{"id":1529,"date":"2012-09-19T17:00:08","date_gmt":"2012-09-19T17:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1529"},"modified":"2015-04-09T17:01:55","modified_gmt":"2015-04-09T17:01:55","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-04-verwaltung-der-rechtspflege-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-04-verwaltung-der-rechtspflege-33\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 04 \u2013 Verwaltung der Rechtspflege (3\/3)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich will hier einige Gesetze der Wahaby erw\u00e4hnen, welche auf den Koran und die Traditionen Mohammeds gegr\u00fcndet sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein <em>haramy<\/em> oder R\u00e4uber muss die gestohlenen G\u00fcter, oder ihren Wert zur\u00fcckgeben; ist aber der Diebstahl ohne Anwendung von Gewalt ausgef\u00fchrt worden, so kommt er ohne weitere Bestrafung davon, au\u00dfer einer Bu\u00dfe in den Fiskus. Ist eine T\u00fcr erbrochen worden bei Ausf\u00fchrung des Raubes, so wird dem Diebe die Hand abgeschnitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Wer seinen Gegner in einem Streite mit Dolch, oder Pistole t\u00f6tet, wird zum Tode verdammt. T\u00f6tet er ihn durch einen Schlag mit einem Stock, oder mit einem Stein, so wird er als Totschl\u00e4ger betrachtet und zahlt nur den Preis des Blutes, indem er nicht mit einer t\u00f6dlichen Waffe versehen gewesen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Preis des Blutes bei den Wahaby ist auf 100 weibliche Kamele festgesetzt worden, und zwar nach dem Verh\u00e4ltnisse, welches Abu Bakr aufgestellt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Saud sch\u00e4tzte jedes Kamel auf 8 Spanische Dollars, und die festgesetzte Summe betr\u00e4gt jetzt 800 Dollars.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer einem Wahaby flucht, oder ihn \u201eUngl\u00e4ubiger&#8220; schimpft, zieht sich schwere Strafen zu. Die Schimpfworte werden bei den Wahaby mit gro\u00dfer Sorgfalt erwogen. Das schlimmste Schimpfwort, durch welches man noch nicht das Gesetz \u00fcbertritt, besteht dann, jemand einen \u201eHund\u201c zu nennen. Ein gew\u00f6hnliches Schimpfwort ist, dass man sagt: \u201eO T\u00e4ter\u201d (worunter n\u00e4mlich so viel verstanden ist, als \u00dcbelt\u00e4ter), oder: \u201eO Unterlasser\u201c (d. h. n\u00e4mlich, Unterlasser religi\u00f6ser und geselliger Pflichten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bl\u00f6cke, namens <em>debabe<\/em>, in welche die F\u00fc\u00dfe der Gefangenen festgeschlossen werden, sind nur f\u00fcr die unteren Klassen. Saud hatte ein Gef\u00e4ngnis in seiner eigenen Behausung f\u00fcr Personen von Qualit\u00e4t und besonders f\u00fcr solche, die verurteilt waren, eine gewisse Summe zu zahlen, aber Armut vorsch\u00fctzen und sich der Entscheidung nicht f\u00fcgen wollen. In manchen F\u00e4llen werden sie so lange eingekerkert, bis sie zahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vernachl\u00e4ssigung religi\u00f6ser Pflicht wird immer streng bestraft. Ich habe bereits der Strafe Erw\u00e4hnung getan, die auf Unterlassung des Betens gesetzt ist. Nachdem Saud Medinah genommen hatte, gab er einigen von seinen Leuten nach dem Gebet in der Moschee den Befehl, die Namen aller erwachsenen Einwohner der Stadt laut aufzurufen. Die Aufgerufenen mussten antworten und dadurch ihre Gegenwart beweisen. Er befahl ihnen dann, regelm\u00e4\u00dfig das Gebet zu besuchen, und, wenn einer von ihnen zwei, oder dreimal fehlte, so sendete Saud einige seiner Araber, die den Mann in seinem eigenen Hause pr\u00fcgeln mussten. In Mekka lie\u00df er seine Leute, wenn die Stunde des Gebetes herannahte, mit gro\u00dfen St\u00f6cken durch die Stra\u00dfen ziehen und alle Einwohner mit Gewalt in die Moschee treiben. Dies war allerdings ein rauhes Verfahren, rechtfertigte sich aber durch die bekannte Irreligiosit\u00e4t der Bewohner von Mekka. Saud ist immer \u00e4u\u00dferst p\u00fcnktlich gewesen, was die Unternehmung der Wallfahrt nach Mekka anlangt. Sobald es nur in seiner Macht stand, erschien er mit Tausenden seiner Araber, M\u00e4nnern und Weibern, an diesem heiligen Orte. Seine letzte Wallfahrt hat er im Jahr 1812 gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Saud gab sich M\u00fche, unter seinen Leuten der h\u00e4usigen Ehescheidung Einhalt zu tun, die in geselliger und sittlicher Hinsicht so nachteilige Folgen bringt. Wenn er h\u00f6rte, dass ein Araber sagte: \u201eIch schw\u00f6re bei der Scheidung.