und Dialogbereitschaft ein Ende zu setzen, um sich in den Medien als starken Mann in den Fokus der B\u00fcrger versetzen zu lassen. Man hatte die Moschee \u00fcber Jahre lang in einer Art &#8222;gut \u00fcberwachten Isolation&#8220; existieren lassen, aber nun wurde dieser Zustand der Isolation aufgebrochen, und das mit einem klaren Bekenntnis zur Gesellschaft und Teil dessen sein zu wollen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Verein steht jedem Menschen offen. Nicht nur Muslime sind bei uns gern gesehen. Auch Angeh\u00f6rige anderer Glaubensrichtungen sind herzlichst eingeladen und k\u00f6nnen sich bei uns \u00fcber den Islam informieren oder mit Problemen zu uns kommen. Wir bieten gerne unsere Hilfe an, wenn es um Verst\u00e4ndnisprobleme geht: Seien diese sprachlich oder zwischenmenschlich. Bei Interesse sind wir zu gesellschaftlichen Kooperationen bereit. Austausch, Hilfestellung und gemeinsame Zielsetzung sind Bestandteile, die auch wir f\u00fcr ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben f\u00fcr n\u00f6tig halten. [\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider ist ein fortschreitender Werteverfall auch in der muslimischen Gemeinschaft zu beobachten. Die steigende Jugendkriminalit\u00e4t in unserer Gesellschaft ist besorgniserregend und der \u00fcberdurchschnittliche Anteil an Jugendlichen aus muslimischem Elternhaus ist nicht zu \u00fcbersehen. Diese Tatsache ist nicht nur eine Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft, sondern auch eine Frage der Glaubw\u00fcrdigkeit f\u00fcr die Muslime in diesem Land. Menschen, die den Islam praktizieren, werden zwangsweise mit diesem Problem konfrontiert und zu Recht auch in die Pflicht genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einem Muslim ist es bei Strafe verboten, zu stehlen, zu betr\u00fcgen und seinen Mitmenschen gegen\u00fcber grundlos gewaltt\u00e4tig aufzutreten. Genauso ist auch der Konsum, Kauf, Verkauf und Umgang mit Rauschmitteln absolut verboten. Wir Muslime glauben fest daran, f\u00fcr unser Handeln vor dem allm\u00e4chtigen Gott verantwortlich zu sein und f\u00fcr derartige Verfehlungen dereinst schwer bestraft zu werden. Dieses Wissen \u00fcber Verbotenes und Verpflichtendes wollen wir verst\u00e4rkt an die muslimische Jugend vermitteln und ihnen eine Orientierungshilfe bieten, indem wir ihnen eine Aufgabe in der Gemeinschaft und in der Gesellschaft zuteilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00f6chten Ansprechpartner und Dienstleister sein, wenn es um Fragen des interkulturellen und interreligi\u00f6sen Umgangs geht. Wir m\u00f6chten offen erkennbar unsere Hand ausstrecken und energisch vorhandene Schranken beseitigen. Wir w\u00fcnschen uns eine Renaissance des Islams wie er wirklich ist und das inmitten unserer deutsch-hamburgischen Gesellschaft als deren Bestandteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ausz\u00fcge aus der Selbstdarstellung der verbotenen Taiba-Moschee)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat aber niemanden interessiert. Das Verbot wurde gefeiert, Ahlhaus heimste Lob ein und wurde letztendlich auch der Nachfolger des B\u00fcrgermeisters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was war mit den zahlreichen (hunderten) Besuchern der Moschee? Sie haben eine Gebetsst\u00e4tte und einen sozialen Treffpunkt verloren. Nun musste man sich eine neue Gebetsst\u00e4tte suchen. Die Medien jedoch (und sicherlich auch die Beh\u00f6rden) haben unter den muslimischen Gemeinden den Samen der Angst ges\u00e4t. Niemand wollte als n\u00e4chstes im Fokus der Medien und Beh\u00f6rden sein und so kam es zu schrecklichen Reaktionen. Es gab Moscheen und Funktion\u00e4re, die wohl keinen besseren Weg sahen, als \u00f6ffentlich von &#8222;Unterwanderung durch Salafisten&#8220; zu sprechen wenn ehemalige Besucher der Taiba-Moschee in ihre Moscheen kamen. Moscheen die nicht so handelten und uns mit offenen Armen aufnahmen (wie es sich geh\u00f6rt), wurden schnell zum &#8222;neuen Treffpunkt&#8220; hochstlilisiert und mit &#8222;Salafismus und Dschihadismus&#8220; in Verbindung gebracht. In Pinneberg f\u00fchrte diese Vorgehensweise k\u00fcrzlich sogar zur Schlie\u00dfung eines Gebetsraumes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was macht ein junger praktizierender Muslim, der keine geeignete Gebetsst\u00e4tte findet? Er bleibt zuhause!