\u201d so lie\u00df er Denselben auspr\u00fcgeln. Wenn jemand das Fasten des Ramadan ohne legitime Ursache brach, so hatte er das Leben verwirkt. Abd el Azyz, der noch weit strenger, als sein Sohn war, hat einst einen Araber wegen dieses Verbrechens hinrichten lassen. \u00d6ffentlich Tabak zu rauchen, ist verboten, aber es ist eine bekannte Sache, dass alle Bewohner von Nedschid in ihren H\u00e4usern diese Gewohnheit fortsetzen, ja selbst die Wahaby des Nachts in ihren Lagern. Bei der Einnahme von Mekka gab Saud den Befehl, dass alle Einwohner der Stadt ihre persischen Pfeifen (von den Arabern <em>schische<\/em> genannt) auf einen gr\u00fcnen Platz vor dem Hause bringen sollten, in welchem er wohnte. Nachdem daraus ein gro\u00dfer Haufen gebildet worden war, z\u00fcndete er denselben nebst allem Tabak an, den er in den Kaufl\u00e4den finden konnte. Einige Zeit nachher meldete ihm einer aus seinem Gefolge, dass die Bewohner von Mekka seine Befehle nicht achteten und noch immer rauchten. \u201eWo hast du sie rauchen sehen?\u201d fragte Saud. \u201eIn ihren eigenen H\u00e4usern\u201d, antwortete der Ankl\u00e4ger. \u201eWei\u00dft du nicht, erwiderte Saud, dass da geschrieben steht: Du sollst nicht ausspionieren die Geheimnisse der H\u00e4user des Gl\u00e4ubigen.\u201d Nachdem er diesen Spruch des Koran angef\u00fchrt hatte, lie\u00df er den Angeber durchpr\u00fcgeln, und von dem Rauchen in den Privatwohnungen wurde fernerhin keine Notiz genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mekkaner erinnern sich noch immer dankbar der trefflichen Mannszucht, welche Saud bei seinen h\u00e4ufigen Besuchen in Mekka unter seinen Truppen zu erhalten wusste, und besonders zu jener Zeit, als er die Stadt nahm. Mit derselben Aufmerksamkeit wacht er bei einer Unternehmung \u00fcber seine Soldaten; und wer von ihm das Wort <em>Aman<\/em>, oder sicheres Geleit, erh\u00e4lt, kann sich vollkommen darauf verlassen, dass sich die Truppen nicht \u00fcbel gegen ihn benehmen werden. Als ein Beispiel von der Ehrlichkeit der Wahaby wurde erw\u00e4hnt, dass man einige von ihnen oft im Tempel zu Mekka bemerke, um sich nach den Eigent\u00fcmern verlorener Dinge, die sie gefunden hatten und gern zur\u00fcckgeben wollten, umzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Saud besch\u00fctzte immer in seinem Gebiete den Verkehr, nur durfte er nicht mit denen getrieben werden, welche er ketzerische Muselm\u00e4nner nannte. Der Hauptartikel des Verkehrs in Nedschid sind Lebensmittel, und hier kaufen nun die St\u00e4mme aus dem inneren der W\u00fcste, was sie bed\u00fcrfen. Und da Jahre der Teuerung oft eintreten, so speicherten reiche Leute gro\u00dfe Quantit\u00e4ten Getreide auf. Diese hatten von Saud nicht die geringste St\u00f6rung zu erwarten, und er lie\u00df sie, wenn die Zeit der Not eingetreten war, nach ihren Preisen verkaufen, wie schwer sie auch dem Armen fallen mochten; denn er sagte: Mohammed habe nie den Kaufleuten verboten, aus ihren Kapitalien den m\u00f6glich gr\u00f6\u00dften Gewinn zu ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wucher und Geld auf Zinsen zu leihen (was unter den Beduinen nicht ungew\u00f6hnlich ist), verbot er unter schweren Strafen, indem es der ausdr\u00fccklichen Fassung des Gesetzes entgegen sei. Wenn Geld verliehen wurde, so bestanden die Bedingungen gew\u00f6hnlich darin, den Verlust mit zu tragen, aber auch die H\u00e4lfte des Gewinnes zu ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahaby besitzen kein selbstgepr\u00e4gtes Geld. Dollars sind allgemein im Umlauf, und Artikel von geringem Werte werden nach Getreidema\u00dfen gesch\u00e4tzt, oder mit den alten Kupferm\u00fcnzen der Imam&#8217;s von Jemen gekauft. Venetianische Zechinen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> werden auch genommen, aber keine einzige t\u00fcrkische M\u00fcnze. Wenn w\u00e4hrend des letzten Krieges in Hedschaz die Wahaby t\u00fcrkische Soldaten t\u00f6teten und pl\u00fcnderten und in den Taschen derselben t\u00fcrkische Piaster fanden, so warfen sie dieselben mit Verachtung auf die Erde.<\/p>\n<p>___________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Eine Goldm\u00fcnze, die in ganz Europa verbreitet war<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will hier einige Gesetze der Wahaby erw\u00e4hnen, welche auf den Koran und die Traditionen Mohammeds gegr\u00fcndet sind: Ein haramy oder R\u00e4uber muss die gestohlenen G\u00fcter, oder ihren Wert zur\u00fcckgeben; ist aber der Diebstahl ohne Anwendung von Gewalt ausgef\u00fchrt worden, so kommt er ohne weitere Bestrafung davon, au\u00dfer einer Bu\u00dfe in den Fiskus. 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