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich merke es momentan am eigenen Leibe. Seit der Schlie\u00dfung der Taiba-Moschee verbringe ich die meiste Zeit in den eigenen vier W\u00e4nden. Die einzige st\u00e4ndige Verbindung zu den Glaubensgenossen in Hamburg und ganz Deutschland beschr\u00e4nkt sich gr\u00f6\u00dftenteils auf das Internet, ein Ort wo sich die Isolierten vernetzen k\u00f6nnen, der einzige Freiraum. Aber das Internet birgt Gefahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Moschee hat f\u00fcr gew\u00f6hnlich eine Art Autorit\u00e4t, einen Imam, der Wissen in religi\u00f6sen Angelegenheit hat und an den sich Muslime bei Fragen und N\u00f6ten wenden k\u00f6nnen. Ist aber keine Moschee vorhanden, dann fehlt diese Autorit\u00e4t und die jungen, meist noch unwissenden Muslime holen sich ihr Wissen im Internet. Das Internet aber unterscheidet sich hier ganz grundlegend von einem Imam, denn Sheikh Google versorgt den Muslim mit einer Menge von Urteilen, und das richtige Urteil unter ihnen zu finden, dass bleibt letztendlich dem Suchenden \u00fcberlassen. Oft greift in diesem Moment etwas, was im islamischen Wortgebrauch als <em>Hawa<\/em> (Gel\u00fcste) bekannt ist. Der Suchende sucht sich das Urteil heraus, dass am ehesten seinen Neigungen entspricht. Und Sheikh Google ist das absolut egal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Problem ist innerhalb der muslimischen Gemeinschaft durchaus bekannt. Durch eigenst\u00e4ndiges, unbeaufsichtigtes Studium im Internet sind Gruppen und Gr\u00fcppchen entstanden, die sich ihre eigenen Foren und Gemeinschaften gr\u00fcndeten und sich gegenseitig mit ungepr\u00fcftem Material versorgen. Diese digitalen Gr\u00fcppchen haben sich verselbstst\u00e4ndigt und haben sich dem Einfluss von wissenden und weisen Imamen entzogen. Hier findet insbesondere auch eine Emotionalisierung statt und man verf\u00e4llt dem Hang zur \u00dcbertreibung \u2026 ein Grundstein auf dem Wege zur Eskalation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Taiba-Moschee wurde etwa ein Jahr vor der Schlie\u00dfung ein spezieller Aqida-Unterricht eingef\u00fchrt, der sich insbesondere mit der \u00dcbertreibung im Takfir auseinandersetzte und die Scheinbeweise der Ghulaat (\u00dcbertreiber) widerlegte. Dieser Unterricht wurde explizit als Reaktion auf die Entwicklungen im Internet eingef\u00fchrt und war \u00fcberaus erfolgreich. Derartige Unterrichte gibt es heute nicht mehr und ich erlebe momentan \u2013 speziell hier in Hamburg \u2013 die Auswirkungen dieses Mangels. Die Verantwortlichen daf\u00fcr sind die Damen und Herren der Beh\u00f6rden und Medien, die mit ihren Anstrengungen genau diese Entwicklung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei sind sie ja bereits eines Besseren belehrt worden. Im Falle des Bruders Arid. U. aus Frankfurt kamen ja Beh\u00f6rden und Medien einhellig zum Schluss, dass es sich hier um eine <em>Radikalisierung im Internet<\/em> handelte. Beschuldigungen gegen diverse Vereine und Prediger konnten weder belegt, noch begr\u00fcndet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der einzige Weg aus dieser Zwickm\u00fchle ist ein ehrlicher Dialog und ein Ende der beh\u00f6rdlichen und medialen Hetzjagd gegen offen t\u00e4tige Vereine und Prediger. Dort wo es aktive und bekannte Vereine und Moscheen gibt, dort werden sich die jungen Muslime auch weniger im Internet aufhalten und sich ihr Wissen in Angesicht zu Angesicht von wahren Autorit\u00e4ten holen. Aber das d\u00fcrfte wohl ein Wunschtraum bleiben. Denn die Taktik im Kampf gegen den sogenannten <em>SALAFISMUS<\/em> scheint festzustehen: Eskalation durch Repression und gesellschaftliche Isolierung !<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie neulich in Pinneberg. Ein junger Bruder hatte auf seiner Internetseite einen Agitator gegen den dortigen Gebetsraum als &#8222;dreckigen Juden&#8220; bezeichnet und hatte darauf hingewiesen, dass Allah der Erhabene nicht nur im Jenseits Seine Strafe vollstreckt, sondern auch im Diesseits. Da es sich bei dem Herrn wirklich um einen Juden handelte, sorgte das nat\u00fcrlich sofort f\u00fcr einen gro\u00dfen Wirbel. Der Moschee-Vorstand reagierte, besuchte die B\u00fcrgermeisterin, entschuldigte sich bei dem beleidigten Herrn und lud beide zu einem Gespr\u00e4ch in die Moschee ein. Beide kamen nicht. Statt dessen gab es einen Runden Tisch der Religionen, nat\u00fcrlich unter Ausschluss der kleinen Moschee-Gemeinde, daf\u00fcr aber mit dem Leiter des schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzes, Herrn Eger. Seine Meinung dazu, wieso es keinen Dialog mit uns geben sollte ist folgende:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eger warnte: Die Erfahrung zeige, dass ideologisierte Islamisten in Diskussionen oft die Unwahrheit sagten. \u201eDas ist verlorene Zeit\u201c, sagte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(http:\/\/www.uena.de\/lokales\/nachrichten\/index.php\/2929703)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute gibt es den Gebetsraum in Pinneberg nicht mehr. Der Vermieter hatte, auf Druck der Gemeinde hin, den Mietvertrag gek\u00fcndigt. Und wieder eine handvoll junger Muslime ohne Gebetsraum, \u2026 aber im Internet ist ja noch massig Platz. Ein Hoch auf die Internetradikalisierung\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya ibn Rainer Nach dem Vorfall am 02.03.2011 in Frankfurt. Es ist also soweit gekommen. 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